Fachinformationen
Zusammenarbeit der Bayerischen Landesanstalt mit Pferde-Verbänden und -Organisationen in München Riem

Pferd Stadion Riem
Die enge Zusammenarbeit der staatlichen Mitarbeiter mit den in Riem ansässigen Verbänden aus Zucht und Sport hat sich bis heute bewährt. Die Leistungsprüfungen sind auch nach der Privatisierung eine wichtige Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung und die Zuchtberatung. Überbetriebliche Maßnahmen und Prüfungen für den Beruf Pferdewirt finden auf dem Gelände statt und die fachliche Leitung der Zuchtverbände wird von den staatlichen Zuchtleitern wahr genommen.

Privatisierungen und Neubauten

In den vergangenen 20 Jahren wurden in zunehmendem Maße die Aufgaben privatisiert, zuerst entfiel der staatliche Körzwang, der Staat zog sich bei der Vermarktung von Zuchtprodukten zurück und übergab die Fohlenregistrierung an den neu gegründeten Pferdeerzeugerring. Die technische Leitung der Landeskommission und die Amateurausbildung wurden vom Bayerischen Reit- und Fahrverband übernommen. Im Rahmen der Privatisierung war eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Verbänden notwendig, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Das Landesamt für Pferdezucht und Pferdesport, gegründet 1986 wurde 1997 organisatorisch in die Landesanstalt für Tierzucht Grub eingegliedert. Aufgrund der Beanstandungen des Obersten Bayerischen Rechnungshofes beschloss die Staatsregierung, die staatliche Pferdehaltung in Achselschwang und München-Riem aufzugeben. Das Landwirtschaftsministerium wollte bei der Verpachtung der Olympia Reitanlage jedoch nicht mehrere Vertragspartner. Deshalb schlossen sich fünf Vereine und Organisationen, die bisher schon die Anlage genutzt hatten, zu der Olympia Reitanlagen GmbH zusammen. Der Staat übergab die Zuständigkeit für die Leitungsprüfungen auf Station und die Durchführung der überbetrieblichen Maßnahmen für die Pferdewirte an die GmbH. Für die Übernahme der Aufgaben, notwendige Neubaumaßnahmen sowie den Bauunterhalt unterstützt der Freistaat Bayern die GmbH finanziell.

Die Landesreit-und Fahrschule

Die Bayerische Landesreit- und Fahrschule als staatliche Behörde in Riem hatte die Aufgaben, die staatlichen Körungen der Hengste, Zuchtberatung, Durchführung der Leitungsprüfungen auf Station, sowie die Durchführung von Ausbildungsmassnahmen für Reiter und Fahrer im Amateur- und Profibereich. Als zuständige Stelle für den Beruf Pferdewirt ist die LfL bis heute verantwortlich für die Planung und Durchführung aller Prüfungen für Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister. Für diese Aufgaben stand nach den Olympischen Spielen 1972 die 30 ha große Olympia Reitanlage zur Verfügung, die zum einen Teil vom Staat mit bis zu 45 Mitarbeiter betrieben wurde, der andere Teil wurde von der Reitakademie privatwirtschaftlich unterhalten.

Die Olympia Reitanlagen GmbH

Die Olympia Reitanlagen GmbH wurde 2000 gegründet und beschreibt ihre Aufgaben folgendermaßen:
Sinn und Zweck der Gesellschaft ist die Erhaltung und Nutzung der Olympia Reitanlage in München-Riem zu Zwecken des Pferdesports und der Pferdezucht sowie allen damit in Verbindung stehenden Aktivitäten. Neben dieser Aufgabe ist die Gesellschaft auch berechtigt, die Anlage für Veranstaltungen kommerzieller und kultureller Art zu nutzen.

Olympiareitanlagen GmbH Externer Link

Neubau von Stallungen Verwaltungsgebäude mit Gästehaus, Reithalle und Nebengebäude

Pferd Reitanlage Riem
Kurz nach der Privatisierung der Reitanlage zum 01.01.2001 wurde mit umfangreichen Baumaßnahmen begonnen. Nach Abriss der Stallungen mit Wohneinheiten, die noch seit Olympischen Spielen in Gebrauch waren, wurden von den 2 Verbänden Bayerischer Reit-und Fahrverband (maßgeblich beeinflusst durch den damaligen Vorsitzenden Gustav Adolf Blum) und Landesverband Bayerischer Pferdezüchter die schon vor der Privatierung weitgendst abgeschlossenen Planungen in die Realität umgesetzt.
Nach einjähriger Bauzeit waren die 2 modernen Stalltrakte nit Neben- und Schlungsräumen, das Verwaltungsgeäude mit dem Gästehaus, die neue Reithalle mit Seminarräumen sowie die Bergehalle fertig gestellt. Leider hat der Prototyp der Mistverbrennungsanlage, die das Problem Mistentsorgung und hohe Heizkosten in einem lösen sollte, bis heute nicht richtig funktioniert.

