LfL-Preistelegramm

Vier Kurvendiagramme: ein Ausschnitt aus dem Preistelegramm.

Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind die entscheidende Größe für eine erfolgreiche Vermarktung im landwirtschaftlichen Betrieb. Bedingt durch die starke Integration der bayerischen Agrar- und Ernährungswirtschaft in die Europäischen Märkte sowie den Weltmarkt spiegeln sich die globalen Verschiebungen von Angebot und Nachfrage auch in den bayerischen Erzeugerpreisen wider.

Das LfL-Preistelegramm soll einen schnellen Überblick über die aktuellen Entwicklungen der wichtigsten Erzeugerpreise in Bayern verschaffen. In diesem Sinne wurde das Preistelegramm bewusst knapp gestaltet und sein Umfang auf eine Seite begrenzt.
Ergänzt werden die grafisch und in Tabellenform aufbereiteten Preisdaten durch eine kurze Einschätzung des aktuellen Marktgeschehens in ausgewählten Erzeugnisbereichen durch die jeweiligen Ansprechpartner des Instituts für Ernährungswirtschaft und Märkte. Auf diese Weise ergänzt das LfL-Preistelegramm die bestehenden Angebote des Instituts im Bereich Marktanalyse und -beobachtung.

Auswirkungen des Russischen Krieges in der Ukraine auf die Agrarmärkte

Die Tatsache, dass Russland und die Ukraine eine enorme Bedeutung für die Agrarmärkte besitzen, ist in den vergangenen Wochen auf schmerzhafte Weise deutlich gemacht worden. Russland hat sich im Verlauf der letzten Jahre zu einem der wichtigsten Exporteure insbesondere von Weizen entwickelt, und die Ukraine gehört zu den weltweit führenden Exporteuren von Mais, Weizen, Gerste und Raps. Bei Sonnenblumenöl bestreitet die Ukraine fast die Hälfte der weltweiten Exporte (Abbildungen 1 und 2).
Für die EU hat die Ukraine eine besondere Bedeutung als wichtiger Lieferant von Mais – vor allem für die Veredelungsregionen der Iberischen Halbinsel und Nordeuropa – und GVO-freiem Raps zur Versorgung der Ölmühlen. Bei Sojabohnen ist die Importmenge gering, allerdings besteht auch hier eine Bedeutung für die Versorgung mit GVO-freiem Futter (Abbildungen 3, 4 und 5).
Beim Versuch, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Agrarmärkte einzuordnen und zu bewerten, muss unterschieden werden zwischen den Effekten der akuten Unterbrechung der Lieferketten und den Störungen der Logistik auf der einen Seite und den längerfristigen Auswirkungen auf die globale Versorgungslage, die über das aktuelle Wirtschaftsjahr hinausgehen, auf der anderen Seite.
Tortendiagramme: Weltmarktanteile Export Ukraine

Abbildung 1

Ein Kurvendiagramm und zwei Tortendiagramme: Globale Weizenexporte

Abbildung 2

Ringdiagramm: Bedeutung der Ukraine für EU-Maisimporte

Abbildung 3

Zwei Ringdiagramme: Bedeutung der Ukraine für EU-Ölsaatenimporte I

Abbildung 4

Zwei Ringdiagramme: Bedeutung der Ukraine für EU-Ölsaatenimporte II

Abbildung 5

Die Handelsströme sind durch die Schließung der ukrainischen Häfen und die Verhinderung des Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer sowie durch die Sanktionen gegenüber Russland weitgehend zum Erliegen gekommen. Der International Grains Council (IGC) schätzt, dass unter normalen Umständen noch bis zu 6 Mio. t Weizen und 13 Mio. t Mais aus der alten Ernte in diesem WJ zur Ausfuhr gekommen wären. Diese unmittelbare, massive Einschränkung des laufenden Handels hat zu extremen Preissprüngen geführt, die entsprechend für die kurzfristigen Liefertermine nochmals stärker ausgefallen sind (Abbildung 6).
Zur Vehemenz der Marktreaktion hat beigetragen, dass die globalen Getreidemärkte schon vor der Eskalation am Schwarzen Meer knapp versorgt waren. Wichtige Faktoren hierfür waren die Hitzewelle im Sommer 2021 in Nordamerika, die das Exportpotential der USA und Kanadas stark eingeschränkt hat, die Dürre in Südamerika, durch die vor allem die brasilianische Maisernte dezimiert wurde, sowie die expansiven Getreideimporte Chinas, die in den letzten beiden Wirtschaftsjahren erhebliche zusätzliche Getreidemengen vom Weltmarkt genommen haben (Abbildung 7).
Insgesamt ist die Verfügbarkeit von Weizen in den wichtigen Exportländern in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, und das trotz global steigender Produktionsmengen (Abbildung 8). Umso schwieriger ist die Unterbrechung der Lieferketten aus der Schwarzmeer-Region zu kompensieren. Dies trifft insbesondere Länder wie Ägypten, Tunesien und die Türkei, die auf diese Weizenlieferungen angewiesen sind (Abbildung 9). Durch die Verschiebungen in den Lieferketten und die sehr hohen Preise für Weizen werden jedoch auch Länder getroffen, die üblicherweise durch andere Lieferanten versorgt werden.
Kurvendiagramm: Weizenpreis EU (MATIF)

