Ökonomische Entwicklung einer über 10 Jahre hinweg identischen Gruppe von Milchviehbetrieben auf Grundlage der bayerischen Buchführungsergebnisse

Ein Fleckviehmastbulle in einem Bullenstall

Foto: Tobias Hase, StMELF

Wie haben sich bayerische Milchviehbetriebe über die letzten zehn Jahre in ihrer Wirtschaftlichkeit entwickelt? Über die Analyse von jeweils zehn Buchführungen soll darauf eine Antwort gegeben werden. Zusätzlich zeigt ein Gruppenvergleich zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben deren Unterschiede auf.

Im landwirtschaftlichen Testbetriebsnetz werden Buchführungsabschlüsse einer repräsentativ ausgewählten Gruppe von Betrieben ausgewertet. Die Zusammensetzung dieser Betriebsgruppe ändert sich allerdings über die Jahre. In dieser Auswertung wurde gefiltert auf spezialisierte Milchviehbetriebe mit 10 Abschlüssen. Die konventionell wirtschaftende Gruppe umfasst 275 Betriebe mit ca. 50 Kühen, die Öko-Gruppe 33 Betriebe mit ungefähr 40 Kühen.

Konventionell wirtschaftende Betriebe

Im Wirtschaftsjahr 2014/15 hatte die Gruppe im Schnitt 47 Milchkühe und 48 ha LF (Tabelle 1). Die Herdengröße wuchs in den zehn Jahren um 9 % auf 51 Kühe. Die Milchleistung stieg ausgehend von 7.050 kg um 14 %.
Tabelle 1: Struktur und Ökonomik der Gruppe identischer Milchviehbetriebe über 10 Jahre - konventionell
Konventionell (275 Betriebe)14/1515/1616/1717/1818/1919/2020/2121/2222/2323/24∆ in %*
Milchkühe (⌀)46,748,049,751,251,150,950,951,151,250,99,0
Kühe je Familien-AK28,329,130,130,730,630,630,631,031,231,210,4
Milchleistung (erzeugt)
kg/Kuh
7.0497.3707.2897.5307.6307.8287.7197.5517.8058.05714,3
LF (ha)48,449,049,550,050,751,251,251,652,151,97,2
Grünlandanteil in %51,051,251,251,251,351,451,251,251,050,6-0,7
Rinderbesatz (GV/ha LF)1,701,731,761,771,741,711,711,701,691,69-0,9
Milchpreis (netto)
ct/kg
36,0630,7932,9538,6537,3535,8736,3043,0355,8848,2233,7
Stützungsgrad (Gewinn)** in %64,069,659,235,250,463,559,244,027,038,4-40,0
Gewinnrate in %22,119,823,730,922,918,519,722,428,321,4-3,5
Zeitraumechter Gewinn (€ / Betrieb)44.00737.07347.28271.06451.17740.25543.56756.93889.45561.28239,3
Gewinn/Familien-AK (€ / FamAK)26.67122.46928.65642.55330.64524.25026.24534.50854.54637.59641,0
Gewinn (€ / Kuh)9437739511.3881.0027928571.1131.7481.20427,7
Betriebseinkommen (€ / Kuh)1.1981.0281.2021.6401.2701.0771.1451.4052.0541.52827,6
Eigenkapitalbildung (€ / Kuh)14-20208569156-138543327981591.027
Fremdkapital (€ / Kuh)2.4472.6212.6702.5212.6402.8692.7742.7462.6452.6759,3
*) Veränderung aktuelles Jahr gegenüber dem ersten Jahr in Prozent
**) Anteil der Zulagen und Zuschüsse am Gewinn
Vom Umsatz blieben zwischen 18,5 % und 30,9 % als Gewinn übrig (Gewinn/Umsatz). Trotz des Ausnahmemilchpreises im Wirtschaftsjahr 2022/23 mit einem noch nie dagewesenen Milchpreis in Bayern von netto 61,6 ct/kg Milch im Dezember 2022 und dem in Folge deutlich gestiegenen Jahresumsatz blieb die Gewinnrate mit 28,3 % hinter dem letzten Spitzenjahr 2017/18 zurück. Der Grund sind die nach oben verschobenen Leistungen und Kosten (23/24 ggü. 17/18: Umsatz + 25 %, Aufwand + 42 %, Gewinn – 14 %). Das führte trotz guter absoluter Gewinne zu einer niedrigeren Gewinnrate, was wiederum die Unternehmen risikoanfälliger macht. Im Jahr 23/24 sank die Gewinrate sogar unter das Vorjahresniveau.
Wird der Gewinn auf die Herdengröße bezogen (Gewinn/Kuhzahl), erreicht der Stückgewinn im Ausnahmejahr 2022/23 in der konventionellen Gruppe mit 1.748 Euro eine bis dato unvorstellbare Höhe. Der Wert ist 2023/24 wieder auf 1.200 Euro gesunken.
Im Mittel der Jahre konnten pro Kuh 217 Euro Eigenkapital aufgebaut werden, der Fremdkapitaleinsatz war über die zehn Jahre immer unter 3.000 Euro/Kuh und liegt in den Unternehmen im Jahr 2023/24 bei 24,4 %. Daraus ergibt sich, dass 75,6 % des Bilanzvermögens Eigenkapital sind.
Der Stützungsgrad (Zulagen + Zuschüsse / Gewinn) variiert zwischen 27 % (Spitzenjahr 22/23 mit einem extrem hohen Gewinn) und 70 % (niedrigster Gewinn). Im Mittel der zehn Jahre sind es 51 %.

