Arbeitsgruppe (AG): Der Landwirt als Dienstleister für Gewerbe- und Privatkunden sowie die öffentliche Hand

Foto Mähen einer Böschung

Foto: MR Oberland AG/Andreas Müller

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreut das "Forum Diversifizierung". Es unterstützt Landwirte dabei, zusätzliche Einkommensstandbeine aufzubauen. Eine Arbeitsgruppe des Forums bearbeitet das Themenfeld "Der Landwirt als Dienstleister für Gewerbe- und Privatkunden sowie die öffentliche Hand".

Beim Aufbau eines Einkommensstandbeins neben der Landwirtschaft liegt es nahe, die bereits vorhandene landwirtschaftliche Fachkompetenz, das Erfahrungswissen sowie vorhandene Maschinen und Geräte nutzbringend einzusetzen. Neben der Lohnunternehmertätigkeit für Landwirte ist dies beim Erbringen von landwirtschaftsnahen Dienstleistungen für Gewerbe- und Privatkunden sowie die öffentliche Hand möglich.

Landwirtschaftsnahe Dienstleistungen für Nicht-Landwirte

Ziel der Arbeitsgruppe ist es, Landwirten beim Einstieg in den Betriebszweig landwirtschaftsnahe Dienstleistungen für Nicht-Landwirte wie z. B. Winterdienst, Vegetations- und Landschaftspflege durch Informationsmaterial Hilfestellung beim Einstieg bzw. bei der Optimierung des eigenen Angebots zu geben. Darüber hinaus soll der Bekanntheitsgrad der landwirtschaftsnahen Dienstleistungen als Einkommensalternative gesteigert werden.

Geeignete Dienstleistungsarten

  • Landschaftspflege (Pflege exponierter/geschützter Flächen z.B. Magerrasen, Windschutzheckenpflege)
  • Vegetationspflege (Pflege bestehender Vegetation z.B. Rasen mähen, Heckenpflege, Unkraut jäten, Gehölzschnitt, Mulchen)
  • Winterdienst (Schneeräumen, streuen von Salz bzw. Sand gegen Glatteis)
  • Bäume fällen (Fällarbeiten von einzelnen Bäumen z.B. bei Sturmschäden)
  • Waldbewirtschaftung (Bewirtschaftung von Waldflächen mit erforderlichen Zertifikaten)
  • Wegeunterhalt (Bankette mähen, grädern und walzen, Spritzasphaltierungen)
  • Grabenreinigung (Entfernen von Bewuchs einschließlich ausmähen)
  • Kehrdienst (regelmäßige Kehrarbeiten auf Straßen und Plätzen, im Herbst auch Laubkehrarbeiten)
  • Baggerarbeiten (alle Arbeiten mit Bagger z. B. Abbrucharbeiten, Erdarbeiten)
Punkt-Diagramm: Die Landschaftspflege erreicht den höchsten Wert, Baggerarbeiten den niedrigsten Wert.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Portfolio-Analyse

Die Beurteilung der Eignung resultiert einerseits aus der Bewertung der Attraktivität aus Sicht des Landwirts und andererseits dem Nachfragebedarf der Auftraggeber durch die Einschätzung der Arbeitsgruppenmitglieder (= nicht repräsentativ). Die Dienstleistungsarten sind in abnehmender Reihenfolge genannt. Die der Rangfolge zugrunde liegende konkrete Bewertung ergibt sich aus der Portfolio-Analyse (Abbildung 1).
Danach wurde die Landschaftspflege für den Landwirt als attraktivste Dienstleistung bei hohem Nachfragebedarf bewertet. Die Erkenntnis dabei ist, dass sich für diversifizierende Landwirte nicht jede Dienstleistungsart gleichermaßen lohnt. Ein Grund kann z. B. sein, dass sich die hohen Anschaffungskosten für Spezialmaschinen bei geringer Auslastung im Wettbewerb mit spezialisierten Anbietern nicht lohnen.

Ziele der (potenziellen) Anbieter beim Einstieg in diese landwirtschaftsnahen Dienstleistungen

Es lassen sich drei Gruppen von Landwirten unterscheiden:

Landwirte, die…

  1. ein kleineres, oft auch situationsgebundenes Nebeneinkommen ohne größere Zusatzinvestitionen suchen;
  2. ein stetiges relevantes Einkommen aus diesem Nebenbetrieb durch Professionalisierung und Zusatzinvestitionen - meist als Sub-Unternehmer - anstreben;
  3. langfristig als Komplett-Dienstleister ein breites Angebots- und Kundenportfolio besitzen sowie bereit sind, unabhängig vom landwirtschaftlichen Maschinenpark, zu investieren und Mitarbeiter zu beschäftigen, wobei die Landwirtschaft zum Nebenbetriebszweig wird.
Die Landwirte gemäß den Punkten 1 und 2 dieser Beschreibung benötigen meist Entscheidungshilfen beim Einstieg, Know-how zur Angebotskalkulation, Auftragsabwicklung und den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Kompetenzen als Dienstleister (z. B. Service-Denken, Dienstleistungsmarketing, Verkaufsrhetorik). An diese beiden Gruppen an Landwirten richtet sich vorrangig das zu erarbeitende Informationsmaterial.

Bericht aus der Arbeitsgruppe "Der Landwirt als Dienstleister für Gewerbe- und Privatkunden sowie die öffentliche Hand"

Auf Wunsch der ersten ARGE-Sitzung stand zu Beginn der Projektarbeit die öffentliche Hand als Auftraggeber im Fokus. Bei der Bearbeitung wurde aber bald offensichtlich, dass es sinnvoll ist, Gewerbe- und Privatkunden als Auftraggeber in die Betrachtung mit einzubeziehen. Denn landwirtschaftliche Betriebe, die im Nebenerwerb in diesem Bereich einsteigen wollen, erschwert das Vergaberecht die Auftragsakquise bei der öffentlichen Hand. Bei Gewerbe- und Privatkunden gestaltet sich die Auftragsvergabe viel einfacher. Gleichzeitig ist bei ihnen tendenziell eine steigende Nachfrage zu beobachten.
Für die geeigneten Dienstleistungsarten wurden Steckbriefe erarbeitet. Sie beschreiben die Einstiegsvoraussetzungen. Dies erleichtert dem Landwirt die Entscheidungsfindung, welche Dienstleistungsart(en) für ihn geeignet sind.

Arbeitsergebnisse

Ein Kompetenzpapier für Landwirte wurde erstellt. Inhalte sind u.a. Portfolio-Analyse, sieben Steckbriefe, Alleinstellungsmerkmale, Auftragsabwicklung, Vergaberecht, Haftungsrisiken, steuerrechtliche Aspekte, Dienstleistungsqualität und -marketing, Verkaufsrhetorik.

Ansprechpartner
Antonie Huber
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-330
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de