Praxisinformationen
Jahresbericht 2018 über Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein

Ferkelgruppe

In der stationären Leistungsprüfung beim Schwein werden unter standardisierten Bedingungen Leistungsdaten von Nachkommen aus der Herdbuchzucht und der künstlichen Besamung ermittelt, die im Rahmen der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die spätere Selektionsentscheidung bilden.

In Bayern wird die Leistungsprüfung an den Stationen Grub und Schwarzenau durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden 6.151 Tiere geprüft, bei welchen neben den klassischen Prüfmerkmalen auch das Safthaltevermögen im Kotelett, der Intramuskuläre Fettgehalt, der Ebergeruch und auch Hilfsschleimbeutel an den Extremitäten routinemäßig erfasst werden. Mit einem Anteil von etwa 60 Prozent dominiert dabei weiterhin die Herdbuch-Prüfung. Zusätzlich zur klassischen Stationsprüfung wird das Datenpotential in Praxisbetrieben mit bayerischen Hybridsauen konsequent weiter erschlossen.
Auf Basis dieses europaweit einzigartigen Datenpools in den organisierten Ferkelerzeugerbetrieben ist es so gelungen, den Zuchtfortschritt in der Fruchtbarkeit und Aufzuchtleistung bei den Mutterrassen deutlich zu steigern. Beides, die hervorragende Leistungsprüfung in den Prüfanstalten und die konsequente Nutzung von Felddaten, sind in Verbindung mit der genomischen Zuchtwertschätzung die Garanten für die hervorragende züchterische Entwicklung der in Bayern gezüchteten Rassen Piétrain, Duroc, Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein.

Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein in Bayern: Jahresbericht 2018 (LfL-Information)

Der vorliegende Bericht enthält neben den Stationsergebnissen noch Zusatzauswertungen, vor allem hinsichtlich der Fleischbeschaffenheit, die Ergebnisse der Feldprüfungen sowie die aktuellen genetischen Trends anhand der Entwicklung der Zuchtwerte der letzten 10 Jahre. Zudem gibt er einen Überblick über aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich der Schweinezucht.

Das Prüfungsjahr 2018

Mit 6.151 Prüfabschlüssen bildete die Mast- und Schlachtleistungsprüfung an den beiden Standorten Schwarzenau und Grub wieder das zentrale Rückgrat des bayerischen Zuchtprogrammes. Sowohl der Umfang der erhobenen Leistungsdaten, aber auch die Datenqualität bei den am Markt befindlichen Zuchtprogrammen einmalig. Mit 60 Prozent Anteil an den Prüftieren dominiert die HB-Prüfung.
Hohes Niveau bei den Mast- und Schlachtleistungsergebnissen
Die Mast- und Schlachtleistungsergebnisse haben bei allen Prüfarten wie in den Vorjahren ein hohes Niveau erreicht. Die Tageszunahmen im Prüfabschnitt erreichten 818 g bei der Rasse Piétrain, 994 g bei den Mutterrassen (Kastraten) und 881 g bei den weiblichen Endprodukttieren. Der Magerfleischanteil (LPA-Formel) im Schlachtkörper lag mit 68,2 Prozent bei Piétrain und 63,4 Prozent bei PIxDL-Kreuzungen (weiblich) auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Erfreulicherweise hat sich das für die Fleischqualität wichtige Merkmal „Intramuskulärer Fettgehalt“ bei allen Prüfarten um rd. 0,1 Prozent-Punkte erhöht.
Die ständige Weiterentwicklung des Zuchtprogrammes unter Berücksichtigung innovativer Merkmale hat entscheidenden Einfluss auf das Potential eines Zuchtproduktes.
Forschungsprojekte als fester Bestandteil im Aufgabenbereich der Prüfstationen Grub und Schwarzenau
Die hierfür notwendigen Forschungsprojekte sind heute ein fester Bestandteil im Aufgabenbereich der Prüfstationen Grub und Schwarzenau. So werden zur züchterischen Bearbeitung des Ebergeruches bereits seit 2015 routinemäßig nicht kastrierte männliche Tiere in die Prüfung einbezogen und die Leitmerkmale Androstenon und Skatol im Speck ermittelt. Aus den Zuchtwerten für beide Merkmale wird der Ebergeruchsindex errechnet. Bei den Mutterrassen wird der Ebergeruchsindex als inoffizieller Zuchtwert veröffentlicht. Zusätzlich wird derzeit im Rahmen eines Bundesprojektes die Zucht gegen Ebergeruch bei Mutterrassen unter Einbeziehung der Fruchtbarkeit bearbeitet.
Die Bonitierung der Hilfsschleimbeutel, der sogenannten akzessorischen Bursen, am Schlachtkörper aller Prüftiere ist die Basis für die Berechnung des genetischen Einflusses auf dieses Merkmal. Inzwischen steht ein Relativzuchtwert für Hilfsschleimbeutel bei Mutterrassen zur Verfügung.
Eine umfassende Datenbasis zur züchterischen Bearbeitung des Schwanzbeißens wird derzeit in einem länderübergreifenden Forschungsprojekt erarbeitet. Zudem werden an den beiden bayerischen Prüfstationen mehrere Eberherkünfte hinsichtlich des Auftretens von Schwanzbeißen bei den Nachkommen verglichen.
Ebenfalls für den Aufbau einer genomischen Kalibrierungsstichprobe und die Sequenzierung der wichtigsten Ahnen der bayerischen Schweinezucht, wie es im Rahmen des Forschungsprojektes „Integrierte Genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht“ erfolgt ist, ist die Feststellung des Phänotyps im Rahmen der Stationsprüfung zwingend erforderlich.

