Praxisinformationen
Zuchtbericht Schwein 2019

Logo Bavarian Piétrain Fitcol

Schwerpunkte der züchterischen Arbeit

Die aktuellen Viehzählungsergebnisse vom November 2019 weisen für Bayern eine Erhöhung der Anzahl an Mastschweinen um 1,5 Prozent auf 1.462.000 und eine Verringerung der Zuchtsauen um 2,1 Prozent auf 212.000 im Vergleich zum Mai 2019 auf. Ursächlich für diese negative Entwicklung im Zuchtsauenbereich ist neben schlechten Preisen in der ersten Jahreshälfte die Unsicherheit in vielen Bereichen der Schweinehaltung. Offene Fragen wie beim Kastrationsverbot ohne Betäubung, bauliche Veränderungen im Bereich der Zuchtsauenhaltung oder auch mögliche Auswirkungen eines kompletten Kupierverbotes beschäftigen die Landwirte, wodurch bei Betriebsübergaben die Tierhaltung oftmals eingestellt wird. Dies zeigt sich auch an dem Rückgang der Schweinhalter in Bayern um 1,7 Prozent auf 4.500 Betriebe, was insbesondere durch den Rückgang der Ferkelerzeuger um 4,5 Prozent auf 1.800 Betriebe begründet ist.
Im Bewusstsein dieser Entwicklung wurden im Jahr 2019 wichtige Aufgaben zur Stärkung der bayerischen Schweinzucht angegangen.
Hierzu zählen besonders die Vorarbeiten für die im Jahr 2020 neuausgerichteten Zuchtziele der Vater- und Mutterrassen.
Im züchterischen Bereich konnten große und innovative Akzente gesetzt werden. Im Piétrainbereich sind hier insbesondere die konsequente Umsetzung der Genomischen Selektion und die weitere Verbreitung der Qualitätslabels "Turbo", "Goliath" und "Piétralon" zu nennen. Zudem setzt die bayerische Zucht auf resistente Tiere, was mit der Einführung des Labels "Bavarian Piétrain Fitcol", der E. coli F18 resistente Eber, untermauert wird.
Die züchterische Behandlung des Ebergeruchs, die Verringerung des Auftretens von Bursen und Anomalien oder die Zucht auf weniger Ferkelverlusten bei homogenen Würfen sind Beispiele für neue Schwerpunkte der bayerischen Zucht. Neben der Erhaltung der ökomischen Wettbewerbsfähigkeit sind Fleischqualität und Gesundheitsmerkmale wichtige Bausteine in den bayerischen Zuchtprogrammen.
Auch wurde von der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w.V. (EGZH) das sogenannte Vaterrassenmodell zur Förderung der bayerischen Piétrainzucht weiterentwickelt. So wurden im Rahmen des Vaterrassen-Models im Jahr 2019 knapp 1.100 Sauen und über 2.400 Eber genotypisiert. Zudem werden für das bayerische Zuchtprogramm besonders interessante Anpaarungen gefördert.
Viele Personen in einem Saal Zoombild vorhanden

"Schweinetreff für Profis" in Edenland, Foto: EGZH

Neuigkeiten in Zucht und Besamung auf der Bayern-Tour 2019 "Schweinetreff für Profis"
In der Bayern-Tour 2019 "Schweinetreff für Profis" wurde an 5 Standorten gemeinsam mit den Besamungsstationen Bayern-Genetik und Neustadt/Aisch die Neuigkeiten in Zucht und Besamung vorgestellt. Hauptreferent Dr. Johann Schlederer, Geschäftsführer der österreichischen Schweinebörse, berichtete über Rahmenbedingungen in Europa und Österreich und wie die Produktion darauf reagiert. Die Zuchtleiter stellten zudem in der Eberschau interessante Zuchttiere vor. Insgesamt kann man diese Veranstaltung als großen Erfolg bezeichnen und wird daher auch im Jahr 2020 fortgesetzt.
Sechs Personen mit Urkunden in den HändenZoombild vorhanden

Ehrung des "Bayernkini" im Rahmen des Schweinetreffs für Profis in Edenland, Foto: EGZH

