Die Bayerische Eiweißinitiative

Startbilld Bayerische Eiweissinitiative

Hintergrund

Der Bedarf an Eiweißfuttermitteln in Bayern wird zu weniger als der Hälfte aus heimischer Produktion gedeckt. Der Rest wird vor allem aus Nord- und Südamerika importiert. Große Teile der Importe sind Produkte aus gentechnisch verändertem Soja. Heimische Eiweißfuttermittel stellen eine Möglichkeit zur Fütterung der bayerischen Nutztiere ohne Gentechnik dar. Sie bieten darüber hinaus weitere positive ökologische und ökonomische Effekte. Durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien ermöglichen Leguminosen die Einsparung mineralischer Dünger und verbessern so die Bodenfruchtbarkeit. Außerdem erhöhen sie die Vielfalt in der Landschaft und entstammen einer nachhaltigen Produktion. Darüber hinaus stärkt die heimische Eiweißversorgung regionale Wertschöpfungsketten und verbessert die Versorgungssicherheit.

Ziele der Bayerischen Eiweißinitiative

Vor diesen Hintergrund verfolgt die Bayerische Eiweißinitiative folgende Ziele:
  1. Geringere Abhängigkeit von Eiweißimporten aus Übersee in der Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel in Bayern
  2. Eiweißbedarf in der ökologischen Tierhaltung in Bayern ausschließlich aus heimischer Erzeugung decken
  3. Grünland und Leguminosen in Bayern nachhaltig fördern
  4. Wertschöpfung von heimischen Eiweißpflanzen nachhaltig stärken

Heimische Eiweißfuttermittel

Eine bedarfsgerechte Eiweißversorgung ist wesentliche Voraussetzung für die Gesundheit und das Leistungsvermögen unserer Nutztiere. Hierfür steht eine vielfältige Auswahl an heimischen Futtermitteln zur Verfügung. Neben den Körnerleguminosen (u. a. Ackerbohne, Erbse, Lupine und Sojabohne) leistet in Bayern auch das Grünland einen entscheidenden Beitrag zur Eiweißversorgung. Zusätzlich stellen auch Nebenprodukte der Ölpflanzen- und Getreideverarbeitung wichtige Eiweißfuttermittel dar. Hierzu zählen beispielsweise Raps- oder Sonnenblumenextraktionsschrote sowie Biertreber oder Trockenschlempe.

Heimische Alternativen zu Importsoja

Welche Eiweißfuttermittel außer Soja gibt es noch und wann kommen diese zur Anwendung?

Antwort als Text
Soja ist das wichtigste Eiweißfuttermittel. Darüber hinaus muss man sehen, in fast allen unseren Futtermittel ist Eiweiß enthalten. Es gibt natürlich Futtermittel, die haben mehr Eiweiß. Dies eignen sich ganz gut, den Bedarf an Eiweiß bei Nutztieren auszugleichen. Alternativ zum Sojaschrot könnte man beispielsweise Rapsschrot einsetzen, Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen. Wobei die Eignung für die einzelnen Tiergattungen unterschiedlich ist. Für Milchkühe und Rinder ist Rapsschrot, Ackerbohnen, Futtererbsen sehr gut geeignet. Da kann man weitgehend problemlos Sojaschrot ersetzen. Bei Schweinen und Geflügel tut man sich etwas schwerer. Weil dort die Zusammensetzung des Eiweißes, Aminosäuren, eine große Rolle spielt. Da erreicht man mit Rapsschrot, Ackerbohnen, Futtererbsen nicht die Qualität wie bei Sojaschrot. Entsprechend kann man bei diesen Tiergattungen nur einen Teil ersetzen, wenn man nicht Einbußen in Zuwachs oder bei der Eigröße haben möchte.

Potenziale

In Bayern liegen die größten Potenziale einer heimischen Eiweißversorgung in einer verbesserten Grünlandnutzung. Damit verbunden ist eine höhere Ausnutzung des Eiweißes im Grundfutter durch Milchkühe und Mastrinder. Weitere wesentliche Aspekte sind die effizientere Fütterung von Schweinen und Geflügel, sowie die Ausdehnung des Anbaus von Eiweißpflanzen. Zusätzliches Potenzial liegt in der Erhöhung des Anteils von Rapsextraktionsschrot in der Fütterung.

