Pflege von Hecken und Feldgehölzen
Foto: Elke Schweiger
Hecken und Feldgehölze mit ihren Säumen der Vielfalt zählen wie Gewässer und Baumreihen zu den dauerhaften Strukturen unserer offenen Kulturlandschaft.
Hecken und Feldgehölze entstehen entweder von selbst oder werden bewusst angelegt. Eine fachgerechte Pflege, je nach Entwicklungszeitraum, kann die agrarökologische Funktionsfähigkeit verbessern sowie die Artenvielfalt erhöhen. Ältere und verkahlte Sträucher können sich verjüngen, Einzelbäume erhalten mehr Platz für ihre Entwicklung und der Unterwuchs mit Gräsern und Kräutern hat die Möglichkeit, sich artenreich zu entwickeln.Viele Pflanzen und Tiere profitieren durch diese Aufwertung ihres Lebensraumes, die Wirkung der Gehölzstrukturen für agrarökologische Funktionen bleibt erhalten und die wichtige Rolle als Vernetzungsstruktur besteht weiter.
Voraussetzung für die Pflege
Rechtlicher Schutz
Hecken und Feldgehölze in der freien Natur sind nach Artikel 16 Bayerisches Naturschutzgesetz in Verbindung mit § 39 Bundesnaturschutzgesetz als Landschaftsbestandteil geschützt. Es ist verboten, sie zu roden, abzuschneiden, zu fällen oder auf sonstige Weise erheblich zu beeinträchtigen.

Zeitraum der Pflege
Eine ordnungsgemäße Nutzung und Pflege im Zeitraum vom 1. Oktober bis 28. Februar, die den Bestand erhält, ist erlaubt. Ebenso sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses möglich. Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit öffentlicher Verkehrswege oder der öffentlich-rechtlichen Verpflichtung zur Unterhaltung der Gewässer erforderlich sind, können ebenfalls durchgeführt werden. Eine gezielte und fachgerechte Aufwertung pflegebedürftiger Hecken ist also möglich.
Pflegebedürftigkeit
Wichtig ist es, die Pflegebedürftigkeit von Hecken und Feldgehölzen zu beurteilen. Abhängig vom Standort, aber auch von der Artenzusammensetzung entwickeln sich diese Strukturen unterschiedlich. Anzeichen einer notwendigen Pflege sind zum Beispiel die Verringerung der Artenvielfalt der Strauchschicht zugunsten dominanter, schnellwüchsiger Arten, das Vergreisen und Auseinanderbrechen von Sträuchern, der Rückgang der Strukturvielfalt, Verkahlung sowie die Abnahme der
Gras- und Krautschicht. Eine fachgerechte Pflege beugt dem Verlust der agrarökologischen Funktionen vor und fördert die Artenvielfalt.
Bei spontan und daher meist über einen längeren Zeitraum entstandenen Hecken und Feldgehölzen kann es länger dauern, bis Pflegemaßnahmen erforderlich sind. Sie altern und vergreisen langsam und auch die Strukturvielfalt sowie der Unterwuchs
sind viele Jahre vorhanden. Die Nährstoff- und Wasserversorgung beeinflussen die Wuchsdynamik von Gehölzen und bestimmen so den Pflegezeitpunkt mit.
Flurneuordnungshecken hingegen wachsen in der Regel schnell, da sie oft auf nährstoffreichen Standorten gepflanzt wurden. Sie sind häufig durch einen hohen Anteil schnell wachsender Gehölze mit vielen Bäumen geprägt, dicht entlang von Wegen und ohne Saum gepflanzt. Ziel dieser Pflanzungen war es, möglichst schnell einen Windschutz zu erreichen und Strukturen in der Landschaft sichtbar zu machen.
Die Kronen der zahlreichen Bäume wachsen natürlicherweise in die Breite und überwachsen dabei ihren zu engen Standraum. Sie behindern die Durchfahrt, beschatten angrenzende Grundstücke oder sind durch die gegenseitige Konkurrenz in ihrer Vitalität so eingeschränkt, dass sie ganz oder Teile der Krone absterben. Sehr oft wird die Strauchschicht unterdrückt und stirbt ab, sodass die agrarökologischen Funktionen verloren gehen.