In der Mutterrassenzucht wurde die Umsetzung der Genomischen Selektion bei der Remontierung der Sauenbestände der Landrasse fortgesetzt. Dies führte zur Ausweisung des Qualitätslabels "Optima" zur Kennzeichnung von Jungsauen, die auf dieser Basis selektiert wurden. Die verwendete Kalibrierungsstichprobe von etwa 4.500 sicher geprüften Tieren stellt dabei die aktuell umfangreichste der deutschen Herdbuchbestände dar.
Anfang 2019 wurde ein Monitoring aller Herdbuchtiere des Edelschweins hinsichtlich ihrer Ausstattung mit den Resistenzallelen gegen die Coli-Erreger F4 und F18 erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund der starken Verbreitung der Resistenzallele beschloss die EGZH diese Typisierung weiterzuführen. Eine Sanierung wird vorerst nicht angestrebt, da nach Untersuchungen aus der Schweiz beispielsweise eine Sanierung bei Coli F4 nur bei Vorhandensein reinerbig resistenter Vatertiere sinnvoll erscheint, was derzeit bei den Mutterrassen nur selten gegeben ist.
Der Zuchtbericht Schwein informiert über die Schwerpunkte der Zuchtarbeit im Bereich der Vater- und Mutterrassen und zeigt die züchterische Weiterentwicklung der Schweinepopulationen in Form der genetischen Trends.

Vorarbeiten zu den neuen Zuchtzielen 2020

Die Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w.V. (EGZH) überprüft regelmäßig Ihre Zuchtprogramme und setzt, falls erforderlich, in Abstimmung mit den Besamungsstationen, Ferkelerzeugern und Vermarktern neue Schwerpunkte. Dabei wird der erreichte Zuchtfortschritt kritisch bewertet und bei Bedarf werden Korrekturen vorgenommen, um auch in Zukunft sowohl ökonomischen Aspekten, als auch Aspekten des Tierwohls und der Umwelt gerecht zu werden.

Zucht auf Coli F18-Resistenz wird intensiviert

Schon das Projekt "ColiPot: Potenziale einer Selektion gegen E. Coli F18", das im Jahr 2013 gemeinsam vom Institut für Tierzucht der LfL und dem Tiergesundheitsdient Bayern e.V. (TGD) durchgeführt wurde, hatte zum Ziel, einen Beitrag zur Erhöhung der Tiergesundheit durch züchterische Maßnahmen zu leisten und dadurch metaphylaktische und therapeutische Behandlungen der Ödemkrankheit bei Ferkeln mit Antibiotika zu reduzieren.
E. Coli F18-Bakterien sind der Auslöser der Ödemkrankheit. Tiere, die am FUT1-Locus den Genotyp A/A aufweisen, sind jedoch gegenüber der Ödemkrankheit resistent. Diese Tiere bilden keine Rezeptoren für die F18-Fimbrien auf der Darmschleimhaut aus, so dass die Darmbesiedelung durch E. Coli F18-Bakterien nicht möglich ist.
Da nur homozygote Tiere (A/A) resistent gegenüber der Ödemkrankheit sind, ist es erforderlich, dass beide Elternteile der Mastendprodukte zumindest das Resistenzallel beinhalten. Daher wurden in den bayerischen Zuchtpopulationen die aktuellen Frequenzen des züchterisch erwünschten A-Allels ermittelt.
Frequenzen des züchterisch erwünschten A-Allels des Deutschen Edelschweins
Die Rasse Deutsches Edelschwein (DE) hat mit einer Frequenz des positiven A-Allels von 0,65 den weitaus besten Wert der durch die EGZH betreuten Rassen. Dies ist sicherlich durch die enge Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen SUISAG zu erklären, welches schon seit längerer Zeit auf Coli F18-Resistenz züchtet. Um den Resistenzanteil in der bayerischen DE-Population weiter zu erhöhen, wurde die DE-Basisherde der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf zu 100 Prozent auf Coli F18-Resistenz umgestellt.
Frequenzen des züchterisch erwünschten A-Allels der Deutschen Landrasse
Bei der Deutschen Landrasse beträgt die Frequenz der erwünschten Variante A nur 6 Prozent. Dennoch sind auch bei dieser Rasse Bemühungen um eine Erhöhung erforderlich, wenn man resistente Mastschweine mit der Kreuzungssau erzeugen will. Hierzu wurde unter anderem auch ein Projekt am LVFZ Kringell begonnen, da aufgrund der Vorgaben in ökologischen Haltungsbedingungen resistente Tiere Vorteile bieten. Im Bestand des LVFZ Kringell wird wie auch in anderen Zuchtbetrieben weiter versucht, die Resistenz bei der Rasse DL anzureichern. Da aber in Bayern erst seit Ende 2019 reinerbig für das Coli F 18 Allel resistente Landrasseeber mit überdurchschnittlichen Gesamtzuchtwerten zur Verfügung stehen, wird die Sanierung nur langsam fortschreiten.

