Tierwohl
ZinkDefizienzLike-Syndrom (ZDL) beim Fleckvieh

Inzwischen sind alle typisierten Fleckvieh-Besamungsbullen auch auf ZinkDefizienzLike (ZDL) getestet.

Erkenntnisstand

Kalb mit Hautveränderungen am KopfZoombild vorhanden

Typische Hautveränderung im Endstadium des ZDL-Syndroms, Foto: Gollnick, LMU München

In den vergangenen Jahren wurden einige Kälber in sehr schlechtem Allgemeinzustand und mit entzündlichen Hautveränderungen an der Klinik für Wiederkäuer in München vorgestellt. Eine Zinkmangelerkrankung konnte nicht nachgewiesen werden. Nachfolgend wurden acht Kälber typisiert, wodurch ein Abschnitt im Genom (Haplotyp) dieser Kälber identifiziert werden konnte, welcher reinerbig zum Ausbruch der Krankheit führt. Bisher konnte kein adultes reinerbiges Tier gefunden werden, das heißt, dass betroffene Kälber sehr wahrscheinlich im Alter von einigen Wochen bis wenigen Monaten verenden. Mischerbige (heterozygote) Tiere sind hingegen vollkommen gesund. Die Allelfrequenz liegt bei rund 1 Prozent, daher ist mit einem betroffenen Kalb bei 10.000 Zufallsanpaarungen zu rechnen. Aufgrund der phänotypischen Ähnlichkeit des Syndroms zum Zinkmangel (Zinkdefizienz) wird dieser genetische Defekt mit ZDL (ZinkDefizienzLike) abgekürzt.

Empfehlungen

Das ZDL-Syndrom ist einerseits mit Schmerz und Tierleid verbunden, andererseits bietet die festgestellte niedrige Allelfrequenz von ca. 1 Prozent in der Population bei sehr konsequentem züchterischem Vorgehen die Chance eine schnelle Rückführung der Fallhäufigkeit zu erreichen. Folgende züchterische Maßnahmen werden deshalb empfohlen:
  • Grundsätzlich: Risikoanpaarungen strikt vermeiden, d.h. Anlageträger keinesfalls an Tiere anpaaren, bei denen ein anderer Merkmalsträger im Pedigree aufscheint (besonders auf Vater und Muttersvater achten)
  • KB-Stiere mit Trägerstatus nur noch gezielt im Rahmen von Zuchtprogrammen einsetzen, z.B. zur Erhaltung der genetischen Vielfalt (Linien)
  • Bei der Selektion müssen Kandidaten für KB und Natursprung einen ZDL-freien Status aufweisen
  • Bei den Selektionsmaßnahmen ist zu berücksichtigen, dass der derzeit verfügbare Haplotypentest für ZDL nur eine Sicherheit von rund 60 Prozent hat. Vermutliche Anlageträger (ZDL?), die für einen Zuchteinsatz interessant sind, müssen mit dem direkten Gentest nachgetestet werden. Dafür setzen Sie sich bitte mit ihrem Zuchtverband in Verbindung.

Betroffene Besamungsbullen, die Anlagenträger sind

Betroffene Besamungsbullen, die Anlageträger sind, werden in der Onlineanwendung BaZI-Rind gekennzeichnet bzw. können über die Suchmaske selektiert werden.
Quelle: ASR (in enger Abstimmung mit der AGÖF) und Dr. Reiner Emmerling, Oktober 2013

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