Projekt
Forum Diversifizierung: Ziele und Umsetzung

Bild Arbeitssitzung Arge Forum Diversifizierung
"Chancen für alle statt wachsen oder weichen!", erklärt Landwirtschaftsminister Brunner seine Agrarpolitik in der Regierungserklärung am 1. Juli 2014. Das "Forum Diversifizierung" unterstützt Landwirte dabei, zusätzliche Einkommensstandbeine aufzubauen. Experten aus den Bereichen der Wissenschaft, Verwaltung, Verbände und Berufspraxis arbeiten gemeinsam daran bestehende Einkommenskombinationen weiter zu entwickeln und neue Geschäftsfelder in der Diversifizierung zu eruieren.

Projektkonzept

Im Jahr 2014 erhielt das Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Auftrag – zunächst für zwei Jahre – ein Forum Diversifizierung einzurichten.

Welche Ziele hat das Projekt?

Das Projektkonzept sieht vor, die verschiedenen Perspektiven der Stakeholder (Anspruchsgruppen) im ländlichen Raum zu nutzen. Die Akteure – Wissenschaftler, Verwaltungskräfte, Regionalmanager, Bürgermeister und Vertreter der Berufsverbände – sollen Erfahrungen austauschen, ihre Informationen und ihr Wissen teilen, um gemeinsam Strategien zu entwickeln und Maßnahmen vorzuschlagen sowie Lösungen zu erarbeiten.

Insbesondere sollen die Projektteilnehmer versuchen,

  • durch neue Geschäftsideen die Diversifizierung voranzutreiben,
  • die Bereitschaft zum Auf- und Ausbau der Diversifizierung zu fördern,
  • die Kompetenzen der diversifizierenden Landwirte/Landwirtinnen und Bauern/Bäuerinnen zu erhöhen,
  • die Rahmenbedingungen für diversifizierende Landwirte/Landwirtinnen und Bauern/Bäuerinnen zu verbessern,
  • die Hemmnisse beim Ausbau der Diversifizierung abzubauen und
  • die Wertschöpfung und Beschäftigung im ländlichen Raum zu erhöhen.

Wie funktioniert das Forum Diversifizierung?

Es besteht aus

  • der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) als Dauereinrichtung und beratendes Gremium für den Landwirtschaftsminister und die Beratung und
  • den Arbeitsgruppen (AG), die in Teilprojekten jeweils spezifische, terminierte Aufgaben bearbeiten.

Die ARGE trifft sich einmal pro Jahr. Die knapp 40 Mitglieder kommen aus ganz Bayern und repräsentieren die vier Großgruppen:

  • Hochschulen und Bildungseinrichtungen,
  • landwirtschaftsnahe Verbände und Unternehmen,
  • Ministerien, Ämter und Fachverwaltung und
  • nicht-landwirtschaftliche Verbände und Unternehmen.
Als Experten geben sie Handlungsempfehlungen, welche Themen in den AG bearbeitet werden sollen und mit welchen Strategien die Diversifizierung vorangebracht werden kann. Die LfL als Projektnehmer formuliert aus den ARGE-Vorschlägen Projektthemen, die in den AG bearbeitet werden.
Die konkrete Facharbeit findet in den einzelnen AG statt. Jede AG trifft sich drei- bis viermal pro Jahr und setzt sich je nach Fachthema aus ARGE-Mitgliedern, LfL-Mitarbeitern, Experten innerhalb und außerhalb der Landwirtschaftsverwaltung oder Praktikern zusammen. Sie werden von der LfL berufen und geleitet. Die Projektdauer jeder AG hängt vom Umfang der jeweiligen Aufgabenstellung ab. Je nach Thema kann die Arbeit der AG, z. B. bestehen aus der Erarbeitung von Informationsmaterial und Beratungsunterlagen, dem Erstellen von Umsetzungskonzepten, der Initiierung von Pilotprojekten sowie der Durchführung von Seminaren, Fachtagungen und Workshops. Die AG entscheiden selbstständig, welche Produkte sie erarbeiten wollen.

Projektumsetzung

1. ARGE-Sitzung

Sie fand am 23. Oktober 2014 als Auftaktveranstaltung des Projekts Forum Diversifizierung in Grub statt. In der ARGE sind Akteure aus der Wissenschaft, Verwaltung, berufsständischen Vertretung, dem Regionalmanagement sowie den Kommunen vertreten.
Nach der Begrüßung und einer Vorstellungsrunde wurden das Projektkonzept und Projektteam vorgestellt. Zur Klärung des Begriffs "Diversifizierung – was verstehen wir darunter?" wurde von Antonie Huber, LfL ein Statement abgegeben, das im Anschluss diskutiert wurde.
Statement: Diversifizierung im landwirtschaftlichen Unternehmen
Während die landwirtschaftliche Urproduktion Einkommen durch die landwirtschaftliche Bodennutzung und Tierhaltung erzielt, schafft die Diversifizierung zusätzliches Einkommen durch neue, nicht der klassischen Pflanzen- und Tierproduktion zuzuordnende Tätigkeitsfelder im Unternehmen. Es entsteht ein erweitertes Angebot von Produkten/Dienstleistungen außerhalb der Urproduktion (Einkommenskombination).

Das erweiterte Angebot von Produkten und Dienstleistungen kann unterteilt werden in

  • betriebsnahe/betriebsgebundene Einkommenskombinationen
    z. B. haushaltsnahe Einkommenskombinationen wie Urlaub auf dem Bauernhof, Partyservice, Direktvermarktung
    z. B. landwirtschaftsnahe Einkommenskombinationen wie Biogasanlage, Brennholz-Vermarktung, Gebäude- und Maschinenvermietung, Lohnarbeiten, Pensionspferdehaltung
  • betriebsfremde/betriebsungebundene Einkommenskombinationen
    z. B. Kiesgrube, Handwerksbetrieb, Betreiben einer Sportanlage

Ziele der Diversifizierung

  • Erzielung zusätzlichen Einkommens
  • Erhaltung und Stabilisierung des landwirtschaftlichen Betriebs
  • Risiko-Streuung
  • Synergie-Effekte
  • Möglichkeit der Preisdifferenzierung bei Angeboten
  • Steigerung der Attraktivität des bestehenden Angebots
  • Entstehung von Arbeitsplätzen
  • Verwertung vorhandener Qualifikationen
  • Verwertung vorhandener, nicht genutzter Gebäude
Diversifizierung ist immer verbunden mit dem Wettbewerb um Ressourcen. Das heißt, sie beeinflusst das Geschehen im gesamten landwirtschaftlichen Betrieb, in den anderen Einkommenskombinationen, innerhalb der Familie und im Haushalt.

Die ARGE trifft dazu folgende Feststellungen:

  • Im Zentrum der Diversifizierung in der Landwirtschaft steht der landwirtschaftliche Betrieb. Sie betrifft aber auch die ländlichen Räume.
  • Bei der Diversifizierung sollten ganze Wertschöpfungsketten beachtet werden, das heißt die dem Bauernhof vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfung.
  • Die Region prägt den Rahmen dessen, was der einzelne Betriebsleiter anbieten kann. Region und Betrieb gehen also Hand in Hand. Dabei ist die Vernetzung der diversifizierenden Betriebe mit ihrem Umfeld ein Muss.
  • Der unternehmerische Ansatz ist bei den Landwirten zu stärken, z. B. durch Schulung des unternehmerischen Denkens und Handelns.
  • Diversifizierung schafft Arbeitsplätze, auch für gut ausgebildete junge Leute, die eine nicht-selbstständige Arbeit anstreben.

Die ARGE empfiehlt folgende Themen in AG zu bearbeiten:

  • Soziale Landwirtschaft
  • Öffentliche Services: Nahversorgung mit Lebensmittel, Daseinsfürsorge, kommunale Dienstleistungen
  • Regionale Wertschöpfungsketten

Im Anschluss an die 1. ARGE-Sitzung formulierte die LfL aus diesen breiten Themenfeldern griffige Aufgabenstellungen zur Bearbeitung in den Arbeitsgruppen:

  • Soziale Landwirtschaft – allgemein
    • Sub-AG: Senioren auf dem Bauernhof
    • Sub-AG: Suchtkranke auf dem Bauernhof
  • Der Landwirt als Dienstleister für die öffentliche Hand
  • Regionale Wertschöpfungsketten und -partnerschaften im Bereich Landwirtschaft und Tourismus

2. ARGE-Sitzung

Sie fand am 27. November 2015 im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten statt. Neben den Berichten aus den AG wurden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme "Soziale Landwirtschaft" vorgestellt und relevante Zukunftsthemen diskutiert.
Projektinformation
Projektzeitraum: 15. Juli 2014 bis vorerst bis 15. Juli 2016
Projektverantwortlich: LfL, Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur (IBA).

Kontakt