Beratungshilfe "Arbeitswirtschaft im Milchviehbetrieb"
Arbeitseffizienz und Personalkosten in wachsenden Milchviehbetrieben – ein Vergleich unterschiedlicher Melksysteme und Betriebsgrößen

Foto Fleckvieh-Kühe beim Fressen im Stall

Arbeitswirtschaft ist ein zentrales Thema für die ökonomische und soziale Zukunftsfähigkeit von Milchviehbetrieben. Bei den deutschen Spitzenbetrieben haben die ersten Betriebe die Grenze von 1 Mio kg Milch je Stallarbeitskraft überschritten. Für einen 25-Kuh-Betrieb mit 150.000 kg Jahresmilchproduktion ist dies eine unvorstellbare Zahl. Wie sich der sinkende Arbeitsaufwand je Milchkuh in wachsenden Milchkuhställen auf die Arbeitseffizienz und die Personalkosten auswirkt, zeigen der grafische Vergleich von drei konfigurierbaren Milcherzeugungssystemen.

Im Durchschnitt 474.000 kg Milch mit einer Stallarbeitskraft

Innerhalb ähnlich großer Milchviehbetriebe schwankt die Arbeitsproduktivität je Arbeitskraft enorm, wie die folgende Auswertung bayerischer Betriebszweigauswertungen zeigt (Tabelle). So hält die Gruppe unter 50 Kühe im Mittel 39 Kühe und erzeugt zwischen 141.000 und 380.000 kg Milch je Stallarbeitskraft (Stall-AK). Im Mittel der 93 Betriebe werden 118 Kühe gehalten. Der produktivste Betrieb kommt auf 976.000 kg Milch/Stall-AK, im Durchschnitt sind es 474.000 kg Milch/Stall-AK.
Spannen der Produktivität in kg Milch je Arbeitskraft in den jeweiligen Herdengrößenklassen
Herdengrößenklasse (Kuhe)< 5050 - 100100 - 150150 - 200> 200Gesamt
Anzahl Betriebe je Gruppe8481813693
Kuhbestand (Durchschnitte Anzahl Kühe)3976123173425118
AKh/Kuh - Mittelwert845851413455
AKh/Kuh - Minimum563539302424
AKh/Kuh - Maximum125127635250127
Kühe je AK - Mittelwert334751586549
Kühe je AK - Minimum
222140412421
Kühe je AK - Maximum
467064799999
kg ECM/AK - Mittelwert
291.885436.423494.805588.165711.559474.251
kg ECM/AK - Minimum
141.120120.659323.873391.619263.511120.659
kg ECM/AK - Maximum
379.769685.976694.809752.523975.520975.520
kg ECM/AKh - Mittelwert111167196251341191
kg ECM/AKh - Minimum594513119421945
kg ECM/AKh - Maximum146247279313423423
Datengrundlage: BZA Bayern, 175 konventionell wirtschaftende Milchviehbetriebe, Milchkuh mit Nachzucht ohne Außenwirtschaft, 92 % Laufstallbetriebe, 89 % Fleckvieh, 94 % mit Teil- oder Vollmischration, 13 % AMS-Betriebe

Excel-Tool macht Unterschiede grafisch sichtbar

Die Einflüsse auf die Arbeitseffizienz im Betrieb sind vielfältig. Neben dem Betriebsleiter und seinen Mitarbeitern begrenzen sicherlich am stärksten der Stall und die eingebaute Technik sowie die innere und äußere Verkehrslage. Zur Bewertung der Arbeitseffizienz sind u.a. folgende drei Kennwerte gängig und im Excel-Tool dargestellt:

  • Der Arbeitszeitaufwand je Milchkuh, welcher über die geleisteten Arbeitsstunden einer Arbeitskraft auf
  • die Kühe je Arbeitskraft und über die erzielte Milchleistung auf
  • die erzeugte Milch je Arbeitskraft umgerechnet werden kann.
Personal verursacht Kosten. Entweder über die Lohn- und Lohnnebenkosten für die Angestellten oder aber über den Lohnansatz für die Unternehmerfamilie. Bei vorgegebenem "Stundenlohn" kann im Excel-Tool die Personalkostenbelastung je Kilogramm erzeugter Milch berechnet werden. Sind dagegen die anvisierten Personalstückkosten je kg Milch vorgegeben, so lässt sich die maximal zahlbare "Stundenlohn" bzw. der Jahresbruttolohn ableiten.

Systemvergleich: von 180.000 kg bis 850.000 kg Milch mit einer Arbeitskraft

Arbeitseffizienz (Tsd. kg Milch je AK) in Abhängigkeit der HerdengrößeZoombild vorhanden

Abbildung 1: Arbeitseffizienz je Arbeitskraft

elch extreme Entwicklung diese Kennwerte in wachsenden Milchviehbetriebe nehmen, verdeutlicht die grafische Gegenüberstellung von drei Milcherzeugungssystemen im Excel-Tool "Arbeitszeit Milchvieh", beispielhaft hier die Grafik mit der Arbeitseffizienz je Arbeitskraft (Abbildung 1).

Die Excelanwendung zum Download

Hinweise: Die Excelanwendung öffnet mit einer makrogesteuerten Eingabe- und Ausgabemaske. Im oberen Teil erfolgen die erforderlichen Festlegungen für die Kennwertberechnung, im mittleren Teil werden die drei Milcherzeugungssysteme zusammengestellt. Im dritten Teil sind die Links auf die Grafik- und Tabellenseiten. Über den EINGABEMASKE-Button kommen sie immer wieder zurück. Der INFO-Button springt zum ersten Excelblatt mit den Informationen zur Anwendung.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Mehr zum Thema

Milchreporte Bayern

Das Wirtschaftsjahr 2023/24 war geprägt von starkem Rückgang bei Erzeuger- und leichtem Rückgang bei Produktionsmittelpreisen. Trotz 30-40 % Ergebnisrückgang zählt das Jahr zu den Spitzenjahren. Der Gewinnbeitrag je Milchkuh lag bei 1.600 Euro, die Arbeitszeitentlohnung bei 27 Euro/Stunde. BZA-Betriebe übertreffen bayerisches Mittel deutlich. (55 Seiten) Mehr