Schilf-Glasflügelzikade im Gemüsebau
Zoombild vorhanden
Abb.1: Schilf-Glasflügelzikade
Die heimische Schilf-Glasflügelzikade (Pentastridius leporinus) lebte ursprünglich im Schilf. Im Jahr 2024 trat die Schilf-Glasflügelzikade erstmals auch in bayerischen Gemüseanbauregionen auf, was dort zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führte. Heute ist sie viel im Süden Deutschlands verbreitet. Die fünf Entwicklungsstadien der Nymphen (Larven, s. Abb. 2) finden im Boden statt.
Übertragung von Schaderregern
Die Nymphen und adulten Tiere saugen an Pflanzenteilen und können so SBR und Stolbur übertragen. Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) gilt als Hauptvektor der bakteriellen Erreger:
- Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (γ-Proteobakterium)
- Candidatus Phytoplasma solani (Stolbur-Phytoplasma)
Dabei können bereits die Nachkommen eines adulten Tieres, das Träger von Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (SBR) war, infiziert sein. SBR wird vertikal (s. Abb.3) und horizontal übertragen. Bei Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani) müssen sich die Nachkommen – Nymphen wie Adulte – erst an infiziertem Pflanzengut „beladen“, um den Erreger aufzunehmen. So können die adulten Tiere beide Erreger an gesunden Pflanzen weiterverbreiten (s. Abb.4).
Betroffene Kulturen und Symptome
Die Pflanzenkrankheit "SBR" (Syndrome Basses Richesses, Zuckerrüben) sowie "Stolbur" wurden seit den späten 2000er Jahren in Deutschland zunehmend bedeutend. Der Anteil der von dieser Krankheit betroffenen Arten hat kontinuierlich zugenommen. Darunter sind in Bayern Karotte, Rote Beete, Rhabarber aber auch beispielsweise Sellerie, Mangold und Pastinake. Es gibt zudem Pflanzen, die trotz Infektion („Beladung“ mit SBR und Stolbur) keine Symptome zeigen, wie beispielsweise bestimmte Beikräuter.
Bei Gemüse wird der Erregerkomplex aus beiden Bakterien als "Bakterielle Gemüsekrautwelke" aber auch "rubbery taproot disease" bezeichnet und stellt den Gemüseanbau vor neue Herausforderungen. Symptome des Erregerkomplexes können Blätterverfärbung, Welken, Geschmacksveränderung und Qualitätseinbußen sein. Auch weiche und gummiartige Speicherorgane zählen zu den SBR und Stolbur-Symptomen. An der Symptomatik im Feld können beide Erreger sowie Stolbur-Stämme teilhaben, das Erscheinungsbild der Infektion reicht aber nicht aus, um den Erreger differenziert zu bestimmen.
Pflanzenschutz – Aktueller Wissensstand
Derzeit sind viele Aspekte des Infektionsgeschehens sowie passende Pflanzenschutzstrategien noch unklar. Wichtig ist es, die Fruchtfolgen zu beachten, auch Kulturschutznetze können eingesetzt werden. Schwarzbrache kann dazu beitragen, den Befallsdruck zu reduzieren.
Weitere Informationen zum bayerischen Monitoring und dem bundesweiten Monitoring 2026 finden Sie hier:
Erfassung des Zuflugs der Schilf-Glasflügelzikade auf Gemüseflächen
Kontakt
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz, Arbeitsgruppe Krankheiten, Schädlinge im Gartenbau (IPS 3d)
Kreuzbreite 4
85354 Freising
Tel.: 08161/8640-5198
E-Mail: SGFZ-Gemuese@lfl.bayern.de

