Beratungshilfe "Arbeitswirtschaft im Milchviehbetrieb"
Arbeitseffizienz und Personalkosten in wachsenden Milchviehbetrieben – ein Vergleich unterschiedlicher Melksysteme und Betriebsgrößen

Foto Fleckvieh-Kühe beim Fressen im Stall
Arbeitswirtschaft ist ein zentrales Thema für die ökonomische und soziale Zukunftsfähigkeit von Milchviehbetrieben. Bei den deutschen Spitzenbetrieben nähern sich die ersten Betriebe der Erzeugung von 1 Mio kg Milch je Stallarbeitskraft. Für einen 25-Kuh-Betrieb mit 150.000 kg Jahresmilchproduktion ist dies eine unvorstellbare Zahl. Wie sich der sinkende Arbeitsaufwand je Milchkuh in wachsenden Milchkuhställen auf die Arbeitseffizienz und die Personalkosten auswirkt, zeigen die grafischen Vergleiche von auswählbaren Milcherzeugungssystemen.

Im Durchschnitt 350.000 kg Milch mit einer Stallarbeitskraft

Innerhalb ähnlich großer Milchviehbetriebe schwankt die Arbeitsproduktivität je Arbeitskraft enorm, wie die folgende Auswertung bayerischer Betriebszweigauswertungen beispielhaft zeigt (Tabelle). So hält die Gruppe unter 40 Kühe im Mittel 32 Kühe und erzeugt zwischen 166.000 und 344.000 kg Milch je Stallarbeitskraft (Stall-AK). Im Mittel aller 175 Betriebe werden 78 Kühe gehalten. Der produktivste Betrieb kommt auf 771.000 kg Milch/Stall-AK, im Mittel sind es rund 350.000 kg Milch/Stall-AK.
Spannen der Produktivität in kg Milch je Arbeitskraft in den jeweiligen Herdengrößenklassen
Herdengrößenklassen (Kuhbestand) < 40 40 - 60 60 - 80 80 - 100 > 100 Gesamt
Anzahl Betriebe je Gruppe 17 37 52 36 33 175
Kuhbestand (Durchschnitte Anzahl Kühe) 32,2 52,6 68,2 89,1 133,5 78,0
Arbeitszeitaufwand (AKh je Kuh) 85 63 59 54 48 59
Kühe je AK 1 30 40 43 47 51 43
kg ECM/AK - Mittelwert 239.108 318.126 345.791 378.458 442.487 354.533
kg ECM/AK - Minimum 166.338 177.610 219.851 234.535 263.998 166.338
kg ECM/AK - Maximum 344.143 460.214 580.485 770.827 703.392 770.827
Minimum in % vom Mittelwert 70 % 56 % 64 % 62 % 60 % 47 %
Maximum in % vom Mittelwert 144 % 145 % 168 % 204 % 159 % 217 %
Maximum / Minimum 2,1 2,6 2,6 3,3 2,7 4,6
1 Kuh mit Färse, ohne Außenwirtschaft
Datengrundlage: BZA Bayern, 175 konventionell wirtschaftende Milchviehbetriebe, Milchkuh mit Nachzucht ohne Außenwirtschaft, 92 % Laufstallbetriebe, 89 % Fleckvieh, 94 % mit Teil- oder Vollmischration, 13 % AMS-Betriebe

Excel-Tool macht Unterschiede grafisch sichtbar

Die Einflüsse auf die Arbeitseffizienz im Betrieb sind vielfältig. Neben dem Betriebsleiter und seinen Mitarbeitern begrenzen sicherlich am stärksten der Stall und die eingebaute Technik sowie die innere und äußere Verkehrslage. Zur Bewertung der Arbeitseffizienz sind u.a. folgende drei Kennwerte gängig und im Excel-Tool dargestellt:

  • Der Arbeitszeitaufwand je Milchkuh, welcher über die geleisteten Arbeitsstunden einer Arbeitskraft auf
  • die Kühe je Arbeitskraft und über die erzielte Milchleistung auf
  • die erzeugte Milch je Arbeitskraft umgerechnet werden kann.
Personal verursacht Kosten. Entweder über die Lohn- und Lohnnebenkosten für die Angestellten oder aber über den Lohnansatz für die Unternehmerfamilie. Bei vorgegebenem "Stundenlohn" kann im Excel-Tool die Personalkostenbelastung je Kilogramm erzeugter Milch berechnet werden. Sind dagegen die anvisierten Personalstückkosten je kg Milch vorgegeben, so lässt sich die maximal zahlbare "Stundenlohn" bzw. der Jahresbruttolohn ableiten.

Systemvergleich: von knapp 200.000 kg bis 850.000 kg Milch mit einer Arbeitskraft

Arbeitseffizienz (Tsd. kg Milch je AK) in Abhängigkeit der HerdengrößeZoombild vorhanden

Abbildung 1: Arbeitseffizienz je Arbeitskraft

Welch extreme Entwicklung diese Kennwerte in wachsenden Milchviehbetriebe nehmen, verdeutlicht die grafische Gegenüberstellung von drei Milcherzeugungssystemen im Excel-Tool "Arbeitszeit Milchvieh", beispielhaft hier die Grafik mit der Arbeitseffizienz je Arbeitskraft (Abbildung 1).

Die Excelanwendung zum Download

Hinweise: Die Excelanwendung öffnet mit einer makrogesteuerten Eingabe- und Ausgabemaske. Im oberen Teil erfolgen die erforderlichen Festlegungen für die Kennwertberechnung, im mittleren Teil werden die drei Milcherzeugungssysteme zusammengestellt. Im dritten Teil sind die Links auf die Grafik- und Tabellenseiten. Über den EINGABEMASKE-Button kommen sie immer wieder zurück. Der INFO-Button springt zum ersten Excelblatt mit den Informationen zur Anwendung.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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