EGZH kennzeichnet Coli F18 resistente Eber der Rasse Piétrain seit Ende 2018 mit dem Label "Fitcol"

Logo Bavarian Piétrain Fitcol

EGZH Label "Fitcol" für den
E. Coli F18 resistenten Eber

Einigermaßen positiv ist mit 28 Prozent auch die Häufigkeit der Variante A bei der Rasse Piétrain zu bewerten. Die bayerische Piétrainzucht ist dadurch in der Lage, ihren Kunden resistente Eber anbieten zu können. In den bayerischen Besamungsstationen Bayern-Genetik und Neustadt-Aisch stehen aktuell schon 30 Eber, welche Coli F18 resistent sind. Die Zucht auf Coli F18-Resistenz wird im Zuchtprogramm weiter forciert. Dies ist insbesondere auf Grund der konsequenten Genotypisierung der bayerischen Piétrain-Population (3.500 Tiere pro Jahr) möglich. Bei jeder Genotyisierung wird automatisch der Coli F18-Status bestimmt. Die Züchter berücksichtigen bei den Anpaarungen den Resistenzstatus der Elterntiere. Jungeber und Jungsauen können schon bei der Selektion auch auf die Coli F18-Resistenz beurteilt werden.

Einführung des Resistenzallels gegen die Ödemerkrankung in die bayerische Mutterrassenpopulation zur Verbesserung des Tierwohls insbesondere in ökologischen Schweinehaltungen (ReAlöS)

Seit 2016 wurde in dem Edelschweinzuchtbetrieb der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf und dem Landrassebetrieb des LVFZ Kringell Sauen auf ihren FUT 1-Status hin untersucht. Aufgrund der gefundenen hohen Genfrequenz für die Resistenz beim Edelschwein und der Verfügbarkeit von reinerbig resistenten Anpaarungspartnern ist der Bestand in Triesdorf seit Ende 2019 zu 100 Prozent reinerbig für E. Coli F18.
Im Bestand des LVFZ Kringell wie auch in anderen Zuchtbetrieben wird weiter versucht die Resistenz bei der Rasse DL anzureichern, da pleiotrope Effekte auf die anderen Zuchtmerkmale derzeit nicht zu erkennen sind. Da aber in Bayern erst seit Ende 2019 reinerbig für das Coli F 18 Allel resistente Landrasseeber mit überdurchschnittlichen Gesamtzuchtwerten zur Verfügung stehen, wird die Sanierung nur langsam fortschreiten.
Insbesondere in ökologisch wirtschaftenden Betrieben bringt die Resistenz gegen die Ödemkrankheit aufgrund der geringeren Gestaltungsmöglichkeiten in den Futterrationen und im Antibiotikaeinsatz Vorteile in der Aufzucht.

Monitoring der Frequenzen von Resistenten in der bayerischen Edelschweinpopulation

Ein Monitoring zu den Frequenzen der erwünschten Resistenzallelen gegen Coli F 4 und F 18 beim Edelschwein ergab eine erfreulich hohe Verbreitung für die Resistenzallele von 0,69 für F 4 und 0,65 für F 18.
Tabelle 1: Allelfrequenzen in den bayerischen Populationen
 F 18-ResistenzF 4-Resistenz
Edelschwein0,650,69
Landrasse0,060,79
Piétrain0,280,74
Damit weist das Edelschwein von den Bayerischen Schweinerassen die aktuell beste Situation für eine Sanierung auf (siehe Tabelle). Die EGZH beschloss die Typisierung auf diese Resistenzen weiterzuführen und den Status auszuweisen. Eine Sanierung wird vorerst nicht angestrebt, da es Hinweise gibt, dass nur bei Anpaarung mit resistenten Endstufenebern die Ferkelverluste sinken.

