Buchführungsauswertung der spezialisierten Milchviehbetriebe in Bayern
Die wirtschaftliche Situation der spezialisierten Milchviehbetriebe

Milchkühe im Stall am Futtertisch

Milchbauern leben vom erwirtschafteten Gewinn. Der Gewinn entlohnt aber auch das gebundene Eigenkapital (Gebäude, Maschinen, Tiere und Vorräte), die eigene Fläche (Acker und Grünland) und die eigene Arbeit. Am Ende stallt sich daher die Frage, wie hoch die Arbeitszeitverwertung der spezialisierten Milchviehbetriebe ausfällt.

Das untersucht folgender Beitrag anhand bayerischer Testbetriebsnetz-Buchführungsdaten spezialisierter Milchviehbetriebe im Mittel der Jahre 2020/21 bis 2024/25 für unterschiedliche Betriebsgrößen. Interessant auch die Frage: Was würde der Liter Milch im Laden kosten, wenn die Milchbauern einen Mindestlohn auf Gesellenniveau bekämen? Dazu können in einer interaktiven Anwendung wichtige Parameter geändert und die Auswirkung auf die Stundenverwertung und den Verbrauchermilchpreis nachvollzogen werden.

Milchbauern leben vom erwirtschafteten Gewinn

Milchbauern sind Unternehmer. Sie investieren Geld und die eigene Arbeitszeit in die Milcherzeugung, verkaufen die Milch an ihre Molkerei und die Molkerei verkauft die Produkte an den Einzelhandel, bei dem die meisten Verbraucher dann Milch, Käse und Joghurt einkaufen.
Milchviehbetriebe haben Einnahmen überwiegend aus Milchverkauf, Tierverkauf und staatlichen Prämien. Nach Abzug der Kosten bleibt der Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft. Der Gewinn ist ihr Bruttoeinkommen. Vom Gewinn bezahlen sie Einkommensteuer, den Lebensunterhalt incl. Wohnen und Mobilität, die komplette soziale Absicherung der Unternehmerfamilie und die Abfindung der weichenden Erben. Ein Teil des Gewinns fließt zurück in den landwirtschaftlichen Betrieb, um Mehrkosten bei Ersatzbeschaffungen (Alt gegen Neu) und Wachstumsinvestitionen bezahlen zu können. Das Wachstum ist notwendig, um bei stagnierenden Milchpreisen die gestiegenen Kosten im Betrieb (z.B. Futter, Dünger und Diesel) und in der privaten Lebenshaltung ausgleichen zu können.
Milchviehbetriebe leben vom erwirtschafteten Gewinn. Der Gewinn ist, wie bereits eingangs erwähnt aber auch der Lohn für das gebundene Kapital (Gebäude, Maschinen, Tiere, Vorräte), die eigene Fläche (Acker und Grünland) und die eigene Arbeit.
Wird vom Gewinn der Zinsansatz für das gebundene Eigenkapital und der Pachtansatz für die eigene Fläche abgezogen, dann bleibt der Lohn für die eingebrachte eigene Arbeitszeit übrig. Umgelegt auf die Stunde ergibt das den Bruttostundenlohn - den verbleibenden Gewinnanteil für die gearbeiteten Stunden.
Bleibt dauerhaft zu wenig übrig, wird der Stall geschlossen. Doch wo kommt dann das Einkommen her? Entweder wird in ein anderes Geschäftsfeld investiert oder die Familienmitglieder gehen einer außerlandwirtschaftlichen Arbeitnehmertätigkeit nach. Letzteres liefert einen festen Stundenlohn, viel mehr Freizeit und aus Flächenverpachtung und Geldanlagen ein gutes Zusatzeinkommen. So logisch und konsequent das klingt, so schwer fällt im Einzelfall die Entscheidung, aktiv den Schlussstrich in der langen Familientradition gezogen zu haben.

Die Situation der bayerischen spezialisierten Milchviehbetriebe

In der nachfolgenden Auswertung in Tabelle 1 wird die Situation der bayerischen spezialisierten Milchviehbetriebe analysiert und dazu der oben beschriebene Rechengang nochmals veranschaulicht.
Was die Milchviehbetriebe in Bayern in den letzten Jahren verdient haben, kann über die Auswertung der bayerischen BMEL-Test- und Auflagenbuchführungen*) geschätzt werden. Da nicht nur der Molkereimilchpreis im Jahresverlauf und über die Jahre starken, oft weltmarktbedingten Schwankungen unterliegt, wurde in den Gruppen der Mittelwert über die letzten fünf Jahre gebildet.

