Rückblick Jahrestagung
Heimisches Eiweiß - Potentiale und Perspektiven für die bayerische Landwirtschaft

Erbsenfeld

Eiweiß ist eines der Schwerpunktthemen an der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Mit dem Ziel, Potentiale und Perspektiven einer heimischen Eiweißversorgung zu benennen und zu nutzen, wurden in den vergangenen Jahren in zahlreichen Projekten aktuelle Fragestellungen bearbeitet und Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis entwickelt. Im Rahmen der LfL-Jahrestagung am 19.10.2017 im Kloster Plankstetten zeigten Referenten die Möglichkeiten und die Herausforderungen einer heimischen Eiweißversorgung auf. Unter dem Motto „Heimisches Eiweiß – Potentiale und Perspektiven für die bayerische Landwirtschaft“ wurden Projekte aus Forschung und Beratung vorgestellt, sowie aktuelle Entwicklungen in der Milch- und Fleischwirtschaft beleuchtet.

Schlusswort

Am Ende der Tagung lässt sich festhalten: Wir haben interessante Vorträge gehört, die – und das ist wichtig – einen optimistischen Ausblick zulassen. Mir ist in Erinnerung geblieben, dass:

  • es gelungen ist, überseeische Soja-Importe erheblich zu vermindern.
  • in der Fütterung von Rindern und Schweinen weitestgehend auf Import-Soja verzichtet werden könnte.
  • die züchterische Bearbeitung von Leguminosen wieder in den Fokus rückt und damit die Aussicht wächst, ertragsstabilere Sorten zu bekommen.
  • im Grünland noch erhebliche Reserven für die heimische Eiweißversorgung stecken.
  • heimisches, eigenerzeugtes Grob- und Kraftfutter sich zu einem Wettbewerbsvorteil in der Tierhaltung entwickeln wird.
Das ist für alle, die die Versorgung mit heimischem Eiweiß voranbringen wollen, ein ermutigendes Fazit.
Ulrich Keymer, LfL - Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur

Zusammenfassung der Vorträge

Bayerische Eiweißinitiative
In seinem Eingangsreferat zur Bayerischen Eiweißinitiative stellte Hubert Bittlmayer, Amtschef am Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Ziele und Erfolge der Bayerischen Eiweißinitiative dar und gab einen Ausblick für die weiterer Entwicklung.
Mit dem Start der bayerischen Eiweißinitiative 2011 nahm Bayern eine Vorreiterrolle in Sachen heimisches Eiweiß ein. Mit der Initiative sollen die Erzeugung und der Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel gestärkt und die Abhängigkeit von Soja-Importen aus Übersee verringert werden. Dabei spielt das Grünland neben Leguminosen, Rapsprodukten und eiweißhaltigen Koppelprodukten in Bayern eine zentrale Rolle. Eiweißpflanzen haben neben ihrer hohen Wertigkeit als Futter- und Nahrungsmittel auch einen ökologischen Nutzen. So werden zum Beispiel Fruchtfolgen aufgelockert, die Bodenstruktur verbessert und mineralischer Stickstoff eingespart. Die Erfolge der Bayerischen Eiweißinitiative zeigen sich unter anderem in der deutlich gesteigerten Sojaanbaufläche und in der Einsparung von rund einem Drittel an Sojaprodukten in der Tierfütterung in den vergangen Jahren. Diese Entwicklungen wurden auch durch die Forderungen der Verbraucher nach gentechnikfreier Fütterung unterstützt. Wichtig für den weiteren Erfolg ist die Bereitschaft aller beteiligten Akteure zur Bildung von Wertschöpfungsketten, vom Landwirt über die Verarbeiter bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel.
Referent: MD Hubert Bittlmayer, StMELF
Eiweiß aus heimischer Erzeugung – Aktueller Stand, Chancen, Herausforderungen und Perspektiven
Ziel der Bayerischen Eiweißinitiative war und ist es, den Anteil an heimischen Eiweißträgern zu erhöhen und so den Importbedarf an Sojabohnen und Sojaextraktionsschrot zu senken. Über die bereits erreichte Einsparung von rund einem Drittel des Sojabedarfs hinaus, ist eine weitere Reduktion realistisch. Sie bedarf aber Anstrengungen im Futterbau, im Anbau und in der Bündelung von Leguminosen sowie in der Fütterung. Das Thema betrifft Landwirte sowie die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche ebenso wie Berater und Forscher. Insbesondere auch aufgrund der großen Nachfrage nach Produkten ohne Gentechnik stehen die Chancen für eine weitergehende Umstellung auf heimische Eiweißträger und Eiweißträger aus europäischer Erzeugung derzeit gut.
Referent: Dr. Robert Schätzl, LfL – Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur

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Leguminosenanbau in Bayern – Möglichkeiten und Grenzen aus Sicht des Versuchswesens
Der Vergleich der Erträge von Ackerbohnen und Erbsen in den Sortenversuchen mit der amtlichen Ernteschätzung zeigt eine enorme Differenz von rund 20 dt/ha zugunsten der Versuche auf. Eine Befragung langjähriger Leguminosenanbauer bestätigte die schwachen Praxiserträge, da alljährlich „Totalausfälle“ berichtet wurden. Als Hauptursachen dafür kann das Auftreten von Fußkrankheiten in Folge zu geringer Fruchtfolgeabstände genannt werden. Auch in Versuchen können die Erträge unter zu geringen Anbauabständen leiden. Daneben sind vor allem die Witterungsbedingungen hauptverantwortlich für die hohe Ertragsunsicherheit bei Leguminosen gewesen, wobei vor allem die Ackerbohnen unter Trocken- und Hitzeperioden gelitten haben. Demgegenüber haben sich bisher die Sojabohnen ertragsstabiler gezeigt. Eine auf den Standort abgestimmte Sortenwahl ist Voraussetzung für eine sichere und frühzeitige Abreife der Sojabohne. Daneben sind eine gelungene Impfung mit Bakterien und Unkrautbekämpfung weitere wichtige Maßnahmen für einen erfolgreichen Sojaanbau. Potentiale für den Leguminosenanbau in Bayern sind genügend vorhanden. Neben den pflanzenbaulichen Voraussetzungen muss jedoch auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein.
Referent: Alois Aigner, LfL – Institut für Pflanzenzüchtung

Vortrag_Leguminosenanbau in Bayern - Möglichkeiten und Grenzen aus Sicht des Versuchwesens pdf 3,2 MB

Milchviehfütterung mit heimischen Eiweißkomponenten – Wo liegen die Potentiale?
Der wichtigste heimische Eiweißlieferant bleibt das wirtschaftseigene Futter. Die Grünfuttermittel stehen hierbei an erster Stelle. Aufgrund des Mengenanteils lassen sich hier mit qualitätsverbessernden Maßnahmen auch die größten Effekte erzielen. Mehr Eiweiß aus dem wirtschaftseigenen Futter bedeutet gleichzeitig auch mehr Auswahl bei den Komponenten zur Eiweißergänzung. Hier ist eine breite Palette von heimischen Eiweißfuttermitteln vorhanden, die sich in Versuch und Praxis bewährt haben. Einige Punkte gilt es zu beachten:
Rapsschrot ist der zweitwichtigste Eiweißlieferant und als alleiniges Eiweißergänzungsfutter möglich.
Bei Raps- und Sojakuchen muss der Fettgehalt der Gesamtration beachtet werden, der aus Gründen der Verträglichkeit für die Pansenbakterien 4 % nicht wesentlich übersteigen sollte.
Biertreber kann mit bis zu 12 kg FM pro Kuh und Tag eingesetzt werden, wobei aufgrund der begrenzten Haltbarkeit eine Silierung erfolgen sollte.
Schlempen, Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen sollten als Eiweißfutter zu 50 % mit Rapsextraktionsschrot gemischt werden.
Unter Ausnutzung aller Potentiale der vorhandenen Eiweißfuttermittel kann in der Rinderfütterung auf Import-Soja verzichtet werden.
Referent: Dr. Hubert Schuster, LfL – Institut für Tierernährung

Vortrag_Milchviehfütterung mit heimischen Eiweißkomponenten – wo liegen die Potentiale? pdf 3,0 MB

