Jahresbericht 2025 – Bakteriologie

Bakterien können zahlreiche schwere Krankheiten an Kulturpflanzen auslösen, die aktuelle Situation in den von „SBR“ und „Stolbur“ betroffenen Kulturen zeigt dies eindrücklich. Eine exakte Diagnose und genaue Identifizierung der Organismen, die die Schädigung ausgelöst haben, ist nicht nur für Bekämpfungs- und Vorbeugungsmaßnahmen von großer Bedeutung – auch für die Einhaltung von Regelungen zur Pflanzengesundheit auf EU-Ebene sowie für Ein- und Ausfuhr müssen bestimmte Krankheitserreger genau identifiziert werden.

An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist die Arbeitsgruppe IPS 2b zuständig für die Diagnose bakteriell bedingter Krankheiten an Kulturpflanzen aus Landwirtschaft und Gartenbau.
Im Rahmen der Qualitätssicherung in den Laboren der LfL ist das bakteriologische Diagnoselabor in der Lage, die Untersuchungen auf praktisch sämtliche relevanten bakteriellen Schadorganismen mittels durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditierter Prüfverfahren durchzuführen. Dies entspricht den Anforderungen der EU, wonach eine Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 für alle Labore verpflichtend ist, die amtliche Kontrollen und Tests im Bereich Pflanzengesundheit durchführen. Die Akkreditierung stellt sicher, dass ein Labor den Richtlinien zur Qualitätssicherung folgt. Die akkreditierten Verfahren im bakteriologischen Labor beinhalten klassische mikrobiologische ebenso wie serologische und molekularbiologische (PCR-, DNA-Sequenzierungs-) Methoden, sowohl für den Nachweis direkt in Pflanzen als auch für die genaue Identifizierung von Bakterien-Reinkulturen.
Die in unserem Labor verwendeten Nachweismethoden für Bakterien werden ständig verbessert und aktualisiert, neue Verfahren werden bei Bedarf etabliert und validiert.

Detaillierte Informationen zu Ablauf der Diagnose und Labormethoden an der LfL, sowie zur Probeneinsendung

