Arbeitsgruppe (AG): Senioren auf dem Bauernhof im Rahmen der Sozialen Landwirtschaft

Ein älteres Paar streichelt Schafe auf einer Wiese

Foto: Doliwa

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreute von 2014 bis 2016 das "Forum Diversifizierung". Das Projekt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirte/Landwirtinnen mit dem Erstellen praxisorientierter Unterlagen beim Aufbau zusätzlicher Einkommensstandbeine zu unterstützen. Eine Arbeitsgruppe (AG) des Forums bearbeitete das Themenfeld "Soziale Landwirtschaft".

Zielsetzung der AG

Aufgrund ihres Marktpotenzials und ihrer Leistungsspektren kommt den Angeboten für Senioren auf dem Bauernhof innerhalb der Sozialen Landwirtschaft eine besondere Rolle zu. Deshalb hatte sich im Rahmen des Forums Diversifizierung unter dem Dach der Sozialen Landwirtschaft eine eigene AG unter Leitung des Instituts für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur der LfL mit dem Thema beschäftigt, um Unterlagen zum Aufbau und Betreiben dieser Einkommenskombinationen sowie zum Einsatz bei Qualifizierungen zu erarbeiten.
Zu den zwölf Mitgliedern der AG zählten Vertreter/innen aus der Landwirtschaftsverwaltung, dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der Koordinationsstelle Wohnen im Alter, dem Berufsstand und einem Vertreter aus der Praxis.

Ältere Menschen als Zielgruppe

Im Hinblick auf die demografische Entwicklung besitzen Angebote für ältere Menschen ein hohes Marktpotenzial, das sich in Zukunft weiter ausbauen lässt. Dies kann auch für landwirtschaftliche Betriebe von Interesse sein.
Zum Projektzeitpunkt lebten in Bayern 2,5 Millionen Personen im Alter von 65 Jahren oder älter. Ihr Anteil wird bis zum Jahr 2034 um rund 39 Prozent zunehmen, wobei sie mit rund 90 Prozent größtenteils keinen Pflegebedarf haben.
Das Altern ist ein Prozess, der individuell sehr unterschiedlich verläuft. Kognitive, motorische oder sensorische Einschränkungen können im Alterungsprozess auftreten, ihn begleiten und zu einem Hilfebedarf führen. Deshalb lässt sich die Zielgruppe der Senioren/Seniorinnen nicht einheitlich beschreiben bzw. abgrenzen. So gibt es eine Vielzahl von Altersbildern, die nebeneinander stehen, sich auch verändern können und differenziert zu betrachten sind.
Das Altern verläuft individuell sehr unterschiedlich. Dies ist zu beachten, wenn ein(e) Landwirt/in sich mit Angeboten an die Zielgruppe „ältere Menschen“ richtet. Darüber hinaus ist es notwendig, dass der/die Anbieter/in über die Hilfsangebote im regionalen Umfeld Bescheid weiß und/oder lokale Ansprechpartner/innen mit Expertise zum Thema „Alter“ kennt.
Aus der Perspektive des Landwirts/der Landwirtin gilt es, zunächst die eigenen Möglichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse bezüglich eines Angebots zu klären. Um diese anschließend dann mit den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppen älterer Menschen abzugleichen. Die AG stellte fest, dass die Spannweite von möglichen Angeboten sehr groß ist. Sie kann reichen vom alleinigen Vermieten von Wohnraum bis hin zu unterstützenden Hilfeleistungen oder Pflege. Letztere ist nur möglich bei einer entsprechenden Fachqualifikation und Anerkennung der Einrichtung durch die FQA (Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen = „Heimaufsicht“).

Geeignete Angebotsformen für den bäuerlichen Familienbetrieb

Die Angebotsvielfalt ist groß. Von der AG wurden acht Angebotsformen mit unterschiedlichem Ressourcenbedarf ausgewählt, die für den landwirtschaftlichen Betrieb geeignet erscheinen. Für diese Angebotsformen wurden die Einstiegsvoraussetzungen in Form von Steckbriefen erarbeitet. Dabei wurden vorrangig Angebotsformen ausgewählt, die überwiegend ohne (alten-)pflegerische Fachqualifikation ausgeübt werden können. Die Wohnformen können auf Zeit, aber auch auf Dauer angelegt sein.

  • In eigenen abgeschlossenen Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen lebend:
    • Betreutes Wohnen von Senioren auf dem Bauernhof (Appartements)
    • Seniorenhausgemeinschaft (Wohnungen mit mehreren Zimmern)
  • In einer gemeinsamen Wohnung lebend:
    • Seniorenwohngemeinschaft
    • Ambulant betreute Wohngemeinschaft
  • Zeitlich begrenzte Aufenthalte auf dem Bauernhof:
    • Urlaub auf dem Bauernhof mit pflege- und/oder betreuungsbedürftigen Angehörigen
    • Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit dem Landwirt/der Landwirtin als Anbieter/in
    • Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit dem Landwirt/der Landwirtin als Vermieter/in von Räumlichkeiten
    • Erlebnisorientierte Angebote für Senioren auf dem Bauernhof
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mögliche Leistungsspektren bei verschiedenen Angebotsformen

Die Abbildung zeigt im Überblick, welche Leistungen von dem Landwirt/von der Landwirtin bei der jeweiligen Angebotsform vorzuhalten sind. Bei in Klammer gesetzten Punkten handelt es sich um eine "Kann-Leistung", nicht um eine "Pflichtleistung". Des Weiteren ist zu unterscheiden zwischen der Beschäftigung (B) im Sinne der freiwilligen sporadischen Mithilfe durch den Klienten/die Klientin und einem regulären Arbeitsverhältnis (A),
Mit Ausnahme der meisten erlebnisorientierten Angebote treten der Landwirt/die Landwirtin dabei immer als Vermieter/in auf. Darüber hinaus können vom Nutzer frei wählbare Serviceleistungen wie z. B. Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung, Verpflegung, Hausmeister- und Vermittlungstätigkeiten übernommen werden, wenn die bäuerliche Familie dazu die nötige freie Arbeitskapazität hat. Je nach Vereinbarung ist für fittere ältere Menschen auch eine Mithilfe im Betrieb möglich.