Nährstoffeffiziente Schweinefütterung mit heimischen Eiweißträgern - Wie kann das gelingen?
Eine nährstoffeffiziente Schweinefütterung mit heimischen Eiweißträgern ist grundsätzlich möglich. Voraussetzung dafür ist die genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe insbesondere der Gehalte an Aminosäuren sowie der Gehalte an antinutritiven Stoffen wie Proteaseinhibitoren oder Tanninen. Futteruntersuchungen sind somit unumgänglich. Sojaprodukte aus heimischem Anbau wie Sojakuchen oder Sojaextraktionsschrot können als alleinige Eiweißträger eingesetzt werden. Bei Sojabohnen ist der hohe Fettgehalt einsatzbegrenzend. Wichtig ist, dass Sojaprodukte, vor allem aber Bohnen und Kuchen ordnungsgemäß thermisch bzw. hydrothermisch behandelt werden.
Bei geschickter Kombination, wie beispielsweise Erbsen mit Rapsextraktionsschrot zum Ausgleich von Methionin bzw. Rapsextraktionsschrot mit Sojakuchen oder Sojabohnen zum Ausgleich von Energie, lassen sich heimisch angebaute Eiweißträger in der Fütterung von Schweinen effizient und wirtschaftlich einsetzten. Um eine hohe Nährstoffeffizienz zu erzielen und um die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor zu vermindern, gehört die Ergänzung mit kristallinen Aminosäuren genauso dazu wie der Einsatz von Phytase zur Verbesserung der Phosphorverdaulichkeit. Bei entsprechender Ergänzung mit Aminosäuren sind die empfohlenen Einsatzmengen von bis zu 15 % Rapsextraktionsschrot als alleiniger Eiweißträger in der Endmast nicht notwendig.
Referent: Dr. Wolfgang Preißinger, LfL – Institut für Tierernährung

Vortrag_Nährstoffeffiziente Schweinefütterung mit heimischen Eiweißträgern – Wie kann das gelingen? pdf 1,9 MB

Ackerbohnenanbau in Sachsen – Sichtweise und Erfahrungen eines Praktikers
Die Agrarproduktion „ELSTERAUE“ GmbH & Co. KG liegt in der Leipziger Tieflandsbucht circa 20 km südlich von Leipzig. Auf Grund der Lage zur Großstadt, der Lage in einem aktiven Braunkohleabbaugebiet und eines wachsenden Industriegebietes unterliegen sie einem ständigen Wandel in Größe, Struktur und Beschaffenheit der Flächen. Zurzeit werden 1965 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon ca. 1820 Hektar Ackerland und ca. 144 Hektar Grünland, bewirtschaftet. Auf dem Ackerland werden hauptsächlich Marktfrüchte Winterweizen, Braugerste, Zuckerrüben, Raps, Körner- und Silomais angebaut. Auf einem Teil des Ackerlandes wird aber auch Wintergerste, Körnermais und Ackerbohnen als Futtermittel für die Schweinemast erzeugt. Am Hauptstandort wird eine rekonstruierte Schweinemastanlage mit 5000 Plätzen bewirtschaftet. Die Schweine kommen als Läufer mit einen Gewicht von 25 - 30 Kg auf den Betrieb von einem Erzeuger und werden dann gemästet. Das Getreide und die Futtermittel können vollständig in den modernisierten Getreidehallenlagern des Betriebes nach QS Standards einlagert werden. Die gewachsenen Böden zeichnen sich durch ein sehr gutes Ertragsvermögen aus, das oft nur durch fehlende Niederschläge im Vorsommer begrenzt ist. Die rekultivierten Böden sind sehr uneinheitlich in ihrem Ausgangsmaterial und somit auch in der jetzigen Beschaffenheit von kiesig über sandig bis hin zum tonigen. Sie neigen zur Staunässe aber auch zum schnellen Austrocknen, d.h. hier ist das Ertragsvermögen stark eingeschränkt. Ackerbohnen werden nur auf gewachsenen Böden angebaut.
Referent: Marc Büchner, Agrarproduktion „Elsteraue“ GmbH & Co. KG Zwenkau

