Forschungs- und Innovationsprojekt
Speiseleguminosen BioBayern

Eine Biene sitzt auf einer kleinblühenden, helllilafarbenen Blüte an einer grünen Pflanze

Besondere Speiseleguminosen für den ökologischen Landbau in Bayern − Entwicklungsperspektiven aus pflanzenbaulicher Sicht

Ihre wertvollen Inhaltsstoffe sowie aktuelle Ernährungstrends lassen die Nachfrage nach besonderen, regional erzeugten Speiseleguminosen, wie z. B. Linse, Kichererbse und Buschbohne, in Öko-Qualität steigen. Für den Anbau und die Vermarktung dieser Mähdruschfrüchte entwickelt die LfL in diesem dreijährigen Projekt (06/2020-05/2023) produktionstechnische Grundlagen und praxisorientierte Hilfestellungen. Zudem soll ein Praxisnetzwerk für „Besondere Speiseleguminosen“ aufgebaut werden.

Aktuell: Informationen gesucht – Linsenanbau in Bayern vor 1970
Im Rahmen des Forschungsprojektes "Speiseleguminosen BioBayern" sucht die LfL Informationen zum Linsenanbau vor 1970 in Bayern. Wenn Sie Erinnerungen, Berichte, Hofchroniken oder Bilder dazu haben und diese uns für eine kurze Geschichte des Linsenanbaus in Bayern zur Verfügung stellen möchten, senden Sie uns bitte die Dokumente als Anhang in einer E-Mail an Bärbel Eisenmann (siehe Kontakt an der LfL weiter unten); gerne auch Informationen zum damaligen Anbau von Buschbohnen, Kichererbsen und Platterbsen.

Tagebücher aus der Praxis

Ein Mann sitzt in der Hocke in einem Feld
Die LfL begleitet drei bayerische Bio-Landwirte bei Ihrem Anbau von Linsen im Gemenge mit Getreide über das Jahr 2021. Neben vielen Bildern gibt es Erklärungen zum Vegetationsverlauf und interessante Informationen zu der Kulturpflanze Linse.

Hintergrund

Wertvolle Inhaltsstoffe, wie z. B. ein hoher Eiweißgehalt, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, Glutenfreiheit und der aktuelle Trend zu fleischreduzierter, vegetarischer oder veganer Ernährung lassen die Nachfrage nach regional erzeugten Speiseleguminosen in Öko-Qualität steigen. Das eröffnet neue Marktchancen für Landwirte, Verarbeiter und den regionalen Lebensmitteleinzelhandel. Seit kurzem ist hier ein dynamisch wachsender Nischenmarkt mit hoher Wertschöpfung entstanden. Aus agronomischer Sicht bereichern Leguminosen die Fruchtfolge und verbessern die Nährstoffversorgung der Böden durch die symbiontische Stickstofffixierung. Sie fördern die biologische Vielfalt der Kulturarten (Agrobiodiversität) sowie von Bestäubern wie Bienen und Hummeln. Diese Eigenschaften machen sie zu attraktiven Pflanzen für eine umweltfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft.
Bayerische Landwirte sind am Anbau von besonderen Speiseleguminosen wie Linsen, Buschbohnen (Körnernutzung) und Kichererbsen interessiert. Aber es ist viel Wissen und Erfahrung über deren Anbau verloren gegangen, seit der kommerzielle Anbau dieser Kulturen in Bayern in der Mitte des letzten Jahrhunderts nahezu vollständig zum Erliegen kam. Für den ökologischen Anbau unter bayerischen Standortverhältnissen fehlen aktuell Praxistipps und Beratungsunterlagen.

Ziel

schwarze Linsen liegen verstreut über einem Brett auf einem Tisch, daneben eine Papiertüte
Das Projekt „Speiseleguminosen BioBayern“ hat zum Ziel, das Potenzial für den Anbau von besonderen, bisher selten angebauten Speiseleguminosen (z. B. Linsen, Kichererbsen, Buschbohnen) als Mähdruschfrüchte in Bayern gemeinsam mit Erzeugern, Verarbeitern und dem Handel zu entwickeln. Damit sollen die Anbaufläche und die Marktversorgung mit regional erzeugten bayerischen ökologischen Produkten erhöht und neue Marktpotenziale erschlossen werden.