Schaffung einer umfassenden Datenbasis und Entwicklung züchterischer Strategien zur nachhaltigen Reduzierung des Schwanzbeißens in der Schweinezucht (PigsWithTails)

In einem länderübergreifenden Projekt sollen mögliche genetische Ursachen für das Schwanzbeißen bei Mastschweinen erforscht werden. Hierzu werden in den Leistungsprüfungsanstalten Grub, Schwarzenau und Boxberg Daten zum Schwanzbeißen erfasst und anschließend genetisch ausgewertet.
Eine gezielte züchterische Bearbeitung der Problematik wird bislang dadurch erschwert, dass eine im Routinebetrieb praktikable Merkmalserfassung nicht verfügbar ist. Daher fehlen auch Erkenntnisse über den Grad der Erblichkeit, genetische Korrelationen zu anderen Merkmalskomplexen und Wechselwirkungen der Inzidenz des Schwanzbeißens mit Faktoren des Haltungssystems unter den in Deutschland verbreiteten Haltungsbedingungen in Zucht‐ bzw. Produktionsbetrieben.
Daher ist die Hauptzielrichtung des Projekts die Entwicklung geeigneter Bonitierungsmethoden für die massenhafte Erfassung von Schwanzverletzungen, die genetisch-statistische Auswertung dieser Daten und die Entwicklung von Züchtungsstrategien.

Evaluierung von Hilfsmerkmalen zur Erfassung des Alters bei Eintritt der Pubertät des männlichen Schweines

In der Schweineproduktion wird die Durchführung der Ferkelkastration durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes zukünftig strenger reguliert. Die Kastration bei Ferkeln wird wegen der Masteignung und der Geruchsproblematik durchgeführt. Es gibt bereits alternative Ansätze zur betäubungslosen Kastration, jedoch erfordern diese weiterhin nicht-kurative Eingriffe beim Schwein oder bringen andere Nachteile mit sich.

Zu den alternativen Methoden zählen:

  • Ebermast
  • Immunokastration
  • Inhalationsnarkose mit Schmerzausschaltung
  • Injektionsnarkose und Lokalanästhesie.
System der Ebermast
Das System der Ebermast hat den Nachteil der Fleisch-Geruchsproblematik, die aus der Anreicherung von Androstenon und Skatol im Fettgewebe geschlechtsreifer Tiere resultiert. Zusätzlich ergeben sich durch die Gruppenhaltung geschlechtsreifer Eber massive, tierschutzrelevante Verhaltensprobleme. Diese Probleme könnten durch die Mast spätreifer Tiere abgeschwächt oder eliminiert werden. Es stellte sich heraus, dass das Alter bei Eintritt der Pubertät variiert und bei einem Schlachtalter von 170 Tagen ein Teil der männlichen Tiere noch nicht geschlechtsreif sind. Züchterische Maßnahmen setzen voraus, dass das Alter beim Eintreten der Pubertät zuverlässig festgestellt werden kann.
Erfassung der Pubertät des Schweines
Die Erfassung der Pubertät des Schweines erweist sich als schwierig. Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife beim männlichen Schwein kann durch folgende Methoden bestimmt werden: Verhaltensbeobachtung, Überprüfung des Vorhandenseins von Spermien im Ejakulat, in Spülproben des Präputiums oder in den Hoden bzw. Nebenhoden, Bestimmung der Größe bzw. des Gewichtes von Geschlechtsorganen und Analyse von Hormonspiegeln. Zur möglichst exakten Bestimmung des Alters bei Eintritt in die Pubertät am lebenden Tier sind wiederholte Messungen des Testosterongehaltes notwendig. Für eine Erfassung des Phänotyps innerhalb einer Populationsstichprobe müssen Hilfsmerkmale verwendet werden, da wiederholte Testosteronmessungen aufwändig sind. Dafür bieten sich z.B. die Größe bzw. das Gewicht der Hoden und der Bulbourethraldrüse an. Diese Daten können während der Schlachtung von Masterbern erhoben werden.

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon, Skatol und Indol im Nackenfett untersucht.Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zuchtwertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts "Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)" entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern werden jährlich je 6 Nachkommen auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern untersucht. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes.