Ressourcenbedarf der Wohnformen im Vergleich

Der Bedarf an den Ressourcen – Kapital, freie Arbeitskapazität und vorhandene, nicht mehr benötigte Bausubstanz – ist je nach Angebotsform sehr unterschiedlich.
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Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Dauer im Vergleich

Wohnformen auf Dauer setzen einen vergleichsweise hohen Bedarf an möglichst schon vorhandener, geeigneter Bausubstanz voraus. Damit verbunden ist dann meist auch ein erheblicher Kapitalbedarf, um die Wohneinheiten altengerecht zu gestalten. Statt eines Neubaus erweist sich aus Sicht der Rentabilität meist der Umbau einer Bestandsimmobilie als vorteilhafter.
Ein hoher Wohnflächenbedarf trifft besonders auf das Angebot "Seniorenhausgemeinschaft" zu. Mit Ausnahme des Betreuten Wohnens als Angebotsform übernimmt der Landwirt/die Landwirtin bei diesen Wohnformen vorrangig die Vermieterrolle. Sie erfordert eine vergleichsweise geringe freie Arbeitskapazität. Bei genügend freier Arbeitskapazität sowie vorhandenem handwerklichen und hauswirtschaftlichen Kompetenzen können jedoch weitere Dienstleistungstätigkeiten übernommen werden.
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Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Zeit im Vergleich

Bei Wohnformen auf Zeit schwankt je nach Umfang und Art des Angebots der Bedarf an notwendiger Bausubstanz und erforderlichem Kapital ganz erheblich. Das Gleiche gilt für die aufzuwendende Arbeitszeit. Gering anzusetzen ist sie, wenn nur vermietet wird, je nach zusätzlichem Dienstleistungsangebot kann sie ein erhebliches Maß erreichen.
Bei den niedrigschwelligen Angeboten für Betreuungsgruppen und den erlebnisorientierten Angeboten reichen als barrierefreie Mindestausstattung ein Aufenthaltsraum, Sanitäranlagen, eine Küche und ein Zugang zum Garten aus. Der Wohnflächenbedarf ist also vergleichsweise gering. Der Arbeitszeitaufwand hängt bei den erlebnisorientierten Angeboten davon ab, wie häufig und mit welchem Aufwand (Führung contra Erlebnisprogramm, Gruppengröße) sie durchgeführt werden.
Das heißt, neben der Angebotsform kann die betriebsspezifische Gestaltung des jeweiligen Dienstleistungsangebots den Ressourcenbedarf mehr oder weniger stark beeinflussen. Jede(r) Einsteiger/in in diesen Betriebszweig sollte deshalb das eigene Angebot sehr gut auf die vorhandenen betrieblichen Ressourcen abstimmen.

Arbeitsergebnisse

Da die Zielgruppe der älteren Menschen sehr viele Spezifika aufweist, hat eine eigene AG „Senioren auf dem Bauernhof“ dazu Unterlagen erstellt. Im Projektzeitraum wurden z. B. für acht geeignete Angebotsformen die Einstiegsvoraussetzungen für den landwirtschaftlichen Betrieb und die Alleinstellungsmerkmale des landwirtschaftlichen Betriebs für diese Angebote erarbeitet und Möglichkeiten der investiven Förderung erfasst. Die Arbeitsergebnisse wurden in den allgemeinen Leitfaden „Soziale Landwirtschaft – eine Einkommensmöglichkeit mit sozialem Anspruch“ aufgenommen.

Soziale Landwirtschaft – eine Einkommensmöglichkeit mit sozialem Anspruch (LfL-Information)

Über den Projektzeitraum hinaus wurde das Thema dann insbesondere durch die Vertreter/innen aus der Landwirtschaftsverwaltung weiter bearbeitet. Es entstand die LfL-Information "Senioren auf dem Bauernhof – ein Leitfaden zum Aufbau zielgruppenorientierter Angebote im Rahmen der Sozialen Landwirtschaft". Die durch die Projekt-AG erarbeiteten Inhalte wurden u. a. ergänzt durch einen Ablaufplan zum Aufbau des Betriebszweigs, den Ressourcenbedarf der jeweiligen Angebotsform sowie Formblätter zur Datenerhebung der betrieblichen Ressourcen und Rentabilität. Allgemein gültige Inhalte, wie z. B. die SWOT-Analyse und die rechtlichen Grundlagen, wurden aus dem allgemeinen Leitfaden "Soziale Landwirtschaft" übernommen, sodass der Leitfaden "Senioren auf dem Bauernhof" alle für die Zielgruppen relevanten Inhalte enthält.

Leitfaden "Senioren auf dem Bauernhof" (LfL-Information)

Ansprechpartnerin:
Petra Kubitza (kommissarisch)
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur, Standort München
Tel.: 08161 8640-1132
E-Mail: Diversifizierung-IBA@lfl.bayern.de