Vortrag_Ackerbohnenanbau in Sachsen – Sichtweisen und Erfahrungen eines Praktikers pdf 3,2 MB

Milch ohne Gentechnik – Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven für Bayerns Milchwirtschaft
Mit zunehmender Differenzierung von Milchprodukten im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) besteht die Chance auf eine höhere Wertschöpfung und damit höhere Milchauszahlungspreise an die Erzeuger. Andererseits steigen neben den Produktionsauflagen für die Erzeuger auch die Anforderungen an die Milcherfassung, die Verarbeitung und die Vermarktung der daraus hergestellten Produkte. Während „ohne Gentechnik“ und andere Anforderungen an Milchprodukte im deutschen LEH eine große Rolle spielen, sind diese für den Absatz in anderen EU-Ländern oder Drittstaaten nahezu bedeutungslos. Für Management und Qualitätssicherung (Rückverfolgbarkeit) der Molkereien wachsen die Risiken. Der Aufwand der Molkereien für Betreuung, Beratung und Information ihrer Milchlieferanten ist nicht zu unterschätzen. Nicht nur in den Genossenschaften ist hohe Transparenz gefordert, wenn es um die Frage der Milchpreisdifferenzierung geht. Die Milcherzeugung ohne Einsatz von gentechnisch verändertem Futter zeigt, wie schnell aus einer Produktion mit höheren Anforderungen letztendlich ein Standard wird, dem sich kein Anbieter von Milchprodukten im heimischen LEH mehr entziehen kann. Die Dominanz des deutschen LEH und der dort bestehende intensive Wettbewerb werden den Trend zu differenzierten Milchprodukten hoch halten. Ob damit dann auch langfristig eine höhere Wertschöpfung für Milcherzeuger und Molkereien einhergeht, bleibt abzuwarten.
Referent: Ludwig Huber, Genossenschaftsverband Bayern e. V.

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Regionale Fleischproduktion ohne Gentechnik - Welche Potentiale sind am Markt zu erwarten?
Die Müllergruppe gehört von der Anzahl der Schlachtungen bei Rindern und Schweinen zu den Top 10 in Deutschland und bewegt sich hier an vierter bzw. fünfter Stelle. Der Rohwarenbezug erfolgt bei Rindern überwiegend und bei Schweinen ausschließlich aus Bayern und Baden-Württemberg. Schlachtbetriebe sind neben den Standorten Stuttgart und Ulm, die Standorte Ingolstadt und Bayreuth in Bayern.
Rolf Michelberger von der Ulmer Fleisch GmbH beleuchtete die Potentiale einer regionalen Fleischproduktion ohne Gentechnik aus Sicht des Marktes. Eingangs verwies er auf unterschiedliche Verbraucherstudien, die den Verbraucherwunsch nach Lebensmitteln ohne Gentechnik und einer Landwirtschaft ohne Gentechnik belegten.
Fazit Rindermarkt: Die Fütterung ohne Gentechnik sei am Rindermarkt relativ gut umsetzbar. Hinzu komme die Vorlage im Bereich Milch, die diesen Trend unterstütze. Eine Zertifizierung QS oder QM sei die Voraussetzung, dass die Rinder auch als GVO-frei vermarktet werden können. Eine reine VLOG-Zertifizierung reiche hier nicht aus. Die Müllergruppe bietet diesbezüglich Verträge an. Derzeit gibt es Testmärkte mit ausgewählten Produkten im Rahmen von Eigenmarken. Das Label Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) wird ab 1.1.2018 GVO-frei.
Fazit Schweinemarkt: Im Schweinebereich ist eine regionale Fütterung und Ohne Gentechnikfütterung derzeit noch mit mehr Untersicherheiten verbunden. Als Hauptpunkte wurden hier folgende genannt: VLOG-Standard ist aufgrund der kürzeren Mastdauer nur unter Einbeziehung der Ferkelaufzucht einzuhalten, die nachhaltige Nachfrage am Markt sowie die Möglichkeit, die erforderlichen Mehrpreise durchzusetzen, werden derzeit als unsicher gesehen. Zudem bestehen Unsicherheiten im Hinblick auf die Futtermittelverfügbarkeit. Im Rahmen des QZBW ist Schweinefleisch ohne Gentechnik derzeit ausgeschlossen. Michelberger stellte zudem fest, dass von Seiten der Eigenmarken Tierwohl und Regionalität derzeit vor der Fütterung ohne Gentechnik stehen.
Referent: Rolf Michelberger, Ulmer Fleische GmbH

