Bayerische Eiweißinitiative
Praxistage mechanische Grünlandverbesserung 2018

Praxistag mech Grünlandverbesserung
Bei schönstem Herbstwetter reiste Ende September ein Team aus Mitarbeitern der LfL und des LKP/ER an fünf Tagen durch ganz Bayern. Die Mission: Flächendeckend die Erfahrungen rund um das Thema mechanische Grünlandverbesserung aus fünf Jahren Verbundberatungsprojekt "Grünland Bayern" demonstrieren und an Landwirte weitergeben. So konnten 400 interessierte Besucher aus Praxis und Beratung an fünf Vormittagen in einem kurzweiligen Rundgang durch vier Stationen Wissenswertes zu Maschinen und Technik, Pflege und Management, Bestandsbeurteilung und Saatgutauswahl sammeln.
Gestärkt nach dem Mittagessen gab es einen Überblick zu rechtlichen Regelungen bei narbenzerstörenden Maßnahmen und dem Nutzen von Grünlandverbesserungsmaßnahmen aus wirtschaftlicher Sicht. Im Anschluss daran führten die jeweiligen Berater der Betriebe durch die einige Wochen zuvor angelegten Demostreifen. So konnten die Teilnehmer die Erfolge der getätigten Maßnahmen begutachten. Den krönenden Abschluss der Veranstaltungen bildeten die Vorführung der Maschinen.

Keine "Schlepperferndiagnose"

Zu Beginn einer jeden Verbesserungsmaßnahme steht die Bonitur der Grünlandfläche. Denn nur wer weiß, was und in welchem Umfang dort wächst, kann entscheiden, ob und welche Maßnahme nötig ist. Das Erkennen der verschiedenen Pflanzenarten erfordert Übung. Bestimmungsbücher oder die "Kleine Gräserkunde" der LfL können dabei hilfreich sein. Ein Hilfsmittel zur Bestimmung von Arten- und Lückenanteilen kann der sogenannte 2Aulendorfer Lückendetektor" (nach M. Elsäßer) sein, bei dem die eigene Hand in etwa 15 % der Fläche in einem Quadrat von 40 mal 40 cm entspricht. Dazu muss man allerdings über die Fläche laufen und sich den Bestand genau ansehen und anfassen. Eine "Schlepperferndiagnose", so ER-Berater Manuel Gögelein, reicht dafür nicht. Der Aulendorfer Lückendetektor sowie ein Erfassungsbogen für die Pflanzenbestandsaufnahme sind in der LfL-Information "Saatguteinsatz im Grünland" zu finden.

Striegel, Fräse, Durchsaatgerät und Co.

Welches Einsatzspektrum die jeweiligen Geräte haben, deren Vor- und Nachteile, Hektarleistung, Preis und Reparaturanfälligkeit, erfuhren die Landwirte an der Station Maschinen und Technik. Firmenvertreter, Lohnunternehmer und Eigentümer gaben so einen Überblick zu vorhandener Technik und beantworteten praxisrelevante Fragen. Festzuhalten ist, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Maschinen eine Gemeinsamkeit besteht: Die Befahrbarkeit der Flächen sowie eine passende Bodenfeuchte müssen für einen erfolgreichen und zufriedenstellenden Einsatz gewährleistet sein.

Saatgut – nicht die Katze im Sack kaufen

Ohne das passende Saatgut wird eine Grünlandverbesserungsmaßnahme keinen Erfolg zeigen. Daher lohnt es sich, vor dem Kauf darauf zu achten, welche Arten und welche Sorten im Saatgutsack stecken. Überprüfen lässt sich das sehr leicht anhand des Sackanhängers (bzw. Aufklebers), der sich an jedem Saatgutsack befinden muss. Auch die Mengenanteile der Sorten sind darauf in Prozent angegeben. Nicht jede Sorte passt an jeden Standort und für jede Nutzungsart. Einen Überblick dazu verschafft die jährlich aktualisierte Sortenempfehlung für die verschiedenen Anbaugebiete in Bayern, die Bayerische Qualitätssaatgutmischungen für Grünland und Feldfutterbau (BQSM) (herausgegeben von der LfL). Um für den Anbau empfohlen zu werden, müssen sich die Gräser erst in Landessortenversuchen bewähren. Die Besonderheit beim Grünland ist, dass die Pflanzen über Jahre hinweg überdauern sollen. Deshalb ist deren Ausdauerleistung von besonderer Bedeutung. Auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen frühen, mittleren und späten Weidelgrassorten ist wichtig, so Mathias Mitterreiter vom Fachzentrum Pflanzenbau Rosenheim. Dadurch erhöht sich die Nutzungselastizität, da nicht alle Pflanzen gleichzeitig altern und bei ungünstiger Witterung womöglich überständig werden. Auf jeden Fall zu vermeiden ist es, Welsche oder Bastard-Weidelgräser auf Grünland zu säen. Diese sind ausschließlich für den Feldfutterbau geeignet, da sie kurzlebig und frühreif sind.