Umsetzung eines Konzepts zur Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen

Durch die Erfassung der aus der Herdbuchzucht auch in die Ferkelerzeugerstufe ausgelieferten Jungsauen mittels ihrer Abstammungsnummern konnte die Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung der Mutterrassen in Bayern deutlich erweitert werden. Diese bildet die wesentliche Datengrundlage für die züchterische Bearbeitung der Robustheitsmerkmale Verbleiberate, Anzahl von der Sau abgesetzter, totgeborener und zu leicht geborener Ferkel sowie der Anomalien.
In der Spitze konnten über diesen Erfassungsweg jährlich über 9.000 Sauen zusätzlich zum Herdbuch für die Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit mit erfasst und ausgewertet werden. Der Rückgang seit dem Geburtsjahrgang 2013 ergibt sich aufgrund des starken Strukturwandels in der Bayerischen Ferkelerzeugung.

Stand der Basiszucht bei Mutterrassen

Zur Absicherung sind für die Deutsche Landrasse zwei weitere Betriebe zur Erzeugung von Ebern unter Vertrag genommen worden. Sie dienen als Reservebetriebe, falls es auch im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest zu hygienischen Problemen in der bisherigen Basiszucht kommen sollte. Aktuell entstammen bis auf einen alle Landrasseeber der Basiszucht oder sind Nachkommen eines Basiszuchtebers. Dies verdeutlicht den nachhaltigen Erfolg der Basiszucht in Bayern.
Beim Edelschwein wurde die Produktion von Jungebern reduziert, da die Nachfrage aufgrund des Strukturwandels deutlich zurückging. Um die Variabilität in der Edelschweinzucht weiter zu erhalten, wurden wiederum Eber aus der Schweiz angekauft. Aufgrund der dort verwendeten Genomischen Selektion verspricht man sich eine Intensivierung des Zuchtfortschrittes. Leider konnte bisher keine starke Übereinstimmung der Zuchtwerte festgestellt werden. Zugleich fanden Anpaarungen mit BHZP-DE-Ebern statt, um insbesondere in der Fruchtbarkeit Reserven zu eruieren. Dieses Projekt lief aber Ende 2019 aufgrund unterschiedlicher Vermarktungsstrategien aus.

Erfassung von Verhaltensmerkmalen über den LKV-Sauenplaner

Die Vorerhebungen zum Verhalten der Sauen gegenüber Menschen, Artgenossen und ihren Ferkeln in den bayerischen Fleischerzeugerringen führte zur Erfassung des Verhaltens als Abgangsursache im Sauenplaner des LKV Bayern. Der Start dieser Datenerfassung wird aber nochmals verschoben, da das LKV Bayern die für das Jahr 2019 geplante Einführung eines neuen Sauenplaners wiederum ausgesetzt hat.
Durch die im Rahmen eines Projektes im ökologischen Landbau (ÖkoSauMüt) durchgeführte Erfassung verschiedener Verhaltensausformungen erhofft man sich, eine grundlegende Datenbasis zum Verhalten von Sauen insbesondere im Hinblick auf Erdrückungsverluste und mögliche Aggressionen gegenüber dem Betreuungspersonal. Aus diesem Grund wurde die Datenerhebung auch auf konventionell wirtschaftende Betriebe ausgedehnt, die ihre Sauen in Bewegungsbuchten abferkeln lassen. Auf eine elektronische Datenerfassung musste wegen der o.g. Verschiebung der Sauenplanereinführung noch verzichtet werden. Einige aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden in den neuen Sauenplaner des LKV einfließen.

Daten der Fleischerzeugerringe als Basis für Untersuchungen zu den paternalen Effekten auf Fruchtbarkeitsmerkmale

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Seit 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen. Zudem wird die Anzahl der tot geborenen Ferkel erfasst.
Die Erfassung der tot geborenen Ferkel ist insgesamt als zufriedenstellend zu bezeichnen. In allen Fleischerzeugerringen wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei einem hohen Anteil der Würfe die Erfassung durchgeführt. Sowohl der Anteil der Würfe mit tot geborenen Ferkeln als auch der Anteil der totgeborenen Ferkel liegen über die Ringe in einem (fast) vergleichbaren Bereich.
Leider stellt sich die Situation bei der Erfassung der untergewichtigen Ferkel wesentlich schlechter dar: in allen Kriterien (Anteil der Würfe mit Erfassung, Anteil der Würfe mit untergewichtigen Ferkeln, Anteil untergewichtiger Ferkel) gibt es extreme Unterschiede zwischen den Fleischerzeugerringen.
Das Institut für Tierzucht führt derzeit Untersuchungen zur Bedeutung der paternalen Effekte der Eber auf Fruchtbarkeitsmerkmale (insbesondere lebend geborene Ferkel, tot geborene Ferkel) durch.
Aufgabe ist es nun die Datenerfassung weiter zu verbessern und mit der EGZH und der bayerischen Besamung abzustimmen, ob und wie welche Ergebnisse zukünftig genutzt werden können.