Entwicklung von Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre (konventionell)

Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre - konventionellZoombild vorhanden

Die Grafik zeigt den Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre - konventionell

Die Abbildung 1 zeigt die Gewinnstreuung im Zehnjahresverlauf – ein stetiges Auf und Ab im Bereich von 37.000 Euro bis 89.000 Euro mit einem Durchschnitt von 54.000 Euro. Die starke Abhängigkeit der Rentabilität der Milcherzeugung vom Milchpreis zeigt die Parallelentwicklung von Gewinn und Milchpreis. Im Mittel betrug der Milchpreis 39,5 Cent (netto, kg nat) mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Cent, der Gewinn ist um 7,1 ct/kg Verkaufsmilch gesunken (-28.173 Euro auf Betriebsebene).

Entwicklung von Gewinn, Eigenkapitalbildung und Cash Flow III über 10 Jahre (konventionell)

Jahresgewinn, EKB und Cashflow III über 10 Jahre – konventionellZoombild vorhanden

Die Grafik zeigt den Jahresgewinn, EKB und Cashflow III über 10 Jahre – konventionell

Ebenfalls parallel zum Jahresgewinn bewegen sich die Eigenkapitalbildung (Rückgang 32.700 Euro; Ø 10.900 Euro; Abbildung 2) und der Cashflow III (Rückgang 33.200 Euro; Ø 28.500 Euro). Im Ausnahmejahr 2022/23 konnte das Eigenkapital um 40.800 Euro aufgestockt werden, im Jahr 2019/20 wurde Eigenkapital abgebaut (-7.000 Euro). Der Cashflow III als kurzfristige Kapitaldienstreserve bewegte sich über die Jahre zwischen gerade mal 11.000 Euro im Jahr 2019/20 und 68.000 Euro im Jahr 2022/23.

Die jährliche Eigenkapitalbildung als Ergebnis aus Gewinn plus Einlagen minus Entnahmen (konventionell)

Die Ableitung der Eigenkapitalbildung über 10 Jahre - konventionellZoombild vorhanden

Die Grafik zeigt die Ableitung der Eigenkapitalbildung über 10 Jahre - konventionell

Das Zusammenspiel aus Gewinn zzgl. laufende Einlagen abzgl. laufende Entnahmen bis zur Eigenkapitalbildung zeigt die Abbildung 3.

Ökologisch wirtschaftende Betriebe

Die Gruppe der über zehn Jahre identischen Betriebe mit ökologischer Bewirtschaftung umfasst nur 33 Betriebe und ist mit 40 Kühen (23/24) im Herdendurchschnitt deutlich kleiner (-10,5 Kühe, 79 %).
Die Milchleistung stieg über die zehn Jahre um 9,5 %, die Herdengröße sogar um 13 %. Der Grünlandanteil ist mit im Mittel 83 % deutlich höher (konventionell 51 %) und der Rinderbesatz mit 1,40 zu 1,72 GV/ha LF deutlich niedriger.
Obwohl der 10-Jahres-Milchpreis nur um 12,3 Cent über dem konventionellen Milchgeld lag (in Spitzenzeiten waren es schon über 20 Cent netto nat.) und die durchschnittliche Leistung im Vergleich zur konventionellen Gruppe um 1.235 kg je Kuh und Jahr geringer war, ist der Stückgewinn pro Milchkuh 609 Euro über dem der konventionellen Milchkuh. Vom Umsatz blieb auch deutlich mehr als Gewinn: 32,5 % statt knapp 23,0 Prozent.
Mit 77 % der konventionellen Herdengröße konnte auf Betriebsebene im Durchschnitt der zehn Jahre ein um rund 10.700 Euro höherer Gesamtgewinn erwirtschaftet werden. Die Eigenkapitalbildung war etwas höher (259 Euro/Kuh vs. 213 Euro/Kuh), allerdings auch der Fremdkapitaleinsatz (+ 830 Euro/Kuh bzw. + 31 %).
Tabelle 2: Struktur und Ökonomik identischer Milchviehbetriebe über 10 Jahre - ökologisch
Ökologisch (33 Betriebe)14/1515/1616/1717/1818/1919/2020/2121/2222/2323/24∆ in %*
Milchkühe (⌀)35,837,338,138,739,038,238,739,439,840,412,9
Kühe je Familien-AK22,823,524,424,324,724,325,425,125,225,712,9
Milchleistung (erzeugt)
kg/Kuh
6.0706.1636.1876.3686.3536.3386.3486.4556.5506.6459,5
LF (ha)42,643,843,944,244,645,046,146,647,246,910,0
Grünlandanteil in %82,983,283,283,182,283,783,583,082,983,10,2
Rinderbesatz (GV/ha LF)1,431,411,441,461,461,431,421,411,401,40-1,7
Milchpreis (netto)
ct/kg
48,1849,7149,3750,6248,8949,5950,8253,6560,6557,0118,3
Stützungsgrad (Gewinn)** in %59,764,469,353,862,064,662,655,058,167,012,1
Gewinnrate in %37,137,534,435,631,829,930,331,628,228,7-22,6
Zeitraumechter Gewinn (€ / Betrieb)64.21972.21366.69769.81060.39756.01858.59066.95566.65067.8125,6
Gewinn/Familien-AK (€ / FamAK)40.90445.41742.75443.90638.22635.68038.54642.64642.18343.1935,6
Gewinn (€ / Kuh)1.7941.9351.7501.8051.5481.4661.5161.6891.6731.678-6,5
Betriebseinkommen (€ / Kuh)2.0412.1822.0312.1071.8491.7951.8602.0232.0052.0530,6
Eigenkapitalbildung (€ / Kuh)46749158235147-519710038151711
Fremdkapital (€ / Kuh)2.4063.3603.4153.3453.0312.8593.9183.9344.2874.35581,0
*) Veränderung aktuelles Jahr gegenüber dem ersten Jahr in Prozent
**) Anteil der Zulagen und Zuschüsse am Gewinn

Entwicklung von Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre (ökologisch)

In der Abbildung 4 ist der Gewinn- und Milchpreisverlauf über die Jahre abzulesen. Der Biomilchpreis liegt 3,7 Cent unter dem Vorjahr, der Betriebsgewinn ist trotzdem um 1.163 Euro auf Betriebsebene bzw. 0,4 Cent je Kilogramm Verkaufsmilch gestiegen. Die Nebenerlöse konnten den Umsatzrückgang der Milch auffangen, die Produktionskosten sind leicht gesunken. In diesem Jahr hat die eher regional vermarktete Ökomilch nicht den extremen Milchpreisrückgang der konventionellen Milch mitgemacht (-6,0 % vs. -13,7 %), so dass sich der Preisabstand im Wirtschaftsjahr 2023/24 wieder auf 9,5 ct/kg vergrößerte.
Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre - ökologischZoombild vorhanden

Die Grafik zeigt den Gewinn und Milchpreis über 10 Jahre - ökologisch

Zum Ende des Wirtschaftsjahres im Juni 2024 lag der Preisvorteil der Ökomilch in Bayern bei 8,3 ct/kg, auf dem Tiefpunkt im Dezember 2022 waren es nur 2,9 Cent, im betrachteten Zehnjahreszeitraum sind es 12,2 ct/kg (Quelle: IQE). Der Stützungsgrad liegt bei den Ökobetrieben um 10,5 Prozentpunkte über dem der konventionellen Betriebe (61,6 vs. 51,1%).

