BLUP-Tiermodell: kombinierte Zuchtwertschätzung für Haflinger und Edelbluthaflinger

Siegerstute Edelbluthaflinger Landesschau 2015

Haflingerstute

Die Bewertung der äußeren Erscheinung ist eine wichtige Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung.

Zuchtwertschätzung bedeutet, wie es das Wort schon aussagt, die Schätzung des Wertes eines Tieres für die Zucht. Diese Schätzung wird im Laufe des Lebens eines Pferdes öfters und von verschiedenen Personen vorgenommen. Als erstes beurteilt der Züchter sein neu geborenes Fohlen. Er wird es mit anderen Augen betrachten als beispielsweise eine Kommission zur Fohlenschau oder Fohlenprämierung. Für das männliche Fohlen hat die Schätzung seines Zuchtwertes meistens einschneidende Bedeutung, 90 Prozent verlieren danach die Männlichkeit, weil der Wert des Tieres für die Zucht als zu niedrig eingeschätzt wird. Die nächsten Selektionsstufen sind die Stutbuchaufnahme für die weiblichen und Körung für die männlichen Tiere im Alter von 2,5 bis 3 Jahren. Hierbei schätzen gewählte Kommissionen des Zuchtverbandes den Wert der Pferde, den sie für die Zucht einmal haben könnten. Nach absolvierter Leistungsprüfung entscheidet der Stutenbesitzer, ob und mit welchem Hengst er seine Zuchtstute bedecken wird.
Was will der Züchter?
Bei allen Beurteilungen steht der Wunsch im Vordergrund, ein Fohlen zu ziehen, das dem Zuchtziel möglichst nahe kommt. Bei der Abschätzung der Eignung von Hengst und Stute als Elterntiere werden neben den Eigenleistungen auch die Erfolge von Verwandten herangezogen. „Die Mutter hat schon zwei Prämienfohlen gebracht und aus der Großmutter habe ich 3 Staatsprämienstuten und einen gekörten Hengst gezogen“ berichten Züchter, über Väter und Großväter liegen oft noch mehr Informationen vor. Aus diesem teilweise sehr umfangreichen Wissen schätzt der Stutenbesitzer den Wert von Hengst und Stute für die Zucht ab, er führt seine „eigene Zuchtwertschätzung“ durch.
Wenn von einem Elterntier unendlich viele Nachkommen auf der Welt sind, spricht man von einem realisierten Zuchtwert. In der Rinderzucht sind dies oft mehrere zigtausend Nachkommen eines Bullen, der sich sehr gut vererbt hat. Bei den Pferden werden diese Dimensionen nicht erreicht, allerdings können bei Hengsten die Eigenleistungen von Körung und Stationsprüfung mit berücksichtigt werden, während bei Bullen selber keine Milchleistung erfasst werden kann. Andererseits kann das Merkmal Milchmenge einer Kuh sehr exakt genau gemessen werden, während die Merkmale beim Pferd auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet werden und damit einer subjektiven Beurteilung unterliegen.

Datengrundlage

Welche Informationen werden bei der kombinierten Zuchtwertschätzung Haflinger genutzt?
Bei der kombinierten Zuchtwertschätzung Haflinger/Edelbluthaflinger werden alle verfügbaren Informationen der Population genutzt. Dies sind die Bewertungen der Fohlenschauen, der Stutbucheintragungen und Körungen sowie der Hengst- und Stutenleistungsprüfungen.
 Anzahl Datensätze gesamtAnzahl neuer Datensätze 2019 (2018)
Hengstleistungsprüfung84914 (8)
SLP Station3.27858 (47)
SLP Feld1.38878 (79)
Körung1.62423 (29)
Stutbucheintragung: Bayern12.164119 (97)
Sachsen- Thüringen3.530 
Brandenburg Anhalt1.294 
Fohlenschauen4.907108 (84)

