Buchführungsauswertung der spezialisierten Milchviehbetriebe in Bayern 2015/16 bis 2024/25
Ökonomische Entwicklung einer über zehn Jahre hinweg identischen Gruppe von Milchviehbetrieben auf Grundlage der bayerischen Buchführungsergebnisse

Fleckviehkühe im Laufstall.

Foto: Tobias Hase, StMELF

Wie haben sich bayerische Milchviehbetriebe über die letzten zehn Jahre entwickelt? Über die Analyse von zehn Buchführungen soll darauf eine Antwort gegeben werden mit einem abschließenden Vergleich zwischen konventionellen und ökologisch bewirtschafteten Betriebsgruppen.

Im landwirtschaftlichen Testbetriebsnetz werden Buchführungsabschlüsse einer repräsentativ ausgewählten Gruppe von Betrieben ausgewertet. Die Zusammensetzung dieser Betriebsgruppe ändert sich allerdings über die Jahre. In dieser Auswertung wurde gefiltert auf spezialisierte Milchviehbetriebe mit 10 Abschlüssen. Die konventionell wirtschaftende Gruppe umfasst 209 Betriebe mit knapp 50 Kühen, die Öko-Gruppe 22 Betriebe mit 36 Kühen.

Ergebnisse und Ausblick in Kürze

  • Sowohl ökologisch wirtschaftende Betriebe als auch konventionelle stehen vor ähnlichen Fragen, wenn es um die zukünftige Ausrichtung des Betriebes geht.
  • Im Grunde gibt es immer mehrere Wege, das Ziel einer rentablen Milchproduktion erreichen zu können.
  • Die Auswertung der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass die Ökobetriebe den Milchpreisvorteil auch in einen deutlich höheren Gewinn pro Kuh umsetzen konnten – verbunden mit einem deutlich höheren zeitlichen Input. Aus wirtschaftlicher Sicht stellte die Biomilch gerade dann eine lukrative Alternative dar, wenn Stallplätze am Hof eher knapp waren.
  • Durch aktuelle und zukünftige Zuschläge für bestimmte Tierwohlkriterien könnte es in einigen Fällen noch stärker zu einer Konkurrenzsituation zwischen Bio- und konventioneller Milch kommen.
  • Unabhängig von der Ausrichtung ist aufgrund der deutlich gestiegenen Baukosten, Zinsen und Produktionsmittelpreise in Verbindung mit der absehbar verschärften Futterflächenknappheit für die nachhaltige Milcherzeugung mit einer stark gebremsten Investitionstätigkeit im Milchsektor zu rechnen.
  • Ein wesentlicher Vorteil der Milchkuh liegt darin, dass sie aus für den Menschen nicht essbarer Biomasse hochwertige Nahrungsmittel erzeugen kann. Dies wird zukünftig von großer Bedeutung sein und ein guter Grund, bei passenden betrieblichen Voraussetzungen weiterhin in die Milchviehhaltung zu investieren - egal ob diese in konventioneller oder biologischer Wirtschaftsweise betrieben wird.
  • Würde sich die Milchviehhaltung in Bayern allerdings auf das Grünland zurückziehen, wäre ein deutlicher Rückbau der Milchviehhaltung unumgänglich.
Umfassende Auswertung der Buchführungen zur ökonomischen Entwicklung einer über zehn Jahre hinweg identischen Gruppe von Milchviehbetrieben (PDF-Datei, 9 Seiten):

2024/25 - das zweite Ausnahmejahr nach 2022/23: Die Öko-Milchkuh wieder mit einem deutlichen Gewinnvorteil

Der Gewinn je Kuh und Jahr war im Auswertungszeitraum bis auf das aktuelle Jahr bei den Ökobetrieben immer deutlich höherZoombild vorhanden

Abb. 1: Kuhgewinn über zehn Jahre im Vergleich konventionell zu öko­logisch

Im Zehnjahresmittel hatte die Öko-Milchkuh pro Platz einen um 509 Euro oder 44 Prozent höheren Gewinn. Im Jahr 15/16 betrug der Unterschied 1.044 Euro, im Auswertungsjahr 2021/22 waren es immer noch 570 Euro, 2022/23 war der Abstand auf 98 Euro geschrumpft. Im aktuellen Jahr stehen nur 187 Euro Vorteil für die Ökomilch-kuh. Letztendlich gilt: nur wenn sich die arbeitsintensivere Biomilchproduktion auch im Vergleich zur konventionellen Produktion rechnet, kann sie langfristig existieren.

