Absenkung des Phosphors im Futter für Mastschweine: Auswirkungen auf Leistung, Fundament und Knochen

Schweine in der Box
Die Ausscheidungen von Stickstoff und Phosphor über die Tiere gilt es weiter zu minimieren, zumal eine Novellierung der seit 2017 bestehenden Düngeverordnung bevorsteht. Die Mast von Schweinen mit sehr geringen Mengen an beziehungsweise gänzlich ohne mineralischen Phosphor im Mineralfutter wird deshalb propagiert. Praktiker und Forscher berichten diesbezüglich von guten Leistungen bei reduzierten Phosphorgehalten. Andererseits gibt es auch Berichte von geringeren täglichen Zunahmen bei starker Phosphorreduzierung im Leistungsbereich über 1000 Gramm tägliche Zunahmen. In einer Versuchsreihe mit Mastschweinen in Schwarzenau wurde getestet, wie sich das gänzliche Weglassen von mineralischem Phosphor im Mineralfutter auf die Leistung, die Phosphorbilanz, dem Bewegungsapparat sowie die Knochen auswirkt.

Versuchsdurchführung

Insgesamt wurden 3 Versuche am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 96 (Versuch 1), 48 (Versuch 2) und 192 (Versuch 3) Mastläufer ausgewählt und nach Lebendmasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf vier (Versuch 1 und 3) beziehungsweise zwei Versuchsgruppen (Versuch 2) aufgeteilt. In Versuch 1 und 2 wurde den Tieren das Futter an Abrufstationen mit automatischer Futterverwiegung für das Einzeltier zugeteilt. In Versuch 3 wurde flüssig am Langtrog mit Sensortechnik gefüttert.

Versuch 1

  • Gruppe A, Kontrolle: 2,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter während der gesamten Mast
  • Gruppe B, Phosphorreduzierungsstufe 1: 2,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter der Vor- und Mittelmast; 0,1 Prozent Phosphor im Mineralfutter der Endmast
  • Gruppe C, Phosphorreduzierungsstufe 2: 2,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter der Vormast; 0,1 Prozent Phosphor im Mineralfutter der Mittel- und Endmast
  • Gruppe D, Phosphorreduzierungsstufe 3: 0,1 Prozent Phosphor im Mineralfutter während der gesamten Mast

Versuch 2

  • Gruppe A, Kontrolle: 1,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter während der gesamten Mast
  • Gruppe B, Kein Phosphor im Mineralfutter während der gesamten Mast

Versuch 3

  • Gruppe A, Kontrolle: 1,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter während der gesamten Mast
  • Gruppe B, 1,5 Prozent Phosphor im Mineralfutter zu Mastbeginn, kein Phosphor im Mineralfutter während der Mittel- und Endmast
In allen Mineralfuttermitteln von Versuch 1 waren 30.000 Einheiten (FYT) einer 6-Phytase enthalten. In Versuch 2 und 3 waren die Mineralfutter mit 4.170 Einheiten (OTU) einer anderen 6-Phytase ausgestattet. In nachfolgender Tabelle sind die analysierten Phosphorgehalte der einzelnen Versuchsmischungen der Versuche zusammengestellt.
Versuch 1 bis 2: Phosphorgehalte im Futter in den Gruppen und Mastabschnitten in Gramm pro Kilogramm Futter
 AnfangsmastMittelmastEndmast
Versuch 1, Gruppe A4,34,03,8
Versuch 1, Gruppe B4,34,03,1
Versuch 1, Gruppe C4,33,33,1
Versuch 1, Gruppe D3,63,33,1
Versuch 2, Gruppe A4,44,03,6
Versuch 2, Gruppe B3,63,63,3
Versuch 3, Gruppe A4,03,93,8
Versuch 3, Gruppe B4,03,83,1
Neben den Mast- und Schlachtleistungsparametern wurde zusätzlich in den Versuchen 1 und 2 eine Fundamentbeurteilung anhand der "Linearen Beschreibung" nach Hilgers und Höhn durchgeführt. Darüber hinaus wurden in Versuch 1 der Aschegehalt im Oberarmknochen sowie der Kalzium- und Phosphorgehalt in der Knochenasche ermittelt.

Ergebnisse

Die Mast- und Schlachtleistungen sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. Versuch 1 startete mit einem Ferkelgewicht von knapp 33 Kilogramm, während es in den Versuchen 2 und 3 nur etwa 28 Kilogramm waren. Dies erklärt unter anderem den Leistungsunterschied zwischen den Versuchen.
Die Herausnahme von mineralischem Phosphor aus den Rationen beeinflusste in den Versuchen 1 und 2 weder die Mast- noch die Schlachtleistungen signifikant. In Versuch 3 wurden signifikant niedrigere Tageszunahmen sowie ein signifikant ungünstigerer Futteraufwand pro kg Zuwachs in der Testgruppe mit Phosphorreduzierung festgestellt.

In Versuch 1 wurden keine signifikanten Unterschiede im Aschegehalt im Oberarmknochen (Os humerus) festgestellt. Der Aschegehalt lag in Behandlung D numerisch etwas niedriger. Auf den Phosphor- und Kalziumgehalt in der Knochenasche zeigte die Phosphorreduzierung im Mineralfutter keinen gerichteten Effekt. Signifikant höhere Werte wurden in Behandlung B mit 0,1 Prozent Phosphor im Mineralfutter ab 90 Kilogramm Lebendmasse gefunden.
Versuch 1 bis 2: Mast- und Schlachtleistungen
 Versuch 1Versuch 1Versuch 1Versuch 1Versuch 2Versuch 2Versuch 3Versuch 3
 Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe DGruppe AGruppe BGruppe AGruppe B
Tägliche Zunahmen (g)846806824827761789814781
Futterverbrauch (kg pro Tier und Tag)2,22,12,22,22,02,12,22,3
Futteraufwand (kg pro kg Zuwachs)2,62,72,72,72,62,72,82,9
Muskelfleischanteil (%)61,060,760,860,460,860,860,360,6
Fleischanteil im Bauch (%)58,858,758,858,359,459,259,259,2
Versuch 1: Knochenmineralisierung
 Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe D
Asche im Knochen (%)67,467,367,965,8
Kalzium in der Knochenasche (g/kg)366419361367
Phosphor in der Knochenasche (g/kg)188214182187
Bei der Fundamentbeurteilung anhand der Linearen Beschreibung waren in Versuch 1 und 2 keine Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen zu erkennen. Alle Merkmale lagen sowohl bei Mastbeginn als auch kurz vor dem Schlachttermin nahe am Optimum bei einer nur geringen Streuung.

Fazit

In den Versuchen ließen sich durch die Reduzierung des mineralischen Phosphors im Mineralfutter die Phosphorausscheidungen deutlich reduzieren (11 bis knapp 20 Prozent). Während sich in den Versuchen 1 und 2 kein negativer Effekt auf Futteraufnahme und Leistung zeigte, konnte dies im 3. Versuch nicht bestätigt werden. Die Testgruppe hatte hier um 35 Gramm signifikant niedrigere Tageszunahmen. Ein sehr niedriger Phosphorgehalt im Endmastfutter sowie ein Influenzaausbruch zu Beginn des Versuchs könnten ursächlich dafür sein. Die unterschiedlichen Ergebnisse aus der Versuchsreihe verdeutlichen, dass hier noch ein erheblicher Forschungsbedarf besteht.
Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: S. Scherb, G. Propstmeier, A. Nüßlein
Laufzeit: Januar 2017 bis März 2019