Die Berechnung der kombinierten Zuchtwerte

Die Berechnung der Zuchtwerte erfolgt im Tiermodell für die 14 Einzelmerkmale gleichzeitig. Dabei finden die genetischen Parameter Erblichkeitsgrad und genetische Beziehungen der Merkmale untereinander Beachtung. Der Leistung von Vorfahren kommt in jungen Jahren eines Tieres mehr Bedeutung zu und nimmt im Lauf seines Lebens in dem Masse ab, wie Eigenleistung und später Leistungen der Nachkommen mit in die Berechnung einfließen. Die Berechnung gibt für jedes Tier Einzelzuchtwerte für 14 Merkmale aus, die Zuchtwerte befinden sich einer Größenordnung zwischen –1,5 und +2,5, wobei ein negatives Vorzeichen einen schlechteren Zuchtwert und ein positives Vorzeichen einen besseren Zuchtwert bedeutet. Zur besseren Darstellung werden die Zuchtwerte standardisiert. Hierbei werden die Zuchtwerte so eingestellt, dass die aktive Population der Jahrgänge 2006 bis 2012 im Mittel von 100 Punkte und eine Standardabweichung von 20 Punkten haben. Von diesen Tieren liegen schon Eigen- und Nachkommenleistungen vor und deshalb können die Zuchtwerte mit hoher Sicherheit geschätzt werden.
Liegt ein Zuchtwert in einem Merkmal über 100 so ist zu erwarten, dass der Hengst oder die Stute sich in diesem Merkmal besser als der Durchschnitt vererben wird. Liegt er unter 100 ist nicht mit einer Verbesserung zu rechnen.
Die Sicherheiten unbedingt beachten!
Die Sicherheiten der Zuchtwerte ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit, dass sich der ausgewiesene Zuchtwert noch ändern wird und liegt zwischen 0 Prozent (keine Informationen vorhanden) und 100 Prozent (unendlich viele Nachkommen mit Leistungsdaten). Je mehr Informationen vorliegen, desto höher ist die Sicherheit. Aufgrund der Informationen von Vater und Mutter vor der ersten Bewertung des Tieres selber kann eine Sicherheit von ca. 30 Prozent erreicht werden. Nach der Körung beträgt die Sicherheit der Hengste zwischen 50 und 60 Prozent (abhängig vom Informationsgrad der Verwandtschaft insbesondere Vater, Mutter und Geschwister). Mit der Eigenleistungsprüfung steigt die Sicherheit im Gesamtzuchtwert um gut 10 Prozent an.
Bei der Fohlenschau werden die ersten Nachkommen der Hengste beurteilt, der Hengst ist dann mindestens 4 Jahre alt. Idealerweise werden alle Nachkommen eines Hengste vorgestellt, leider sind für eine ausreichende Beurteilung oft nicht genug Fohlen geboren worden. Bei mindestens 10 bewerteten Fohlen steigt die Sicherheit auf über 80 Prozent, kann sich aber mit den Herdbucheintragungen der Nachkommen noch einmal verändern. Wenn die ersten männlichen Nachkommen zur Körung vorgestellt werden, ist der Hengst mindestens 6 Jahre alt. Bei den ersten weiblichen Nachkommen zur Stutbuchaufnahme ist der Hengst mindestens 7 Jahre alt.

Zusammenfassung der Einzelzuchtwerte zu Teilzuchtwerten und Gesamtzuchtwert

Neben den 14 Einzelzuchtwerten wird ein Gesamtzuchtwert(GZW) ermittelt, in dem alle Einzelmerkmale in einer ganz bestimmten Gewichtung vertreten sind. Außerdem werden noch die Teilzuchtwerte für Reiten, Fahren und für das Exterieur berechnet und ausgewiesen. Die Gewichtungen für Teilzuchtwerte und Gesamtzuchtwert spiegeln die wirtschaftliche Bedeutung der Einzelmerkmale für die jeweilige Nutzungsrichtung wieder. Der Rassebeirat des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter überprüft diese Gewichtungen in regelmäßigen Abständen und korrigiert diese bei Bedarf.
 GesamtzuchtwertZuchtwert ReitenZuchtwert FahrenZuchtwert Exterieur
Umgänglichkeit5%10%10% 
Lern-und Leistungsbereitschaft2,5%5%5% 
Leistungsfähigkeit5%10%5% 
Rittigkeit10%25%  
Springanlage7,5%10%  
Trab7,5%10%15%10%
Galopp7,5%10% 10%
Schritt7,5%10%15%10%
Fahrtauglichkeit10% 50% 
Geländeveranlagung7,5%10%  
Stockmaß0%   
Typ10%  20%
Gebäude10%  20%
Fundament10%  30%
Was passiert mit „ausländischen“ Pferden?
Für die kombinierte Zuchtwertschätzung können natürlich nur die Daten verwendet werden, die vollständig vorhanden sind. Dies sind die Bewertungen bei Stutbuchaufnahmen und Körungen in Bayern und Sachsen-Thüringen und die Fohlenschauen in Bayern. Von den Hengstleistungsprüfungen liegen die Werte von den Stationen in Deutschland Moritzburg, München-Riem, Münster-Handorf und Warendorf vor, für die Stuten sind dies die Noten aus Stations- und Feldprüfungen aus Bayern, Sachsen-Thüringen und Urspring. Ist ein Hengst woanders gekört worden (beispielsweise Schleswig-Holstein oder Südtirol), so liegen in der Regel keine Eintragungsnoten vor. Ebenso fehlen Informationen, wenn ein Haflinger in Österreich oder Südtirol eine Leistungsprüfung absolviert haben sollte. Kommt ein Hengst dann in Bayern zum Einsatz, ist erst mit der Information der Nachkommen eine Zuchtwertschätzung möglich; eine Veröffentlichung erfolgt erst, wenn die Sicherheit mindestens 50 Prozent beträgt.

Veröffentlichung der Zuchtwerte
Die Ergebnisse der kombinierten Zuchtwertschätzung werden seit dem Jahr 2000 in Zeitschriften und im Internet veröffentlicht.
Seit 2001 sind diese Zahlen auch grafisch dargestellt im Hengstverteilungsplan des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter enthalten. Außerdem kann man sie auch in sämtlichen Katalogen und auf der Homepage des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter finden.

Hengstverteilungsplan Haflinger/Edelbluthafinger des Landesverbandes Bayerischer Pferdezüchter e.V. Externer Link

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