1. Nachweis pflanzenpathogener Bakterien im Jahr 2025

Petersilienblätter mit Schadsymptomen durch Pseudomonas-BefallZoombild vorhanden

Petersilie mit Pseudomonas-Befall

Im Jahr 2025 wurden im bakteriologischen Labor insgesamt 1965 Proben aus Landwirtschaft und Gartenbau auf bakterielle Erkrankungen untersucht. Wie in den Tabellen dargestellt, konnte an 26 verschiedenen Kulturen (Pflanzenarten) ein Befall/ Besatz mit einer oder mehreren phytopathogenen Bakterienarten festgestellt werden. Insgesamt 18 verschiedene Bakterien-Taxa (also Arten, Unterarten oder Pathovare) wurden dabei nachgewiesen. Unter den Proben waren auch 492 Zikaden, die als Vektoren bakterieller Pflanzenkrankheiten („SBR“ und Stolbur) der Zuckerrübe, der Kartoffel und anderer Kulturen untersucht wurden.
Zierpflanzen, Gehölze
WirtspflanzeSymptomErreger
Chrysantheme (Chrysanthemum sp.)StängelwucherungXanthomonas sp. *
Roteiche (Quercus rubra)StammexsudateErwinia billingiae *
Holunder (Sambucus nigra)Welke, DürrePseudomonas marginalis *
* vermutlich kein Zusammenhang zwischen beobachtetem Symptom und nachgewiesenem (Schad-)erreger.
Landwirtschaftlichen Kulturen, Gemüse-, Heil- und Gewürzpflanzen
WirtspflanzeSymptomErreger
Bohne (Phaseolus vulgaris)BlattnekrosenPseudomonas savastanoi pv. phaseolicola
Xanthomonas phaseoli
Eisenkraut (Verbena officinalis)BlattnekrosenPseudomonas cichorii,
Xanthomonas
sp.
Karotte (Daucus carota)Gummiwurzeln bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Phytoplasma solani
Kartoffel (Solanum tuberosum) Gummiknollen bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Pectobacterium brasiliense
Dickeya sp.
Ralstonia solanacearum
Liebstöckel (Levisticum officinale)Wuchsdepression bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Mais (Zea mays)Wuchsdepression, Stängeldürre bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Paprika (Capsicum annuum)MarknekrosePseudomonas mediterranea
Pastinake (Pastinaca sativa subsp. sativa)Gummiwurzeln bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Petersilie (Petroselinum crispum var. vulgare) BlattnekrosenPseudomonas syringae
Pseudomonas viridiflava
Rhabarber (Rheum rhabarbarum)Wuchsdepression bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Phytoplasma solani
Rote Bete (Beta vulgaris subsp. vulgaris) Wuchsdepression, Gummiwurzeln bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Wassermelone (Citrullus lanatus)BlattnekrosenPseudomonas syringae
Wassermelone (Citrullus lanatus) (Saatgut)Latenzuntersuchung Acidovorax citrulli
Weizen (Triticum aestivum)SpelzenverbräunungPseudomonas syringae
Zuckerrübe( Beta vulgaris subsp. vulgaris)Wuchsdepression, Gummiwurzeln bzw. LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Zwiebel (Allium cepa)Nassfäule bzw. LatenzuntersuchungBurkholderia gladioli
Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Obstgehölze
WirtspflanzeSymptomErreger
Apfel (Malus domestica)TriebsterbenErwinia amylovora
Birne (Pyrus communis)Stammwucherung
Triebsterben
Agrobacterium tumefaciens
Erwinia amylovora
Haselnuss (Corylus avellana)BlattnekrosenPseudomonas syringae
Xanthomonas arboricola pv. [/i]corylina[/i]
Kirsche (Prunus avium)BlattnekrosenPseudomonas syringae
Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca)Schrotschuss, FruchtfleckenPseudomonas syringae
Quitte (Cydonia oblonga)TriebsterbenErwinia amylovora
Walnuss (Juglans regia)FruchtfleckenXanthomonas sp.
Substrat/ WirtSymptomErreger
Zikade (Schilf-Glasflügelzikade)
(Pentastiridius leporinus)
LatenzuntersuchungCandidatus Arsenophonus phytopathogenicus
Candidatus Phytoplasma solani
Wasserproben (Oberflächengewässer)-Ralstonia solanacearum

2. Untersuchungen auf geregelte bakterielle Schaderreger

Im Zusammenhang mit phytosanitären Kontrollen von Pflanzensendungen für Im- und Export, sowie im Rahmen von Monitorings, Kontrollen und Verdachtsproben wurden in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich IPS 4 (Pflanzengesundheit und Quarantäne) auch 2025 regelmäßig Proben auf bakterielle Quarantäne- bzw. anderweitig geregelte Schädlinge gemäß der EU-Verordnung 2016/2031 über Maßnahmen zum Schutz vor Pflanzenschädlingen („Pflanzengesundheitsverordnung“) untersucht.
Solche Erreger unterliegen unterschiedlichen amtlichen Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass sie in die EU eingeschleppt oder dort verbreitet werden bzw. bei Befall erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.

Pflanzengesundheit und Quarantäne

Quarantänestation und amtliches Labor

Das bakteriologische Labor der LfL hat seit 2020 den Status einer Quarantänestation gemäß EU-Verordnung, der sicherstellt, dass das Labor bestimmte Anforderungen erfüllt, die die Ausbreitung von Quarantäneschädlingen verhindern. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 397 Proben auf Befall mit Unionsquarantäneschädlingen gemäß der Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072 untersucht.

Quarantäneschädlinge 2025 – Untersuchungen an Kartoffeln

Einen Schwerpunkt bildeten auch 2025 wieder die zusammen mit der AG IPS 4b durchgeführten Untersuchungen auf die Erreger der Schleim- (Ralstonia solanacearum) und Ringfäule (Clavibacter sepedonicus) der Kartoffel – beides Unionsquarantäneschädlinge nach der Pflanzengesundheitsverordnung. Insgesamt wurden an der LfL 208 Kartoffelproben (Pflanzgut, Speise- und Wirtschaftskartoffeln, Zuchtmaterial) untersucht. Ein Großteil der bayerischen Kartoffelproben wird in einem externen Untersuchungslabor analysiert, wobei positive bzw. Verdachtsfälle an der LfL nachuntersucht werden. Insgesamt 6 Proben waren positiv auf Ralstonia solanacearum (siehe Bericht der AG IPS 4b). Auch 60 Wasserproben aus bayerischen Oberflächengewässern und zwei Klärschlamm-Proben wurden 2025 auf R. solanacearum untersucht. Zwei Gewässerproben wurden positiv getestet, was relevant für die Allgemeinverfügungen ist, welche die Entnahme von Wasser zur Beregnung von Kartoffeln und Tomaten aus den entsprechenden Gewässerabschnitten untersagen (siehe Bericht der AG IPS 4b).

