Arbeitsgruppe (AG): Soziale Landwirtschaft

Foto Pferdelehnen

Foto: Christiane Zeintl

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreut das "Forum Diversifizierung". Es unterstützt Landwirte dabei, zusätzliche Einkommensstandbeine aufzubauen. Eine Arbeitsgruppe des Forums bearbeitet das Themenfeld "Soziale Landwirtschaft".

Landwirtschaftliche Betriebe mit Angeboten der Sozialen Landwirtschaft öffnen ihren Hof für Menschen mit Behinderungen und/oder (sozial) schwache, benachteiligte Menschen. Die Angebote reichen z. B. vom Wohnen, der Versorgung und Betreuung bis hin zur Mitarbeit im landwirtschaftlichen Betrieb und Haushalt. Damit soziales Engagement zur echten Einkommensalternative wird, unterstützt das Forum Diversifizierung potenzielle Anbieter und deren Kooperationspartner beim Aufbau geeigneter Geschäftsmodelle.

Soziale Landwirtschaft – ein Sammelbegriff für eine große Idee

Soziale Landwirtschaft, Social Farming, Care Farms, Green Care sind Sammelbegriffe für eine große internationale Idee. Grundlegende Gemeinsamkeit ist, dass Themen und Aufgaben der sozialen Arbeit auf dem Bauernhof transferiert werden. Wobei die Natur, die Tiere, der Kontakt zur Bauernfamilie mit der Einbindung in feste Tages- und Familienstrukturen als Schlüsselfaktoren für eine positive integrative Entwicklung der Klienten sorgen.

Bayern als Vorreiter mit eigener Definition

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat im Jahr 2014 die Studie „Soziale Landwirtschaft in Bayern – praxisorientierte Bestandsaufnahme“ in Auftrag gegeben.

Studie "Soziale Landwirtschaft in Bayern - praxisorientierte Bestandsaufnahme" (Zusammenfassung) (externe PDF-Datei) Externer Link

Aufbauend auf diese Studie definiert die staatliche Landwirtschaftsberatung in Bayern ihre Arbeit im Bereich Soziale Landwirtschaft enger:

  • zum einen unter der Prämisse, ein echtes Einkommensstandbein für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen sowie
  • zum anderen in Abgrenzung zu den erlebnisorientierten Angeboten, wie z. B. Kindergeburtstag auf dem Bauernhof, Lern- und Erlebniswelt Bauernhof für (Schul-)Kinder und Jugendliche.
Danach wird die Soziale Landwirtschaft wie folgt definiert:
Betreuung und Beschäftigung von Personen mit besonderen (sozialen) Bedürfnissen in der Landwirtschaft, ländlichen Hauswirtschaft, im Forst und Gartenbau mit dem Ziel, eine individuelle, adäquate Lebensführung beim "Nutzer" zu fördern und um eine verlässliche Wertschöpfung in Form von Einkommen und/oder Arbeitsleistung für den landwirtschaftlichen Betrieb zu erzielen.

Soziale Landwirtschaft – Vielfalt an Zielgruppen und Angeboten

Die Angebote im Bereich Soziale Landwirtschaft sind sehr facettenreich. Sie unterscheiden sich nach der/dem

  • Zielgruppe ("Nutzer")
  • Zielsetzung des Aufenthalts
  • Kostenträger (Selbstzahler, Kostenübernahme durch Dritte)
  • Leistungsspektrum des Bauernhofs
  • Aufenthaltsdauer

Zielgruppen

Männer bei der WaldarbeitZoombild vorhanden

Foto: Christoph Reichert

Die Soziale Landwirtschaft richtet sich einerseits an Menschen mit körperlichen, geistigen, sozialen und/oder psychischen Beeinträchtigungen; dazu gehören auch Menschen mit Suchterkrankungen, Lernschwäche und sozialen Eingliederungsproblemen. Andererseits zählen altersbezogen zu den Zielgruppen: Kinder und Jugendliche sowie Senioren von den Junggebliebenen bis hin zum pflegebedürftigen älteren Menschen.
Aufgrund ihres sehr unterschiedlichen Bedarfes verfolgen die einzelnen Zielgruppen sehr unterschiedliche Zielsetzungen mit dem Bauernhofaufenthalt.

Zielsetzung des Aufenthalts aus Sicht der Zielgruppe

Der "Nutzer" kann mit dem Bauernhofaufenthalt folgende Zielsetzungen verfolgen:

  • Betreuung und Beschäftigung
  • Erziehung und Bildung
  • Freizeitgestaltung
  • Therapie und Rehabilitation
  • Integration
Aus Nutzersicht dient der Bauernhofaufenthalt oft dem Zweck mehrerer dieser Ziele.

