Tierwohl
Hornloszucht – aktueller denn je

Fressende Kuh steht auf Wiese

Züchterisch natürlich hornlose Kühe werden im Rahmen von "Bayern-Polled" gezielt angepaart, Foto: Berchtold

Die Züchtung natürlich hornloser Fleckviehbullen ist aus den Zuchtprogrammen der Verbände nicht mehr wegzudenken. Infolgedessen wächst das Angebot der hornlos vererbenden Besamungstiere zusehends. Die Rekrutierung erfolgt dabei aus den gezielten Anpaarungen von geeigneten Bullenmüttern.

In dem speziell für die Erzeugung hornloser Genetik ausgerichteten Programm "Bayern-Polled" werden genetisch interessante weibliche Zuchttiere mit Hornlosstatus vom LKV an die Fachzentren für Rinderzucht gemeldet. Im letzten Jahr wurden über diesen Weg 725 Kühe und 812 Jungrinder für eine gezielte Anpaarung selektiert. "Bayern-Polled" fördert somit den Pfad Bulle hornlos/gehörnt auf hornlose Kühe und Jungrinder.
LiniendiagrammZoombild vorhanden

Entwicklung der Anpaarungen über "Bayern-Polled" bei Fleckvieh

In der Grafik werden die erfreulichen Entwicklungen der Anzahl hornloser Kühe und Jungrinder mit Paarungsempfehlungen durch die Fachzentren Rinderzucht im Rahmen des Hornlosprogramms Bayern-Polled aufgezeigt. Der Zeitraum umfasst jeweils 01.10. bis 30.09. des Folgejahres.

Über 60 Bullen zur Auswahl

Betrachtet man die Gesamtheit der Bullenmütter, so ist es über den Pfad Bulle hornlos mal genetisch gehörnte Kuh natürlich genauso möglich, vielversprechende hornlose Kandidaten zu erzeugen. Hierfür werden seit einigen Jahren im Segment der genomischen Jungvererber (gJV) nach jedem Zuchtwertschätztermin auch drei bis vier hornlose Bullen als Bullenväter ausgewählt. Im Zeitraum 01.10.2017 bis 30.09.2018 wurden von den Fachzentren insgesamt rund 4000 Anpaarungsempfehlungen auf Bullenmütter ausgeprochen, in der Hoffnung, ein aufzuchtwürdiges natürlich hornloses Bullenkalb zu erzeugen. Die beliebtesten Bullen waren dabei Montane Pp*, Wookie Pp* und Madril PP*.
Aus der Analyse des letztjährigen Zuchtprogrammes kann der Hornloszucht eine vielversprechende Prognose attestiert werden. Aus den zwei Programmvarianten Bayern-Polled und Gezielte Paarung wird sich eine große Palette an interessanten hornlosen Bullenkälbern ergeben, wobei aber auch der Effekt aus den daraus hervorgehenden Kuhkälbern langfristig einen großen Nutzen bringt. Aus der Anpaarung mit den derzeit noch zum Großteil mischerbigen Eltern (Pp, Pp*, PS, P*S) sind natürlich auch interessante reinerbige Bullenkälber (PP, PP*) zu erwarten, die später als Besamungsbullen zu 100 Prozent hornlose Nachkommen erzeugen werden.

Die Hornlosen holen auf

Auch wenn sich eine große Nachfrage nach den "züchterischen Enthornern" gebildet hat, sind für eine nachhaltige Akzeptanz auch immer konkurrenzfähige Zuchtwerte notwendig. Der Unterschied der im Einsatz befindlichen hornlosen Bullen der "Bunten Liste" zu den gehörnten Bullen hat sich in den letzten Jahren immer weiter verringert. So beträgt er bei den genomischen Jungvererbern im GZW lediglich noch zwei Punkte und bei den Nachkommen geprüften Bullen noch sechs. Im Jahr 2016 betrug der Abstand dagegen jeweils 10 Punkte.
Vergleich: Gehörnte und hornlose Fleckviehbullen nach Zuchtwerten (November 2018)
Status Bulle GZW MW FW FIT
gJV gehörnt (n = 116) 130 125 107 112
gJV hornlos (n = 53) 128 122 108 112
geprüft gehörnt (n = 168) 122 116 108 109
geprüft hornlos (n = 10) 116 114 101 104

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