Bayerische Buchführungsstatistik
Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2018/2019

Das Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wertet jedes Jahr rund 3.100 Buchführungsabschlüsse aus landwirtschaftlichen Betrieben in Bayern aus und erstellt daraus die bayerische Buchführungsstatistik.

Trotz Gewinnrückgang insgesamt zufriedenstellendes Jahr

Liniendiagramm mit den durchschnittlichen Gewinnen bayerischer Haupterwerbsbetriebe in den Wirtschaftsjahren 11/12 bis 18/19Zoombild vorhanden

Abb 1: Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne bayerischer Haupterwerbsbetriebe

Nach den Wirtschaftsjahren 2014/2015 und 2015/2016 mit ungünstigen Gewinnentwicklungen, konnten die meisten Haupterwerbsbetriebe in den letzten drei Wirtschaftsjahren spürbare Verbesserungen ihrer wirtschaftlichen Lage erreichen. Zusätzlich waren die Absatzbedingungen für ihre Erzeugnisse durchwegs gut. In vielen Betrieben bestanden deshalb günstige Rahmenbedingungen für die Durchführung von größeren Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen. Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 betrugen die Nettoinvestitionen der Haupterwerbsbetriebe im Mittel 11.507 Euro. Sie lagen damit um 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Einsatz von Fremdkapital nahm leicht zu. Dabei wirkte sich das anhaltend niedrige Zinsniveau günstig aus, denn der durchschnittliche Zinsaufwand nahm weiter ab.

Die Sommertrockenheit 2018 drückt die Erträge

Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 gingen die Umsatzerlöse aus der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe um 2 Prozent zurück. Auch die Umsätze aus der Tierproduktion fielen durchschnittlich um 2 Prozent niedriger aus. Je nach Betriebsform verlief die Umsatzentwicklung jedoch unterschiedlich. Die sonstigen betrieblichen Erträge erhöhten sich im Mittel der Haupterwerbsbetriebe um 3 Prozent.
Im Erntejahr 2018 waren die Erträge als Folge der Sommertrockenheit durchwegs niedriger als im Vorjahr (Getreide und Raps jeweils –5 Prozent, Zuckerrüben –22 Prozent und Kartoffeln –47 Prozent). Für Weizen und Gerste konnten die Landwirte höhere Erlöse erzielen (Weizen: 18,90 Euro je Dezitonne bzw. +15 Prozent, Gerste: 19,42 Euro je Dezitonne bzw. +19 Prozent). Bei Raps lagen die Verkaufspreise nur wenig über dem Vorjahr (35,80 Euro je Dezitonne bzw. +2 Prozent). Bei Kartoffeln erzielten die Landwirte im Mittel spürbar höhere Verkaufserlöse (15,00 Euro je Dezitonne bzw. +37 Prozent). Die Verkaufspreise für Zuckerrüben lagen mit 3,00 Euro je Dezitonne leicht unter dem Vorjahresniveau (–3 Prozent).

Geringere Umsatzerlöse in der Tierproduktion

In der Tierproduktion waren die Umsatzerlöse der Haupterwerbsbetriebe im Mittel um 3 Prozent niedriger als im Vorjahr. Beim Verkauf von Milch und Rindern gingen die Erlöse um durchschnittlich 2 Prozent bzw. 8 Prozent zurück. Die Umsätze aus dem Verkauf von Schweinen blieben weitgehend auf dem Vorjahresniveau. In den Betrieben mit Schweinezucht kam es zu deutlichen Umsatzeinbußen aufgrund der niedrigen Ferkelpreise.
Die Buchführungsauswertung zeigt, dass die Mehrheit der Haupterwerbslandwirte ihre betrieblichen Möglichkeiten zur Kosteneinsparung konsequent umsetzten. In vielen viehhaltenden Betrieben waren als Folge der Trockenheit beträchtliche Futterlücken aufgetreten. Die Landwirte wandten verschiedene Strategien zur Schließung der Futterlücken an. So kam es zum Beispiel trotz steigender Beschaffungskosten zu vermehrten Futterzukäufen und zu Änderungen in der laufenden Produktion, aber auch zum (zumindest vorübergehenden) Abbau von Viehbeständen.