Genetische Trends für die Piétrain-Eber

Nachfolgend sind die genetischen Trends für die wichtigsten Merkmale für Besamungseber der Rasse Piétrain (≥ 67 Prozent Sicherheit) dargestellt.
LiniendiagrammZoombild vorhanden

Gesamtzuchtwert - Piétrain-Eber

Der Gesamtzuchtwert, welcher das bayerische Zuchtziel 2015 beschreibt, zeigt aktuell einen hervorragenden genetischen Trend von 17 Punkten. Ziel ist der rahmige, wachstumsstarke Piétraineber mit guter Länge, einer sehr guten Fleischleistung und -qualität.

Genetische Trends für die Eber der Deutschen Landrasse

LiniendiagrammZoombild vorhanden

Gesamtzuchtwert - Eber der Deutschen Landrasse

Die Gesamtschau zeigt, dass die Einkaufspolitik der Besamungsstationen bei den Landrasseebern auf die Zuchtzielfestlegung mit dem Gesamtzuchtwert ausgerichtet ist. Deutlich zeigt sich, dass seit dem Zuchtziel 2010 eine einheitliche stärker auf den Gesamtzuchtwert ausgerichtete Einkaufspolitik verfolgt wird. Diese wird wesentlich durch die verschärfte Vorselektion mittels der Genomik seit 2016 erreicht. Die Besamungsstationen und die Züchter setzten das stärker auf die Aufzuchtleistung ausgerichtete Zuchtziel um, was auch ein Maß für die Geschlossenheit der bayerischen Herdbuchzucht darstellt.

Aktueller Stand Anomalienprüfung

BalkendiagrammZoombild vorhanden

Verteilung der Anomalien bei den betroffenen Ferkeln von PI-Ebern in FE-Betrieben (01.10.2018 bis 30.11.2019)

Insgesamt sind nur 1,5 Prozent der geborenen Ferkel von Anomalien betroffen. Am häufigsten sind Hodenbrüche; diese treten bei 35 Prozent der von Anomalien betroffenen Ferkel auf. Dann folgen Binneneber (33 Prozent) und Grätschen (22 Prozent). Einige der Anomalien sind auch tierwohlrelevant, da sie mit Schmerzen für das Tier verbunden sind. Den Ferkelerzeugern entstehen zugleich durch Missbildungen wirtschaftliche Schäden, denn diese können die Vermarktungsmöglichkeiten für Ferkel einschränken oder sogar Totalverluste verursachen. Im Jahr 2013 entwickelte die LfL eine Zuchtwertschätzung zur Bekämpfung von Anomalien. Der daraus errechnete Anomalienwert eines Ebers entspricht dem zusätzlichen Gewinn pro Wurf, der bei Verwendung dieses Ebers gegenüber einem durchschnittlichen Eber erzielt wird. In diesem neuen System der Anomalienprüfung wird bei Würfen von jungen Besamungsebern im LKV-Sauenplaner der Betriebe vermerkt, ob und, falls ja, welche Anomalien beobachtet wurden. Hierbei unterstützen das LKV Bayern und die Ringberater der Fleischerzeugerringe enorm. Derzeit werden in Bayern knapp 9.000 Prüfeberwürfe pro Jahr anomaliengeprüft. Ein PI-Eber weist somit im Mittel etwa 45 bis 50 anomaliengeprüfte Würfe auf, bei Mutterrasseneber sind es noch mehr Würfe.

Mehr zum Thema

Erforschung von Erbfehlern und neuen Merkmalen (Schweinezucht)

In der Schweinezucht gewinnen zunehmend Merkmale an Bedeutung, für die eine flächendeckende Leistungsprüfung aus Gründen des Aufwands nicht mehr zu organisieren ist. Genomische Zuchtmethoden können die Grundlagen schaffen, um solche Merkmale zukünftig indirekt züchterisch zu bearbeiten. Mehr