Mit Köpfchen Qualität säen – Bayerischen Qualitätssaatgutmischungen (BQSM)

Eine gute und einfache Möglichkeit, passendes Saatgut zu kaufen, ist, auf die Bayerischen Qualitätssaatgutmischungen (BQSM) zu setzen (erkennbar am weißen Sack mit weiß-blauen Rauten). Diese enthalten Saatgut mit geprüfter Leistung und Qualität, angepasst an Region und Nutzung. Zudem sind alle Komponenten zweifach "ampferfrei getestet" und in ihrer Keimfähigkeit über der gesetzlichen Norm. Bei den BQSM wird unterschieden in Mischungen für die Nachsaat und Mischungen für Neuansaaten. Das geschieht aus gutem Grund, denn nicht alle Gräser sind gleich konkurrenzstark. So würde sich beispielsweise eine an sich sehr wertvolle Wiesenrispe nur schwer als Nachsaat neben der bestehenden Altnarbe entwickeln können. In BQSM-Nachsaatmischungen ist sie deshalb nicht enthalten. Wird eine Fläche komplett neu angesät, empfiehlt ER-Berater Michael Beimler eine Breitsaat (der Wiesenripse), um ihr ausreichend Platz zu "Nachbarsamen" zu bieten. Wegen ihrer langsamen Jugendentwicklung sei zudem über eine vorgezogene Saat der Wiesenrispe allein nachzudenken, um ihr einen gewissen Entwicklungsvorsprung zu geben. Es empfiehlt sich eine Nachsaat im Herbst auf Grund einer sichereren Wasserversorgung (Taubildung) und der geringeren Konkurrenzkraft der Altnarbe. Der Zeitpunkt ist so zu wählen, dass noch eine ausreichende Vorwinterentwicklung (3 – 4 Blätter und Bestockung) möglich ist, da sonst die Gefahr von Auswinterung durch Trockenfröste besteht.

Bayerische Qualitätssaatgutmischungen 2018 pdf 340 KB

Mit Beweidung und Heißwasser dem Ampfer begegnen

Eine Möglichkeit, auch großflächig mit Stumpfblättrigem Ampfer bewachsene Flächen zu sanieren, kann die Beweidung sein. Dazu sind ein frühzeitiger Weideaustrieb und eine nachfolgend intensive Beweidung nötig. Die optimale Aufwuchshöhe liegt für Milchkühe bei 5 – 6 cm und für Jungvieh und Mutterkühen bei 4 – 5 cm. Dadurch werden die Ampferneutriebe vom Weidevieh kontinuierlich gefressen. Allgemein ist eine Beweidung auch bei Nachsaaten durchgehend möglich, so Bioland-Berater Martin Hermle. Der Tritt der Tiere kann sogar vorteilhaft für den Bodenschluss des Saatgut sein. Voraussetzung sind natürlich nicht zu nasse Wetterbedingungen, da es ansonsten zu Narbenschäden kommt. Befinden sich nur einzelne Ampferpflanzen auf der Fläche, kann als Alternative zum händischen Ausstechen, auf das Verbrühen der Pflanzen mittels Heißwasser gesetzt werden. Mit einem herkömmlichen Heißwasserhochdruckreiniger mit Dreckfräse wird dazu direkt um die Pflanze herum für 10 Sekunden gespült. Bei einer Wassertemperatur von 80°C wird die Pflanze abgetötet.
Nahaufnahme Grünland