Projekte im Rahmen der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon, Skatol und Indol im Nackenfett untersucht.
Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zuchtwertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts „Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)“ entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern werden jährlich je 6 Nachkommen auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern untersucht. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes.
415 Eber wurden demzufolge in diesem Jahr bei den Mutterrassen und 1.236 Eber bei den Vaterrassen der Prüfung unterzogen. Tabelle 1 zeigt, dass die Endprodukte-Eber (Prüfart 2) mit im Mittel 427 ng/ g Fett deutlich geringere Androstenongehalte aufweisen als die Eber der Mutterrassen (Prüfart 4; 780 ng/ g Fett). Dies verdeutlicht, dass nicht nur der Endstufeneber sondern auch die Mutterrassen züchterisch bear-beitet werden müssen. Mit Erblichkeiten für Androstenon von 0,5 bis 0,6 und Skatol von etwa 0,4 sind hier gute Voraussetzungen gegeben. Die Ebergeruchsanalytik wird finanziert durch die Bayern-Genetik GmbH, dem Besamungsverein Neustadt an der Aisch und die EGZH.
Der Ebergeruchsindex, der sich aus den Zuchtwerten für Androstenon und Skatol zusammensetzt, dient als Basis für die Einstufung der Piétraineber in das EGZH Label „Piétralon“. Seit dem Jahr 2018 wird der Ebergeruchsindex für Mutterrassen als inoffizieller Zuchtwert publiziert.
Tabelle 1: Mittlere Gehalte an Ebergeruchssubstanzen im Nackenfett bei den Ebern der Prüfarten 2 und 4
MerkmalØ bei der Prüfart 2
(Pi x Mutterrassen)
Ø bei der Prüfart 4
(Mutterrassen-Kreuzungen)
Anzahl Tiere14941293
Androstenon
(ng/ g Fett)
427780
Skatol
(ng/ g Fett)
75108
Indol
(ng/ g Fett)
2531

