Praxisinformationen
Jahresbericht 2025 über die Zuchtarbeit in Bayern - Bereich Schweine

Langes Gebäude in der LandschaftZoombild vorhanden

Neuer Versuchs- und Prüfstall des Forschungs- und Prüfzentrums Schwein in Schwarzenau, Foto: BaySG

In den Prüfstationen für Schweine in Grub und Schwarzenau werden unter standardisierten Bedingungen Erzeugungs- und Qualitätsmerkmale von Nachkommen aus der Herdbuchzucht und der künstlichen Besamung ermittelt, die im Rahmen der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die spätere Selektionsentscheidung bilden.

Im Jahr 2025 wurden in den Prüfstationen 3.891 Tiere eingestallt, bei welchen neben den klassischen Prüfmerkmalen auch das Safthaltevermögen im Kotelett, der Intramuskuläre Fettgehalt, Zitzenmängel und Hilfsschleimbeutel an den Extremitäten routinemäßig erfasst werden. Zudem wurden 60 Tiere im Rahmen von Versuchen geprüft. Projekte zur Haltung nicht kupierter Tiere sind zudem ein wichtiger Teil der Arbeit der Prüfstationen. Zusätzlich zur klassischen Stationsprüfung wird das Datenpotential in Praxisbetrieben mit bayerischen Hybridsauen konsequent weiter erschlossen. Durch das Programm "BayernGO" der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w. V. (EGZH) werden seit dem Jahr 2020 die Leistungen von Bestandssauen und deren Nachkommen in eigenremontierenden Ferkelerzeugerbetrieben des LKV Bayern e.V. erfasst und in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt. Dies erweitert insbesondere die Anzahl von Reinzuchtleistungen erheblich.

Auf Basis dieses europaweit einzigartigen Datenpools in den organisierten Ferkelerzeugerbetrieben ist es so gelungen, den Zuchtfortschritt bei der Vitalität der Ferkel und der Homogenität des Wurfes deutlich zu steigern. Beides, die hervorragende Merkmalserhebung in den Prüfstationen und die konsequente Nutzung von Felddaten, sind in Verbindung mit der genomischen Zuchtwertschätzung die Garanten für die hervorragende züchterische Entwicklung der in Bayern gezüchteten Rassen Piétrain, Duroc, Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein.

Jahresbericht 2025 über die Zuchtarbeit in Bayern - Bereich Schwein (LfL-Information)

Der vorliegende Bericht enthält neben den Stationsergebnissen noch Zusatzauswertungen, vor allem hinsichtlich der Fleischbeschaffenheit, die Ergebnisse der Feldprüfungen sowie die aktuellen genetischen Trends anhand der Entwicklung der Zuchtwerte der letzten 11 Jahre. Zudem gibt er einen Überblick über aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich der Schweinezucht.

Das Prüfungsjahr 2025

Das Jahr 2025 war für die Ferkelerzeuger ein ökonomisch mäßiges Jahr. Die Energie- und Futterkosten waren zwar im Vergleich zum Jahr 2024 weitestgehend konstant, der durchschnittliche Ringferkelpreis fiel jedoch um 15 € auf etwa 66 € (Netto). In der Schweinemast war mit einem mittleren Schlachtschweinepreis von 1,91 €/kg Schlachtgewicht (Netto) ein mittleres Betriebsergebnis zu erzielen.
Zum Stichtag 11/2025 hielten in Bayern 1.210 Betriebe (-4,7 Prozent zum Vorjahr) etwa 159.000 Zuchtsauen. Der Zuchtsauenbestand verringerte sich somit im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 1,9 Prozent. Die Anzahl der Betriebe mit Schweinemast blieb mit 2.760 Betrieben weitestgehend stabil (-1,4 Prozent), der Bestand an Mastschweinen reduzierte sich auf 1,12 Mio. Tiere (-2,2 Prozent).

Verlagerung der Stationsprüfung nach Schwarzenau nach knapp 70 Jahren Prüfung in Grub

Innenansicht eines PrüfstallesZoombild vorhanden

Blick in den Prüfstall, Foto: BaySG

Im Jahr 2025 erfolgte die endgültige Verlagerung der Stationsprüfung nach Schwarzenau und in diesem Zuge auch eine Umstellung des Prüfkonzepts. Nach knapp 70 Jahren wurde damit die Prüfung in Grub beendet. Das mit der Verlagerung entwickelte neue Prüfkonzept beinhaltet, dass die Prüftiere nur noch von drei Vertragsbetrieben der Bayerischen Staatgüter (BaySG) erzeugt werden. Diese geringe Anzahl an Lieferbetrieben ermöglicht nun auch sanitarisch die Einstallung von 25 kg Ferkeln, so dass die Quarantäneeinrichtungen am Baumannshof und in Schwarzenau ebenso eingestellt wurden. Auf großes Interesse ist auch die enge Kooperation der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w.V. (EGZH) mit der SUISAG aus der Schweiz gestoßen.
Ein großer Dank gilt an dieser Stelle den Mitarbeitern und bisherigen Beschickern der Prüfstationen Grub und Schwarzenau sowie den LKV-Ringberatern für die teils jahrzehntelange Beteiligung am bayerischen Zuchtprogramm.