Auch der Gewinn je Familienarbeitskraft ist bei den Ökobetrieben (meist) höher

In sieben von zehn Jahren war der Gewinn je Familien-AK bei den Ökobetrieben höherZoombild vorhanden

Abb. 2: Gewinn je Familien-AK über zehn Jahre im Vergleich konventionell zu öko­logisch

Bei weitem nicht mehr so ausgeprägt ist die Differenz, wird der Gewinn auf die Familienarbeitskraft bezogen (Abbildung 2).
Sind es mit Bezug auf die Milchkuh 44 % mehr Gewinn im Öko-Betrieb, so bleiben beim Verteilen des Gewinns auf die Familienarbeitskraft noch 10 % Gewinnvorteil. Die Ursache liegt – bei annähernd gleichem Fremdlohnaufwand in den beiden Gruppen - im höheren zeitlichen Input der Unternehmerfamilie im Öko-Betrieb (im Stall und auf dem Feld) und der damit verbundenen geringeren Arbeitsproduktivität. So kamen hier im Durchschnitt der zehn Jahre nur 23,2 statt 30,3 Kühe auf jede Familienarbeitskraft (77 %).

Ausgewählte Kennzahlen der untersuchten Betriebe

Ausgewählte Kennzahlen der untersuchten Betriebe werden in den Tabellen 1 (konventionell) und 2 (ökologisch) gegenübergestellt.

Im Durchschnitt 49,2 Kühe und ein Gewinn von 1.164 Euro je Kuh

Im Wirtschaftsjahr 2015/16 hatte die konventionelle Gruppe im Schnitt 47 Milchkühe und 48 ha LF. Die Herdengröße wuchs in den zehn Jahren leicht um 5 % auf 49 Kühe. Die Milchleistung stieg ausgehend von 7.317 kg um 10 % auf 8.040 kg.
Tabelle 1: Struktur und Ökonomik der Gruppe identischer Milchviehbetriebe über 10 Jahre – konventionell
 209 Betriebe15/1616/1717/1818/1919/2020/2121/2222/2323/2424/25Durchschnitt ∆ in %*
Milch­küheDurchschnitt46,748,549,749,849,649,849,949,749,648,949,24,7
Kühe je Familien-AKKühe/FamAK28,829,830,530,430,430,430,830,930,830,630,36,0
Milch­leistung (erzeugt)kg/Ku7.3177.2057.5177.6367.7887.6847.5227.7568.0098.0407.6479,9
Land­wirtsch. genutzte Fläche (LF) ha48,249,149,750,250,850,650,951,351,552,050,47,9
Grünland­anteil%52,051,852,052,152,452,452,452,051,851,552,0-0,8
Rinder­besatzGV/ha LF1,711,731,731,711,681,681,681,661,641,601,68-6,6
Milch­preis (netto) ct/kg30,833,038,837,436,036,443,055,948,254,141,475,3
Stützungsgrad (Gewinn)**%72,163,535,350,364,160,043,428,438,327,548,3-61,9
Gewinn­rate%19,823,131,123,219,020,023,528,222,726,723,735,3
Zeitraumechter Gewinn€/Betrieb36.11544.97369.70750.43140.19343.33458.19885.98062.83682.16557.393127,5
Gewinn/Familien-AK€/FamAK22.29327.59142.76530.75124.65926.42335.92553.40439.02951.35335.419130,4
Gewinn€/Kuh7739271.4021.0138108701.1661.7291.2681.6801.164117,3
Betriebs­einkommen €/Kuh1.0311.1811.6541.2771.0891.1581.4512.0291.5942.0501.45198,9
Eigen­kapital­bildung €/Kuh-16202600191-12158358758229440270
Fremd­kapital €/Kuh2.7462.7222.6042.6412.7442.5532.5782.5182.5402.5142.616-8,4
*) Veränderung aktuelles Jahr gegenüber dem ersten Jahr in Prozent
**) Anteil der Zulagen und Zuschüsse am Gewinn
Seit Oktober 2025 sinken die Milchpreise, im März 2026 sind sie in Bayern unter die 40 Cent-Linie gesunken (netto, 4,02 % Fett, 3,4 % Eiweiß). Die Milchbauern folgten dem Anreiz hoher Milchpreise, Tierseuchen hat-ten keine mengenbeschränkende Wirkung mehr und auch die Situation bei der Grundfutterversorgung war gut. So kommt es seit August 2025 gegenüber den Vorjahresmonaten zu einer stark erhöhten Milchanlieferungsmenge.
Erste Anzeichen deuten auf ein Durchschreiten der Talsohle beim Milchpreis hin. So ist der deutsche ife-Rohstoffwert in den Monaten Februar und März 2026 wieder deutlich gestiegen. Der globale Milchpreis, der durch das "International Farm Comparison Network“ (IFCN) ermittelt wird zeigt zuletzt ebenfalls wieder eine steigende Tendenz. Allerdings ist noch kein Rückgang bei der Milchanlieferung in Deutschland zu erkennen und die gestiegenen Energiepreise treiben die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette nach oben. Das laufende Wirtschaftsjahr 2025/26 aber dürfte aufgrund der noch hohen Milchpreise in der ersten Jahreshälfte und den im Mehrjahresblick noch immer hohen Fleischpreisen zwar rückläufige, aber dennoch akzeptable Gewinne ausweisen. Die in Folge des Irankriegs aktuell stark gestiegenen Energie- und Düngerpreise werden sich nennenswert erst auf das in Kürze beginnende Wirtschaftsjahr 2026/27 auswirken, falls sie über das ganze Jahr auf dem erhöhten Niveau bleiben

