Wildtiermanagement
Gute fachliche Praxis bei Beutegreiferanwesenheit

Mann kontrolliert Zaun an einer Weide mit Schafherde

Die Spannung eines Elektrozaunes muss regelmäßig geprüft werden
Foto: M. Wagenpfeil, AELF Pfaffenhofen

Die Wahrscheinlichkeit eines Übergriffes durch einen Großbeutegreifer kann durch die Anwendung von speziellen Schutzmaßnahmen deutlich verringert werden.

Neben deren Anwendung kann der Nutztierhalter den Schutz seiner Herde vor allem dadurch verbessern, dass er die bestehende Sorgfaltspflicht in gefährdeten Gebieten besonders ernst nimmt. Das heißt vor allem häufigere Kontrollen, stärkere Weidegeräte und besondere Aufmerksamkeit wenn sich die Herde in Waldnähe befindet. Die Gefahrenlage ist jeden Tag neu zu ermitteln und entsprechend muss darauf reagiert werden. Um Wölfe von der Herde fernzuhalten, kann es anfangs beispielsweise schon helfen, wenn die mitgeführten Hütehunde das Pferchgelände markieren und somit besetzen.
Nachts sollte die Herde – vor allem während der Geburtsphase – sicher eingepfercht bzw. eingekoppelt, bei Stallnähe eingestallt werden. Tiere und Einzäunung sind konsequent zu kontrollieren, wobei besonders auf folgende Punkte zu achten ist:

Tiere:

  • Fehlen Tiere?
  • Ist die Herde unruhig?
  • Gab es Lammungen?
  • Fehlen Tiere?
  • Sind Tiere sichtbar erkrankt?
  • Sind Tiere verendet?

Zäune:

  • Ist das Weidetor in Ordnung?
  • Gibt es Löcher im Zaun?
  • Ist der Zaun straff gespannt?
  • Stecken die Pfähle fest in der Erde?
  • Ist die Spannung ausreichend?

Grundregeln für die Zäunung bei Anwesenheit von großen Beutegreifern

Die Einzäunung einer Koppel kann nur dann Schutz vor Großbeutegreifern bieten, wenn sie sowohl eine mechanische (z.B. keine Einschlupfmöglichkeiten) als auch eine optische (z.B. deutlich erkennbar) und psychische (z.B. ausreichend elektrifiziert) Barriere darstellt. Die Anschaffung eines komplett neuen Zaunsystems wird hierfür in den wenigsten Fällen nötig sein. Vielmehr kann die Schutzwirkung des bereits bestehenden Zaunes deutlich verbessert werden, wenn einige Hinweise zum Aufbau des Zaunes sowie der Lage der Koppel beachtet werden:

Lage Nachtpferch bzw. Koppel

  • allseitige Einzäunung (Wasserläufe stellen keine Barriere da, daher immer zäunen!)
  • möglichst große Distanz zu Wald
  • Einsprungmöglichkeiten (z.B. Bäume, höheres Gelände) entdecken und meiden

Zaunbauweise

  • Bodenabstand der untersten Litze maximal 20 cm
  • unterste und oberste Litze, wenn möglich optisch auffällig (breite Litzen verwenden)
  • Abstand zwischen Litzen maximal 25 cm
  • Litzen straff spannen
  • Höhe des Zaunes an Gefälle des Geländes anpassen
    (z.T. Erhöhung des Zaunes um ca. 50 cm notwendig)
  • Geländeunebenheiten richtig zäunen
  • konsequente (in der Regel tägliche) Kontrolle

Negativbeispiele: Zäune, die keinen Schutz gegen Großbeutegreifer bieten

Wiese mit Zaun

Abstand zur obersten Litze zu groß

Wiese mit Zaun

Zaun mit Einschlupfmöglichkeiten

Wiese mit Zaun

Einsprung erleichtert

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