Arbeitsfelder

Graphik Beratung Forschung Wissenstransfer
Der Freistaat Bayern stellt für die Bayerische Eiweißinitiative gezielt Mittel zur Verfügung. Daraus werden Forschungsprojekte, Verbundprojekte mit LfL und Beratungseinrichtungen, sowie die Weitergabe von Informationen an Landwirte und Verbraucher finanziert.

Forschung

Die Forschungsprojekte greifen praxisorientierte Fragestellungen aus allen relevanten Bereichen auf:
  • Verbesserung der Anbautechnik von Eiweißpflanzen
  • Züchtung angepasster Soja- und Lupinensorten
  • Quantifizierung der Ernte- und Konservierungsverluste im Futterbau und Erarbeitung von Ansatzpunkten für eine effizientere Futterwirtschaft
  • Betrachtung der ökonomischen Aspekte des Einsatzes von heimischen Futtermitteln im Vergleich zu Importfuttermitteln
  • Beurteilung der Einsatzmöglichkeiten von heimischen Eiweißträgern bei den verschiedenen Tierarten und Altersgruppen
  • Abschätzung der Marktchancen von Produkten, die auf Basis von heimischen Futtermitteln erzeugt wurden

Beratung

Die fachliche Grundlage der Beratungsangebote liefern Forschungs- und Versuchsergebnisse aus den verschiedenen Fachinstituten der LfL. Bei der Umsetzung arbeiten die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eng mit den Verbundpartnern zusammen. Gezielte Fortbildungen durch die LfL und die Staatliche Führungsakademie (FüAk) gewährleisten ein konstant hohes fachliches Niveau der Beraterinnen und Berater. Wichtige Grundlage für Beratung und Fütterungspraxis sind die von der LfL laufend aktualisierten Beratungsinstrumente, z. B.:
  • Internetanwendung "LfL Deckungsbeiträge und Kalkulationsdaten"
  • Stärken-Schwächen-Profil für die Schweinehaltung
  • Rationsberechnungsprogramm ZIFO2

Wissenstransfer

Zentrale Elemente des Wissenstransfers sind die Bereiche der Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Vernetzung beteiligter Akteure, z. B.:
  • Feldtage und Veranstaltungen auf Demonstrationsbetrieben zur Veranschaulichung erfolgreicher Praxisbeispiele
  • Einbindung des Themenbereichs in die Fachschulen und die Meisterausbildung
  • Kooperationen mit den bundesweiten Netzwerken der Eiweißpflanzenstrategie (u. a. Soja-Netzwerk, Lupinen-Netzwerk, DemoNetErBo)
  • Teilnahme an Messen und Fachveranstaltungen

Wertschöpfungsketten

Die positiven Effekte einer heimischen Eiweißversorgung sind häufig mit höheren Kosten verbunden. Gleichzeitig werden Lebensmittel aus der Region vom Verbraucher zunehmend geschätzt. Die Fütterung auf der Basis von heimischen Pflanzen ermöglicht ein Angebot von regionalen, ohne Gentechnik hergestellten Lebensmitteln. Mit der Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch entsprechende Vermarktungslinien und Produkte können Landwirte, Verarbeiter, Handel und Verbraucher gleichermaßen profitieren. Einzelne Vermarktungsinitiativen gehen bereits erfolgreich diesen Weg. Die Bayerische Eiweißinitiative stellt im Bereich der Wertschöpfungsketten funktionierende Praxisbeispiele dar, unterstützt die Vernetzung der Marktakteure und leistet einen Beitrag zur Klärung offener, fachlicher Fragen.

Zwischenbilanz 2017 - Entwicklung und Erfolge

219.000 Tonnen, 50 % weniger Sojaextraktionsschrot in der Rinderfütterung

80.000 Tonnen, 20 % weniger Sojaextraktionsschrot in der Schweinefütterung

Verdoppelung der Leguminosenfläche auf 60.000 Hektar zwischen 2011 und 2017

Anstieg Sojaanbau auf 8.600 Hektar in Bayern 2017

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Projektinformation
Projektleitung: Dr. Robert Schätzl
Projektmitarbeiter: Sabine Braun, Anja Gain, Margarete Mühl
Laufzeit: 2011 bis vorraussichtlich 2018
Finanzierung: Das Projekt wird gefördert durch das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten