Jahresbericht 2025 – Mykologie

Diagnose von pilzlichen Schaderregern an Kulturpflanzen – Ein Rückblick auf das Jahr 2025

Insgesamt wurden 1.420 Pflanzen- bzw. Saatgutproben zur Untersuchung an die Arbeitsgruppe "Mykologie" mit einem Verdacht auf eine pilzliche Schadursache eingesandt. Diese waren nicht auf bestimmte Pflanzengruppen beschränkt, sondern verteilten sich auf Obst, Gemüse und Zierpflanzen sowie auf Gehölze und landwirtschaftliche Kulturen. Mit der Zunahme des Ökolandbaus und des Anbaus von Leguminosen spielen Gesundheitsprüfungen an Saatgut eine immer größere Rolle. Sie machen mittlerweile mehr als 60 % des Probenaufkommens aus. Ein weiterer Schwerpunkt sind weiterhin Arbeiten im Rahmen des Hoheitsvollzuges – insbesondere zur Bekämpfung des Kartoffelkrebses – einer gefürchteten Quarantäneerkrankung.

Im Folgenden sollen einige Schlaglichter auf ausgewählte Erkrankungen geworfen werden.

Untersuchung Anthraknose-Erkrankungen bei Körnerleguminosen

<i>Colletotrichum lupini</i> – Brennfleckenerreger bei Lupinen in PlattenkulturZoombild vorhanden

Colletotrichum lupini

In Auftrag von IPZ 6c, der LWG in Veitshöchheim, Agrolab (Schleswig-Holstein) und der Landwirtschaftskammer (LWK) in Nordrhein-Westfalen (NRW) in Münster wurden insgesamt deutlich weniger Proben auf Befall mit Ascochyta pisi untersucht. Daneben sind weitere 238 Leguminosen-Saatgutproben (Soja, Lupine, Ackerbohne) auf Brennfleckenerkrankungen zur Untersuchung vorgelegt worden.
Diese samenübertragbare Erkrankung (Anthraknose) spielt bei Futtererbsen z. T. eine große Rolle und kann zu hohen Ertragsausfällen führen. Keine der Partien zeigte einen Befallsgrad von 13 % und mehr. Ab diesem Wert ist die Verwendung als Saatgut als bedenklich anzusehen. Im Vergleich zu 2008 ist das Befallsgeschehen weiterhin rückläufig bzw. hat sich auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert. Während 2008 noch gut 50 % der bayerischen Partien beanstandet wurden, waren es 2009 17 %, 2010 knapp 9 %, 2011 nur noch gut 3 % und in den letzten 8 Jahren lediglich eine in 2020.
Darüber hinaus sind im mykologischen Labor noch weitere Saatgutproben anderer Körnerleguminosen wie Ackerbohne (110 und Lupine (18) auf Anthraknose-Erkrankungen untersucht worden.
Bei allen Ackerbohnen- bzw. Lupinenproben war weder Ascochyta fabae noch Colletotrichum lupini nachweisbar.
Sehr stark zugenommen haben in den vergangenen Jahren Untersuchungen von Sojasaatgut. Es wurden 152 Proben – weit über 100 % mehr wie in 2020 - vorgelegt; bei 80 % konnte der Erreger von Brennflecken (Phomopsis-Komplex) nachgewiesen werden. Im Jahr 2017 war dies bei lediglich 22 % der Fall; 2021 bei 54 %, 2022 bei 59 %, 2023 bei 50 % und 2024 bei knapp 70 %.

Untersuchungen auf Tilletia-Besatz bei Weizen (Weizensteinbrand) und Gerstenflugbrand

Weizensteinbrand – infizierte Ähre mit schwarzen Sporenmassen in der BildmitteZoombild vorhanden

Weizensteinbrand, Foto: W. Richter

Im abgelaufenen Jahr wurden überwiegend von IPZ 6c, der LWK NRW im Rahmen eines gemeinsamen Projektes und Direkteinsendern insgesamt 546 Weizen- bzw. Dinkelproben (davon 329 aus BY über die Saatgutprüfstelle), meist aus dem ökologischen Landbau, zur Untersuchung auf Steinbrand bzw. Zwergsteinbrand vorgelegt. Im Jahr 2025 wiesen gut 14 % der Weizen-/Dinkelproben aus Bayern Besatzwerte von durchschnittlich über 20 Sporen pro Korn (T. caries und/oder T. controversa) auf, sodass die entsprechenden Partien als Saatgut ungeeignet waren. Auffällig war der hohe Anteil an Tilletia-freien Proben.
Ergebnisse der Untersuchungen von Weizen- und Dinkelsaatgut auf Tilletia-Besatz in Bayern in den Jahren 2009 bis 2024
 2010201120122013201420152016201720182019202020212022202320242025
Anzahl Proben273492341326333370303474386458499474504421338329
Anteil Proben mit Besatzwerten über 20 Sporen/Korn in %3350384630,334,6332124,53321111914814
Anteil Tilletia-freier Proben in %7< 196123,591921917353045 4350
Weizensteinbrandsporen bei 320-facher VergrößerungZoombild vorhanden

