Tierwohl
Zucht auf Hornlosigkeit beim Braunvieh

Braunvieh von der Seite

Promo Pp Tochter Akelei, Züchter Spitalhof Kempten, Foto: Memmingen

Durch das Enthornen ihrer Kälber verhindern Landwirte schwere Verletzungen der Tiere untereinander und verringern auch die Unfallgefahr für die Menschen, die in Kontakt mit diesen Tieren sind. Dies gilt vor allem für Kühe in Laufställen und bei Tieren mit Weidehaltung. Steigende Anforderungen beim Enthornen, arbeitswirtschaftliche Gründe sowie tierschutzrechtliche Aspekte erhöhen den Bedarf nach einer züchterischen Lösung bei den Landwirten.
Die Rasse Braunvieh arbeitet intensiv daran, genetisch hornlose Bullen, die den erwarteten Zuchtzielen entsprechen, zu züchten.

Historie

Zwei Braunviehkühe grasend auf der Weide

Vasir Tochter Pamela Pp, Voice Tochter Patrizia Pp,
Foto: Besamungsstation Greifenberg

Im Jahr 1992 wurde bei einer Selektionsfahrt in den USA die Nachzucht des Bullen Rendition besichtigt. Der Telstar–Sohn wurde für die Zucht in Deutschland als geeignet bewertet und somit in gezielter Paarung eingesetzt. Positiver Nebeneffekt war, dass Rendition heterozygot (mischerbig) hornlos war. Somit brachte Rendition das Hornlosgen in die Deutsche Braunviehpopulation. Seine Milchleistung entsprachen den geforderten Werten, jedoch wiesen seine Töchter oft eine unterdurchschnittliche Melkbarkeit sowie Schwächen im Euter auf. Rendition konnte leider nicht die gewünschten Zuchterfolge in der Deutschen Braunviehpopulation realisieren.
In den 90igern des letzten Jahrhunderts wurde mehrfach versucht mit Rendition–Söhnen die Hornlosanlage weiter bei der Rasse Braunvieh zu etablieren. Leider konnte sich keiner seiner direkten Nachkommen positiv für die Zucht empfehlen. Deshalb stand eine Zeit lang kein genetisch hornloser Bulle für den breiten Einsatz zur Verfügung. Einen Durchbruch in der Hornloszucht erreichte man mit den Bullen Promo Pp und Emsland PS, die beide nach einem erfolgreichen Prüfeinsatz auch für den breiten Wiedereinsatz verwendet wurden. Beide Bullen können mit funktionellen Töchtern überzeugen, wobei auch ihnen eine schwächere Melkbarkeit einen noch größeren Einsatz verwehrt hat.

Entwicklung

LiniendiagrammZoombild vorhanden

Besamungszahlen in Bayern bei den Rassen Fleckvieh, Braunvieh und Holsteins

Einen deutlichen Anstieg der „Hornlos Besamungen“ beim Braunvieh brachte erst die Einführung der genomischen Selektion. Eine Vielzahl interessanter Bullen konnte somit selektiert werden und aufgrund ihrer genomischen Zuchtwerte bereits relativ stark eingesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, wie gut sich die einzelnen Jungvererber mit ihren Töchtern in der Braunviehzucht etablieren können. Jedoch findet sich bei den meisten natürlichen hornlosen Bullen Rendition im Pedigree. Er gilt als Stammvater der Braunvieh-Hornloszucht weltweit und hat somit nach so vielen Jahren immer noch indirekt positiven Einfluss auf das aktuelle Zuchtgeschehen.

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Die Züchtung natürlich hornloser Fleckviehbullen ist aus den Zuchtprogrammen der Verbände nicht mehr wegzudenken. Die Rekrutierung erfolgt dabei aus den gezielten Anpaarungen von geeigneten Bullenmüttern. Mit dem speziell für die Erzeugung hornloser Genetik ausgerichteten Programm "Bayern-Polled" werden interessante weibliche Zuchttiere mit Hornlosstatus durch die Fachzentren für Rinderzucht angepaart. Mehr

Arbeitsschwerpunkt der LfL
Tierwohl

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat im Jahr 2012 den Arbeitsschwerpunkt Tierwohl – „Gesunde Tiere für sichere Lebensmittel“ gegründet. Wir wollen damit die Lebensbedingungen der landwirtschaftlichen Nutztiere durch Forschung, Entwicklung und Wissenstransfer auf den Gebieten Gesundheit, Auslebung tiergerechten Verhaltens und Wohlbefinden der Tiere verbessern. Mehr