Milchviehställe werden immer teurer

Neu gebauter Milchvieh-Laufstall

Die Immobilienpreise sind in Deutschland seit Jahren explodiert, nun treibt der Baustoffmangel die Baukosten absehbar weiter in die Höhe. Wer bauen will, muss mit spitzem Bleistift rechnen und die Machbarkeit von allen Seiten überprüfen. Wie teuer oder günstig in Bayern im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung gebaut wurde, zeigt die jährliche Auswertung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Die Strukturen im Süden sind nach wie vor deutlich kleiner als im Rest Deutschlands und auch bestehende Laufstallbetriebe sind oft nicht mehr auf dem neuesten Stand. Viele Betriebe entwickeln sich daher weiter und investieren in neue Milchviehlaufställe.

Bedeutung der Baukosten

Ob es im neuen Stall rund läuft, hängt in erster Linie von der durchdachten Planung, der professionellen Durchführung und der optimierten Betriebsführung ab. Die Kuhstallplanung erfolgt im Spannungsfeld zwischen Tierhaltungs- und arbeitswirtschaftlicher Optimierung einerseits und der notwendigen Kostenbegrenzung mit Blick auf die unternehmerische Gewinnerzielungsabsicht sowie der Finanzierbarkeit bzw. Tragfähigkeit des Kapitaldienstes auf der anderen Seite.

Angenommen, der Kuhstall incl. Nebenanlagen verursacht Baukosten in Höhe von 15.000 €/Kuhplatz und die jährlichen Kosten werden mit 7 % vom Neuwert kalkuliert, so entstehen über 1.000 € Gebäudekosten je Kuhplatz bzw. 13 Cent je Kilogramm Milch bei 8.000 kg Milchleistung. Bei einem Umsatz von 50 ct/kg Milch (aus Milch, Tierverkauf und sonstigen Erlösen) würde rund ein Viertel vom Umsatz über die Gebäudekosten abgebunden werden.

Gelingt es, 1.000 € je Stallplatz einzusparen, ohne an Funktionalität oder Arbeitseffizienz zu verlieren, wird die Milcherzeugung dauerhaft um knapp 1 ct/kg günstiger.
Gelingt es mit den gleichen Baukosten durch eine arbeitsoptimierte Anlagenplanung den Jahresarbeitsaufwand um 4 Stunden/Kuh zu reduzieren, sinken ebenfalls die Produktionskosten um 1 ct/kg Milch, wenn die Lohnkosten 20 € je Stunde betragen.
Insofern sind die Baukosten für den dauerhaften Erfolg der Investition zwar nicht das einzige Kriterium, aber doch ein sehr wichtiges.

Stallbauförderung in Bayern

Die staatlichen Zuschüsse beim Bau von Milchviehställen spielen nach wie vor eine große Rolle in der Planung, die Inanspruchnahme ist aber aufgrund der Förderkonditionen, Förderauflagen und des Auswahlverfahrens keine Selbstverständlichkeit mehr. Je nach geltender Förderrichtlinie und Investitionsvorhaben galten im Auswertungszeitraum unterschiedliche Fördersätze für die Stallbaumaßnahmen:

  • Richtlinie 2013: Zuschuss 25 % Basisvariante, 35 % Variante besonders tiergerechte Haltung (btH), max. 260.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
  • Richtlinie 2015: Zuschuss 15 % Basisvariante, 35 % Variante Premium btH, erstmalige Umstellung auf Laufstall + 5 % Zuschuss, max. 300.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
  • Richtlinie 2017 und 2019: 25 % nur noch Premium btH-Ställe, keine Basisförderung, erstmalige Umstellung auf Laufstall + 5 % Zuschuss, max. 120.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen
  • Richtlinie 2020: wie 2019, nun max. 240.000 € Zuschuss bei Einzelunternehmen.

Zur btH- bzw. Premiumförderung gehört beispielsweise die Einhaltung eines maximalen Tier-Fressplatzverhältnisses von 1:1, bei „Vorratsfütterung“ von 1,2:1, ab der Richtlinie 2017 ist ein Laufhof Pflicht. Viele Stallbauwillige nutzten die staatliche Investitionsförderung und wählten zur Baubetreuung und Antragsabwicklung die bezuschussten Betreuer von der BBV LandSiedlung oder der BBA Baubetreuung Agrar. Die Investitionskonzepte werden in Abstimmung mit den zuständigen Ämtern für Landwirtschaft und Forsten erstellt und seit einigen Jahren von darauf spezialisierten Fachzentren bewilligt bzw. abgewickelt.

