Forschungs- und Innovationsprojekt
Moorverträgliche Bewirtschaftungsformen

Moorschutz-Versuchsflächen

Entwicklung moorverträglicher Bewirtschaftungsmaßnahmen für landwirtschaftlichen Moor- und Klimaschutz

Das Projekt "Entwicklung moorverträglicher Bewirtschaftungsmaßnahmen für landwirtschaftlichen Moor- und Klimaschutz" untersucht, wie Klimaschutz durch eine angepasste Nutzung von Moorböden mit angehobenen Grundwasserständen in der Praxis umgesetzt werden kann.

Im 19. Jahrhundert wurden Moore im großen Stil trockengelegt, besiedelt und die Böden landwirtschaftlich genutzt, um die Bevölkerung ernähren zu können. Heute weiß man, dass diese trockengelegten Moorböden durch den Abbau von organischer Substanz erheblich Kohlendioxid (CO2) freisetzen. Wird der Grundwasserstand wieder angehoben, verringert sich die CO2-Emission sofort und es wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
Was sich einfach anhört, stellt die Praxis vor große Herausforderungen. Bereits die Anhebung der Grundwasserstände erfordert vor dem ersten Schritt wasserrechtliche Verfahren. Denn die Anhebung des Grundwasserstands kann auch Auswirkungen auf Nachbargrundstücke haben und damit auf andere Landwirte aber auch auf Hausbesitzer oder die öffentliche Infrastruktur. Diese möglichen Konflikte müssen vorab gelöst werden.
Eine weitere große Herausforderung: Verfahren zur landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden mit erhöhten Wasserständen sind derzeit weder praxisreif noch wirtschaftlich. Deshalb werden im Rahmen des Forschungsprojekts, finanziert aus Mitteln der Bayerischen Klimaoffensive, in den kommenden Jahren praxistaugliche Lösungen erprobt und weiterentwickelt.

Ziel

Ziel des Vorhabens ist es, die wesentlichen Hemmnisse für eine moorverträglichere Nutzung zu lösen und gleichzeitig die Klimaschutzwirkung moorverträglicher Bewirtschaftungsoptionen zu quantifizieren. Schwerpunkte bilden dabei
  • Techniken zur Wasserstandsregelung,
  • Bewirtschaftungsmethoden im Grünland,
  • Anbauverfahren von Paludikulturen (neue Kulturen, die bei sehr nassen Bedingungen gut gedeihen und auf Moorböden natürlich vorkommen wie z.B. Rohrkolben),
  • die Entwicklung von Wertschöpfungsketten für die Ernteprodukte im Bereich der Nachwachsenden Rohstoffe, sowie
  • die Klimawirkung der Verfahren.
Damit Landwirte mit Moor- und Klimaschutz zukünftig Geld verdienen können, entwickelt das Projekt an den zwei wichtigsten Kostentreibern Neues.
Erstens: nasses Grünland soll nicht wie bisher nur zur Einstreu in den Stall taugen, sondern weiterhin als wichtiges Rinderfutter nutzbar bleiben. Voraussetzung hierfür sind flexible und kostengünstige Systeme zur Wiedervernässung.
Zweitens: die Neuanlage von Paludikulturen muss praxisreif und einfach werden. Die Projektergebnisse sollen auch eine Grundlage für ein Förderprogramm zum Moor- und Klimaschutz bilden.

Methode

Wiedervernässung und Wassermanagement

Die Wiedervernässung ist die zentrale Voraussetzung für eine klimafreundliche, zukünftig moorschonende Bewirtschaftung von Moorflächen mit mittelintensiver Grünlandnutzung und Paludikulturen.
Bei Landwirten und in der Bevölkerung ist jedoch eine für den Klimaschutz notwendige Wasserstandsanhebung mit erheblichen Ängsten und Vorbehalten verbunden. Gut funktionierende Drainagesysteme stellen für den Landwirt eine hohe Investition dar und werden nicht ohne weiteres aufgegeben. Daher müssen für Wiedervernässungsmaßnahmen zum Wasserrückhalt drainierter Flächen besondere flexible und kostengünstige Lösungen zur Wasserstandsanhebung und -regelung erarbeitet werden. Nur dadurch können Landwirte für eine Ackerumwandlung und künftige Nassgrünlandbewirtschaftung ihrer Moorflächen gewonnen werden.
Für die Versuchsstation Karolinenfeld werden die Planunterlagen für das notwendige wasserrechtliche Verfahren erarbeitet und dieses eingeleitet. Dabei werden auch potenzielle Konflikte im angrenzenden Randbereich zu den Privateigentümern unter Einbindung von Flächenbesitzern, von Wasser-, Naturschutzbehörden, Wasser- und Bodenverbänden geklärt. Gleiches erfolgt für künftige Partnerbetriebe und den Standort. Die Wiedervernässung der Flächen erfolgt schrittweise.
Auf der Versuchsstation Karolinenfeld sowie weiteren potenziellen Versuchsstandorten (Freisinger Moos, Schwäbisches und Bayerisches Donaumoos sowie Benediktbeuern) und Demobetrieben werden verschiedene wasserbauliche Maßnahmentypen zum Wasserrückhalt pilotweise eingebaut, unter Praxisbedingungen erprobt und ausgewertet. Dabei wird eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten vor Ort (Partnerbetriebe) angestrebt. Ebenfalls werden bewässerte Flächen für die Etablierungsversuche von Paludikulturen in Karolinenfeld eingerichtet.
Aus bereits vorhandenen technischen Leitfäden sowie insbesondere den im Projekt gewonnenen Erfahrungen entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft und der Umweltverwaltung ein Leitfaden zur landwirtschaftlichen Wasserstandsregelung für die Praxis. Dieser Leitfaden macht für die Landwirtschaft und Verfahrensbeteiligte vorhandenes Wissen und Abläufe für künftige wasserrechtliche Genehmigungsverfahren einfach verfügbar und nutzbar.

Moorgrünland mit Futternutzung

Zur erfolgreichen Umwandlung von Ackerland in wiedervernässtes mittelintensiv bewirtschaftetes Moorgrünland werden Mischungsversuche bei natürlichem bzw. versuchstechnisch erzeugtem Wasserstandsregime in Zusammenarbeit des LfL-Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (LfL-IPZ) mit dem LfL-Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (LfL-IAB) angelegt. Untersucht werden die Entwicklung der Pflanzenbestände, Erträge, Futtereigenschaften und der Nährstoffentzüge. Ziel sind Mischungen, welche gegenüber einem feuchten intensiv genutzten Grünlandbestand möglichst geringe Einbußen erreichen. Hauptversuchsstandort ist die Versuchsstation Karolinenfeld mit der dort begonnenen Umwandlung des Ackerstandortes in einen Grünlandstandort.
Für die Umwandlung von Ackerland in mittelintensives Moorgrünland werden Partnerbetriebe akquiriert und bei der Umsetzung begleitet. Aus bereits umgesetzten Maßnahmen, z.B. im Schwäbischen Donaumoos, werden Steckbriefe für die Umwandlung von Acker in extensives bzw. mittelintensives nasses Grünland, Nass-Beweidung und Paludikulturen erstellt. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e.V. (ARGE Donaumoos e.V).
In Karolinenfeld, nach Möglichkeit ergänzt durch weitere Standorte, wird untersucht, wie sich unterschiedliche Wasserregimes bei bereits etablierten Grünlandnarben auf die die Entwicklung der Pflanzenbestände, Erträge, Futtereigenschaften und der Nährstoffentzüge auswirken. Durch die Messung der Treibhausgas-Flüsse mittels Haubentechnik durch die Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) soll die Klimaschutzwirkung von mittelintensiv genutztem Nassgrünland auf Moorstandorten in Vergleich zu intensiv genutztem Grünland bzw. zur Ackernutzung quantifiziert werden.
Landtechnische Optionen für die Praxis zur Bewirtschaftung von wiedervernässtem Moorgrünland mit Futternutzung werden durch das LfL-Institut für Landtechnik und Tierhaltung (LfL-ILT) erarbeitet.
Hierbei werden mittels Technikbewertung neue innovative Geräte bzw. Gerätekombinationen klassifiziert. Durch Tast- und Demoversuche auf nassem Grünland werden Befahrbarkeitsgrenzen getestet.

Praxisreife Paludikulturen

Grundlegende Erfahrungen zur Paludikulturbewirtschaftung sind seit ca. 30 Jahren vorhanden. In allen bisherigen Projekten waren aber eine schwierige Samen- und Jungpflanzenbeschaffung bzw. fehlendes Saatgut, schwierige Keimbedingungen und Anwuchsprobleme sowie die aufwändige Pflanztechnik erhebliche Kostentreiber für die erfolgreiche Etablierung unter Praxisbedingungen. Bis dato fehlen in die Fläche übertragbare sichere Verfahren.
Daher wird die Vermehrung aus Samen und Rhizomen unter Gewächshaus- und Freilandbedingungen erforscht und im Hinblick auf Kosten und Sicherheit des Aufgangs optimiert. So können erfolgreiche Standardverfahren für die Praxis entwickelt werden.
Die Samengewinnung findet auf den bisherigen bayerischen Paludikulturflächen statt. Ziel ist die Erhöhung der Keimfähigkeit, die Erarbeitung kostengünstiger und effizienter Aussaatverfahren bzw. Anzucht von Setzlingen, eine kostengünstige Rhizomgewinnung und -teilung bei schneller Regeneration der Spenderflächen.
Für das Ziel der kostengünstigen Etablierung von Paludikulturen werden unter Federführung der Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) zunächst verschiedene Verfahren in kleinflächigen Tastversuchen unter Einbeziehung der Prüfung geeigneter Techniken und Managementlösungen aus dem Gartenbau, dem Heil- und Gewürzpflanzenbau u.a. in Hinblick auf die Übertragbarkeit auf Paludikulturen getestet. Die Etablierungs-Versuche finden auf der Versuchsstation Karolinenfeld statt. Falls sich im Laufe des Projekts Demobetriebe für den Anbau für Paludikulturen interessieren, werden erfolgreiche Verfahren auf den Praxismaßstab übertragen.
Gerade die Etablierungsphase von Paludikulturen birgt bisher noch nicht erfasste Emissionsrisiken für Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Daher wird versucht, diese Treibhausgase zu kritischen Entwicklungsstadien exemplarisch zu erfassen und mit klassischen Nutzungen zu vergleichen.