Der Gewinn inklusive der Prämien

Datengrundlage für alle folgenden Tabellen: Spezialisierte Milchviehbetriebe Bayern, konventionell, netto, fünfjähriger Durchschnitt 2020/21 bis 2024/25.
Tabelle 1: Jährlicher Gewinn der spezialisierten Milchviehbetriebe in Bayern in Größengruppen
BMEL-Test- und Auflagen­­buchführung Bayern Bayern-Durchschnitt 62 Kühe24 Kühe50 Kühe77 Kühe122 Kühe
Verkaufte Milchkg/Jahr488.356132.856359.018601.4551.061.807
Geleistete Familienarbeitsstundenh/Jahr4.1523.1924.0654.6175.044
Familienarbeitsstunden / Milchkuhh/Kuh67136816141
Verkaufte Milch / Familienarbeitsstundekg/h1184288130210
Jährlicher Gewinn ohne erhaltene PrämienzahlungenEuro/Jahr56.04213.95039.91964.159122.557
+ Erhaltene Fördermittel (Zulagen und Zuschüsse)Euro/Jahr29.88616.29626.34534.42349.967
nachrichtlich: Prämienanteil am Gewinn*%34,853,939,834,929,0
Gewinn inkl. PrämienEuro/Jahr85.92830.24666.26498.582172.524
nachrichtlich: Gewinn pro MilchkuhEuro/Kuh1.3821.2851.3201.2981.419
- Zinsansatz für das Eigenkapital (ohne eigene Fläche)Euro/Jahr-10.678-4.398-7.393-13.149-21.608
- Pachtanatz für die eigene FlächeEuro/Jahr-9.821-7.506-9.668-10.463-12.589
= Arbeitslohn der UnternehmerfamilieEuro/Jahr65.43018.34249.20274.970138.327
/ geleistete Familienarbeitsstundenh/Jahr4.1523.1924.6054.6175.044
= Stundenlohn der UnternehmerfamilieEuro/h15,85,712,116,227,4
* berechnet im Fünfjahresmittel: Prämien/Gewinn x 100. Der Mittelwert über die Prozentsätze der fünf Jahre weicht deutlich ab.
Im Wirtschaftsjahr 2024/25 stieg der Gewinn gegenüber dem Vorjahr wieder auf 1.700 Euro/Kuh. Das ist ein Plus von 35 % und nur neun Prozent unter dem Ausnahmejahr 2022/23. Im fünfjährigen Mittel sind es nun bereits 1.382 Euro Gewinn/Kuh.
Im Durchschnitt halten in Bayern alle Milchviehbetriebe 46,1 Kühe (2024, konv. Und ökol.). Die auf Milcherzeugung spezialisierten Betriebe im Testbetriebsnetz haben 62,2 Kühe im Stall (5-jähriger Ø, nur konv.) mit einem Gewinn in Höhe von 85.900 Euro. Die großen Betriebe mit 122 Kühen kommen auf 172.500 Euro, mit 23,5 Kühen sind es hingegen nur 30.200 Euro Unternehmensgewinn - in Summe für alle mitarbeitenden Familienmitglieder. Bei den kleinen Betrieben wird das Familieneinkommen noch mit anderen Einkünften ergänzt, wohingegen bei den großen Betrieben Mitarbeiter eingestellt werden, deren Lohn dann wiederum auf Unternehmensgewinnebene bereits bezahlt ist.

Die Rechnung für die Unternehmerfamilie

Um den Lohn für die eigene Arbeit zu ermitteln, wird vorher das gebundene Unternehmerkapital rechnerisch entlohnt.
Wie bei Handwerksbetrieben auch, ist in der Landwirtschaft in Gebäuden, in Maschinen und Tieren viel Geld gebunden. Dieses könnte alternativ auch in andere Geschäftsfelder, in Aktien oder Immobilien angelegt werden. Nach Abzug von 3 % Zinsansatz für das eigene Geld und 400 Euro Pachtansatz je Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Eigentum (mittlerer Kaufpreis 2024 in Bayern: 77.721 Euro) bleibt noch der (Stunden)Lohn für die eigene Arbeit übrig. Er betrug in den letzten fünf Wirtschaftsjahren im Durchschnitts-Milchviehbetrieb mit 62 Milchkühen nur 15,8 Euro pro Arbeitsstunde.
Tabelle 2: Gewinn und Arbeitszeitverwertung in den Herdengrößenklassen
BMEL-Test- und Auflagen­buchführung Bayern Bayern-Durchschnitt 62 Kühe24 Kühe50 Kühe76 Kühe122 Kühe
Gewinn inkl. PrämienEuro/Jahr85.92830.24666.26498.582172.524
nachrichtlich: Gewinn pro MilchkuhEuro/Kuh1.3821.2851.3201.2981.419
- Zinsansatz für das Eigenkapital (ohne eigene Fläche)Euro/Jahr-10.678-4.398-7.393-13.149-21.608
- Pachtansatz für die eigene FlächeEuro/Jahr-9.821-7.506-9.668-10.463-12.589
= Arbeitslohn der UnternehmerfamilieEuro/Jahr65.43018.34249.20274.970138.327
/ geleistete Familienarbeitsstundenh/Jahr4.1523.1924.0654.6175.044
= Stundenlohn der UnternehmerfamilieEuro/h15,85,712,116,227,4
Bei der Gruppe mit 24 Kühen mit 5,7 Euro Bruttostundenlohn ist absehbar, dass spätestens die nächste Generation den Hof auch im Nebenerwerb in der Regel nicht mehr weiterführen wird. Doch auch die Gruppe mit der größten Herde hatte nur einen Unternehmerlohn von rund 27,4 Euro je Stunde.

Wie ändert sich der Stundenlohn, wenn die Prämien wegfallen?

Dabei sind in diesem Einkommen der Unternehmerfamilie die Prämienzahlungen der EU, des Bundes und Bayerns bereits enthalten. Die Landwirtschaft steht oft in der Kritik, dass so viele Fördermittel und damit Steuergelder in die Betriebe fließen. Was passieren würde, wenn diese Prämien wegfallen, kann in der interaktiven Anwendung ausprobiert werden, indem die Prämienzahlung um 100 % gekürzt wird (Pulldown-Menü: - 100 %).
Tabelle 3: Arbeitszeitentlohnung der Milchviehbetriebe bei Wegfall der Prämienzahlungen
BMEL-Test- und Auflagen­buchführung Bayern Bayern-Durchschnitt 62 Kühe24 Kühe50 Kühe76 Kühe122 Kühe
Jährlicher Gewinn ohne erhaltene Prämien­zahlungenEuro/Jahr56.04213.95039.91964.159122.557
+ Erhaltene Fördermittel (Zulagen und Zuschüsse)Euro/Jahr00000
Gewinn ohne PrämienEuro/Jahr56.04213.95039.91964.159122.557
nachrichtlich: Gewinn pro Milchkuh ohne PrämienEuro/Jahr9015937958451.008
- Zinsansatz für das Eigenkapital (ohne eigene Fläche)Euro/Jahr-10.678-4.398-7.393-13.149-21.608
- Pachtansatz für die eigene FlächeEuro/Jahr-9.821-7.506-9.668-10.463-12.589
= Arbeitslohn der UnternehmerfamilieEuro/Jahr35.5432.04622.85840.54788.360
/ geleistete Familienarbeitsstundenh/Jahr4.1523.1924.0654.6175.044
= Stundenlohn der Unternehmerfamilie (ohne Prämien)Euro/h8,60,65,68,817,5
Ohne die Prämien sinkt der Stundenlohn auf 8,6 Euro in der Gesamtgruppe und auch die großen Betriebe kommen nur auf 17,50 Euro/h. Die Prämien machen im Mittel der fünf Jahre 34,8 % des Gewinns aus. Wenn unsere Milchviehbetriebe auch ohne staatliche Unterstützung bestehen können sollen, müsste dieser Einkommensbeitrag über das Milchgeld von jedem einzelnen Verbraucher kommen, denn ein Weiterwirtschaften wäre für die meisten Milchviehbetriebe in Bayern zu aktuellen Milchpreisen dann nicht mehr möglich.
Ebenfalls zum Ausprobieren:
Aktuell sind die Zinsen gestiegen, Geldanlagen erzielen eine höhere Rendite, die Kaufpreise für Boden sind auf ein hohes Niveau gestiegen. Was bleibt für die eigene Arbeit übrig, wenn Zins- und Pachtansatz deutlich angehoben werden? Probieren Sie es aus.

Wie ändert sich Verbrauchermilchpreis, wenn ein einheitlicher Stundenlohn bezahlt wird?