1.314 Betriebe seit 2013 in der Auswertung

1.226 Stallbauprojekte, 07.2013 - 06.2020Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Neu gebaute Kuhställe in Bayern 2013 bis 2020

Abbildung 1 gibt einen Überblick über die regionale Verteilung der Stallbauten und deren Größe bis 2020. Deutlich wird die Konzentration der Baumaßnahmen für Ställe bis 50 Kühe im Alpenvorraum.
Insgesamt wurden bisher 1.314 EIF-Projekte bzw. Stallbaumaßnahmen von BBV-LS und BBA in die Auswertung mit einbezogen. Alle wurden nach dem Jahr 2010 bewilligt und bis Mitte 2021 fertiggestellt. Im achten Auswertungsjahr 2020/21 kamen nur 88 Projekte dazu.
90 % der Fälle waren Neubauten, die teils mit Aussiedlungen verknüpft waren, in 10 % der Betriebe wurden Umbaulösungen realisiert, die im größeren Stil alte Bausubstanz nutzen konnten. Im Mittel wurden Ställe für rund 78 Kühe geschaffen, was für viele eine deutliche Aufstockung bedeutete. Derzeit dominiert der Schritt in die Größenklasse 60-80 Kühe. Nur 15 % der Ställe bieten Platz für mehr als 100 Kühe. Aufgrund dieser Größenstruktur überrascht nicht, dass 49 % aller Ställe mit Automatischen Melksystemen ausgestattet wurden.
Die andere Hälfte der Bauherren setzte noch auf klassische Melkstände, die meist in den Stall integriert wurden. Etwas überraschend ist, dass bereits bald 60 % der Ställe als reine Milchviehställe ohne Jungviehseite konzipiert wurden. Offensichtlich konnten noch entsprechend oft alte Gebäude – auch auf der alten Hofstelle – für die Jungviehaufzucht genutzt werden. Auch führt in wachsenden Betrieben nicht selten die knappe Fläche und die begrenzte Arbeitsmacht in Verbindung mit den hohen Personalkosten zur Konzentration auf das Kerngeschäft Milch – die Nachzucht wird ausgelagert oder zugekauft.

10.500 -14.000 €/Platz – die neue Orientierungsgröße?

Baukostenentwicklung Kuhstallneubau 2013/14 - 2020/21Zoombild vorhanden

Abbildung 2: Stallbaukosten und Baukostensteigerungen 2013/14 bis 2020/21

In der Baukostenauswertung wurde die eigentliche Stallbauinvestition von den Nebeninvestitionen in Futter- und Güllelager getrennt. Erfasst wurden die eingereichten Belege für die Investitionen in Gebäude und Technik inklusive der förderfähigen Baunebenkosten.
Damit beziehen sich die ausgewiesenen Kosten auf den einzugsfertigen Stall mit installierter Technik für Melken, Füttern bei automatischen Fütterungssystemen(4 % der Fälle), Entmisten (Schieber) bei planbefestigtem Boden (37 %), Einstreuen sowie dem Kälberbereich.
Über alle sieben Auswertungsjahre und über alle 1.183 neu gebauten Ställe wurden brutto 10.400 € und netto rund 8.800 € in den Kuhplatz investiert – im Mittel inklusive 0,31 neu gebauten Jungviehplätzen je Kuhplatz.
Wer sich heute mit dem Stallbaugedanken trägt, muss für seine Kalkulation allerdings die (noch zu erwartenden) Baukostensteigerungen mitberücksichtigen und deshalb das aktuelle Auswertungsjahr 2020/21 als Orientierung verwenden. Der reine Milchkuhstall ohne Jungvieh kostete die letzten drei Jahre 10.500 € je Kuhplatz, die Kuhstallgruppe mit voller Jungviehseite (0,97 JV-Plätze je Kuhplatz) kommt aktuell auf 13.900 € – im Vorjahr waren es noch 1.600 € weniger (siehe Abbildung 2), im Mittel der acht Jahre 2.600 € Mehrkosten.