Abbildung 6

Säulendiagramm: Getreideimporte China

Abbildung 7

Säulen-/Kurvendiagramm: Weizenproduktion und Exportverfügbarkeit global

Abbildung 8

Tortendiagramm: Anteile Lieferanten an Ägyptens Weizenimport

Abbildung 9

Über die akuten Störungen der Lieferketten hinaus ist die globale Versorgungslage für Agrargüter davon abhängig, dass der Krieg ein schnelles Ende findet. Im besten Fall könnten dann die aus der vergangenen Ernte bestehenden Lagerbestände – verzögert und mit Einschränkungen – auf den Markt kommen und zumindest ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen wieder bewirtschaftet werden. Auch in diesem Fall ist von einer substanziellen Reduktion des Exportpotentials der Ukraine auszugehen. Insbesondere der bestehende Weizenbedarf wird durch zusätzliche Exporte aus Ländern wie Indien, der EU, Australien und Brasilien aber wohl nur zum Teil gedeckt werden können.
Rapsfeld vor blauem Himmel mit Wolken.
Wichtig:
Bei einem Andauern des Krieges bis in den Sommer und darüber hinaus steht eine globale Versorgungslücke zu befürchten, bei der nicht klar ist, auf welche Weise sie gedeckt werden kann. Aufgrund der ebenfalls angespannten Marktlage bei Düngemitteln und Energie muss befürchtet werden, dass die Reaktion des Angebotes, die sonst bei so hohen Preisen zu erwarten wäre, schwächer ausfällt als erhofft. In jedem Fall kann die derzeitige Abhängigkeit von guten Wachstumsbedingungen in den wichtigen Produktionsregionen der nördlichen Hemisphäre nicht stark genug betont werden.

Abbildungen Weltmarkt Ukraine Russland pdf 264 KB

Monatliches Preistelegramm

Spezifikationen und Datenquellen

Getreide und Ölsaaten

Getreide schießt aus einem Mähdrescherrohr. Im Hintergrund zwei Windräder.
Im Marktbereich Getreide und Ölsaaten wird der Netto-Erzeugerpreis in €/dt für konventionelle Ware in Bayern, frei Lager des Erfassungsbetriebs, verwendet. Die enthaltenen Produkte sind B-Weizen, Braugerste, Futtergerste und Körnermais sowie für den Bereich der Ölsaaten die Erzeugerpreise für Raps und Sojabohnen. Datenquelle ist die Marktberichtstelle des Bayerischen Bauernverbandes.

Schlachtvieh

Vielel Schweinehälften hängen an einer Förderkette.
Im Marktbereich Schlachtvieh handelt es sich um den netto Erzeugerpreis für konventionelle und ökologisch erzeugte Ware (gesamt) in €/kg Schlachtgewicht, inklusive der entsprechenden Zu- und Abschläge, frei Eingang Schlachtstätte. Berücksichtigt werden die Auszahlungspreise definierter Handelsklassen für Färsen, Jungbullen und Kühen sowie Mastschweine. Datenquelle ist die am Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte durchgeführte Amtliche Preisfeststellung der preismeldepflichtigen Schlachtbetriebe in Bayern.

Milch

Melken einer Kuh im Melkstand
Im Marktbereich Milch wird der monatliche netto Milchauszahlungspreis in €/100 kg an Erzeuger mit Betriebsstandort in Bayern dargestellt. Die Auszahlungspreise enthalten keine Abschlusszahlungen, Rückvergütungen oder Milchpreisberichtigungen und werden getrennt nach konventioneller und ökologischer Erzeugung ausgewiesen. Datenquelle sind die, durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf Grundlage der Marktordnungswaren-Meldeverordnung erhobenen Daten der Molkereiunternehmen, die durch das IEM ausgewertet werden.

Kontakt
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte
Menzinger Straße 54
80638 München
Tel.: 08161 8640-1333
E-Mail: maerkte@lfl.bayern.de