Die Auswertung in Größengruppen zeigt, dass sich der Gewinn pro Milchkuh zwischen 1.300 und 1.400 Euro/Kuh bewegt, wohingegen die Arbeitseffizienz in den größeren Herden ansteigt:

  • 42 kg verkaufte Milch pro Familienarbeitsstunde im 24-Kuh-Betrieb (136 Familienstunden/Kuh inkl. Nebenbetriebszweige und Feldarbeit)
  • 210 kg Milch pro Familien-Akh in der großen Herde mit 122 Kühen(41 FamAkh/Kuh, zzgl. zunehmende Anteile aus Fremdlohn)
Im kleinen Milchviehbetrieb verursacht das Kilogramm Milch einen fünffach höheren Zeitaufwand, je Milchkuh ist es das 3,3 fache. Dabei kommen die meisten Familien mit 60 bis 120 Kühen an ihre Auslastungsgrenze und müssen Mitarbeiter einstellen, da die eigene Arbeitsmacht nicht mehr ausreicht. Je nach Ausbildungsstand kostete die zugekaufte Stunde incl. der Arbeitgeberanteile und bezogen auf die tatsächlich geleistete Stunde zwischen 21,5 und 38,0 Euro (Tabelle 4). Die Personalkosten sind im Zuge der Mindestlohnerhöhungen deutlich gestiegen.
Tabelle 4: Tariflohn und Personalkosten je Arbeitsstunde nach Qualifikationsstufe
Qualifikations­stufe (1)Selbst­ständiges Arbeiten?Bruttolohn (1) Euro/hPersonal­kosten Euro/h bezahlt (2)Bezahlte Stunden (3) h/JahrGearbeitete Stunden (4) h/JahrPersonal­kosten Euro/h Arbeit
Ungelernter ArbeiterNein13,517,32.0881.68021,5
Geselle (Landwirtschaft­liche Lehre)Nein16,220,62.0881.68025,6
Geselle (Landwirtschaft­liche Lehre)Ja1721,62.0881.68026,8
Fachschule (Meister, Techniker, Betriebswirt)Nein18,623,62.0881.68029,3
Fachschule (Meister, Techniker, Betriebswirt)Ja20,225,62.0881.68031,8
Leitende Funktion (inkl. Hochschul- und FH-Absolventen)Ja24,330,52.0881.68038,0
(1) Quelle: Tarifvertrag für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft Bayern (Rahmen-V. 01.05.2018, Entgelt-V. 2025)
(2) Bruttolohn inkl. 480 Euro Urlaubs- und Weihnachtsgeld/Jahr zzgl. 23,46 % Arbeitgeber­anteile für Sozial­versicherung und Umlagen
(3) 2.088 h/Jahr lt. Tarifvertrag. Entspricht einer 40-Stunden-Woche bei 365,25 Tagen/Jahr
(4) Tatsächlich produktiv geleistete Stunden nach Abzug Urlaub, Feiertage, Krankheit und Fortbildung
Obwohl diese Personalkosten oft über dem eigenen, aus dem Kuhstall erwirtschafteten Stundenlohn liegen, steigt in größeren Betrieben durch Kostendegression und Effizienzsteigerung der eigene, über den Gewinn erwirtschaftete Stundenlohn in der Familie. Das Größenwachstum zahlt sich also aus. Mit zunehmender Größe steigt aber auch das Risiko, da immer mehr Geld von den Einnahmen gleich wieder für Personal, Pacht und Darlehen weitergereicht werden muss. Ein Milchpreisrückgang von 5 Cent bedeutet bei einer Million kg verkaufter Milch einen Gewinnrückgang um 50.000 Euro, bei einem 20 Kuh-Betrieb mit 5.000 kg verkaufter Milch/Kuh sind es nur 5.000 Euro!
Wenn trotzdem allen Milchviehbetrieben über den Ladenmilchpreis ein Lohn in der Höhe ermöglicht werden soll, wie ein selbständig arbeitender Facharbeiter mit einer abgeschlossenen landwirtschaftlichen Lehre (Geselle) verdient, wie hoch wäre dann der notwendige Verbrauchermilchpreis in den Größengruppen?
Tabelle 5: Verbrauchermilchpreis bei einem Mindest-Unternehmerlohn auf Gesellenniveau
  Bayern-Durchschnitt 62 Kühe24 Kühe50 Kühe76 Kühe122 Kühe
Bisheriger Stunden­­lohn der Unter­nehmer­familie (Durch­schnitt 5 Jahre)Euro/h15,85,712,113,0022,60
Gewähltes Lohnniveau: Geselle – TOPEuro/h26,826,826,826,826,8
Differenz zur bisherigen StundenverwertungEuro/h11,021,114,710,6-0,6
x geleistete Familien-Arbeitsstundenh/Jahr4.1523.1924.0654.6175.044
= notwendige GewinnänderungEuro/Jahr45.85767.20159.73048.764-3.140
/ verkaufte Milchkg/Jahr488.356132.856359.018601.4551.061.807
= notwendiger Brutto-Zuschlag je kg verkaufter Milchct/kg11,260,219,89,6-0,4
+ Verbraucher­milchpreis brutto (LEH BY) bisher (Durchschnitt 5 Jahre)ct/kg101,2101,2101,2101,2101,2
= neuer Verbraucher­milchpreis bruttoct/kg112,4161,4121,0110,8100,8
Erforderliche Verbraucher­milchpreis­änderungct/kg11,260,219,89,6-0,4
Datengrundlage: BMEL-Testbetriebsnetz Bayern, fünfjähriger Durchschnitt 2020/21 - 2024/25 spezialisierte Milchviehbetriebe, konventionell, netto.
Die Molkerei bezahlte den Buchführungsbetrieben im fünfjährigen Durchschnitt rund 47,8 Cent je Kilogramm Milch (netto). Im bayerischen Einzelhandel kostete die Milch in diesem Zeitraum im Durchschnitt 101,2 Cent*. Die 53,4 Cent Differenz kommen aus den Kosten für Transport, die Weiterverarbeitung + Gewinnmarge von Molkerei und Handel sowie der Mehrwertsteuer.
*) Quelle: ZMB. Verbraucherpreis Frischmilch 3,5% Fett, 1 Liter-Karton, Deutschland, konventionell, brutto. Von 2020-2024: 94,0/ 0,89/ 1,07/ 1,15/ 1,11 ct pro Liter
Bayernweit 161 Cent für konventionelle Milch aus dem 24 Kuh-Betrieb statt 101 Cent?
Wird in der Anwendung der Stundenverdienst für kleine und große Betriebe einheitlich auf die Personalkosten des selbständig arbeitenden Gesellen festgesetzt (Pulldown-Menü: Geselle TOP: 26,8 Euro Personalkosten je gearbeitete Stunde) und bleibt die Marge für Molkerei und Handel bei 53,4 Cent, dann müsste der Ladenmilchpreis in der Gesamtgruppe von 101,2 auf 112,4 Cent für den Liter Milch um 11 % angehoben werden.
Wenn die Milch aus dem kleinen Kuhstall kommen soll, dann hat die viele Arbeit in kleinen Beständen ihren Preis: Die Gruppe mit 24 Kühen benötigt 161 ct/kg Ladenmilch (+ 59 %), um beim Einkommen ebenfalls auf Gesellenniveau gehoben zu werden. In der größten Herde mit 122 Kühen erreicht die Unternehmerfamilie eine Arbeitszeitverwertung auf Gesellenlohnniveau.
Abbildung 1: Vergleich der Unternehmerlöhne und des Verbraucher­milchpreises