Investitionen etwas höher als im Vorjahr

Das Eigenkapital (lt. Bilanz) nahm im Mittel der Haupterwerbsbetriebe um 8 639 Euro zu. Diese Zunahme an Eigenkapital entsprach damit nahezu dem Durchschnittswert der letzten fünf Wirtschaftsjahre. Die Nettoinvestitionen lagen um 15 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Finanzlage der Betriebe entwickelte sich im Mittel stabil weiter. Nicht zuletzt aufgrund der durchwegs guten Liquiditätslage der Betriebe wurden mehr Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen realisiert als in den Vorjahren.

Angespannte Lage bei den Schweinezuchtbetrieben

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Betrieben mit Schweinehaltung verlief stark unterschiedlich. Während die spezialisierten Schweinemäster eine durchwegs gleichförmige Weiterentwicklung gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, kam es bei den Betrieben mit Schweinezucht zu ausgeprägten Umsatz- und Gewinnrückgängen. Infolge der niedrigen Ferkelpreise und der vergleichsweise stark gestiegenen Kosten beim Futtermittelzukauf war die wirtschaftliche Lage in dieser Betriebsgruppe besonders angespannt. Zusätzlich kam es zu einer Erhöhung des Produktionsrisikos. Die Gefahr für den Ausbruch von Tierseuchen war höher als in den Vorjahren. Zusätzlich werden die Schweinehalter künftig höhere Produktionsstandards beachten müssen, und daraus ergeben sich Unsicherheiten über deren Realisierbarkeit und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Wirtschaftsergebnisse der Haupterwerbsbetriebe nach Betriebsformen

Ackerbaubetriebe

Die Ackerbaubetriebe konnten die geringeren Erntemengen und die leicht gestiegenen Materialkosten durch höhere Produktpreise in der pflanzlichen Erzeugung und leichte Flächenaufstockungen nahezu ausgleichen. In dieser Betriebsgruppe waren die Gewinneinbußen mit 8 Prozent vergleichsweise gering gegenüber dem Vorjahr. Sie ergaben sich größtenteils aus gestiegenen Kosten für Strom, Wasser, Heizung und Treib- und Schmierstoffen sowie höheren Zupachtkosten.

Futterbaubetriebe

Das Wirtschaftsergebnis der Futterbaubetriebe wurde weitgehend bestimmt von geringeren Umsatzerlösen aus dem Verkauf von Milch und Rindern und dem vergleichsweise starken Kostenanstieg beim Materialaufwand. Vor allem in den Milchviehbetrieben kam es neben sichtlich höheren Kosten beim Futtermittelzukauf zu stark rückläufigen Tierzukäufen und teilweise auch zu Viehabstockungen. Diese wirkten sich im Zusammenwirken mit leicht zurückgegangenen Milchpreisen, den niedrigeren Rinderpreisen und den gestiegenen Treib- und Schmierstoffkosten ungünstig auf das Wirtschaftsergebnis aus.

Veredlungsbetriebe

Entwicklung des durchschnittlichen Gewinns bayerischer HaupterwerbsbetriebeZoombild vorhanden

Abb 2: Entwicklung des durchschnittlichen Gewinns bayerischer Haupterwerbsbetriebe bei ausgewählten Betriebsformen

Bei den Veredlungsbetrieben wich der durchschnittliche Gewinn mit 43.549 Euro je Unternehmen stark vom Gesamtergebnis der Haupterwerbbetriebe nach unten ab. In dieser Betriebsgruppe war der betriebliche Aufwand, insbesondere der Materialaufwand für den Futtermittelzukauf, stark angestiegen. Während die Schweinemastbetriebe ihren Gewinn auf dem Vorjahresniveau halten konnten, gab es in den Betrieben mit Schweinezucht starke Umsatz- bzw. Gewinnrückgänge aufgrund der niedrigen Ferkelpreise und der gestiegenen Materialkosten. In den Betrieben mit Schweinehaltung ging der Viehbesatz durchschnittlich um mehr als 20 Vieheinheiten je 100 Hektar zurück.

Verbundbetriebe

Die Verbundbetriebe erwirtschafteten im Mittel gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent niedrigere Gewinne. In dieser Betriebsgruppe stiegen die Kosten für den Materialaufwand nur geringfügig an, weil den höheren Kosten für den Futtermittelzukauf beträchtliche Kosteneinsparungen beim Tierzukauf gegenüberstanden.

