Die Kartoffelpülpe – eine Alternative zur teuren Flächenpacht im Milchviehbetrieb?

Abschätzung der Wirtschaftlichkeit mittels einer Kalkualtionshilfe auf Excelbasis

Kartoffelpresspülpe ist ein Nebenprodukt bei der Stärkemehlgewinnung aus Kartoffeln. Sie ist sehr energiereich, aber eiweiß-, vitamin- und mineralstoffarm und passt gut in eine leistungsorientierte Futterration für Milchkühe und Mastrinder. Ideal ist sie für Grünlandbetriebe mit hohen Rohproteinüberschuss. Grundsätzlich kann sie das Getreide oder Silomais ersetzen. So kann in Ackerbauregionen über die Pülpe Ackerfläche freigesetzt oder teure Flächenpacht vermieden werden.

Informationen rund um die Kartoffelpresspülpe

Kartoffelpresspülpe hat einen Trockenmassegehalt von 14 - 18 % und in der TM 6,5 – 7,5 MJ NEL, 50 - 70 g Rohprotein (RP) und 100 - 130 g nXP. Das spezifische Gewicht beträgt 925 – 1.000 kg/m3, eine weitere Verdichtung ist nicht möglich. Trotz des geringen TM-Gehalts treten keine Probleme mit Sickersaftbildung auf.
Sie entsteht als Nebenprodukt bei der Stärkemehlgewinnung und besteht letztendlich aus dem faserigen Teil der Kartoffel und der technisch nicht gewinnbaren Stärke. Sie ist sehr energiereich, aber eiweiß-, vitamin- und mineralstoffarm. Wegen der schwankenden Trockenmasse-, Energie- und Stärkegehalte ist eine Futteruntersuchung zu empfehlen. So ist die Kartoffelpülpe in der Gruber Futterwerttabelle mit 7,1 MJ NEL/kg TM gelistet, neuere Untersuchungen kommen auf 6,4 bis 7,8 MJ NEL/kg TM (Rößl, LfL Bayern und Pries, Haus Riswick).
Da es sich bei Kartoffelpresspülpe um ein Saisonprodukt handelt, ist sie nur während der Kampagne von August bis Dezember bzw. Januar verfügbar. Sie ist als frische Pülpe offen über Wochen haltbar, kann aber als Silage ganzjährig verfüttert werden bei einer Mindestsilierzeit von sechs Wochen.
Als Deckschicht auf Gras- oder Maissilage schließt die Silage den Futterstock luftdicht ab und bildet damit einen zweiten Schutzmantel, muss aber selbst zur Silierung akribisch luftdicht abgedeckt werden, um die Verlustquote in Grenzen zu halten.

Fütterung

Die Kartoffelpresspülpe ist ein hochwertiges, preisgünstiges Energiefuttermittel und wertet eine leistungsorientierte Futterration für Milchkühe und Mastrinder auf. Ideal ist sie für Grünlandbetriebe mit ihrem hohen Rohproteinüberschuss, kann aber auch Getreide oder Silomais ersetzen und damit Ackerfläche freisetzen oder die teure Flächenpacht vermeiden.
Da Kartoffelpresspülpe keine Strukturwirkung hat, liegt die von Grub für Milchkühe empfohlene Einsatzmenge bei 0,70 und die maximale Einsatzmenge bei 1,5 kg Frischmasse/100 kg Lebendgewicht und Tag (rund 5 – 10 kg FM/Kuh und Tag). Bei der Fütterung muss der Gehalt an pansenabbaubaren Kohlenhydraten sowie eine ausreichende Versorgung mit Struktur berücksichtigt werden. Bei Milchkühen ergibt sich ein positiver Effekt auf die Milcheiweißbildung.
Aufgrund der hohen Feuchtigkeit passt sie gut in trockene TMR-Mischungen und bindet andere Futtermittel, womit das Selektieren erschwert wird.
Schwer zu fassen ist allerdings die Auswirkung auf die zu erwartende verbesserte Gesamtfutteraufnahme durch die Auflockerung des "Speiseplans". Mehr Milch aus dem Grundfutter kann dann zu einem reduzierten Kraftfuttereinsatz bei gleichbleibender Milchleistung führen.

Regionale Spezialität

Bayernkarte mit eingezeichneten Entfernungskreisen um die StärkefabrikenZoombild vorhanden

Abb. 1: Enfernungsradien um die bayerischen Stärkefabriken

Die Pülpe ist ein Abfallprodukt der Stärkekartoffelverarbeitung und die Stärkefabriken bzw. Kartoffelbauern suchen verlässliche Abnehmer. Für viele Landwirte ist die Kartoffelpülpe als Futtermittel nur in futterknappen Jahren ein Thema und die Nachfrage dann hoch. Ab Werk ist die Pülpe sehr günstig zu bekommen, teuer macht das Futtermittel aufgrund des hohen Wasseranteils vor allem der Transport.
Für bayerische Landwirte kommen nur zwei Stärkefabrikstandorte in Frage:
1. Südstärke, Zentrale 86522 Schrobenhausen (zwischen Ingolstadt und Augsburg)
2. Südstärke, Werk 93104 Sünching (zwischen Regensburg und Straubing)

Der potenzielle Abnehmerkreis wird über die Höhe der Transportkosten begrenzt. Über 150 km einfache Entfernung gibt es nur wenige Kunden. In der Abbildung 1 ist ein Kartenausschnitt mit den beiden Standorten und jeweils drei Bezugsradien mit 50, 100 und 150 km zu sehen.

Wirtschaftlichkeit

Bei den in der Excel-Datei angenommenen Rahmenbedingungen ersetzen zwei Tonnen Kartoffelpülpe eine Tonne Silomais (nach Energie und bezogen auf Frischmasse). Kostet der Silomais frei Hof nach Verlusten 50 €/t FM und die Pülpe 15 €/t FM, dann verbleiben 20 € vor Rohproteinausgleich. In der Pülpe fehlen 10 kg Rohprotein. Bei einem Euro je kg Rohprotein bleibt ein Kostenvorteil von rund 10 € je Tonne ersetzten Silomais oder ein Kostenvorteil von 500 €/ha bei 50 t/ha Frischmasse frei Futtertisch. Bei ganzjähriger Kartoffelpülpefütterung von beispielsweise 7,5 kg je Kuh und Tag werden 2,7 t FM Silomais je Kuh und Jahr benötigt. Bei 10 € Kostenvorteil je Tonne Silomais errechnet sich ein Vorteil von 27 € je Kuh – bei 100 Kühen 2.700 € im Jahr.
Die Kosten der Kartoffelpülpe werden stark durch die Transport- und Lagerkosten sowie die Lagerungsverluste bestimmt. Zur Abschätzung der Wirtschaftlichkeit im konkreten Fall ist daher immer eine eigenbetriebliche Kalkulation notwendig.
Die Details der Beispielsrechnung und weitere Informationen finden Sie in der folgenden Excelkalkulation. Mit der Eingabe betriebseigener Daten können Sie dort schnell ermitteln, ob der Einsatz von Kartoffelpresspülpe für ihren Betrieb wirtschaftlich interessant ist.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de