Extreme Kostenunterschiede zwischen den Betrieben

Baukostenspreizung bei Stallbauten „ohne Jungvieh“Zoombild vorhanden

Abbildung 3: Baukostenspreizung in der Gruppe der Stallbauten „ohne Jungvieh“

Welche Platzkosten sind realistisch, was ist machbar? Hier gibt die Abbildung 3 eine Orientierung, gedanklich muss die Baukostensteigerung und die einzelbetriebliche Situation eingepreist werden. Beim Blick auf die Gruppe „ohne Jungvieh“ finden sich 21 Ställe in der Klasse unter 6.000 € (brutto), während in 14 Fällen mehr als 14.000 € abgerechnet wurden.
Über die Ursachen geben die vorliegenden Zahlen keinen Aufschluss. Das häufig vorgebrachte Argument hoher Eigenleistungen kann dabei auch nach Auskünften der Betreuungsgesellschaften nur einen kleinen Teil der Kostendifferenz erklären. Offensichtlich liegen große Unterschiede im Verhandlungsgeschick, bei der Bauorganisation und der termingerechten Abstimmung zwischen den Gewerken.

Sind große Ställe günstiger?

Baukosten und StallgrößeZoombild vorhanden

Abbildung 4: Einzelbetriebliche Baukosten und Stallgröße

Wie nicht anders zu erwarten, bestätigt auch diese Auswertung die stallplatzbezogene Kostendegression bei zunehmender Stallgröße. Das achtjährige Durchschnittsniveau der Bruttobaukosten für den reinen Kuhstall ohne Jungviehseite sinkt von knapp 12.000 € auf deutlich unter 8.000 €/Kuhplatz (grüne Trendlinie in Abbildung 4).
Allerdings zeigen sich erhebliche Abweichungen vom Mittelwert in beide Richtungen und in allen Größenklassen: 60-80 Kuhplätze ohne Jungvieh mit Kosten im Mittel von 10.000 €, aber eben auch unter 7.000 € und über 13.000 €/Kuhplatz.
Unter heutigen Zinsverhältnissen und bei durchschnittlichem Leistungsniveau führt dieser Baukostenvorteil zu einem Festkostenvorteil von über 5 ct/kg Milch – es lohnt sich also dauerhaft, günstig zu bauen. Nur wenn die teurere Bauweise arbeitswirtschaftliche Vorteile bringt, kann die Summe der Gebäude- und Arbeitserledigungskosten sinken. Die Praxis zeigt aber, dass teurer nicht immer besser heißt.

Fazit

Die LfL-Baukostenauswertung für bayerische Milchviehställe aus den Jahren 2013/14 bis 2020/21 bestätigt ein hohes Niveau der Baukosten. Im Mittel der letzten acht Jahre wurden in Neubauten ohne Gülle- und Futterlager 10.400 €/Kuhplatz (brutto) investiert, reine Milchviehställe kosteten 1.000 €/Platz weniger. Ställe mit großem Nachzuchtanteil kosteten 12.000 €/Kuhplatz und verursachten damit Mehrkosten in Höhe von 2.600 €/Kuhplatz.

Für Bauwillige entscheidend sind aber die aktuellen Baukosten: Im Mittel knapp 12.000 €/Kuhplatz, der reine Kuhstall wie im Vorjahr 10.500 €/Platz und – dieses Jahr extrem – die Ställe mit vollem Jungviehanteil 13.900 €.

Die Kostenunterschiede zwischen Projekten mit gleicher Stallgröße sind enorm und deren Ursachen vielschichtig. AMS-Ställe sind 500 bis 1.000 € teurer als vergleichbare Ställe mit konventionellen Melkständen.

Das aktuelle Auswertungsjahr brachte nach einem leichten Baukostenrückgang im Vorjahr wieder eine Baukostensteigerung von gut 5 %. Sie liegt damit auf dem Niveau der letzten acht Jahre und damit deutlich über der Inflationsrate. Gerade in Zeiten volatiler Milchpreise und knapper Gewinnspannen wird hier deutlich, wie wichtig es ist, in Planung, Ausschreibung und Bauorganisation viel Zeit zu investieren. Nur so sind die Bau- und in deren Folge die Finanzierungskosten in einem akzeptablen Rahmen zu halten – als Basis für eine tiergerechte, arbeitswirtschaftlich optimierte, aber auch kostengünstige und damit konkurrenzfähige Milchproduktion.

Ansprechpartner:
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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