Arbeitsschwerpunkt Eiweiß
Schweinefütterung

Ferkel am Futtertrog
Eines der wichtigsten Eiweißfuttermittel für Schweine ist das Sojaextraktionsschrot, kurz Sojaschrot oder SES. Durch effiziente Fütterungsmethoden kann der Anteil an Soja reduziert werden. Heimische Eiweißträger, wie z.B. Rapsschrot, Rapskuchen oder großkörnige Leguminosen, können Sojaschrot zum Teil ersetzen, wenn bestimmte Einsatzgrenzen beachtet werden. Die Fütterung säugender Sauen und die Ferkelfütterung sind durch ihre hohen Ansprüche im Hinblick auf Aminosäurenzusammensetzung, Energie und Verdaulichkeit gekennzeichnet und lassen daher nur eine eingeschränkte Substitution des verbreitet eingesetzten SES zu. Die Fütterung tragender Sauen ist hingegen auch mit heimischen Alternativen möglich.

Heimische Eiweißfuttermittel in der Schweinefütterung

Die Eiweißversorgung in der Schweinefütterung wird zu einem überwiegenden Teil mit importiertem Sojaextraktionsschrot (SES) sichergestellt. Es bieten sich jedoch heimische Alternativen an, welche die Importabhängigkeit reduzieren können, ökonomisch rentabel sind und eine bedarfsgerechte und eiweißsparende Aminosäurenversorgung der Tiere ermöglichen.
Rapsextraktionsschrot
Rapsprodukte, insbesondere Rapsextraktionsschrot (RES), haben in den letzten Jahren vermehrt Verwendung in der Schweinefütterung gefunden. RES ist ein qualitativ hochwertiges und dennoch preiswertes Eiweißfuttermittel, das in allen Altersgruppen einsetzbar und in Bayern gut verfügbar ist. Beim Einsatz in der Schweinefütterung ist auf den geringen Energiegehalt, die geringere Dünndarmverdaulichkeit im Vergleich zu SES, sowie auf die erhöhten Phosphor-Gehalte zu achten. Durch Ergänzung mit freien Aminosäuren und Phytase zur Nutzung des phytingebundenen Phosphors können bedarfsgerechte Futterrationen mit RES angeboten werden. Bei tragenden Sauen ist die Eiweißversorgung mit RES als alleinige Eiweißfutterkomponente möglich.
Körnerleguminosen
Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen haben sowohl hohe Rohprotein- als auch hohe Energiegehalte und eignen sich bei Berücksichtigung der Einsatzempfehlungen für eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung von Schweinen. Grenzen des Einsatzes heimischer Körnerleguminosen werden auf Grund ihres Gehalts an antinutritiven Stoffen, die sich verzehrs- und leistungshemmend auswirken können, gesetzt. Obwohl heimische Körnerleguminosen über ein weniger ausgeglichenes Aminosäuremuster (Methionin, Tryptophan) und über eine geringere Aminosäureverdaulichkeit verfügen, lässt sich durch die Kombination verschiedener Eiweißfuttermittel, die Zulage freier Aminosäuren und den Einsatz von Phytase, eine bedarfsgerechte Schweinefütterung mit heimischen Leguminosen sicherstellen.
Heimische Sojaprodukte
Für den Einsatz heimischer Sojabohnen in der Schweinefütterung ist eine Aufbereitung unumgänglich, da sonst mit Leistungseinbußen zu rechnen ist. Für eine optimale Eiweißversorgung ist eine optimale Aufbereitungsqualität nötig, die einerseits verdauungshemmende Inhaltsstoffe inaktiviert, ohne andererseits die Eiweißverdaulichkeit durch Überhitzung zu beeinträchtigen. Ausführliche Informationen zu Verfahren der Sojaaufbereitung, Qualitätsparameter und Aufbereitungsanlagen in Bayern sind im Merkblatt „Sojaaufbereitung“ veröffentlicht. Eine Alternative "ohne Gentechnik" für die konventionelle Schweinefütterung stellt europäisches Sojaextraktionsschrot dar, das seit 2016 auch in Bayern hergestellt wird. Entscheidend für den Einsatz werden die Preisentwicklung sowie Anforderungen der weiterverarbeitenden Betriebe und des Lebensmitteleinzelhandels sein.

Heimische Eiweißfuttermittel in der Schweinefütterung

Die bayerische Eiweißinitiative - Ergebnisse aus dem Teilprojekt "Schweinefütterung"

In dem Teilprojekt Schweinefütterung des Aktionsprogrammes "Heimische Eiweißfuttermittel" soll mittels N-reduzierten Rationen und Phasenfütterung zunächst so viel als möglich teures Eiweißfutter bzw. Importsojaschrot eingespart werden. Ergänzend dazu werden heimisch erzeugte Eiweißfutter auf ihre Fütterungseignung und als Importsojaersatz getestet. Mittelfristig und realistisch könnte in Bayerns Schweinefütterung auf ca. 50.000 t (ca.15 %) Überseesoja verzichtet werden.

Ausführlicher Bericht: Die bayerische Eiweißinitiative - Ergebnisse aus der Schweinefütterung pdf 355 KB

Sojaverbrauch in der bayerischen Schweinehaltung gesunken

Im März 2011 wurde das Aktionsprogramm "Heimische Eiweißfuttermittel" offiziell gestartet. Nach genau vier Jahren stellten sich jedoch folgende Fragen: Wie entwickelte sich seitdem der Verbrauch an Eiweißfuttermitteln insbesondere Soja in der bayerischen Schweinehaltung? Können erste Erfolge gemeldet werden?
Die Antworte lautet ja. Der Verbrauch an importiertem Sojaextraktionsschrot in der bayerischen Schweinehaltung ging seit Beginn der „Bayerischen Eiweißinitiative“ um etwa 80.000 Tonnen zurück. Die eine Hälfte der Ersparnis ist auf Fortschritte in der Fütterung, Züchtung und Haltung zurückzuführen, die andere wurde durch Bestandsaufgaben erreicht. Ein leichter Trend zu heimischen Eiweißfuttern wie zum Beispiel Rapsextraktionsschrot zeichnete sich damals ab.

Sojaverbrauch in der bayerischen Schweinehaltung – die Eiweißinitiative zeigt Erfolge

Weitere Literatur