Untersuchungen zum Auftreten von Hilfsschleimbeuteln

Seit April 2015 wurden an den Schlachthöfen der beiden bayerischen Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau knapp 27.000 Prüftiere auf das Vorhandensein von Hilfsschleimbeuteln überprüft (Stand Jan. 2019). Nach dem Entbluten stuften die Techniker der Schlachthöfe jedes Bein auf einer von OBERLÄNDER (2015) entwickelten Skala von 0 bis 3 ein. Dabei bedeutet 0= kein Befund, 1= geringgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel, 2= mittelgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel und 3= stark ausgeprägter, entzündeter Hilfsschleimbeutel mit eröffneter Haut. Lagen an einer Gliedmaße mehrere Befunde vor, so wurde nur der schwerste Befund für die Analysen verwendet.
Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln zu untersuchen, wurden die vier Einzelergebnisse je Tier (Vorder- und Hintergliedmaßen sowie links und rechts) zu einem Wert zusammengefasst. Die Summe der Schweregrade eines Tieres geteilt durch vier ergab das Merkmal „Befundmittel“, welches den mittleren Schweregrad über alle Gliedmaßen eines Tieres beschreibt.
Deutliche Rasseunterschiede bei untersuchten Tieren mit Hilfsschleimbeutel
Knapp 82 Prozent der untersuchten Tiere wiesen Hilfsschleimbeutel auf. Dabei gab es deutliche Rasseunterschiede (siehe Tabelle 2). Während Tiere der Deutschen Landrasse nur zu etwa 70 Prozent betroffen waren, wiesen rd. 90 Prozent der reinrassigen Piétraintiere Bursen auf. Über die Hälfte aller Befunde entfielen auf eine geringgradige Ausprägung der Bursen (Grad 1), 0,5 Prozent der Befunde waren schwerwiegend (Grad 3).
Tabelle 2: Prävalenz und Befundmittel nach Rasse
RasseAnzahlBursagrad in %
0
Bursagrad in %
1
Bursagrad in %
2
Bursagrad in %
3
Prävalenz (Grad 1-3)
in %
Befundmittel
DE47614,561,823,30,485,50,57
DL501530,653,715,50,269,40,41
PI13439,561,428,01,290,50,65
DLxDE273319,858,621,10,580,20,52
DExDL654616,956,426,30,483,10,57
PIxDL594414,258,427,00,585,80,59
PI x (DE x DL)439115,656,527,00,884,40,60
Gesamt2682118,557,024,00,581,50,55
Die Hintergliedmaßen sind dabei im Vergleich zu den Vordergliedmaßen deutlich stärker betroffen. Zudem waren die Befunde der Hintergliedmaßen häufig auch schwerwiegender als die der Vordergliedmaßen.
Getrennte Varianzkomponenten- und Zuchtwertschätzung für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen
Eine Varianzkomponenten- und Zuchtwertschätzung erfolgte getrennt für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen, wobei für erstere ein Vatermodell und für letztere ein Tiermodell verwendet wurde. Für das Merkmal Befundmittel wurden Erblichkeiten von 0,26 bei Piétrain und 0,33 bei den Mutterrassen geschätzt. Bei beiden Rassegruppen lag die Erblichkeit des Befundmittels der Hintergliedmaßen deutlich über der Erblichkeit des Befundmittels der Vordergliedmaßen.
Ausfälle auf Grund von Hilfsschleimbeuteln wurden an den LPAs nicht verzeichnet. Die Korrelationen mit den konventionellen Leistungsmerkmalen sind als gering einzustufen. Die züchterische Ausrichtung ist daher vermutlich nicht verantwortlich für die hohen Prävalenzen.
Aus züchterischer Sicht ist dieses Merkmal jedoch interessant, weil es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hilfsschleimbeuteln bei Prüftieren und dem Auftreten von Auftreibungen beim Jungsauenselektionstest gibt.
Entwicklung einer Zuchtwertschätzung für Hilfsschleimbeutel für die Mutterrassen auf der Basis der LPA-Daten
Daher wurde auf der Basis der LPA-Daten für die Mutterrassen eine Zuchtwertschätzung für Hilfsschleimbeutel entwickelt.
Der Erfolg züchterischer Maßnahmen gegen das Auftreten von Bursen hängt vornehmlich von der ökonomischen Gewichtung des Merkmals im Zuchtziel ab.

Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung - Tierschutzrelevanz“

Das Institut für Tierzucht beteiligte sich am Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung – Tierschutzrelevanz“ der Ludwig-Maximilians-Universität München. In diesem wurde die Problematik von Technopathien der Gliedmaßen beim Mastschwein und deren Tierschutzrelevanz (Auswirkungen auf Tiergesundheit und Schweineproduktion) beurteilt. Dazu wurden etwa 200 Tiere ab Beginn Quarantänestation (8 kg LG) bis Mastende (LPA Grub) wöchentlich auf das Auftreten von Bursen und Lahmheiten bonitiert. Ausfälle wurden beim TGD Bayern e.V. untersucht.
Die daraus resultierende Doktorarbeit von Frau Franziska Ostner wurde in der Fachzeitschrift Tierärztliche Praxis, Ausgabe G 2018; 46(05), Seiten 307-315 publiziert. Zu diesem Projekt sind auch weitere Informationen bei der Klinik für Schweine der Ludwig-Maximilians-Universität München erhältlich.

Schaffung einer umfassenden Datenbasis und Entwicklung züchterischer Strategien zur nachhaltigen Reduzierung des Schwanzbeißens in der Schweinezucht (PigsWithTails)

In einem länderübergreifenden Projekt sollen mögliche genetische Ursachen für das Schwanzbeißen bei Mastschweinen erforscht werden. Hierzu werden in den Leistungsprüfungsanstalten Grub, Schwarzenau und Boxberg Daten zum Schwanzbeißen erfasst und anschließend genetisch ausgewertet.
Eine gezielte züchterische Bearbeitung der Problematik wird bislang dadurch erschwert, dass eine im Routinebetrieb praktikable Merkmalserfassung nicht verfügbar ist. Daher fehlen auch Erkenntnisse über den Grad der Erblichkeit, genetische Korrelationen zu anderen Merkmalskomplexen und Wechselwirkungen der Inzidenz des Schwanzbeißens mit Faktoren des Haltungssystems unter den in Deutschland verbreiteten Haltungsbedingungen in Zucht‐ bzw. Produktionsbetrieben.
Daher ist die Hauptzielrichtung des Projekts die Entwicklung geeigneter Bonitierungsmethoden für die massenhafte Erfassung von Schwanzverletzungen, die genetisch-statistische Auswertung dieser Daten und die Entwicklung von Züchtungsstrategien.

Alle bayerischen Prüftiere in Grub und Schwarzenau werden dabei fünfmal zu folgenden Zeiten bonitiert:

  • Einstallung Ferkelaufzucht: Alter ~ 28 Tage
  • Ferkelaufzucht: Alter~ 42 Tage
  • Einstallung Prüfstation: Alter~ 77 Tage
  • Prüfstation: Alter~105 Tage
  • Prüfstation: Alter ~133 Tage

Die Bonitur erfolgt nach dem Deutschen Schweine Boniturschlüssel (DSBS). Dabei werden folgende Merkmale betrachtet:

  • Originale Schwanzlänge
  • Längenverlust
  • Durchbrechung der Haut
  • Blut
  • Nekrose
  • Schwellung
  • Jeweils Lokalisation (Schwanzbasis, 1. Drittel, …) und Schweregrad
An den drei Versuchsstandorten Baumannshof, Grub und Schwarzenau wurden seit Anfang Dezember 2016 bisher 48.319 Bonituren an 10.782 Prüftieren durchgeführt. 8.079 Prüftiere wurden bereits vollständig bonitiert (Stand: November 2018). Weiter werden Datenerhebungen an über 1.600 Kreuzungsnachkommen von Ebern der Rassen Bavarian Piétrain, German Piétrain, BHZP 77 und BHZP 08 durchgeführt. Bei 1.445 Verknüpfungstieren, deren Schwänze zu max. einem Drittel kupiert wurden, sind die fünf Bonituren bereits abgeschlossen.
Zusätzlich werden ergänzende Untersuchungen zum erstmaligen Auftreten von Schwanzbeißverhalten an der Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg durchgeführt.