Entwicklung von Gewinn, Eigenkapitalbildung und Cash Flow III über 10 Jahre (ökologisch)

Jahresgewinn, EKB und Cashflow III über 10 Jahre - ökologisch

Die Grafik zeigt den Jahresgewinn, EKB und Cashflow III über 10 Jahre - ökologisch

Die Abbildung 5 zeigt, wie glatt der Gewinnverlauf über die letzten drei Jahre in der Ökogruppe war. In der Folge stieg die Eigenkapitalbildung gegenüber dem Vorjahr von 15.200 Euro auf 20.900 um knapp 6.000 Euro, während diese in der konventionellen Gruppe von 40.800 Euro auf 8.100 Euro/Jahr um rund 33.000 Euro zurückging.

Die jährliche Eigenkapitalbildung als Ergebnis aus Gewinn plus Einlagen minus Entnahmen (ökologisch)

Die Ableitung der Eigenkapitalbildung über 10 Jahre – ökologischZoombild vorhanden

Die Grafik zeigt die Ableitung der Eigenkapitalbildung über 10 Jahre – ökologisch

Dass bei nahezu unveränderten Betriebsgewinn seit dem Wirtschaftsjahr 2021/22 (grüner Balken in Abbildung 6) trotzdem die Eigenkapitalbildung (schwarzer Strich) stark anstieg, liegt am Einfluss der Entnahmen und Einlagen.

Vergleich der konventionellen und ökologischen Gruppenergebnisse

Gewinnindex Konv. und Öko – 100 % = Durchschnittsgewinn 2014/15 bis 23/24

Die Grafik zeigt den Gewinnindex Konv. und Öko – 100 % = Durchschnittsgewinn 2014/15 bis 23/24

In der Abbildung 7 sind die Gewinne der konventionellen und ökologischen Wirtschaftsjahre nebeneinander dargestellt. Für die bessere Vergleichbarkeit wurde als Index der Mittelwert der zehn Jahresgewinne = 100 gesetzt (blaue Linie).

Gewinnvergleich konventionell und ökologisch über den Index (Zehnjahresdurchschnitt = 100 %)

In 5 von 10 Jahren ist der Balken der konventionellen Gruppe über dem der Öko-Gruppe. Auch hier wieder auffällig die deutlich geringen Schwankungen um die 100 %-Linie, die wirtschaftliche Berg- und Talfahrt ist im Ökobereich deutlich weniger ausgeprägt.

Der Gewinn je Milchkuh über 10 Jahre – konventionell und ökologisch im Vergleich

Kuhgewinn über 10 Jahre im Konv-Öko-Vergleich

Die Grafik zeigt den Kuhgewinn über 10 Jahre im Konv-Öko-Vergleich

Letztendlich ist dies auch wieder zu einem Großteil bedingt durch den regional verankerten und damit nicht so volatilen Milchpreis. In der Abbildung 8 wird der Stückgewinn der letzten 10 Jahre von konventioneller und Öko-Milchkuh gegenübergestellt. Im Zehnjahresmittel hatte die Öko-Milchkuh pro Platz einen um 604 Euro oder 56 Prozent höheren Gewinn. Im Jahr 15/16 betrug der Unterschied 1.162 Euro, im Auswertungsjahr 2021/22 waren es immer noch 585 Euro, 2022/23 war zum ersten Mal die konventionelle Kuh 75 Euro im Vorteil. Im aktuellen Jahr stehen wieder 474 Euro Vorteil für die Ökomilchkuh – was aus Ökosicht auch dringend notwendig war. Nur wenn sich die arbeitsintensivere Biomilchproduktion auch im Vergleich zur konventionellen Produktion ebenfalls rechnet, kann sie langfristig existieren.