Eine rechtzeitige und fachgerechte Pflege verringert den Aufwand und die Kosten.
Grundsätze zur Pflege
Hecken und Feldgehölze sind ein wichtiger Lebensraum für eine große Anzahl von Pflanzen und Tieren unserer Kulturlandschaft. Je höher der Anteil an jungen, mittelalten und alten Gehölzen ist, desto größer ist die Strukturvielfalt. Das abschnittsweise Auf-den-Stock-Setzen fördert das für viele Arten so wertvolle und unterschiedliche Lebensraumangebot.

Eine rechtzeitige Pflege verhindert außerdem eine Überalterung des Gehölzbestandes. Gleichzeitig werden konkurrenzstarke und dominante Arten geschwächt, sodass einer Artenverarmung des Bestandes vorgebeugt wird.
Beim Auf-den-Stock-Setzen wird der Abschnitt in seiner ganzen Breite gepflegt. Dadurch erhält der neue Austrieb optimale Lichtverhältnisse und gleiche Aufwuchsbedingungen. Ein halbseitiges Auf-den-Stock-Setzen bei Hecken minimiert den Eingriff
zwar optisch, aber die nicht gepflegten Sträucher können den freien Raum schneller einnehmen als der Austrieb hier nachwächst, sodass es zu Pflanzenverlusten kommt. Diese Vorgehensweise ist nur für sehr breite Strauchhecken, ausgedehnte Gebüsche und Feldgehölze geeignet.
Wichtig ist es, bei den Pflegemaßnahmen wertgebende Gehölze zu erhalten. Je nach Situation werden zum Beispiel langsam wachsende, konkurrenzschwache Arten nicht Auf-den-Stock gesetzt oder es werden auch Dornensträucher als Nistplätze für Heckenvögel erhalten. Außerdem erfolgt eine Verringerung der Bodenbeschattung im gepflegten Abschnitt, was die Entwicklung einer artenreichen Gras- und Krautschicht fördert.
Die abschnittsweise Pflege – je nach Entwicklungszeitraum – ermöglicht, dass der gepflegte Abschnitt Zeit zum Nachwachsen erhält, bevor der nächste Auf-den-Stock gesetzt wird. So bleiben die Funktionen dieser Strukturen über den gesamten Pflegezeitraum erhalten und werden nicht erheblich beeinträchtigt.
Abschnittsweises Auf-den-Stock-Setzen
Länge und Anzahl der Abschnitte hängen von der Länge der Hecke, der Größe des Feldgehölzes, der Dichte von Gehölzstrukturen in der näheren Umgebung und der Zahl der Pflegeperioden ab. Die Pflege einer gesamten Hecke erstreckt sich meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren.Fachkompetenz und eine regelmäßige Begleitung sind nötig, wenn gezielt, punktuell und selektiv nur einige dominante und schnellwachsende Sträucher
wie Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Schlehe (Prunus spinosa) oder Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) Auf-den-Stock gesetzt werden und der restliche Gehölzbestand nicht gepflegt wird.
Erhalt wertgebener Gehölze
Bei der Pflege ist es sinnvoll, ökologisch besonders wertvolle Arten wie zum Beispiel die Sal-Weide (Salix caprea) als frühe Nahrungsquelle für Bienen oder den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) als wichtiges Vogelnist- und Nährgehölz auszusparen. Auch Rote Liste Arten, regionaltypische Arten oder langsam wachsende und ältere, schlecht wiederaustreibende Arten wie Kornelkirsche (Cornus mas), Weißdorn-Arten (Crataegus spec.), Mehlbeere (Sorbus aria), Wild-Birne (Pyrus pyraster) oder Holz-Apfel (Malus sylvestris) sollten oftmals als wertgebende Gehölze erhalten werden. In manchen Fällen ist ein gezieltes Einkürzen dieser Einzelgehölze erforderlich, was die typische Wuchsform erhält und die Standfestigkeit gewährleistet.