Feierliche Eröffnung der neuen Tierwohlställe am Forschungs- und Prüfzentrum Schwein (FPZ) der Bayerischen Staatsgüter in Schwarzenau durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

GruppenbildZoombild vorhanden

Anton Dippold, Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter, bei der feierlichen Schlüsselübergabe an Frau Staatsministerin Michaela Kaniber

Eine der wichtigsten Ereignisse im Jahr 2025 war die feierliche Eröffnung der neuen Tierwohlställe am Forschungs- und Prüfzentrum Schwein (FPZ) der Bayerischen Staatgüter in Schwarzenau durch Frau Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Die neuen Stallanlagen sind das Herzstück des zweiten Bauabschnitts am Standort Schwarzenau. Sie schaffen modernste Bedingungen für Forschung, Zucht und Bildung im Bereich der Schweinehaltung. Auf einer Nutzfläche von rund 4.100 Quadratmetern bieten die Anlagen Platz für knapp 1.300 Prüftiere und erfüllen die Anforderungen der Haltungsstufe 3. Stroheinstreu, Beschäftigungsfutter, Aktivitätszonen und der Zugang zum Außenklima ermöglichen den Tieren ein ausgeprägtes natürliches Verhalten – ein zentraler Baustein des bayerischen Tierwohlkonzepts. Das Forschungs- und Prüfzentrum bildet gemeinsam mit dem 2024 in Betrieb gegangenen Versuchsschlachthaus nun eine geschlossene Einheit, in der alle Bereiche der Zuchtwertprüfung abgebildet werden können.

Bayerische Staatsgüter eröffnen neue Tierwohlställe am Forschungs- und Prüfzentrum Schwein am Staatsgut Schwarzenau

Da in der Prüfstation Grub im Jahr 2025 auf Grund der Verlagerung der Stationsprüfung nach Schwarzenau nur noch sehr wenige Tiere geprüft wurden, wird in der Ergebnisdarstellung auf eine Ausweisung in Abhängigkeit der Prüfstation verzichtet und eine Gesamtbetrachtung der eingestallten Tiere für Bayern vorgenommen. Mit 3.891 eingestallten Tieren ist der Umfang der erhobenen Leistungsdaten, aber auch die Datenqualität im Vergleich mit anderen am Markt befindlichen Zuchtprogrammen überragend. Das Prüfaufkommen in Bayern teilt sich mit etwa 39 Prozent auf die Herdbuchprüfung und mit etwa 61 Prozent auf die Endprodukteprüfung auf. Zusätzlich wurden im Jahr 2025 über 60 Tiere im Rahmen von Versuchen geprüft. Die Mast- und Schlachtleistungsergebnisse haben bei allen Prüfarten ein optimales Niveau erreicht. Im Prüfabschnitt wurden Tageszunahmen von 817 g bei der Rasse Piétrain (weiblich), 1.024 g bei den Mutterrassen (Kastraten) und 972 g bei den Endprodukten ermittelt. Der Magerfleischanteil (LPA-Formel) im Schlachtkörper lag mit 68,0 Prozent bei Piétrain und 62,0 Prozent bei den Endprodukten ebenso auf einem ausgesprochen guten Niveau.

Projekte im Rahmen der Stations- bzw. Feldprüfung und Zuchtwertschätzung

Im Jahr 2025 wurden wichtige Aufgaben zur Stärkung der bayerischen Schweinezucht auf den Weg gebracht. Hierzu zählen besonders die Projekte, welche wichtige Grundlagen für künftige Neuausrichtungen der Zuchtziele bei den Vater- und Mutterrassen liefern können.

Wichtige Bausteine in den bayerischen Zuchtprogrammen

Die züchterische Verbesserung der Effizienz, die Verringerung des Auftretens von Technopathien und Anomalien, die Ermittlung des Tierverhaltens oder die Zucht auf geringe Ferkelverluste bei homogenen Würfen sind Beispiele für Schwerpunkte der bayerischen Zucht. Neben dem Erhalt der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit sind daher die Sicherung einer hervorragenden Fleischqualität, die weitere Verbesserung von Gesundheitsmerkmalen und insbesondere von Tierwohl- und Verhaltensaspekten wichtige Bausteine in den bayerischen Zuchtprogrammen. So ist sowohl bei den Mutter- als auch bei den Vaterrassen die Resistenzzucht gegenüber den E. Coli F18- und F4-Bakterien im Blickfeld der Zuchtarbeit. Auch wurde von der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w.V. (EGZH) das sogenannte Vaterrassenmodell zur Förderung der bayerischen Piétrainzucht fortgeführt. So wurden im Rahmen des Vaterrassen-Modells im Jahr 2025 umfangreich Nachzuchtsauen und Eberkandidaten genotypisiert. Zudem werden für das bayerische Zuchtprogramm besonders interessante Anpaarungen gefördert.