Heißwasserbehandlung einer Ampferpflanze

Stechgerät im Boden

Ampferstecher

Gruppe von Menschen

Maschinen und Besucher am Praxistag

Besuchergruppe

Besucher am Praxistag

Besuchergruppe

Station Saatgutauswahl

Besuchergruppe

Bewirtung am Praxistag

Besuchergruppe

Station Maschinen und Technik

Kein Umbruch ohne Genehmigung

Seit März 2018 ist jede Grünlanderneuerung, bei der die Grasnarbe durch Bodenbearbeitung zerstört/verändert wird, genehmigungspflichtig. Diese Regelung betrifft alle Landwirte, die im Umbruchjahr Direktzahlungen erhalten und nicht von den Greeningauflagen befreit sind. Ausgenommen sind nur Betriebe die an der Kleinerzeugerregelung teilnehmen sowie Ökobetriebe. Der Antrag auf Genehmigung ist beim zuständigen AELF zu stellen und bis zum nachfolgenden Endtermin der Mehrfachantragsstellung (15. Mai) gültig. Eine Umwandlung darf erst nach der Genehmigung erfolgen, denn eine rückwirkende Genehmigung kann nicht mehr erteilt werden und führt zu Kürzungen bei der Greeningprämie. Als zuständige Behörde vermittelten die engagierten Vertreter der örtlichen ÄELF (Klara Aigner, Christian Tegethoff, Petra Bauer, Michael Lukas, Thomas Karl) den Teilnehmern alle zu beachtenden Punkte. Sie verwiesen jedoch auch darauf, dass es in jedem Fall gut ist, im Vorhinein mit dem für den eigenen Betrieb zuständigen Amt Kontakt aufzunehmen.

Genehmigung einer Umwandlung von Dauergrünland, Anzeige des Umpflügens von Grünlandflächen (StMELF) Externer Link

Lohnt sich das?

Über die eigenen Grünlandaufwüchse im Betrieb weiß man oft recht wenig. Was und wie viel dort wächst, ist meistens unbekannt und wird selten gemessen. Im Verbundberatungsprojekt "Grünland Bayern" wurde genau das getan. Die Flächen der teilnehmenden Betriebe wurden von Beratern bonitiert und Erträge gemessen. Aus diesen Ertragsdaten (dreijähriger Durchschnitt) errechnete Margarete Mühl für die fünf Veranstaltungsregionen den wirtschaftliche Nutzen von Grünlandverbesserungsmaßnahmen.

Kosten, die auf keiner Rechnung stehen

Ein flächendeckendes Problem auf allen Standorten war ein hoher Besatz an Gemeiner Rispe. Da diese nur in etwa halb so viel Ertrag liefert, wie Weidelgras, bewirkt ein Flächenanteil von durchschnittlich 35 % einen Ertragsausfall von 18 %. Was der Ertragsausfall (je Schnitt ca. 3 – 5 dt je ha) kostet, wird mittels sog. Vergleichsfuttermittel deutlich. Um eine dt Grassilage dem Eiweiß- und Energiegehalt entsprechend zu ersetzen, benötigt man gut 0,45 dt TM Gerste und rund 0,30 dt TM Rapsextraktionsschrot. Multipliziert mit Durchschnittspreisen und dem Ertragsausfall sind das Kosten von von 180 bis 520 Euro je ha und Jahr. In Biobetrieben kann der Betrag sogar im vierstelligen Bereich liegen. Das sind hohe Verluste, die jedoch nirgends geschrieben stehen und somit vielen nicht bewusst sind.

Kosten schwarz auf weiß

Relativ einfach lassen sich die Kosten der Maßnahmen ermitteln. Je nach Art und notwendiger Intensität der einzelnen Arbeitsgänge lagen diese zwischen rund 175 und 350 Euro je ha, bei kompletter Erledigung durch einen Lohnunternehmer. In der Realität wären die Kosten meistens etwas geringer, da Teilarbeiten selbst erledigt werden können. Für Saatgut (BQSM) errechneten sich für Nachsaaten Kosten von rund 100 Euro je ha, abhängig von der Mischungsart und Saatstärke, für Neuansaaten rund 180 Euro je ha. Für Bio-Saatgut müssen ca. 50 Euro je ha mehr veranschlagt werden.