Weizensteinbrandsporen

T. controversa (Zwergsteinbrand) trat 2025 im Vergleich zu den Jahren der vorherigen Dekade kaum in Erscheinung. Nur bei weniger als 1 % der Proben konnte der Erreger festgestellt werden (2017: ca. 86 %, 2018: 20 %, 2019: 16 %, 2020: 1 %, 2021: 4%). Besatzwerte von über 20 Sporen pro Korn waren in keinem Fall zu beobachten. Wie in den Jahren zuvor trat der Erreger meist in Mischinfektionen mit T. caries auf.
Flugbrand-Mycel unter dem MIkroskopZoombild vorhanden

Flugbrand-Mycel

Daneben wurden 2025 insgesamt 132 Gerstenproben aus ökologischem Anbau davon 97 von der bayerischen Saatgutprüfstelle auf Flugbrand (Ustilago nuda) untersucht. Im Vergleich zum Vorjahr wurde U. nuda weniger häufig beobachtet. Bei gut 12 % der bayerischen Partien ließ sich der Erreger mit einer Befallsstärke von 0,1 % oder mehr nachweisen. Ab diesem Wert ist eine Verwendung als Saatgut ausgeschlossen.
Von anderen Versuchseinrichtungen kamen weitere 35 Gerstenpartien zur Untersuchung auf Gerstenflugbrand hinzu. Hier konnte nur in einzelnen Fällen U. nuda nachgewiesen werden.

Nachernte-Monitoring von Ährenfusariosen 2025

Zusammenfassend für das Erntejahr 2025 lässt sich sagen, dass generell die Infektionen der untersuchten Getreidesorten wie Weizen, Gerste und Roggen mit diversen Fusarium-Arten verglichen mit dem Vorjahr auf einem ähnlichen Niveau lagen. Zur Belastung des Erntegutes mit Mykotoxinen, insbes. DON vgl. Jahresbericht AL 1b.
Ähre infiziert mit Fusarium graminearumZoombild vorhanden

Ähre infiziert mit Fusarium graminearum

Ährenfusariosen haben insbesondere bei Weizen eine hohe Bedeutung. Ein besonderes Problem ist dabei die Produktion von Mykotoxinen durch bestimmte Fusarium-Arten, die durch Risikofaktoren wie Vorfrucht Mais, nicht-wendende Bodenbearbeitung nach Mais, Anbau mittel- und hochanfälliger Weizensorten, Einsatz bestimmter Fungizide und warm-feuchte Witterung vor und zur Weizenblüte gefördert wird. Die Mykotoxine können in die Nahrungskette gelangen und Tiere sowie Menschen gefährden (siehe auch die Beiträge von IPS 3a sowie den AQU-Jahresbericht). Ziel des „Nach-Ernte-Monitoring“ ist die Ermittlung des mikrobiellen Besatzes sowie der Mykotoxinbelastung des Erntegutes, insbesondere mit Deoxynivalenol (DON). Durch die Untersuchung von Weizen-, Gersten- und Roggenproben nach der Ernte soll Landwirten, Händlern und Verarbeitern u.a. bei den beiden wichtigsten Brotgetreide¬arten ein Überblick über den mikrobiellen Status gegeben werden. Darüberhinaus sollen langfristig Informationen über etwaige Veränderungen des Fusarium-Arten¬spektrums und dem damit verbundenen Auftreten anderer Toxine erhalten werden.
Vor mehr als 15 Jahren wurde auch Sommergerste in das Monitoring aufgenommen, da in den letzten Jahren immer wieder Befürchtungen geäußert wurden, dass auch hier mit nicht unerheblichen Fusarium spp.-Infektionen zu rechnen sei.
Reinkultur <i>Fusarium graminearum</i> in PetrischaleZoombild vorhanden