Vortrag_Regionale Fleischeproduktion ohne Gentechnik - Welche Potentiale sind am Markt zu erwarten? pdf 2,2 MB

Entwicklungen in der Forschung - Kurzbeiträge

Sojazüchtung in Bayern – Aktivitäten der LfL
Soja ist genomanalytisch weltweit intensiv erforscht, in Datenbanken können auf zahlreiche Markerdaten zugegriffen werden. Allerdings trifft dies nicht auf die für Bayern relevanten sehr frühen Reifegruppen „00“ und „000“ zu. Nachhaltiger und zukunftsfähiger Sojaanbau hängt somit auch von der Entwicklung klimaangepasster, speziell für bayerische Bedingungen optimierter Sorten ab. Die Aktivität der Saatgutindustrie ist jedoch auf Grund der geringen Anbaubedeutung relativ gering. Aus diesem Grund laufen an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) mehrere Projekte zum Thema Sortenentwicklung bei Soja. In einem von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geförderten Gemeinschaftsprojekt mit drei bayerischen Saatzuchtunternehmen geht es um die Methodenentwicklung und um den Aufbau eines bayerischen Genpools für eine regional angepasste Sojazüchtung.
Referent: Dr. Joachim Eder, LfL – Institut für Pflanzenzüchtung
Das Verbundberatungsprojekt „Grünland Bayern“ – Konzepte und erste Erkenntnisse