Weitere Informationen:

Projekt InGeniS

Im Projekt InGeniS (Integrierte Genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht), das 2017 abgeschlossen wurde, standen drei Schwerpunkte im Mittelpunkt. Dies waren zum einen der Aufbau einer genomischen Kalibrierungsstichprobe von rund 2.400 Tieren für die bedeutendste Vaterrasse Piétrain sowie die Sequenzierung der 30 wichtigsten Ahnen in der Landrasse- und Piétrainpopulation.
Als Drittes sollten die neuen Methoden zur züchterischen Bearbeitung innovativer Merkmale wie beispielsweise zur Anomalienbekämpfung genutzt werden.
Für die Rasse Piétrain wurde ein wesentliches Ziel im Jahr 2015 bereits erreicht: die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung. So wurden Ende 2015 die ersten genomischen Zuchtwerte für Piétrain-Eber veröffentlicht. Die offizielle Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung mit dem Ein-Schritt-Verfahren erfolgte für Piétrain im Mai und für die Deutsche Landrasse im Dezember 2016.
In der Bekämpfung der Anomalien konnte ein Erfolg in der Sauenfruchtbarkeit erreicht werden. Ein Abgleich mit den Sequenzdaten ermöglichte es, eine verdächtige Region hierfür einzugrenzen. Eine Stoppmutation im Genort BMP15 (Bone morpho-genetic protein 15) wurde als Ursache für Unfruchtbarkeiten bei weiblichen Tieren erkannt.

Weitere Informationen:

Beteiligung an den Bundesprojekten STRAT-E-GER und GI-F-ER

Im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojektes zur Entwicklung von „Strategien zur Vermeidung von Geruchsabweichungen bei der Mast unkastrierter Schweine“ (STRAT-E-GER) wurden u. a. an der LPA Schwarzenau seit 2013 ca. 1.000 Jungeber unter LPA-Bedingungen auf Mastleistung geprüft und anschließend am Schlachtkörper Gewebeproben zur Ermittlung von Geruchs- und Geschmacksabweichungen entnommen.
Dabei wurden die Androstenon- und Skatol-Konzentrationen im Rückenspeck gemessen und diese Proben zusätzlich durch qualifizierte Prüfpersonen am Schlachtband sowie im Sensorik-Labor der Universität Göttingen human-sensorisch (HNS) bewertet.
An der Universität Bonn wurden unter Verwendung von Genotyp-(Illumina Porciner 56 K + SNP Beadchip) und den genannten Phänotyp-Daten genomische Schätzformeln entwickelt, die von den beteiligten Zuchtorganisationen zur Zuchtwertschätzung und Selektion geruchsreduzierter Eber genutzt werden können. Modellberechnungen zeigen, dass der Anteil von Tieren, die vermehrt Geruchsstoffe einlagern, durch gezielte Selektion erheblich verringert werden kann.
Seit Herbst 2016 werden für das Nachfolgeprojekt G-I-FER (Genomische Indikatoren für Ebergeruch, Fruchtbarkeit und Robustheit in Landrasse- und Edelschweinpopulationen) Mutterrasseneber in der Leistungsprüfung aufgestallt. Mit Hilfe von deren Leistungsergebnissen soll unter Berücksichtigung ihrer Geruchsindikatoren und mehrerer Blutparameter von diesen Ebern und deren Vollschwestern die Möglichkeiten einer Zuchtwertschätzung für Ebergeruch bei Mutterrassen unter Einbeziehung der Fruchtbarkeit und Robustheit erarbeitet werden.
Die Beprobung der weiblichen Tiere wurde im April 2018 und die der männlichen im Dezember 2018 abgeschlossen. Die Auswertungen erfolgen im Jahr 2019.