Teilziele

  • Entwicklung von produktionstechnischen Grundlagen für innovative Speiseleguminosenkulturen für Beratung und Praxis
  • Klärung des Marktbedarfs und der Qualitätsanforderungen entlang der Wertschöpfungskette
  • Aufbau eines Praxisnetzwerkes „Besondere Speiseleguminosen“ aus Erzeugern, Verarbeitern und Handel

Methode

In diesem Projekt entwickelt die LfL in partizipativer Forschung mit Pionierbetrieben in Bayern und (inter-)nationalen Experten Anbauempfehlungen für innovative Speiseleguminosenkulturen. Dazu werden auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben Tastversuche durchgeführt und Praxiserfahrungen und produktionstechnische Herausforderungen von Betrieben, die diese besonderen Speiseleguminosen in Bayern anbauen, dokumentiert. Am LfL-Standort Ruhstorf a. d. Rott finden Feldversuche in Kooperation mit der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (HBLFA) in Österreich statt.
In die Empfehlungen fließen auch Anbauerfahrungen aus Deutschland und anderen Ländern ein. Ergänzend wird die Anbauhistorie traditionell in Bayern angebauter Kulturen aufbereitet.
Der Marktbedarf und die Qualitätsanforderungen für die verschiedenen Kulturen werden entlang der Wertschöpfungskette in direktem Austausch mit den Kooperationspartnern aus Verarbeitung und (Erfassungs-)Handel geklärt und ebenfalls in die Beratungsgrundlagen integriert.
Die LfL prüft im Rahmen des Projektes auch bisher in Bayern noch nicht bzw. kaum kultivierte Arten (z.B. Platterbsen, Borlotti-, Mung-, Kuh- oder Kidneybohne) und Sorten auf ihre Anbauwürdigkeit in Bayern. Durch die sich ändernden klimatischen Verhältnisse könnten diese Arten bzw. Sorten einen wertvollen Beitrag zur Erweiterung des Spektrums heimischer Körnerleguminosen um trockenheitsverträgliche Arten leisten.
Regelmäßige Feldbegehungen und Field-Schools stärken den Austausch zwischen den Akteuren der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig können dadurch auch in die Beratungsgrundlagen einfließende Erfahrungen überprüft werden. Daraus soll ein Praxisnetzwerk „Besondere Speiseleguminosen“ aus Erzeugern, Verarbeitern und Handel entstehen.

Ergebnisse

Die Veröffentlichung erster Zwischenergebnisse ist an dieser Stelle im Laufe des Jahres 2021 geplant, zudem Veröffentlichungen in der Fachpresse, bei wissenschaftlichen Tagungen und Veranstaltungen (z.B. den Ökolandbau-Feldtagen der LfL) sowie eine Field-School.

Praxisnetzwerk „Besondere Speiseleguminosen“

Im Rahmen des Projektes „Speiseleguminosen BioBayern“ wollen wir dazu beitragen, die Akteure der Wertschöpfungskette von in Bayern angebauten Linsen zu vernetzen. Den Anfang machen wir an dieser Stelle mit der Information über Reinigungsbetriebe, die Linsen von ihren Gemengepartnern trennen.

Reinigungsbetriebe für Linsengemenge

Samenkörner von Linse und Weizen gemischt

Anicia-Linse und Purpur-Weizen vor der Reinigung

Linsen werden in Bayern immer im Gemenge mit einer Stützfrucht angebaut. Nach der Ernte erhält man ein Gemenge, das getrennt werden muss, um reine Partien zur Vermarktung zu erhalten. Je nach Gemengepartner ist das nur mit speziellen Techniken möglich. Die folgende Liste stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte beachten Sie die Informationen bei den Betrieben und nehmen Sie bei Interesse direkt Kontakt auf.
Adressen Reinigungsbetriebe, gelistet nach Postleitzahlen

Hofgut Storzeln GmbH
Storzeln 1
78247 Hilzingen (Baden-Württemberg)
Tel.: 07739 8674025
E-Mail: s.schorre@hofgutstorzeln.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • Mengen von 2-100 to möglich
  • Reinigungstechniken
    • Trennung aufgrund von Form, Farbe, Dichte, Flugkurve möglich
    • Windsichter
    • Steinsortierer
    • Siebung
    • Kalibrierung (Trieur)
    • Farbsortierung
    • Metallabscheidung
  • Ankauf auch von Rohware, auch direkt vom Feld möglich

