Bayerische Eiweißinitiative
Heimische Eiweißfuttermittel in der Milchviehfütterung

Kühe beim Fressen
Die Proteinergänzung in der Rinderfütterung wurde in den vergangenen Jahren häufig durch importierten Sojaextraktionsschrot vorgenommen. Doch die Gründe für den Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel sind vielfältig und liegen beispielsweise in der Möglichkeit der GVO-freien Fütterung, der Importunabhängigkeit, der Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und der Erhöhung der Biodiversität in der Kulturlandschaft.
In der Milchviehfütterung wird die Proteinversorgung nach den Parametern des nutzbaren Rohproteins (nXP) und der ruminalen Stickstoffbilanz (RNB) beurteilt. Der nXP-Gehalt eines Futtermittels ist von der Energiebereitstellung des Futtermittels für die mikrobielle Proteinbildung im Pansen und dem Anteil an pansenbeständigem bzw. unabbaubarem Rohprotein (UDP) abhängig.

Rohprotein aus dem Grundfutter

Der größte Teil des gesamten Eiweißbedarfs einer Milchkuh wird durch das Grobfutter gedeckt. Hohe Eiweißgehalte aus Gras, Klee und Luzerne sowie eine optimale Grobfutterqualität sind daher von besonderer Bedeutung und können
die notwendige Ergänzung mit zugekauftem Kraftfutter reduzieren.
Eiweißpflanzen
Verschiedene Forschungsprojekte der LfL beschäftigen sich aus diesem Grund mit der Verbesserung des Grünlands in Bayern sowie der effizienten Eiweißbereitstellung aus dem betriebseigenen Grobfutter. Hierbei werden Möglichkeiten zur Steigerung der Eiweiß- und Energieversorgung aus dem Grünland und Futterbau aufgezeigt. Beratung und Wissenstransfer unterstützen die praktische Umsetzung.

Wichtige Kennzahlen von Eiweißfuttermitteln sowie Einsatzempfehlungen für die Milchviehfütterung

Gruber Tabelle 2015, Eiweißfuttermittel in der Rinderfütterung 2013
NEL
[MJ/kg
TM]
XP
[g/kg
TM]
nXP
[g/kg TM]
RNB
[g]
Empfehlung
[kg FM/Tag]
Sojaextraktionsschrot
(48 %)
8,8 545 306 38 allein
Rapsextraktionsschrot 7,1 392 254 22 allein
Rapskuchen (8 % Fett) 7,9 370 180 30 2
Sojapresskuchen (8 %
Fett)
8,7 449 223 36 3
Biertreber, siliert 6,7 249 188 10 12
Weizentrockenschlempe 7,3 382 269 18 50 % *
Maisschlempe, flüssig 8,5 287 240 7 50 % *
Erbsen 8,5 235 183 8 50 % *
Ackerbohnen 8,6 295 194 16 50 % *
Süßlupinen 9,2 376 217 25 50 % *
Sojabohnen 9,9 400 198 32 1,5
Luzerneheu 4,6 150 126 3 1-2
Luzernecobs 5,5 185 162 4 2-3
*in einer Mischung mit 50 % Rapsextraktionsschrot

Eiweißkomponenten in der Milchvieh-/Rinderfütterung

Sojaprodukte
Einsatzmenge von Sojavollbohnen und Sojakuchen durch hohe Rohfettgehalte begrenzt; eine thermische Aufbereitung ist nicht notwendig, erhöht aber die Schmackhaftigkeit; geringere Calcium- und Phosphorgehalte als Rapsextraktionsschrot.
Rapsextraktionsschrot
als alleinige Eiweißkomponente ohne Leistungseinbußen kostengünstig einsetzbar; hoher UDP-Gehalt von etwa 35 %.
Rapskuchen
begrenzend ist der Gehalt an Rohfett, der maximal 4 % der Ration betragen sollte.
Erbsen und Ackerbohnen
sowohl Protein- als auch Energielieferant; aufgrund des relativ hohen Stärkegehalts kann ein hoher Einsatz in Verbindung mit Getreide Azidose begünstigen; in Abhängigkeit der Sortenwahl können antinutritive Inhaltsstoffe (Tannine) die Schmackhaftigkeit beeinträchtigen; die unbehandelt relativ niedrigen UDP-Gehalte (15 %) können durch eine Wärmebehandlung erhöht werden.
Lupinen
höchster Eiweißgehalt unter den heimischen Körnerleguminosen; der hohe Energiegehalt resultiert aus dem relativ hohen Fettgehalt (9 %) und dem hohen Anteil an leichtverdaulichen Zellwandbestandteilen (Pektine).
Biertreber
hohe Gehalte an UDP (40 %); der Mangel an strukturwirksamer Rohfaser macht eine Begrenzung auf 12 kg/Kuh und Tag notwendig; leichter Verderb, eine Silierung wird daher empfohlen.
Schlempen
hohe UDP-Gehalte von etwa 40 %; aufgrund des geringen Gehalts an Lysin und Methionin sollten Schlempen im Verhältnis 50/50 mit Rapsextraktionsschrot gemischt werden.
Luzernecobs
haben unter den Grobfuttermitteln den höchsten Eiweißgehalt; Luzernecobs liefern mit ca. 40 % einen hohen Gehalt an UDP.

Veränderung der Erzeugungkosten (ct/kg Milch)

Veränderung der Erzeugungkosten (ct/kg Milch) Grobfutterration

Tagesfutterration für Milchleistung von 25 kg/Tag, 7.500 kg Milchleistung pro Jahr, Marktpreise/Erzeugerpreise für Futtermittel im Schnitt WJ 2010/2011 - 2014/2015
Ergänzung der maisbetonten Ration mit Rapsextraktionsschrot bei Luzernencobs, Lupinen, Ackerbohnen und Futtererbsen
Ergänzung der ausgewogenen Ration mit Rapsextraktionsschrot bei Luzernencobs, Ackerbohnen und Futtererbsen

(Rationsberechnungen: M. Moosmeyer, P. Rauch - Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft)
Der Ersatz von Sojaextraktionsschrot kann in der Regel zu einer Absenkung der Erzeugerkosten führen, ohne den Futterwert zu beeinträchtigen.
Insbesondere eine Kombination mit Rapsextraktionsschrot wirkt sich kostenmindernd aus. Auch Sojaprodukte aus heimischem Anbau können bei einer geeigneten Vermarktungssituation eine sinnvolle Alternative darstellen.

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