Zielsetzung aus Sicht des landwirtschaftlichen Betriebs

Mit dem Einstieg in die Soziale Landwirtschaft möchte der landwirtschaftliche Betrieb neben seinem sozialen Engagement Einkommen erzielen und/oder durch eine zusätzliche Arbeitskraft arbeitswirtschaftliche Vorteile nutzen. Darüber hinaus profitiert die bäuerliche Familie oft menschlich von den persönlichen Erfahrungen beim Umgang mit den neuen Hofbesuchern/Hofbewohnern.
Bestenfalls sollte die Zielsetzung des Bauerhofaufenthalts aus Sicht des "Nutzers", des landwirtschaftlichen Betriebes und ggf. des Kostenträgers (z. B. Bezirk) immer eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sein.

Leistungsspektrum des Bauernhofs

Es kann reichen von (erlebnis-)pädagogischen Dienstleistungen (z. B. Lern-und Freizeitprogramme, Bauernhof-Kindergarten) für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, der Betreuung und Beschäftigung der Menschen mit Beeinträchtigung, der hauswirtschaftlichen Versorgung und Verpflegung bis hin zur Gewährung von Unterkunft bzw. Vermietung von Wohnungen (z. B. an Senioren).

Aufenthaltsdauer

Entsprechend der Zielsetzung und dem Leistungsspektrum kann sich die Aufenthaltsdauer von einigen Stunden auf dem Bauernhof bis mehrere Jahre erstrecken.

Vom Wert der Sozialen Landwirtschaft auf dem Bauernhof

Verschiedene (internationale) Studien im Bereich der Grünen Sozialarbeit und der Green-Care-Bewegung zeigen, dass das Leben und Arbeiten in und mit der Natur sowie das familiäre Umfeld auf dem Bauernhof sich positiv auf das Befinden und die Entwicklung eines Menschen auswirken kann und so erhebliche therapeutische Erfolge möglich sind. Der Hauptgrund dafür ist, dass bei den Tätigkeiten auf dem Bauernhof nicht allein der Intellekt gefordert ist, sondern auch die Gefühle angesprochen werden (insbesondere z. B. beim Umgang mit Tieren) und durch praktisches, körperliches Tun Selbstwirksamkeitserfahrungen gesammelt werden können.
Der positive Mehrwert der Sozialen Landwirtschaft auf dem Bauernhof liegt somit in der Ganzheitlichkeit von Lernen, Erleben, Gestalten und Arbeiten, oder wie es Pestalozzi ausdrückt: "Lernen mit Kopf, Herz und Hand".

Der Bauernhof bietet die Möglichkeit

  • Alltagskompetenzen zu erwerben bzw. zu erhalten
  • Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit zu fördern
  • Erfahrung zum Leben und Tod zu sammeln
  • Nachhaltigkeit im Handeln zu lernen
  • der vielfältigsten Sinneserfahrungen
  • Sozialkompetenzen zu verbessern
  • zum integrativen Leben und Arbeiten

Bericht aus der Arbeitsgruppe Soziale Landwirtschaft

Die Thematik wird seit Februar 2015 von 17 Vertretern aus der Landwirtschaftsverwaltung, dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, dem Bezirk, dem Berufsstand sowie Vertretern aus Praxis und Forschung im Bereich Soziale Landwirtschaft bearbeitet.
Die Arbeitsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, (potenziellen) Anbietern Orientierungs- und Entscheidungshilfen beim Einstieg und Ausbau ausgewählter Angebotsformen zu geben. Im Fokus der Arbeitsgruppe stehen dabei die Zielgruppen und Angebote, die sich rechnen (Einkommen, Arbeitswirtschaft), arbeitswirtschaftlich vertretbar sind sowie für den landwirtschaftlichen Betrieb mit vergleichsweise wenig Hürden bzw. zu erfüllenden Anforderungen machbar sind. Interessant sind auch Angebote, bei denen die Nutzung ggf. vorhandener, leer stehender Bausubstanz möglich ist.
Anbietern im Grenzbereich zur Sozialen Landwirtschaft (z. B. Erlebnisbauern/-bäuerinnen) kann die Ausweitung ihres Angebotsprofils auf Zielgruppen mit besonderen sozialen Bedürfnissen aufgezeigt werden.

Arbeitsergebnisse

  • Durch den Flyer "Soziale Landwirtschaft – Eine Perspektive für Ihren Betrieb" wird der Bekanntheitsgrad der Sozialen Landwirtschaft als Einkommensalternative bei den landwirtschaftlichen Unternehmern/innen gesteigert. Darüber hinaus kann er auch werbewirksam bei den Zielgruppen und "Nutzern" eingesetzt werden.
  • Zur Orientierung und Entscheidungsfindung wurden für den landwirtschaftlichen Betrieb geeignete Angebotsformen ausgewählt und ein Leitfaden erstellt. Zu den Inhalten zählen u. a. die Beschreibung der Einstiegsvoraussetzungen für verschiedene Angebotsformen anhand von Steckbriefen, Rechtsgrundlagen, Finanzierung, Ansprechpartner.

Ansprechpartner
Antonie Huber
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-330
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de