Tierwohl
Zwergwuchs beim Fleckvieh

Fleckvieh-Zwergwuchskalb vor der Stallung

Fleckvieh-Zwergwuchskalb
Foto: ZuchtData Wien

„Zwergwuchs“ bei Fleckvieh ist schon seit langer Zeit bekannt. Aktuelle Hinweise aus der Praxis veranlassten kürzlich Wissenschaftler der ZuchtData Wien, diesem Phänomen auf den (genetischen) Grund zu gehen. Mithilfe der konsequenten Vorgangsweise der OÖ Besamungsstation ist es gelungen, einen Bereich im Rindergenom zu identifizieren, der direkt mit dem Phänotyp „Zwergwuchs“ in Verbindung steht.

Es handelt sich dabei um einen Bereich, der homozygot (d. h. in jeweils einer Kopie von Vater und Mutter an das Tier weitergegeben) in einem Tier vorliegen muss, damit der Phänotyp ausgeprägt wird. Zwergwüchsige Kälber kommen beim Fleckvieh sehr selten vor, sie weisen niedrige Geburtsgewichte und ein eingeschränktes Wachstum auf. Die verwendete Bezeichnung „DW“ bezieht sich auf den englischen Begriff „dwarfism“ für Zwergwuchs.

Risikoanpaarungen vermeiden

Durch die gewonnenen Kenntnisse ist es nun auf einfache Art und Weise möglich, die Frequenz dieser Mutation in der Population niedrig zu halten bzw. weiter zu reduzieren. Wir empfehlen daher, Bullen, die Träger des Allels sind, nicht mehr für den Besamung- und Natursprungeinsatz zu selektieren und wir raten dringend dazu, Risikoanpaarungen strikt zu vermeiden. So sollte beispielsweise der Merkmalsträger WILLE nicht an Tiere angepaart werden, bei denen ein anderer Merkmalsträger im Pedigree aufscheint. Andererseits dürfen die zahlreichen WILLE-Töchter keinesfalls mit DW-Trägern belegt werden.

Betroffene Besamungsbullen, die Anlagenträger sind

Betroffene Besamungsbullen, die Anlageträger sind, werden in der Onlineanwendung BaZI-Rind gekennzeichnet bzw. können über die Suchmaske selektiert werden.
Von der Befruchtung bis zum Ende der Aufzuchtphase sind es zahlreiche Letal- und Subvitalfaktoren, die uns neben umweltbedingten Einflüssen (z.B. Infektionen während der Trächtigkeit) nicht unbedeutende Ausfälle bescheren. Der im Zuge der Genomselektion aufgebaute riesige Pool an Typisierungsdaten - er beinhaltet die Genominformation von inzwischen mehr als 9000 Besamungsbullen - und die von der Wissenschaft entwickelten modernen Werkzeuge geben uns Mittel in die Hand, den genetisch bedingten Teil dieser Verluste Stück für Stück zu reduzieren. Wir wollen diese Mittel rasch nutzen und mit einer offensiven und transparenten länderübergreifenden Strategie den Status des Fleckviehs als die Fitnessrasse konsequent weiter ausbauen.
Quelle: AGÖF, ASR und Dr. Reiner Emmerling, August 2013

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