Abschluss und Ergebnisse des Projektes Untersuchungen zur Erblichkeit des Swine Inflammation und Necrosis Syndroms (HeriSINS)

Die Erhöhung des Anteils von Schweinen mit intaktem Ringelschwanz ist gesellschaftspolitisch gewünscht und wird daher in der Zuchtarbeit verstärkt in den Fokus genommen. In den Prüfstationen Grub und Schwarzenau werden bereits seit Mitte des Jahres 2021 grundsätzlich Tiere mit intaktem Ringelschwanz eingestallt. Im Jahr 2025 wurde das vom StMELF geförderte Projekt (HeriSINS) zum Thema Entzündungs- und Nekrose Syndrom beim Schwein (SINS) abgeschlossen, in welchem an nicht kupierten Tieren SINS-Merkmale erhoben und deren Zusammenhang für das Auftreten von Schwanzverletzungen untersucht wurden.

Untersuchungen zur Erblichkeit des Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (HeriSINS)

Ergebnisse zu dem Projekt "Gezielter Einsatz von Duroc-Genetik zur Erzeugung von Mastendprodukten für Fleischqualitätsprogramme"

Für die Erzeugung von Schweinefleisch besonders hoher Qualität bedarf es einer gezielten Auswahl der Genetik. Frühere Untersuchungen des Instituts für Tierzucht zeigten, dass Nachkommen von Duroc-Ebern aus bayerischer Herkunft besonders gute Fleischqualität aufweisen und gegenüber anderen Genetikanbietern in diesen Merkmalen Vorteile aufweisen. Der Intramuskuläre Fettgehalt betrug 1,96 Prozent und der Tropfsaftverlust lag bei nur 2,58 Prozent. Die bayerische Züchtervereinigung EGZH ist bestrebt, die Duroc-Zucht weiter auszubauen. Zu diesem Zweck kooperiert die EGZH mit dem Zuchtunternehmen DNA Genetics, einem der führenden Genetik-Anbieter in Nordamerika mit einem Standort in Spanien. DNA Genetics beschreibt, dass Ihr Duroc-Eber mit dem Markennamen DNA L600 über eine außergewöhnliche Marmorierung, Farbe und pH-Werte verfügt und somit deren Nachkommen hervorragende Fleischqualitätsmerkmale erreichen
Gegenstand dieses Projekts war daher das Potential des DNA Duroc L600 für ein bayerisches Qualitätsprogramm für Schweinefleisch und dessen Einsatzmöglichkeiten im bayerischen Zuchtprogramm für die Rasse Duroc zu eruieren.

Gezielter Einsatz von Duroc-Genetik zur Erzeugung von Mastendprodukten für Fleischqualitätsprogramme

Stationsprüfung

Da in der Prüfstation Grub im Jahr 2025 auf Grund der Verlagerung der Stationsprüfung nach Schwarzenau nur noch sehr wenige Tiere geprüft wurden, wird in der Ergebnisdarstellung auf eine Ausweisung in Abhängigkeit der Prüfstation verzichtet und eine Gesamtbetrachtung der eingestallten Tiere für Bayern vorgenommen.
Tabelle: Verteilung der Prüftiere nach Prüfarten
RasseGesamt nGesamt %
Herdbuchzucht
Mutterrassen1.40437,42
Vaterrassen541,44
HB gesamt1.45838,86
Ferkelerzeuger
FE gesamt2.29461,14
HB und FE gesamt3.752100
Das Prüfaufkommen in Bayern teilt sich mit etwa 39 Prozent auf die Herdbuchprüfung und mit etwa 61 Prozent auf die Endprodukteprüfung auf. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Gesamtanzahl um 458 auf 3.752 abgeschlossene Prüftiere. Dabei reduzierte sich die Anzahl bei der Vaterrasse-Reinzucht um 79 Tiere. Bei den Mutterrassen verringerte sich die Tierzahl um 480. Bei den Endprodukten gab es eine Erhöhung um 101 Tiere.

Ansprechpartner
Dr. Rudolf Eisenreich
Institut für Tierzucht
Hans-Loher-Str. 32
94099 Ruhstorf a.d. Rott
Tel.: 08161 8640-7180
Fax: 08161 8640-5555
E-Mail: Tierzucht@LfL.bayern.de

Porträtfoto:

Dr. Rudolf Eisenreich

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