Bayerische Eiweißinitiative
Feldtag Körnerleguminosen und Luzerne am 8. Juli 2016

Gruppe von Menschen am Sojafeld
Am 8. Juli 2016 veranstaltete die Bayerische Eiweißinitiative in Kooperation mit der Futtertrocknung Lamerdingen einen Feldtag zu Körnerleguminosen und Luzerne im Raum Lamerdingen. Hier wurden verschiedene Ansatzpunkte für eine verbesserte heimische Eiweißversorgung besprochen und Betriebe, die bereits erfolgreich Eiweißpflanzen anbauen, vorgestellt. Dabei wurde neben der Verwertung in der Nutztierfütterung auch die Möglichkeit der Nutzung von Sojabohnen für die Humanernährung thematisiert.

Naturlandbetrieb Johann Drexl

Am Betrieb von Johann Drexl leitete Martin Bräutigam vom AELF Fürstenfeldbruck mit einem Überblick über die regionale Entwicklung des Körnerleguminosenanbaus in den Feldtag ein. Johann Drexl stellte im weiteren Verlauf seinen Betrieb und dessen Besonderheiten, wie beispielsweise der Anbau von Speisesoja, vor. Zudem betonte er die Bedeutung von Leguminosen und ihre Fähigkeit der Stickstofffixierung für seinen biologisch bewirtschafteten Betrieb.
Ackerbohnen-Felderbegehung
Am Ackerbohnenfeld erläuterte der Betriebsleiter die durchgeführten Maßnahmen - Einzelkornsaat am 6. April, Blindstriegeln sowie 2 x Hacken. Im Anschluss erläuterte Irene Jacob von der Naturland Fachberatung das in diesem Jahr neu gestartete Demonetzwerk Erbse / Bohne sowie einen Anbauversuch mit 5 verschiedenen Sorten – Tiffany, Julia, Taifun, Bioro und Divine - hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Anbaueignung. Thomas Gerstmeier vom Fachzentrum für Pflanzenbau in Augsburg ergänzte die Ausführungen unter anderem um die Aspekte des integrierten Pflanzenschutzes sowie um allgemeine Empfehlungen für den konventionellen Ackerbohnenanbau.
Sojabohnen-Felderbegehung
Am 9. Mai wurden Sojabohnen der Sorte Amandine ebenfalls mit 50 cm Reihenabstand gesät. Auch hier wurde zur Beikrautkontrolle 2 x gehackt, die Wetterbedingungen ließen dieses Jahr kein Blindstriegeln zu. Durch die langanhaltende Nässe nach der Saat und die niedrigen Bodentemperaturen konnte sich die Sojabohne am Standort im Vergleich zu den Vorjahren nur mäßig entwickeln. Thomas Gerstmeier informierte über den diesjährig, regional stärker auftretenden Befall mit Distelfaltern. Zusätzlich stellte er Schadschwellen sowie Möglichkeiten zur Bekämpfung im biologischen und konventionellen Ackerbau vor. Ebenfalls wurden produktionstechnische Details - wie beispielsweise Möglichkeiten des chemischen Pflanzenschutzes, Problematik des tiefen Schotenansatzes der Sojabohne, sowie Impfung zur Aussaat - thematisiert.
Die im Betrieb Drexl angebauten Sojabohnen werden zum Großteil als Speisesoja für die Tofu-Herstellung vermarktet. Hierzu stellte Carmen Chaib von Naturkost Weber die Qualitätsanforderungen, geeignete Sorten sowie auch Probleme im Anbau vor. Ein tiefer Drusch mit hohen Erdanteilen kann beispielsweise zu einer Verdunklung der Sojabohnenschale führen und die Verwertung als Speisesoja unmöglich machen. Naturkost Weber hat sich zum Ziel gesetzt mindestens 50 Prozent ihres Sojabedarfs mit heimischen Bohnen zu decken.

Betrieb Josef Thoma

Josef Thoma baut auf seinem Betrieb 3,5 ha Luzerne an und nutzt diese um einen Teil seiner Greening-Verpflichtung im Hinblick auf die ökologische Vorrangfläche zu erfüllen. Er nutzt den Aufwuchs für die Fütterung seiner rund 130 Milchkühe und lässt die angebaute Luzerne bei der Futtertrocknung Lamerdingen zu Luzerneheuballen aufbereiten. Seine Milchkühe füttert er bereits seit 5 Jahren GVO-frei.
Luzerne-Felderbegehung
Auf einer seiner Flächen informierte Josef Thoma die Besucher wie er seinen Bestand etabliert und in der Vegetation führt. Er hat im Jahr 2015 nach der Ernte der Vorfrucht Gerste die Sorte Sandria mit einer Aussaatstärke von 35 kg / ha ausgesät. Dabei wurde geimpftes Saatgut verwendet. Zusätzlich verwies er auf die möglichst schonende Bergung der Luzerne um Bröckelverluste weitgehend zu vermeiden. Hierfür nutzt Josef Thoma einen Bandschwader. Jochen Obernöder vom Erzeugerring Südbayern e.V. stellte im Anschluss die wichtigsten produktionstechnischen Aspekte der Luzerne vor. Dabei ging er auf die Kriterien zur Sortenwahl, das Ertragspotential von Luzerne, Saatbettbereitung sowie zum Aussaattermin ein. Besonderes Augenmerk sollte man nach Empfehlung von Jochen Obernöder auf eine angepasste Schnitthöhe legen, da die Luzerne bei zu tiefem Schnitt mit Wuchsdepressionen reagiert.
Fütterung von Luzerne im Milchviehbetrieb
Anna Bilgeri, Fütterungsberaterin beim LKV, referierte über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Luzerne in der Fütterung von Milchkühen. Sie verwies dabei auf die hohen Beta-Karotingehalte in Luzerneprodukten sowie auf die guten Struktureigenschaften und die hohe Verdaulichkeit. Im Anschluss stellte sie die verschiedenen Nutzungsformen von Luzerne mit ihren Vor- und Nachteilen vor und gab Hinweise zu Obergrenzen beim Einsatz und zur Rationsgestaltung. Thomas Kaindl von der Futtertrocknung Lamerdingen eG stellte zum Abschluss die Möglichkeit einer Nutzung von Luzerne in einer Kälber-TMR vor.

Besuch der Futtertrocknung Lamerdingen

Der Feldtag endete mit dem Besuch der Trocknung Lamerdingen. Matthias Vögele, Geschäftsführer der Futtertrocknung, führte die interessierten Besucher über das Betriebsgelände und gab interessante Einblicke in die Arbeit der Futtertrocknung und die Trocknungsprozesse ihrer zahlreichen Produkte. Abschließend wurde bei Kaffee und Kuchen über die verschiedenen Produkte, die Marktentwicklung bei Heißluftgetrockneten Gras- und Luzerneprodukten, sowie den Vertragsanbau für die Futtertrocknung Lamerdingen eG diskutiert.