Unterstützung durch den Bayerischen Staat

Pferd Edmund Stoiber bei der Eröffnung der Reitanlage 2003 und Verleihung des Equus

Pferd Edmund Stoiber bei der Eröffnung der Reitanlage 2003 und Verleihung des Equus

Dass die Olympia-Reitanlage in neuem Glanz erstahlen kann, ist der hohe Verdienst der bayerischen Staatsregierung, wobei Staatsminister Josef Miller als der Fachminister seine ganz besondere Fürsprache geltend machte, die bei seinem Kabinettskollegen und vor allen Dingen beim Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber fruchtete. Dem good will der bayerischen
Staatsregierung ist es zu verdanken, dass die prächtige Olympia-Reitanlage nicht nur erhalten werden konnte, sondern zu einem modernen, in hohem Maße funktionsfähigen Pferdesport- und Zuchtzentrum ausgebaut werden konnte.
Bei der Eröffungsfeier, die mit der Verleihung Equuspreise an Edmund Soiber verbunden wurde sagte Stoiber unter anderem: „im Pferdesport ist eine Siegestrophäe immer eine Gemeinschaftsleistung von Pferd und Reiter. Auch die erneuerte und erweiterte Olympia-Reitanlage ist eine Teamleistung in enger Abstimmung mit Staatsminister Miller und den Vertretern aus Pferdezucht und Pferdesport konnte eine tragfähige Lösung für das alte Olympia-Reitanlage entwickelt werden. Allen war klar: es wäre ein Frevel gewesen, diese olympische Anlage erkommen zu lassen.“
Inzwischen wurden vom Freistaat Bayern hohe Zuschüsse für Ersatzbauten für die Stallungen und Unterstellmöglichkeiten in der abgerissen Tribühne erstellt und für die Renovierung der Olympiareithalle.

Geschichte Olympiareitanlage München-Riem und Sprengung des Daches

Sprengung des Daches des Olympia Reitstadions (18. Januar 2008)

Reitstadion München-Riem

Reitstadion in München-Riem

Das Tribünendach und der Richterturm waren jahrzentelang aufgrund Ihrer außergewöhnlichen, einmaligen Konstruktion die Wahrzeichen des Olympiareitstadions. 7000 überdachte Plätze, ca.140 m lang, ca. 40 m breit, ein Restaurant für 200 Gäste im Obergeschoss, 50 Reporterkabinen, separater WC-Turm, der Richterturm mit einem faszinierenden Überblick über das gesamte Gelände und eine für damalige Verhältnisse sensationelle Anzeigentafel. Die Konstruktion des Tribünendaches wareine einmalige und kühne Architektur. Die Dachträger ragten etwa 45 Meter über die Tribüne, der Zuschauerbereich ohne störende Pfeiler. Leider mangelte es, nicht zuletzt auch aus Zeitgründen, an der Bauausführung. Laut Gutachten war die Holzkonstruktion defekt, die Leimbinder lösten sich langsam auf. 1984 zertrümmerten zudem Hagelkörner das Dach, Wasser drang ein und gravierende Schäden waren die Folge. Die Tribüne musste gesperrt werden, eine Sanierung wäre zu kostenaufwändig geworden. Deshalb entschloss man sich Tribüne und Richterturm zu beseitigen.
Es hat "wumm" gemacht!
Seit Anfang Dezember 2007 wurde entkernt und entsorgt, Richterturm und Anzeigentafel Stück für Stück abgetragen. Und dann war es soweit. Planmäßig drückte Sprengmeister Eduard "Edi" Reisch auf den Knopf. Zuvor hatte er an den 25 Stützpfeilern 200 Bohrlöcher vorbereitet und mit je 50 Gramm Sprengstoff bestückt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag bewachte er höchstpersönlich seine hochexplosive Mischung und legte am Freitag Vormittag eine Zündschnur bis zum "Feldherrnhügel" hinter den Grasplätzen. 400 Mann Polizei, Feuerwehr und THW sicherten das komplette Gelände ab und zogen einen Sicherheitsgürtel. Dann pünktlich der Knopfdruck. Das Dach löst sich gleichzeitig von den Stützpfeilern und stürzt mit einem einzigen tiefen Grollen zu Boden. Dann eine merkwürdige Stille. Das war's. Ganz schnell war alles vorbei. Ein Stück olympische Geschichte, eine bis in die heutige Zeit einmalige, außergewöhnliche Dachkonstruktion ist zu Boden gegangen.

