LfL-Schriftenreihe 4/2016
Praxiserfahrung, Beikrautregulierung und Mulchsaat bei Soja im ökologischen Landbau
Ergebnisse von Exaktversuchen und einer Praxisumfrage

Titelblatt der Publikation

Sojabohnen werden in Bayern erst seit relativ kurzer Zeit in nennenswertem Umfang angebaut. Daher ist das Wissen über den Anbau im Gegensatz zu etablierten Kulturen wie Ackerbohnen und Erbsen gering. Im ökologischen Landbau ist der Anbau von Soja attraktiv, da hohe Marktpreise erzielt werden können und die Pflanze als Leguminose Luftstickstoff sammelt. Der Kornertrag und damit der wirtschaftliche Erfolg hängen insbesondere von einer erfolgreichen mechanischen Beikrautregulierung ab.
Das Ziel des Projekts war die Evaluierung ausgewählter Verfahren der mechanischen Beikrautregulierung und die Prüfung einer Mulchsaat beim Anbau von Sojabohnen.  (41 Seiten)

Erscheinungsdatum: Juni 2016

Die Publikation als PDF pdf 1,2 MB

Die Publikation ist nur online verfügbar.

Zusammenfassung und Ausblick

In dem Projekt wurde die für Bayern relativ neue und unbekannte Kultur Soja im ökologischen Landbau untersucht. Als erster Schwerpunkt wurde die Praxis des ökologischen Pflanzenbaus in Bayern und Österreich in Telefoninterviews erhoben. Die österreichischen Erfahrungen sind durch den langjährigen Anbau von Soja umfangreicher. Dies zeigt sich im kompletten Anbauverfahren. Da in Bayern häufig noch mit der richtigen Technik zur Saat und Beikrautregulierung experimentiert wird, sollten die Erfahrungen aus Österreich aufgegriffen werden.
Um einen möglichst sicheren Ertrag zu erreichen, sollten Sojabohnen im ökologischen Anbau mit weiten Reihenabständen von 40 bis 50 cm gesät werden. Außerdem sollte eine gut durchdachte aber auch flexible Strategie zur Beikrautregulierung angewendet werden. Dazu sollten vier bis fünf Maßnahmen zur Beikrautregulierung eingeplant werden. Diese sollten jedoch gezielt kombiniert werden und beispielsweise je einen Durchgang Blindstriegeln und Striegeln sowie zwei maschinelle Hackdurchgänge umfassen.
Als zweiter Schwerpunkt wurde eine Feldversuchsserie zur mechanischen Beikrautregulierung durchgeführt, da im ökologischen Sojaanbau bei Misslingen der Beikrautbekämpfung von deutlichen Ertragseinbußen auszugehen ist. Sechs verschiedene Regulierungsstrategien (Striegel, Gänsefußscharhacke je solo und in Kombination sowie Gänsefußscharhacke mit den Zusatzwerkzeugen Flachhäufler, Fingerhacke und Torsionshacke) wurden bezüglich Beikrautregulierung und Kornertrag untersucht. Die Hackvarianten wurden in Einzelkornsaat und in einem Reihenabstand von 50 cm etabliert, die Striegelvariante in Drillsaat und in einem Reihenabstand von 12,5 cm. Die Feldversuche wurden an je drei Orten in den Jahren 2011 bis 2014 angelegt.
Weitere Details
Der Beikrautdeckungsgrad in den Hackvarianten war geringer als in der Striegelvariante in den vier Umwelten mit hohem Beikrautdruck. Hier war auch der Kornertrag in den Hackvarianten höher als in der Striegelvariante. Dies ist auf eine längere Zeitspanne der Beikrautbekämpfung bei den Hackvarianten zurückzuführen. Das Zusatzwerkzeug Flachhäufler und die Kombination von Hacke und Striegel erhöhten den Bekämpfungserfolg und den Kornertrag im Vergleich zur Hacke solo. In den anderen Umwelten mit geringerem Beikrautdruck gab es beim Kornertrag keine Unterschiede zwischen den Regulierungsstrategien.
Demnach kann eine Gerätekombination den Erfolg der Beikrautregulierung und damit auch den Kornertrag erhöhen. Dies deckt sich mit den Erfahrungen der österreichischen Betriebsleiter. Ursache ist wahrscheinlich eine größere zeitlichere Flexibilität beim Hackeinsatz im Vergleich zum Striegel solo und eine bessere Regulierung in der Reihe im Vergleich zur Gänsefußscharhacke solo.
Im dritten Schwerpunkt wurde eine Feldversuchsserie zur Mulchsaat von Soja angelegt. Durch Mulchsaat kann die Erosionsgefahr beim Anbau von Soja reduziert werden. Die Feldversuche wurden von 2012 bis 2014 auf einem Standort unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus durchgeführt. In allen drei Jahren wurde Soja in verschiedene abfrierende Zwischenfrüchte mit einer Einzelkornsaat als Mulchsaat ohne bzw. mit einer Saatbettbereitung gesät. In 2012 wurde die Planung aufgrund eines massiven Beikrautdruckes in der vorlaufenden Zwischenfrucht geändert: mit Ausnahme zweier Varianten wurde der Boden vor der Saat ein- oder zweimal bearbeitet. In 2013 wurden zusätzlich zwei Varianten mit überwinternden Zwischenfrüchten zur gleichen Saatzeit und in 2014 vier Wintergetreidearten mit üblichem Saattermin in den Versuch integriert.
In allen drei Jahren war der Beikrautbesatz hoch. In 2014 konnte daher im Versuch nur der Teil mit überwinternden Zwischenfrüchten zur üblichen Saatzeit geerntet werden, in 2012 wurde zusätzlich im Sommer das Beikraut im Reihenzwischenraum mit einer Handfräse bekämpft. Mit erhöhter Intensität der Bodenbearbeitung erzielte Soja einen höheren Kornertrag in allen Jahren. Dies war in 2012 und 2013 v. a. auf einen höheren Beikrautbesatz in den Varianten mit Mulchsaat ohne Saatbettbereitung zurückzuführen. Jedoch lag der Kornertrag auch in den Varianten mit Saatbettbereitung auf einem niedrigen Niveau. Deshalb sind die geprüften abfrierenden Zwischenfrüchte für eine Mulchsaat von Soja im ökologischen Landbau nicht geeignet.
Dagegen erreichten die überwinternden Zwischenfrüchte trotz des hohen Beikrautbesatzes bis Ende Juli eine moderate Beikrautunterdrückung und bis in den Juni hinein eine ausreichende Mulchauflage. Der Kornertrag in den Varianten mit Saatbettbereitung fiel auch hier mit knapp 18 dt/ha besser aus. Daher wird die Mulchsaat von Soja in überwinternde Zwischenfrüchte aus Eigenmitteln der LfL weiter geprüft.

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