Fazit: Es lohnt sich

Um nun einen Kostenvergleich aufzustellen, ist festzuhalten, dass Grünlandverbesserungsmaßnahmen immer mit dem Ziel getätigt werden, langfristig erfolgreich zu sein. Wenn die Wetterbedingungen passen und alles klappt, ist eine erneute Maßnahme in den darauffolgenden Jahren nicht mehr nötig. In einem Zeitraum von fünf Jahren stehen somit den jährlichen Verlusten von 180 bis 520 Euro je ha Kosten für die Maßnahmen von 60 bis 90 Euro je ha und Jahr gegenüber. Pro Jahr sind das Ersparnisse von 120 bis 430 Euro je ha. Oder anders ausgedrückt: Die Maßnahmen lohnen sich in der Regel nach ein bis zwei Jahren. Das Grünland ist der beste und günstigste Eiweiß- und Energielieferant im Rinderbetrieb, den es auszunutzen gilt.

Technikvorführung

Um den Worten Taten folgen zu lassen, konnten sich die Besucher zum Abschluss der Veranstaltung ein eigenes Bild von den ausgestellten Maschinen im Einsatz machen und die einige Wochen zuvor angelegten Demostreifen begutachten. So wurde zum Beispiel beim Striegel sofort klar, warum die Überfahrten immer kreuz und quer erfolgen müssen: Die Zinken laufen sonst in einer Spur und bewegen sich nicht mehr hin und her. Das ist jedoch wichtig, um das Schadgras Gemeine Rispe herauslösen zu können. Gut sichtbar wurde auch, dass erst ab ungefähr der dritten Überfahrt deutliche Effekte sichtbar werden. Der Filz aus Gemeiner Rispe liegt dann in Knäueln auf der Fläche und muss geschwadet und abgefahren werden. Nur so werden ausreichend Lücken in der Grasnarbe geschaffen, in denen sich neue, hochwertige Gräser durch Nachsaat etablieren können. Wir die Gemeine Rispe nicht entfernt, werden neu eingesäte Gräser sozusagen im Keim erstickt. Dies war sehr gut an einem Demostreifen ohne Striegeleinsatz erkennbar. Ein weiteres Problem ist auch, dass bei einem nachfolgenden Schröpfschnitt, nicht nur die Junggräser mehr Licht und Platz bekommen, sondern auch die nicht herausgestriegelte Gemeine Rispe. Bei den Varianten kompletter Neuansaaten konnte man u. a. den Einsatz von einer Umkehrfräse und einer Bodenfräse mit Winkelmessern verfolgen. Auch verschiedene Geräte zur Nach- bzw. Neuansaat waren vertreten.

Mitwirkende

Für die Veranstaltungen konnten die Projektbetriebe Fischer (Oberostendorf-Gutenberg), Koller-Wierl-GbR (Bad Aibling/Berbling), Schmid (Winzer/Auerbach), Etterer (Immenreuth/Ahornberg) und Mauer (Geiselwind/Füttersee) gewonnen werden, auf deren Flächen die Veranstaltungen stattfanden. Als Mitveranstalter unterstützten die jeweils zuständigen ÄELF Kaufbeuren, Rosenheim, Deggendorf, Tirschenreuth und Kitzingen, die Fachzentren Pflanzenbau Rosenheim, Deggendorf, Bayreuth und Würzburg, sowie die Fachzentren Ökologischer Landbau Kaufbeuren, Ebersberg, Deggendorf, Neumarkt i. d. Opf. und Bamberg sowie der Maschinenring Aibling-Miesbach-München e.V.
Das Grußwort der Praxistage galt als Hausherren an den jeweiligen Orten den Amtsleitern Dr. Paul Dosch, Wolfgang Hampel, Dr. Josef Freundorfer und Gerd Düll der örtlichen ÄELF. In Immenreuth freute sich Georg Stöckl, Leiter des Fachzentrums Ökologischer Landbau, dass seine Idee zu diesen Veranstaltungstagen nach längerer Planungsphase endlich verwirklicht werden konnte. Mit großer Freude begrüßte auch Dr. Michael Diepolder (LfL, Projektleitung Verbundberatungsprojekt "Grünland Bayern") zusammen mit Heri Bedenik (LfL, Projektbearbeitung Verbundberatungsprojekt "Grünland Bayern") und Margarete Mühl (LfL, Bayerische Eiweißinitiative) die zahlreichen Besucher.

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