Im Durchschnitt 35,3 Kühe und einen Gewinn von 1.673 Euro je Kuh

Die Gruppe der über zehn Jahre identischen Betriebe mit ökologischer Bewirtschaftung umfasst nur 22 Be-triebe und diese sind mit 36,2 Kühen (24/25) im Herdendurchschnitt deutlich kleiner (-12,7 Kühe, 74 %).
Die Milchleistung stieg über die zehn Jahre um 7,9 %, die Herdengröße um 5,3 %.
Tabelle 2: Struktur und Ökonomik identischer Milchviehbetriebe über 10 Jahre - ökologisch
 22 Betriebe15/1616/1717/1818/1919/2020/2121/2222/2323/2424/25Durchschnitt ∆ in %*
Milch­küheDurchschnitt34,435,335,735,835,134,834,835,035,636,235,35,3
Kühe je Familien-AKKühe/FamAK22,223,423,323,523,423,722,723,023,123,723,26,7
Milch­leistung (erzeugt)kg/Kuh5.9926.0636.3156.2706.1696.4066.3536.3586.4476.4636.2847,9
Land­wirtsch. genutzte Fläche (LF) ha40,541,641,742,242,544,043,844,443,944,142,99,0
Grünland­anteil%79,079,579,477,980,379,678,878,579,879,079,20,1
Rinder­besatzGV/ha LF1,361,371,401,391,371,331,321,291,301,311,34-3,6
Milch­preis (netto) ct/kg50,249,650,748,949,650,954,460,957,062,953,525,3
Stützungsgrad (Gewinn)%68,669,355,466,266,656,754,554,267,668,662,80,0
Gewinnrate%35,733,834,229,528,432,031,631,128,429,531,4-17,6
Zeitraumechter Gewinn€/Betrieb62.49160.59261.91850.70447.68856.52060.39363.94858.15567.61359.0028,2
Gewinn/Familien-AK€/FamAK40.31740.12740.46933.35831.79238.44939.47342.07137.76344.19238.8019,6
Gewinn€/Kuh1.8171.7181.7361.4181.3581.6231.7361.8271.6351.8671.6732,7
Betriebseinkommen€/Kuh2.0521.9962.0291.6931.6511.9292.0232.1221.9592.2061.9667,5
Eigen­kapital­bildung €/Kuh440-60309962350349443888375319-14,8
Fremdkapital€/Kuh3.5733.8383.7433.4703.2112.9863.1943.6673.1943.3023.418-7,6
*) Veränderung aktuelles Jahr gegenüber dem ersten Jahr in Prozent
**) Anteil der Zulagen und Zuschüsse am Gewinn
Der Grünlandanteil ist mit im Mittel 79,2 % deutlich höher (konventionell 52 %) und der Rinderbesatz mit 1,40 zu 1,68 GV/ha LF deutlich niedriger. Obwohl die durchschnittliche Milchleistung im Vergleich zur konventionellen Gruppe um 1.364 kg je Kuh und Jahr geringer war, ist der Stückgewinn pro Milchkuh 510 € über dem der konventionellen Milchkuh. Vom Umsatz blieb auch deutlich mehr als Gewinn: 31,4 % statt 23,7 Prozent.
Mit 74 % der konventionellen Herdengröße konnte auf Betriebsebene im Durchschnitt der zehn Jahre ein et-was höherer Gesamtgewinn erwirtschaftet werden (1.600 Euro/Betrieb). Die Eigenkapitalbildung war geringfügig höher (319 Euro/Kuh vs. 270 Euro/Kuh), allerdings auch der Fremdkapitaleinsatz (+ 800 Euro/Kuh bzw. + 31 %).
Wie groß der Abstand zwischen der Ökonomik der Biomilch und der konventionellen Milch in den kommen-den Monaten sein wird, ist noch unklar. Im Biomilchmarkt, der stark regional geprägt ist, herrschen weniger Preisschwankungen, die Produktion ist energieextensiver und der Abstand zum konventionellen Preis konnte sich aktuell deutlich über 20 Cent/kg ausdehnen.
Dadurch ergeben sich wieder Chancen für Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die an einer Umstellung auf ökologischen Landbau interessiert sind und über ausreichend (hofnahe) Weidefläche verfügen. Eine erste Hilfestellung geben dazu die Orientierungsberater an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Porträtfoto Guido Hofmann

Guido Hofmann

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