Quarantänebakteriosen der Kartoffel

Quarantäneschädlinge 2025 – weitere Untersuchungen

Daneben wurden 41 Proben von Mais-Saatgut für Ein- und Ausfuhr sowie in Amtshilfe für Kollegen aus anderen Bundesländern auf den Erreger der Bakterienwelke Pantoea stewartii subsp. stewartii untersucht, sowie eine Vielzahl von potenziellen Wirtspflanzenarten auf das Feuerbakterium Xylella fastidiosa, das als prioritärer Quarantäneorganismus eingestuft wird. Insgesamt 54 Proben, zumeist aus dem Nationalen Monitoringprogramm der EU, wurden auf Xylella untersucht, darunter Proben von Wein, Olive, Oleander, Lavendel, Rosmarin, Kaffee, Citrus- und Prunus-Arten. Positive Fälle traten nicht auf. Auch bei den 21 Ingwer-Importproben, die über den Flughafen München eingeführt wurden und auf Ralstonia pseudosolanacearum zu untersuchen waren, waren keine positiven Befunde zu verzeichnen.
Weitere Informationen zu geregelten Schadorganismen finden sich bei den Berichten der Arbeitsgruppen von IPS 4 (Pflanzengesundheit und Quarantäne).

3. Untersuchungen zu SBR (Syndrome Basses Richesses) und Stolbur an Zuckerrübe und anderen Kulturen

Das "Syndrome Basses Richesses" ("SBR" = Syndrom des niedrigen Zuckergehalts) wurde ursprünglich als eine Bakteriose der Zuckerrübe beschrieben, die durch das Bakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus ausgelöst wird. Die Krankheit hat sich in den vergangenen Jahren auch in Bayern in vielen Anbaugebieten stark ausgebreitet. Mit ihr einher gehen schwere Einbußen in Ertrag und Qualität. Seit Sommer 2023 hat sich die Situation nochmals verschärft: neben dem ursprünglich festgestellten SBR-Bakterium Cand. Arsenophonus wurde ein weiterer Erreger, das sogenannte Stolbur-Phytoplasma, ein zellwandloses Bakterium (Cand. Phytoplasma solani), zusätzlich als ein maßgeblicher Erreger im Komplex "SBR" identifiziert.
Beide Erreger werden von der Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) übertragen, die sich offenbar neuerdings stark an landwirtschaftliche Kulturen und Fruchtfolgen wie z.B. Zuckerrüben und Winterweizen angepasst hat. Bisher sind in der Praxis kaum wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten bekannt.

Auch Kartoffel und Gemüsekulturen betroffen

Im Jahr 2023 wurde deutlich, dass auch die Kartoffel Wirtspflanze für die Schilf-Glasflügelzikade ist und beide Erreger auch auf diese Kultur übertragen kann. An infizierten Pflanzen sind neben gelblich oder rötlich verfärbten Triebspitzen, Geiztrieb- und Luftknollenbildung vor allem gummiartige Knollen in der Tochterknollengeneration sowie Auswirkungen auf deren Keimverhalten zu beobachten. Befallene Knollen keimen u.U. später, schwächer, bzw. zeigen sog. Fadenkeimigkeit. Dies hat möglicherweise massive Auswirkungen auf die Pflanzgutqualität, einige Pflanzgut produzierende Betriebe auch in Bayern haben diesen Betriebszweig mittlerweile aufgegeben.
Ebenfalls betroffen sind Gemüsekulturen (v.a. Wurzelgemüse, Rhabarber, u.a.) vor allem in den Zuckerrüben-Befallsgebieten. Schäden wie Blattverfärbungen, Wuchsverzögerung, Welke, „Gummiwurzeln“, Ertragsminderung und Geschmacksveränderungen sind nach derzeitigem Kenntnisstand auch auf den genannten Erreger-/ Vektorkomplex zurückzuführen.
Das Problem "SBR" ist mittlerweile kulturübergreifend zu einem der wichtigsten Themen im Bereich Pflanzenschutz in Deutschland geworden, das bundesweit intensiv diskutiert und beforscht wird. Auch Nachbarländer wie die Schweiz und Österreich sind betroffen.
Forschungsprojekte
Auch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) fördert mehrere Forschungsprojekte an der LfL, in denen auch in Zusammenarbeit mit der verarbeitenden Industrie Möglichkeiten und Strategien zur Kontrolle der Krankheit gesucht werden.