Nach Expertenmeinungen liegen in der Grünlandwirtschaft noch erhebliche Verbesserungspotentiale zur Nutzung der heimischen Eiweißreserven. In der praktischen Umsetzung zeigen sich jedoch Defizite. Eine individuelle Beratung ist die Basis für die Umsetzung von Optimierungsmöglichkeiten in der Grünland- und Feldfutterbauwirtschaft. Hier setzt das „Verbundberatungsprojekt Grünland Bayern (2014 - 2018)“ an, bei dem sich 60 konventionell bzw. ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe in unterschiedlichen Regionen Bayerns beteiligen. Ein Team des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung in Bayern e. V. (LKP) erarbeitet mit den Betrieben spezifische Maßnahmen, um standortangepasst die Potenziale im Grünland zu erkennen und auszuschöpfen. Die Betriebe setzen die Maßnahmen um, wobei auf einer Referenzfläche kontinuierlich Erträge und Futterqualität gemessen und die botanische Zusammensetzung der Pflanzenbestände beobachtet werden. Basierend auf dieser Erfolgskontrolle werden die Maßnahmen weiter optimiert. Darüber hinaus können die Landwirte an einer Fütterungsberatung des Landeskuratoriums für tierische Veredelung in Bayern e. V. (LKV) teilnehmen.
Auf allen Referenzflächen wurden bis 2016 die beratenden Maßnahmen umgesetzt und evaluiert. Die Landwirte nehmen mit großem Engagement an den regelmäßigen Arbeitskreistreffen und Wiesenbegehungen teil. Auch das Ergebnis einer Befragung der Projektbetriebe zeigt, dass das Projekt bereits zur Halbzeit als Beratungserfolg gilt.
Referent: Dr. Michael Diepolder, LfL – Institut für Agrarökologie
Einfluss legumer Zwischenfrüchte auf Körnerleguminosen hinsichtlich Fruchtfolgekrankheiten
Auf Grund ihrer Fähigkeit Luftstickstoff zu binden, sind Leguminosen ein essentieller Bestandteil im ökologischen Pflanzenbau. Der Anbau kann allerdings durch die Leguminosenmüdigkeit beeinträchtigt werden. Bei Erbsen wird dies vor allem durch fruchtfolgebedingte Krankheiten und Nährstoffmangel hervorgerufen. Während das Wissen um nötige Anbaupausen innerhalb einer Kultur vorhanden ist, sind die Vorfruchtwirkung und die Anbaupausen zwischen unterschiedlichen Leguminosenarten wenig erforscht. Mit dem Ziel, mehr Informationen über die Vorfruchtwirkungen zu erhalten, wurde in einem Gefäßversuch die Auswirkung von vorlaufenden Zwischenfrüchten (Ackerbohne, Alexandrinerklee, Blaue Lupine, Erbse, Raps, Rotklee, Sommerwicke und Kontrolle ohne Zwischenfrucht) mit und ohne Staunässe auf Erbsen untersucht. Als Substrat wurde im Verhältnis 1:1 eine Anzuchterde und Boden von einem erbsenmüden Schlag verwendet. Die Ernte der Erbsen als Hauptfrucht erfolgte im BBCH 65 - 69.
Der ober- und unterirdische Biomasseertrag fiel nach Alexandrinerklee, Erbse und Rotklee im Vergleich zur Kontrolle ohne Zwischenfrucht tendenziell (in einem Fall signifikant) geringer aus. Zwischen den anderen Varianten konnten keine Unterschiede festgestellt werden. Die höchste Befallsrate und –intensität mit Fußkrankheiten wurde nach Ackerbohnen, gefolgt von Alexandrinerklee und Rotklee, bonitiert. Teils bzw. fast immer konnten die Unterschiede zu den anderen legumen Zwischenfrüchten bzw. zur Kontrolle ohne Zwischenfrucht statistisch abgesichert werden. Da es sich hier nur um Gefäßversuche handelt sollten die Ergebnisse sehr vorsichtig interpretiert werden. Weitergehende Untersuchungen sind nötig. Die Gefäßversuche an der LfL werden fortgeführt.
Referent: Dr. Peer Urbatzka, LfL – Institut für Agrarökologie
LeguAN – „Give peas a chance“: Funktionelle Lebensmittel aus heimischen Körnerleguminosen
LeguAN war ein Projekt, das von Oktober 2011 bis März 2015 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und unter der Betreuung des Projektträgers Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert wurde. Die Koordination lag dabei bei der Universität Hamburg, die verschiedene wissenschaftliche Institutionen vereinte. Das Ziel war eine effiziente und marktgerechte Herstellung von innovativen Lebensmitteln und -zutaten (Halbfertigerzeugnisse) auf der Basis heimischer Leguminosen wie Erbse (Körnerfuttererbse und Gemüseerbse) und Ackerbohne.
Ziel des Projekts LeguAN war es, die effiziente und marktgerechte Herstellung von innovativen Lebens–mitteln, Futtermitteln und deren Zutaten auf Basis von heimischen Leguminosen. Damit sollte eine gewisse Attraktivität dieser Rohstoffe wieder in das Gedächtnis von Verbrauchern und Herstellern gebracht werden. Hierzu begleitete eine Akzeptanzstudie bei Verbrauchern zielgerichtet die Produktentwicklung und Landwirte wurden zur Akzeptanz des Anbaus von Körnerleguminosen befragt. Der Verbraucher assoziiert Hülsenfrüchte mit gesunden Inhaltsstoffen, fordert aber Produkte, die sensorisch einwandfrei sind. So sind u. a. Backzutaten auf Basis von Erbsenschrot, Backwaren/Nudeln basierend auf Erbsenmehl, sowie Extrudate aus Erbsenproteinen erfolgreiche neue Produkte. Diese wurden auf der „Grünen Woche 2013“ vorgestellt und erfreuten sich bei den Besuchern großer Beliebtheit. Die Befragung der Landwirte war ebenfalls erfolgreich, illustrierte aber deutlich das Problem eines bis dato nur wenig lukrativen Absatzes des Ertrages. In einer Humanstudie konnten die antidiabetischen Effekte der neuen Produkte belegt werden. Gelingt es nun, diese Produkte erfolgreich zu vermarkten und weitere attraktive Produkte zu entwickeln, bestehen beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Wertschöpfung.
Referent: Prof. Dr. Sascha Rohn, Universität Hamburg

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