Umsetzung eines Konzepts zur Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen

Durch die Erfassung der aus der Herdbuchzucht in die Ferkelerzeugerstufe ausgelieferten Jungsauen mittels ihrer Abstammungsnummern konnte die Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung der Mutterrassen in Bayern deutlich erweitert werden. Sie bildet die wesentliche Datengrundlage für die beiden Robustheitsmerkmale Verbleiberate und Anzahl von der Sau abgesetzter Ferkel.
In der Spitze konnten über diesen Erfassungsweg jährlich über 10.000 Sauen zusätzlich zum Herdbuch für die Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit mit erfasst und ausgewertet werden. Der Rückgang seit dem Geburtsjahrgang 2013 ergibt sich aufgrund des Strukturwandels in der Bayerischen Ferkelerzeugung.

Erfassung von Verhaltensmerkmalen über den LKV-Sauenplaner

Die Vorerhebungen zum Verhalten der Sauen gegenüber Menschen, Artgenossen und ihren Ferkeln in den bayerischen Fleischerzeugerringen führte zur Erfassung des Verhaltens als Abgangsursache im Sauenplaner des LKV Bayern. Der Start dieser Datenerfassung wird aber noch hinausgeschoben, da das LKV Bayern die für das Jahr 2018 geplante Einführung eines neuen Sauenplaners ausgesetzt hat.
Durch die im Rahmen eines Projektes im ökologischen Landbau (ÖkoSauMüt) durchgeführte Erfassung verschiedener Verhaltensausformungen erhofft man sich, eine grundlegende Datenbasis zum Verhalten von Sauen insbesondere im Hinblick auf Erdrückungsverluste und mögliche Aggressionen gegen das Betreuungspersonal. Aus diesem Grund wurde die Datenerhebung auch auf konventionell wirtschaftende Betriebe ausgedehnt, die ihre Sauen in Bewegungsbuchten abferkeln lassen. Auf eine elektronische Datenerfassung musste wegen der o.g. Verschiebung der Sauenplanereinführung noch verzichtet werden.

Daten der Fleischerzeugerringe als Basis für Untersuchungen zu den paternalen Effekten auf Fruchtbarkeitsmerkmale

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Seit 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen. Zudem wird die Anzahl der tot geborenen Ferkel erfasst.
Die Erfassung der tot geborenen Ferkel ist insgesamt als zufriedenstellend zu bezeichnen. In allen Fleischerzeugerringen wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei einem hohen Anteil der Würfe die Erfassung durchgeführt. Sowohl der Anteil der Würfe mit tot geborenen Ferkeln als auch der Anteil der totgeborenen Ferkel liegen über die Ringe in einem (fast) vergleichbaren Bereich.
Leider stellt sich die Situation bei der Erfassung der untergewichtigen Ferkel wesentlich schlechter dar: in allen Kriterien (Anteil der Würfe mit Erfassung, Anteil der Würfe mit untergewichtigen Ferkeln, Anteil untergewichtiger Ferkel) gibt es extreme Unterschiede zwischen den Fleischerzeugerringen.
Das Institut für Tierzucht führt derzeit Untersuchungen zur Bedeutung der paternalen Effekte der Eber auf Fruchtbarkeitsmerkmale (insbesondere lebend geborene Ferkel, tot geborene Ferkel) durch.
Aufgabe ist es nun die Datenerfassung weiter zu verbessern und mit der EGZH und der bayerischen Besamung abzustimmen, ob und wie welche Ergebnisse zukünftig genutzt werden können.

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Über 200.000 Schweine an der Leistungsprüfungsanstalt in Grub geprüft

Im Jahr 1956 ging die damalige Mastprüfanstalt für Schweine in Grub in Betrieb. An über 200.000 Prüftieren wurden seitdem Merkmale zur Mast- und Schlachtleistung und insbesondere zur Fleischqualität ermittelt. Die stationäre Leistungsprüfung stellt somit eine der wichtigsten Säulen zur Verbesserung dieser Merkmale und somit zur Stärkung der bayerischen Schweineproduktion dar. Mehr