Weitere Projekte, an dem das phytobakteriologische Labor beteiligt ist, werden federführend von der Arbeitsgruppe IPS 3c betreut:

Siehe hierzu auch die Berichte der Arbeitsgruppe IPS3c.
Aufgeschnittene Rhabarber-Rhizome mit Stolbur-Befall

Rhabarber-Rhizome

Kartoffelknollen mit fadenförmigem Austrieb durch SBR- und Stolbur-Befall

Kartoffelknollen

Leimtafel mit Schilf-Glasflügelzikaden

Leimtafel mit Zikaden

Ergebnisse der Labordiagnosen
Die Arbeitsgruppe Bakteriologie war auch 2025 intensiv in die Problematik "SBR/ Stolbur" eingebunden und dabei hauptsächlich mit der Labordiagnostik an Feldproben befasst. Eingehende Zikaden-, Zuckerrüben-, Kartoffel- und sonstige Proben werden mittels PCR auf ihre Besiedelung mit den beiden Erregern untersucht.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 85 Zuckerrüben-, 50 Kartoffel, 88 Gemüse- bzw. weitere Pflanzenproben sowie 492 Zikaden aus ganz Bayern getestet. Die Zikaden stammten großteils aus dem bayernweiten Monitoring, das im Zusammenhang mit den Notfallzulassungen für Insektizideinsätze 2025 durchgeführt wurde.
  • Zuckerrübe: 7 % SBR, 32 % Stolbur, 46 % beide Erreger, 15 % kein Erreger
  • Kartoffel: 6 % SBR, 16 % Stolbur, 6 % beide Erreger, 72 % kein Erreger
  • Gemüse und andere Kulturen: 17 % SBR, 9 % Stolbur, 6 % beide Erreger, 68 % kein Erreger
  • Zikaden: 21 % SBR, 6 % Stolbur, 20 % beide Erreger, 53 % kein Erreger
Hinzu kamen 639 Kartoffelproben, die als Versuchsmaterial (Pflanz- oder Erntegut) aus den bei der AG IPS 3c durchgeführten Versuchen zum Thema SBR/ Stolbur zur Untersuchung eingingen. Die Ergebnisse dienten der Versuchsauswertung bzw. der Versuchsvorbereitung in diesen Projekten.
Außerdem wurden wieder ausgewählte Proben DNA-sequenzanalytisch untersucht, um so Details zur Stolbur-Erregerpopulation zu erhalten. So ließ sich für eine Auswahl von Proben aus ganz Bayern die Zugehörigkeit zu einer der beiden Cand. Phytoplasma solani-Untergruppen 16SrXII-A bzw. 16SrXII-P feststellen. Erstere stellt dabei die "klassische" Stolbur-Untergruppe dar, die bereits seit Jahrzehnten aus Süd- und Südosteuropa an Gemüse und Kartoffeln (in Verbindung mit anderen Vektor-Zikaden) bekannt ist. 16SrXII-P ist dagegen ein neuer Typ, der derzeit in Deutschland dominiert und für den massiven Ausbruch des „SBR“-Komplexes an Zuckerrüben verantwortlich zu sein scheint. In Bayern kommen derzeit beide Untergruppen sowohl in Kartoffel als auch in Gemüsekulturen vor, während in den untersuchten Zikaden und Zuckerrüben bislang ausschließlich Gruppe -P nachgewiesen werden konnte.