Wolfmühle - Andreas Löffl
Wolfmühle 1
85661 Forstinning
Mobil: 0170 3818865
E-Mail: andreas.loeffl@wolfmuehle.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • Mindestmenge 3 to
  • Individuelle Musterbeschau
  • Reinigungstechniken
    • Sieb
    • Magnet
    • Steinausleser
    • Rundkorntrieure
    • Langkorntrieure
    • Tischausleser
    • verschiedene Poliermaschinen

Asbacherhof GmbH Klaus Steigerwald
Asbacherhof 1
86681 Fünfstetten
Mobil: 0173 7052961
E-Mail: k.steigerwald@asbacherhof.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • 0-200 to
  • Reinigungstechniken
    • Feinreinigung
    • Schneckentrieur
    • Gewichtsausleser
    • Trennung von allen Gemengen, aber keine fertige Speiseaufbereitung

FMG-Landw. Dienstleistungen
Kalmenhof 1
89160 Scharenstetten (Baden-Württemberg)
Tel.: 07336 5122
E-Mail: mickley.gansloser@t-online.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • 500 kg
  • Reinigungstechniken
    • Reinigung
    • Trieur
    • Gewichtsausleser
    • Farbausleser

PESIKA Körnergut GmbH
Kirchenäcker 1
91207 Lauf a.d.P.
Tel.: 09123 99400
E-Mail: a.mortler@pesika.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • ab 1 to im BigBag
  • Reinigungstechniken
    • verschiedene Reinigungsgeräte
    • Farbsortierer über Kameraerkennung

Saat Gut Obbach
Dr.-Georg-Schäfer-Str. 5
97502 Euerbach-Obbach
Tel.: 09726 1269
E-Mail: saat@gut-obbach

  • Mengenvoraussetzungen
    • Mindestmenge 5 to
    • (bei kleineren Mengen Absprache mit anderen Auftraggebern zur Mengenbündelung)
  • Reinigungstechniken
    • Luftreinigung
    • Siebreinigung
    • Trieure
    • Gewichtsausleser
    • Farbausleser

Zehntfreyhof Neder GbR
Aussiedlerhof 4
97729 Ramsthal
Mobil: 0175 5333883
E-Mail: info@zehntfreyhof.de

  • Mengenvoraussetzungen
    • Mindestmenge 1 to
  • Keine Annahme von August-Oktober und Dezember-Februar
  • Reinigungstechniken
    • Bürste
    • Siebreinigung
    • Trieur
    • Steinausleser
    • Farbsortierer
    • Aspiration
    • Trocknung

Firma Biokorn
Etzelbach 2
A- 4776 Diersbach (Österreich – Grenzregion Passau)
Tel.: 0043 7763 2627
E-Mail: getreide@biokorn.at

  • Mengenvoraussetzungen
    • Kapazitäten nur für kleinere Linsenchargen nach Rücksprache mit Herrn Franz Zandler
Sollten Sie auch die Möglichkeit einer Linsengemenge-Reinigung haben und möchten hier aufgenommen werden, setzten Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

Kontakt an der LfL
LfL-Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz
Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau
Lange Point 12
85354 Freising
E-Mail: Baerbel.Eisenmann@LfL.bayern.de

Projektinformation
Projektleitung: Andrea Winterling, LfL-Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (IAB)
Projektbearbeitung: Bärbel Eisenmann, IAB; Durdica Lapcic, LfL-Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (IPZ), Standort Ruhstorf a.d.Rott
Laufzeit: 06/2020 bis 05/2023
Finanzierung: Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Projektpartner: Werner Vogt-Kaute, Naturland Fachberatung Öko-BeratungsGeselIschaft mbH; Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (HBLFA), Österreich; Rapunzel Naturkost GmbH; Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG; Vermarktungsgesellschaft Bio Bauern mbH; Dr. Klaus Fleißner, IPZ, Standort Ruhstorf a. d. Rott; LfL-Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen (AQU)
Förderkennzeichen: E/20/01