Abbildung 1: Vergleich der Unternehmerlöhne und des Verbraucher­milchpreises

Fazit

Nun leiten unsere Milchbauern aber ein landwirtschaftliches Unternehmen, setzen sich vielfältigen Risiken aus und müssen sich immer wieder an neue Situationen, Gesetze und gesellschaftliche Anforderungen anpassen. Allerdings steigt mit der Größe auch die Risikoanfälligkeit, da immer mehr Geld für Fremdlohn, Darlehen und Flächenpacht bezahlt werden muss. Deswegen investieren die Familien in größeren Betrieben in eine gute Ausbildung für den Nachwuchs - hier ist der Landwirtschaftsmeister oder zunehmend auch der Bachelor- oder Masterabschluss an der Hochschule oder Universität der Standard.
Doch trotz bester Ausbildung und vollem Engagement bleibt es vor allem für kleinere Betriebe schwer, aus dem Kuhstall ein angemessenes Einkommen zu erwirtschaften, ohne dabei selbst zu verbrennen oder den eigenen Nachwuchs zu verprellen. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Betriebe nicht unerheblich zum Erhalt der Kulturlandschaft und zum sozialen Miteinander auf den Dörfern und in den Vereinen beitragen. Das alles hat neben der Lebensmittelproduktion auch einen Wert für die Gesellschaft.
In Süddeutschland haben wir noch viele Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung (Bayern 2025 lt. LfL-Schätzung: 41,1 % der Milchviehbetriebe mit 17,4 % der Milchkühe), von denen viele nicht in einen neuen Laufstall investieren werden. Unter den aufgezeigten Rahmenbedingungen, bei den stark gestiegenen Stallbaukosten, den - auch durch den Mindestlohn bedingt - deutlich steigenden Personalkosten, dem sich stetig verschärfenden Fachpersonalmangel und den hohen Energiekosten ist es fraglich, ob diese Kuhplätze in unseren Laufstallbetrieben aufgefangen werden. Entscheidend ist dafür vor allem ein langfristig tragfähiger Rohmilchpreis mit in der Folge deutlich gestiegenen Milch-, Butter-, Käse- und Joghurtpreisen.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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Guido Hofmann

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