Weinbaubetriebe

Bei den Weinbaubetrieben lag der durchschnittliche Gewinn im Wirtschaftsjahr 2018/2019 um 7,5 Prozent höher als im Vorjahr und erreichte damit im 8-jährigen Vergleich einen Spitzenwert. Traditionell haben diese Betriebe hohe Direktvermarktungsanteile. Die gute Ertragslage im Wirtschaftsjahr 2018/2019 wurde hauptsächlich durch Umsatzsteigerungen erreicht. Diese standen in vielen Betrieben im direkten Zusammenhang mit den vergleichsweise umfangreichen Investitionen in den Vorjahren, dem traditionell hohen Anteil der Direktvermarktung und dem Verkauf von Weinen, für die sie auch Traubenmostbestände aus dem Vorjahr verwendeten.

Hoher Spezialisierungsgrad der bayerischen Betriebe

Die bayerischen Haupterwerbsbetriebe haben im Hinblick auf ihre Produktionsausrichtung einen hohen Spezialisierungsgrad erreicht. Die starke Spezialisierung auf wenige Betriebszweige führt dazu, dass – unabhängig von der jeweiligen Produktionsrichtung und der Art der Erzeugnisse – die Höhe der betrieblichen Umsatzerlöse und damit der wirtschaftliche Erfolg sehr stark von der Preisentwicklung der Haupterzeugnisse bestimmt wird. Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 trugen die durchwegs günstigen Produktpreisentwicklungen in der pflanzlichen Erzeugung und die vergleichsweise geringen Umsatzeinbußen in der tierischen Erzeugung wesentlich dazu bei, dass trotz der trockenheitsbedingten geringeren Erntemengen durchwegs zufriedenstellende Betriebsergebnisse erreicht werden konnten.

Ausblick: Weiterer Gewinnrückgang im Wirtschaftsjahr 2019/2020 zu erwarten

Infolge der anhaltenden Trockenheit kam es auch im Erntejahr 2019 zu ausgeprägten Ertragseinbußen und Umsatzrückgängen. Für das laufende Wirtschaftsjahr werden im Mittel der bayerischen Haupterwerbsbetriebe weitere Gewinnrückgänge erwartet. Ausnahmen von dieser Entwicklung bilden voraussichtlich die Weinbau- und Veredlungsbetriebe.
Die Buchführungsergebnisse im Detail
Umfangreiche Auswertungen zu den Betriebsergebnissen der bayerischen Testbetriebe finden Sie in der LfL-Information "Buchführungsergebnisse des Wirtschaftsjahres 2018/2019".
Die Broschüre gibt einen Überblick über die Struktur und Entwicklung der aktuellen Wirtschaftsergebnisse in bayerischen Haupterwerbsbetrieben und Klein- bzw. Nebenerwerbsbetrieben.
Die Ergebnisse der Gruppenauswertungen sind differenziert nach Betriebstypen und Agrargebieten. Diese Broschüre enthält zusätzlich eine umfangreiche Sammlung von Kennwerten aus der Buchführung des Wirtschaftsjahres 2018/2019.
Die bewährte Datensammlung (201 Seiten) richtet sich in erster Linie an Politik, Beratung, Verwaltung, Wissenschaft, Medien, Verbände und die fachlich interessierte Öffentlichkeit.

Die Publikation liegt nur in gedruckter Form vor und kann per E-Mail angefordert werden (Bezugspreis: 5 € zuzüglich Porto). Die Buchführungsergebnisse früherer Wirtschaftsjahre (ab 2002/2003) sind ebenfalls noch erhältlich (Bezugspreis: jeweils 5 € zuzüglich Porto).
Eine ausführliche Bewertung der bayerischen Buchführungsergebnisse 2018/2019 wurde im Magazin "Schule und Beratung" (SuB), der offiziellen Informationsschrift des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, veröffentlicht.

Buchführungsauswertung für bayerische Haupterwerbsbetriebe (SuB Ausgabe 5-6/2020, Seiten 40-48, externe PDF-Datei) Externer Link

Ansprechpartner
Dr. Eva-Maria Schmidtlein und Lukas Wolf
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1159 bzw. -1459
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe – Internetbetriebsvergleich

Im Internet-Buchführungsvergleich können Sie aus mehreren Betriebsgruppen eine Betriebsgruppe auswählen. Deren Buchführungsdaten werden zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen verrechnet und als Gruppenmittelwerte ausgegeben.
Für die gewählte Betriebsgruppe erhalten Sie jeweils zwei standardisierte Listen mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zur Auswahl. Die ausgegebenen Kennzahlen dienen als Vergleichsmaßstab für die Kennzahlen des eigenen Betriebes oder als allgemeine Information über die wirtschaftliche Situation der Betriebe mit unterschiedlichen Betriebsformen.

Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe - Internetbetriebsvergleich