Netzwerkentwicklung für zukünftige Marktpartner

Um künftig einen Markt für Paludikulturprodukte zu entwickeln, müssen bisher bestehende Hemmnisse abgebaut werden. Dies sind insbesondere fehlende Spezifikationen der Herstelleranforderungen und mangelnde Kontakte zwischen Erzeugern und Verarbeitern.
Ebenfalls sind neue, regional spezifische, Vermarktungswege für Heu und andere Grasprodukte aus Nassgrünland zu finden.
Basierend auf bestehenden Erfahrungen und Netzwerken zur stofflichen Nutzung von landwirtschaftlicher Biomasse analysiert das Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk (C.A.R.M.E.N. e.V.) Qualitätsparameter, Produktanforderungen und Hemmnisse, entwickelt daraus eine Strategie für die Bildung eines Netzwerkes aus Verarbeitern und Landwirten und setzt diese Strategie um.
Ziel ist, mit der Identifizierung von Absatzmärkten und möglicher Wertschöpfung sowie der Unterstützung beim Aufbau von Anbauer-Abnehmer-Beziehungen eine entscheidende Hürde zu nehmen, damit Landwirte auf eine moorverträgliche Nutzung umstellen.

Fachgrundlagen für ein Förderprogramm

Anhand der im Projekt erhobenen Daten und erzielten Erkenntnisse werden im Dialog mit Politik, Förderung und Praxis Optionen für zukünftige Förderprogramme für moorverträgliche Bewirtschaftungsformen abgeleitet.
Aus der Zusammenarbeit mit Landwirten wird ein Kurzbericht erstellt. Dieser enthält, neben der Nennung von betrieblichen Gründen und Widerständen gegen eine Wasserstandsanhebung, Lösungsvorschläge und Handlungsempfehlungen für die Ackerumwandlung und Wasserstandsanhebung auf den Grünlandflächen.

Dialog mit der Praxis und Wissentransfer

Nur eine aktive Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz kann mögliche Widerstände gegen die notwendige Wasserstandsanhebung vermeiden.
Daher sind Informationen von Bürgermeistern, Verbandsvertretern, Infoveranstaltungen für Landwirte und Bevölkerung auf kommunaler Ebene, Einzelgespräche mit Betroffenen, die Bildung von regionalen Partnerbetriebsnetzwerken, Workshops, Exkursionen und jährliche Feldtage ein wichtiger Teil des Projekts.
Landwirte haben die Gelegenheit, sich aktiv bei der Erarbeitung von Bewirtschaftungsmaßnahmen mit einzubringen.
Über das Projekt wird laufend in Print- und Online-Medien berichtet.

Ergebnisse

Erste Zwischenergebnisse werden Ende 2021 erwartet.

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Annette Freibauer, Dr. Michael Diepolder, LfL-Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz (LfL-IAB)
Projektkoordination: Lennart Gosch (LfL-IAB)
Projektbearbeitung: Bastian Zwack (LfL-IAB), Eva Schmidt (LfL-IAB), David Weiß (LfL-IAB), Johann Pflügler (BaySG), Nicolas Friedl (BaySG), Annika Woortman (LfL-ILT), Martina Schlaipfer (HSWT), Frank Pannemann (HSWT), Lena Jörg (HSWT), Anja Schumann (ARGE Donaumoos e.V.)
Projektpartner: Bayerische Staatsgüter (BaySG), LfL-Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (LfL-IPZ), LfL-Institut für Landtechnik und Tierhaltung (LfL-ILT), Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos e.V. (ARGE Donaumoos e.V.) und Praxisbetriebe in den verschiedenen Untersuchungsgebieten.
Laufzeit: 01.01.2021 bis 31.05.2024
Finanzierung: StMELF - Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: KL/20/05