Der Gewinn je Familienarbeitskraft über 10 Jahre – konventionell und ökologisch im Vergleich

Gewinn je Familienarbeitskraft über 10 Jahre – konventionell und ökologisch

Die Grafik zeigt den Gewinn je Familienarbeitskraft über 10 Jahre – konventionell und ökologisch

Bei weitem nicht mehr so ausgeprägt ist die Differenz, wenn der Gewinn auf die Familienarbeitskraft bezogen wird (Abbildung 9). Sind es mit Bezug auf die Milchkuh 56,6 % mehr Gewinn im Öko-Betrieb, so bleiben beim Verteilen des Gewinns auf die Familienarbeitskraft noch 26 % Gewinnvorteil. Die Ursache liegt – bei annähernd gleichem Fremdlohnaufwand in den beiden Gruppen - im höheren zeitlichen Input der Unternehmerfamilie im Öko-Betrieb (im Stall und auf dem Feld) und der damit verbundenen geringeren Arbeitsproduktivität. So kamen hier im Durchschnitt der zehn Jahre nur 24,6 statt 30,3 Kühe auf jede Familienarbeitskraft (81 %). Im Mittel der zehn Jahre beträgt der Gewinnunterschied 8.500 Euro je Familien-AK (41.300 Euro vs. 32.800 Euro). Die Ausschläge sind in der konventionellen Gruppe deutlich ausgeprägter und gleichen einer Berg- und Talfahrt. Auch das Ausnahmejahr 2022/23 mit 54.500 Euro Gewinn je Familienarbeitskraft konnte das Zehnjahresmittel nur auf 32.800 Euro anheben.

Wirtschaftsjahr 2024/25

Für das Auswertungsjahr 2024/25 liegen nun auch schon die Buchführungsergebnisse vor mit einem neuen Milchpreishoch in den Wintermonaten. Die Kombination mit stark gestiegenen Kälber- und Altkuherlösen macht dieses Jahr auch wieder zu einem Ausnahmejahr: bei den spezialisierten Milchviehbetrieben Bayerns mit mind. 60.000 kg Milchablieferung kommen die konventionellen Betriebe je Milchkuh auf einen Gewinn von 1.712 Euro, die Öko-Gruppe erreicht 1.953 Euro.

Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr 2025/26

Seit Oktober 2025 sinken die Milchpreise. Die Milchbauern folgten dem Anreiz hoher Milchpreise, Tierseuchen hatten keine mengenbeschränkende Wirkung mehr und auch die Situation bei der Grundfutterversorgung war gut. So kam es ab August 2025 gegenüber den Vorjahresmonaten zu einer stark erhöhten Milchanlieferungsmenge im konventionellen Bereich. In der Folge sanken die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte bis Februar 2026 innerhalb eines Jahres um 23,8 %, die Butterpreise sogar um 50 % (Quelle: AMI).
Erste Anzeichen deuten auf ein Durchschreiten der Talsohle beim Milchpreis hin. So ist der deutsche ife-Rohstoffwert in den Monaten Februar und März 2026 wieder deutlich gestiegen. Der globale Milchpreis, der durch das "International Farm Comparison Network" (IFCN) ermittelt wird zeigt zuletzt ebenfalls wieder eine steigende Tendenz. Allerdings, so die ZMB, ist noch kein Rückgang bei der Milchanlieferung in Deutschland zu erkennen.
Können die Molkereien keine besseren Verwertungen erzielen, bleiben die Erzeugerpreise auf niedrigem Niveau. Das drückt weiter auf die Rentabilität, wodurch der Anreiz gesetzt wird, weniger Menge zu produzieren und der "Milchzyklus" beginnt von vorne.
Das laufende Wirtschaftsjahr 2025/26 aber dürfte aufgrund der noch hohen Milchpreise in der ersten Jahreshälfte und den im Mehrjahresblick noch immer hohen Fleischpreisen durchaus akzeptable Gewinne ausweisen. Die in Folge des Irankriegs aktuell stark gestiegenen Energie- und Düngerpreise werden sich nennenswert erst auf das in Kürze beginnende Wirtschaftsjahr 2026/27 auswirken.
Wie groß der Abstand zwischen der Ökonomik der Biomilch und der konventionellen Milch in den kommenden Monaten sein wird, ist noch unklar. Im Biomilchmarkt, der stark regional geprägt ist, herrschen weniger Preisschwankungen und der Abstand zum konventionellen Preis konnte sich zeitweise auf über 20 Cent/kg ausdehnen.
Dadurch ergeben sich wieder Chancen für Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die an einer Umstellung auf ökologischen Landbau interessiert sind und über ausreichend (hofnahe) Weidefläche verfügen. Eine erste Hilfestellung geben dazu die Orientierungsberater an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Ansprechpartner
Guido Hofmann und Bernhard Ippenberger
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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