Milchreporte Bayern

Braunvieh-Kühe im Stall beim Fressen

Das Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt den jährlich erscheinenden "Milchreport Bayern". Er soll für Landwirte und Berater als Informationsquelle dienen und Hilfestellung bei betrieblichen Entscheidungen geben.

Systematische Grundlage der Auswertungen ist die nach DLG-Empfehlungen standardisierte Betriebszweigabrechnung (BZA) Milch. Datengrundlage sind Buchführungsabschlüsse von Betrieben, das Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT) und Ergebnissen des LKV Bayern. Als Software wird seit 2011 das Programm "BZA Office" eingesetzt.

Milchreport Bayern 2018

Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung (BZA) Milchproduktion 2017/18
Das Wirtschaftsjahr 2017/18 war für die Mehrheit der Milcherzeuger insgesamt ein sehr gutes und zufriedenstellendes Jahr.
Milchpreise in Höhe von 42 ct/Kilogramm (brutto, konventionell), unterstützt von guten Nebenerlösen für Zucht- und Nutztiere sowie relativ stabilen Betriebsmittelpreisen verhalfen 2017/18 zu einer Spitzenstellung im mehrjährigen Vergleich. Die Milchviehhalter konnten und mussten dies nutzen, um die Betriebe zu konsolidieren und zu stabilisieren.

2017/18 ein wirtschaftlich gutes Jahr

Erfreuliche Ergebnisse in Stichpunkten für 2017/18:

  • Bei einem Auszahlungspreis von 42,3 ct/kg Milch (brutto, tats. Inhaltsstoffe; Vorjahr 36,0 ct/kg) konnten im Durchschnitt der BZA-Betriebe Unternehmergewinne in Höhe von 2,2 ct/kg erwirtschaftet werden (Vorjahr -3,1 ct/kg).
  • Der Gewinnbeitrag im Betriebszweig Milch (vor kalkulatorischen Faktorkosten, vor entkoppelten Prämien) betrug 17,4 ct/kg bzw. 1.543 €/Kuh (Vorjahr 11,4 ct/kg bzw. 980 €/Kuh).
  • Ausgehend von der Faktorkostendeckung von 124 % (Vorjahr 86 %) belief sich die mittlere Arbeitsentlohnung in den überwiegend als Familienbetrieb organisierten Unternehmen auf rund 23,42 €/Fam.-AKh bei einer gleichzeitigen Kapitalverzinsung von 5,0 % (Vorjahr 15 €/AKh, 3,2 %).

  • Mit der erhöhten Rentabilität verbesserte sich auch die Liquidität der Milchviehhalter. Der Cash Flow I des Betriebszweigs stieg von 17,5 (Vorjahr) auf 23,4 ct/kg. Dabei sind etwaige Tilgungslasten oder nichtlandwirtschaftliche Zahlungsströme in der Unternehmerfamilie (u. a. Privatbereich, Gewerbe) noch nicht berücksichtigt.

Der BZA-Gewinnbeitrag vor entkoppelten Prämien beträgt 2017/18 17,4 ct/kg ECM

Ergebnisse erfreulich, aber nicht auf alle Betriebe übertragbar

Die Gruppe der BZA-Betriebe im 15. Milchreport Bayern übertrifft das bayerische Mittel bezüglich Größe, Management und Professionalität deutlich. Mit mittlerweile über 900.000 kg Milch Jahresproduktion und über 100 ha LF sind die Betriebe des Milchreport Bayern in etwa drei Mal so groß wie der Durchschnitt bayerischer Milchviehbetriebe und mehr als zweieinhalb Mal so groß wie die durchschnittlichen LKV-Betriebe in Bayern (siehe Tabelle).
Tabelle: Vergleich der BZA-Milchviehbetriebe mit dem bayerischen Durchschnitt
  Ø Bayern gesamt 1)Ø Bayern gesamt 1)Ø LKV-Betriebe 2)Ø LKV-Betriebe 2)Ø BZA-Betriebe 3)Ø BZA-Betriebe 3)
  2017
2018201720182016/172017/18
Anzahl Milchviehbetriebe 30.48928.98819.90119.163127124
Anzahl Milchkühe gesamtTsd. Kühe1.1851.1549759611213
HerdengrößeKühe/Betrieb39404950,199102
Milchleistung (erzeugte Milch)kg nat./Kuh 4)6.9667.3027.7018.0158.4088.634
Erzeugte Milch je BetriebTsd. kg nat. 5)271291377402832881
1) Datengrundlage: Statistisches Bundesamt (Novemberzählung), LfL-IEM; teils Werte vorläufig; Inhaltsstoffe für konventionelle Milch
2) Betriebe unter Milchleistungsprüfung des LKV Bayern: Daten aus LKV-Jahresbericht 2016 bzw. MLP 2017
3) BZA-Betriebe mit Betriebsschwerpunkt Milcherzeugung
4) Milch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen
5) abgeleitet aus Gruppenmitteln
Insofern ist die Tatsache, dass im Wirtschaftsjahr 2017/18 im Milchreport die Vollkosten der Milcherzeugung erwirtschaftet werden konnten, zwar erfreulich, aber eben nur für diese Gruppe zutreffend. Den vorherrschenden Betriebstypen in Bayern auch im Haupterwerb mit 30 bis 70 Kühen fällt es deutlich schwerer, die Größeneffekte bei Festkosten und Arbeitsproduktivität zu nutzen und sie weisen grundsätzlich höhere Produktionskosten auf.

Erfolgsunterschiede wieder enorm, wirtschaftliche Lage 2018/19 schwächer

Wie in jedem Jahr belegen die Auswertungen auch im diesjährigen Milchreport die extrem weiten Varianzen betrieblichen Erfolgs – unabhängig von Größe, Milchleistung, Melktechnik oder Futterration. Allein der Blick auf den Gewinnbeitrag je Kuh reicht dazu aus. In jeder Größengruppe steckt mindestens der Faktor 3 zwischen den schwächsten Ergebnissen (500-800 € Gewinn/Kuh) und den besten Ergebnissen (2.000-2.500 € Gewinn/Kuh).
Dass sich die sehr guten Ergebnisse im Zeitraum 2018/19 kaum wiederholen lassen, wurde schnell deutlich. Regional extreme Trockenheit und Futterknappheit für die Milchviehbetriebe teils in zwei Erntejahren hintereinander sowie schwächere Preise für Milch und Rindfleisch sind die Hauptfaktoren. Begleitet werden diese vom verschärften Druck auf dem Flächenmarkt bzw. im Güllemanagement der Betriebe verbunden mit steigenden Baukosten für Stallgebäude und bauliche Anlagen.
Die ausführlichen Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung Milchproduktion 2017/18 sind in einer LfL-Information zusammengefasst. Dieses Werk kann als PDF-Datei abgerufen oder in gedruckter Form bestellt werden.

Ansprechpartner
Dr. Gerhard Dorfner, Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1111
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de