Reinkultur Fusarium graminearum

Beim Weizen waren 2025 ca. 28 % der insgesamt 148 untersuchten Proben mit F. graminearum infiziert. Die Befallsstärke der einzelnen Proben erreichte maximal 94 %. F. culmorum konnte lediglich bei 9 % der Proben isoliert werden. Die höchste Befallsstärke lag bei 35 % befallener Körner. Insgesamt war damit die Belastung des Weizens mit DON-bildenden Fusarium-Arten auf sehr niedrigerem Niveau.
Neben diesen beiden Arten konnten beim Weizen noch F. poae, F. langesethiae und F. sporotrichioides sowie in geringerem Umfang F. avenaceum, F. equiseti, und Monographella nivalis (Schneeschimmel) beobachtet werden. [/i]F. sporotrichioides kam bei 83 % der Proben vor; ebenso [i]F. langsethiae bei 49 %. Dabei lag die Befallsstärke bei beiden zuletzt genannten Arten höchstens bei 100 % bzw. 49 % befallener Körner. Insgesamt traten beide Arten ähnlich stark wie 2024 in Erscheinung.
Bei den untersuchten 88 Roggenproben konnten nur bei 10 % F. graminearum und bei 2 % F. culmorum beobachtet werden. Es traten F. langsethiae bei 16 % und F. sporotrichioides bei 39 % der Proben auf. Die maximale Befallsstärke lag bei keiner der Proben über 6 % infizierter Körner. Insgesamt war die Belastung mit den diversen Fusarium-Arten deutlich niedriger im Vergleich zu 2024.
Bei der Sommergerste (110 Proben) spielten die DON-bildenden Fusarium-Arten eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum Weizen. Bei 5 % der Proben konnte F. graminearum mit einer maximalen Befallsstärke von 6 % beobachtet werden. F. culmorum trat in keiner der Proben auf. Häufiger konnten F. sporotrichioides und F. langsethiae diagnostiziert werden. Bei 78 % bzw. 55 % der Proben konnten die angesprochenen Arten bis zu einer maximalen Befallsstärke von 12 % bzw. 24 % infizierter Körner beobachtet werden.

Vollzug der Verordung (VO) zur Bekämpfung des Kartoffelkrebses

Um eine Ausbreitung von Quarantäne-Schadorganismen zu verhindern bzw. einzudämmen, sind Untersuchungen und eine Vielzahl von restriktiven Maßnahmen notwendig, die z. T. große wirtschaftliche Folgen (z.B. ein Verbot des Kartoffelanbaus auf der Befallsfläche) für betroffene Landwirte haben können. Erschwerend kommt im Falle des Kartoffelkrebses (Erreger: Synchytrium endobioticum) hinzu, dass die Überdauerungsformen (Dauersori) mindestens 20 Jahre im Boden lebens- und infektionsfähig bleiben. In enger Zusammenarbeit mit IPS 4b (Quarantänemaßnahmen bei Kartoffeln) erfolgen Bodenuntersuchungen zur Aufhebung der Sperrmaßnahmen betroffener Flächen.
mit Kartoffelkrebs befallene KartoffelknolleZoombild vorhanden

Kartoffelkrebs

Bei Befallsfeststellung wird mittels eines amtlichen Bescheides die Befallsfläche für den Kartoffelanbau gesperrt. Zusätzlich wird um diese Fläche ein Sicherheitsbereich abgegrenzt, in dem nur krebsresistente Kartoffeln angebaut werden dürfen. Ferner sind eventuell befallene Knollen so zu behandeln, dass eine Ausbreitung des Erregers ausgeschlossen ist. Eine Aufhebung der Sperrmaßnahmen ist nur möglich, wenn Untersuchungen des Bodens nach EPPO-Richtlinien eine Befallsfreiheit ergeben haben. Bei dieser Laboruntersuchung werden die Dauersori mittels eines Nass-Siebverfahrens aus Bodenproben ausgewaschen und deren Anzahl wird mikroskopisch bestimmt. Pro 0,3 ha ist eine Mischprobe bestehend aus 20 Einstichen in 20 cm Tiefe zu ziehen. Parallel dazu werden mit den Bodenproben Biotests durchgeführt, bei denen Knollen hochanfälliger Kartoffelsorten für 3 Monate kultiviert werden.
Sind die Ergebnisse de Testverfahren negativ, kann der Sperrbescheid aufgehoben werden. Daneben werden auch immer wieder Untersuchungsanfragen von kartoffelverarbeitenden Betrieben an IPS 2a gerichtet, bei denen es z.B. um die evtl. Belastung von Feststoffresten aus dem Waschprozess mit Dauersori geht.
Dauersorus des Kartoffelkrebs unter dem MikroskopZoombild vorhanden

Dauersorus – Synchytrium endobioticum

Im Jahr 2025 wurden 37 Bodenproben auf Vorhandensein von S. endobioticum untersucht. Dabei handelt es sich überwiegend um Flächen, auf denen vor mehr als 20 Jahren Kartoffelkrebs beobachtet wurde. Lebensfähige Dauersori konnten in 2 Fällen nachgewiesen werden.Vor dem Hintergrund immer wieder auftretender Krankheitsfälle (5 Nachweise an Knollen in 2025) und in Anbetracht des Verbreitungsweges des Pilzes vor allem durch verseuchtes Pflanzgut ist gerade auch im Rahmen der Anerkennung eine genaue Prüfung des Pflanzgutes auf Knollenwucherungen unverzichtbar.