Totholz - Lebendiger Lebensraum
In Hecken und Feldgehölzen ist Totholz ein wichtiges Strukturelement und für die Artenvielfalt von großer Bedeutung. Viele Zerfallsstadien bieten zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Soweit keine Verkehrssicherungspflicht und Gefährdung besteht wird empfohlen, abgestorbene Bäume als stehendes Totholz bei Pflegemaßnahmen zu erhalten. Möglich ist es auch, absterbende Bäume nur so weit einzukürzen, dass sie keine Gefährdung darstellen. Auch kann vereinzelt liegendes Totholz im Gehölzbestand belassen werden.
Entfernung des Schnittgutes
Das bei der Pflegemaßnahme anfallende Schnittgut soll aus dem Bestand entfernt werden. Dadurch werden eine Nährstoffanreicherung sowie Verschattung vermieden und es kann sich eine artenreiche Kraut- und Strauchschicht entwickeln. Bis zu 20% des Schnittgutes können als Reisighaufen für die Bodenfauna zur Deckung aufgeschichtet werden. Die Entfernung und Entsorgung des Schnittgutes findet zwischen den 1.10. und 28.02., also außerhalb der Vogelbrutzeit statt.
Säume der Vielfalt
Gras- und Krautsäume entwickeln sich oft entlang von Gehölzstrukturen oder auf ungenutzten Grenzstrukturen. Die Artenzusammensetzung ist von der angrenzenden Nutzung, der Wasserversorgung und den weiteren Standortbedingungen
abhängig.
Zoombild vorhanden
Auch der Stieglitz findet Nahrung in artenreichen Säumen, Foto: Harald Volz
Ausreichend breite, artenreiche Säume entlang von Hecken und Feldgehölzen tragen besonders für Insekten wie Wildbienen zur Steigerung der Lebensraumqualität an diesen Standorten bei. Die Hälfte der rund 520 in Bayern vorkommenden Wildbienenarten nisten im Boden, rund ein Viertel in Hohlräumen von Pflanzenstängeln und der Rest in Totholz oder Mauerspalten. Dort überwintern die Larven und schlüpfen erst im nächsten Jahr.
In vielfältigen Säumen werden diese Ansprüche durch unterschiedliche Nistmaterialien und Nistmöglichkeiten wie offene Bodenstellen, markhaltige Pflanzenstängel oder Totholz unterstützt. Bei Wurzelbrut, vor allem der Schlehe, kann eine höhere Pflegeintensität in diesem Bereich – über mehrere Jahre hinweg – erforderlich sein, um ein Zuwachsen des Heckensaumes zu vermeiden.
Eine Herbstmahd bietet den Pflanzen die Möglichkeit auszusamen und für die Tierwelt bleiben Deckung und Nahrung bis spät in das Jahr erhalten. Je nach Vegetationsentwicklung erfolgt die Mahd im 2- bis 3- jährigen Turnus. Der Mähgutabtransport sorgt dafür, dass der Saum nicht zusätzlich mit Nährstoffen angereichert wird oder verfilzt. Die abschnittsweise Mahd erhält die Gesamtfunktion des Saumes als Deckung für Vögel oder Säugetiere sowie als vielfältige Nistmöglichkeit für Insekten das ganze Jahr über.
Zusammenhänge erkennen: Ein Mehr für Landwirtschaft und Biodiversität
Wenn wir uns die Zusammenhänge bei der fachgerechten Pflege von Hecken und Feldgehölzen bewusst machen, können wir ihre Bedeutung für die Landwirtschaft und die Biodiversität besser verstehen.Wer die Pflege von Hecken und Feldgehölzen fachgerecht durchführt, leistet einen wichtigen Beitrag für die agrarökologischen Funktionen und zu mehr Artenvielfalt.Wo diese Maßnahmen richtig durchgeführt werden, kann auch künftigen Generationen das Bewusstsein für die fachgerechte Pflege dieser Gehölzstrukturen vermittelt werden.