Geschichte der Olympiareitanlage München-Riem

Reitanlage Riem 1937, Bild: Stadteilgeschichte Trudering
Geschichte der Reitanlage in München Riem
Riem kann auf eine inzwischen siebzigjährige Geschichte mit mehreren Besitzern zurücksehen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die damals 6.500 m2 mehrfach durch private Initiativen unter hohem Einsatz vor dem Zugriff anderweitiger Nutzung bewahrt. So übernahm 1960 die neu gegründete Reiterstadion GmbH die Anlage vom Deutschen Reiter- und Fahrverband, der diese 2 Jahre zuvor vom Münchner Rennverein erstanden hatte.

Mit der Gründung des Vereins Reitakademie im Jahr 1958 wurde der Reitsport in Riem wieder auf höchstes internationales Niveau gehoben. Als prägender Ausbilder in Riem war Ottokar Pohlmann zuständig, seine damaligen Lehrlinge wirken noch jetzt weltweit. In den 60er Jahren wurden dann auch wieder Turniere veranstaltet, die sich in kurzer Zeit internationaler Beteiligung erfreuten.
Die Reiterstadion GmbH (die nicht mit der jetzigen Olympia Reitanlagen GmbH zu tun hatte) veräußerte die Anlage an die Olympiabaugesellschaft. Für die Olympischen Spiele wurde die Anlage auf das jetzige Ausmass von 27 ha erweitert. Auf diesem und dem Gelände des angrenzenden Galopp Rennvereins entstanden die Olympiareithalle, das Olympiastadion sowie Stallungen für 384 Pferde und ein Quarantänestall.
Mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Zuschauern war das Reitstadion einzigartig. 1972 rangen dort Reiter in den Disziplinen Springen, Vielseitigkeit und im modernen Fünfkampf um olympisches Edelmetall.
Nach der Olympiade fiel die Reitanlage an den Freistaat Bayern. Sehr schnell bemerkte man, dass das riesige Stadion mit Reitsportveranstaltungen nur sehr schwer zu füllen war. Wegen der hohen Unterhaltskosten plante man schon 15 Jahre nach der Erbauung den Abriss der überdachten Tribünenanlage. Im Januar 2008 wurde die überdachte Tribüne des Olympia Reitstadions abgerissen.
Als Ausbilder drückten Siegfried Dehníng bei der Reitakademie und Günter Festerling als Leiter der bayerischen Landesreit- und Fahrschule massgeblich ihren Stempel auf, die Leistungsprüfungsanstalt für Hengste und Stuten hatte sich in ganz Deutschland einen guten Ruf erworben.
Die berittene Polizei übernahm im Jahr 1973 mit dem Hufeisentrakt einen der schönsten Teile der Anlage. Diese Stallungen waren in den 30er Jahren sehr pferdegerecht erbaut worden und sind heute noch in Gebrauch, während die 1971 erbauten Stallungen architektonisch sehr reizvoll wirkten mit ihren "Schmetterlingsdächern", sich aber nicht als besonders zweckorientiert erwiesen. Deshalb wurden 2 Stalltrakte mit Nebenräumen durch Neubauten ersetzt.
Schon Ende der 90er Jahre war abzusehen, dass sich der Staat im Rahmen der Privatisierung zunehmend einiger Aufgaben entledigen würde. Hierzu gehörte auch der Betrieb der Olympia Reitenlage. Das Landwirtschaftsministerium wollte die Anlage jedoch nicht zersplittern und forderte für die Verpachtung einen Vertragspartner. Deshalb schlossen sich die in Riem ansässigen Zuchtverbände mit dem bayerischen Reit- und Fahrverband, der Reitakademie München und dem FRB zur neuen Olympia Reitanlagen GmbH zusammen und übernahmen zum Jahresbeginn 2001 mit der Olympia Reitanlage auch die Aufgaben der Durchführung der Leistungsprüfungen auf Station, sowie die praktischen Ausbildungsmaßnahmen für die Pferdewirte.

In Riem ansässige Institutionen und Nachbarn