Milchreporte Bayern

Braunvieh-Kühe im Stall beim Fressen

Das Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt den jährlich erscheinenden "Milchreport Bayern". Er soll für Landwirte und Berater als Informationsquelle dienen und Hilfestellung bei betrieblichen Entscheidungen geben.

Systematische Grundlage der Auswertungen ist die nach DLG-Empfehlungen standardisierte Betriebszweigabrechnung (BZA) Milch. Datengrundlage sind Buchführungsabschlüsse von Betrieben, das Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT) und Ergebnissen des LKV Bayern. Als Software wird seit 2011 das Programm "BZA Office" eingesetzt.

Milchreport Bayern 2017

Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung (BZA) Milchproduktion 2016/17
Nach dem extremen Milchpreistief für konventionell erzeugte Milch im Wirtschaftsjahr 2015/16 war 2016/17 ein wirtschaftlich durchschnittliches Jahr. Milchpreise in Höhe von 36 ct/Kilogramm erlaubten den meisten Familienbetrieben, ihre finanzielle Situation zu stabilisieren. Eine Vollkostendeckung mit den veranschlagten Entlohnungen für Arbeit, Fläche und Kapital wurde aber deutlich verfehlt.

2016/17 ein wirtschaftlich durchschnittliches Jahr

Nach den Zahlen im 14. Milchreport Bayern erwirtschafteten BZA-Milchviehhalter Gewinnbeiträge von rund 11 ct/Kilogramm Milch, ihnen fehlten aber rund 3 ct/kg zur Erzielung von Unternehmergewinnen. Dies ist ein Bild, das sich auch in den anderen Bundesländern mit BZA-Auswertungen ähnlich wiederfindet.

Ergebnisse in kompakter Form für 2016/17:

  • Bei einem Auszahlungspreis von 36,0 ct/kg Milch (brutto, tats. Inhaltsstoffe; Vorjahr 32,7 ct/kg) konnte kein Unternehmergewinn erzielt werden. Das Kalkulatorische Betriebszweigergebnis als Kennzahl für den Saldo aus Leistungen und Vollkosten betrug -3,1 ct/kg (Vorjahr -8,6 ct/kg).
  • Der Gewinnbeitrag im Betriebszweig Milch (vor kalkulatorischen Faktorkosten, vor entkoppelten Prämien) betrug 11,4 ct/kg bzw. 980 €/Kuh (Vorjahr 6,8 ct/kg bzw. 584 €/Kuh).
  • Ausgehend von der Faktorkostendeckung von 86 % (Vorjahr 50 %) belief sich die mittlere Arbeitsentlohnung in den überwiegend als Familienbetrieb organisierten Unternehmen auf rund 15 €/Fam.-AKh bei einer gleichzeitigen Kapitalverzinsung von 3,2 %.
  • Mit der erhöhten Rentabilität verbesserte sich auch die Liquidität der Milchviehhalter. Der Cash Flow I des Betriebszweigs stieg von 13,3 (Vorjahr) auf 17,5 ct/kg. Dabei sind etwaige Tilgungslasten oder nichtlandwirtschaftliche Zahlungsströme in der Unternehmerfamilie (u. a. Privatbereich, Gewerbe) noch nicht berücksichtigt.
Wichtig zu wissen: Die BZA-Milchviehbetriebe übertreffen weit das bayerische Mittel bezüglich Größe, Management und Professionalität. Diese Werte dürfen also nicht auf ganz Bayern übertragen werden Mit über 830.000 kg Milch Jahresproduktion und über 100 ha LF sind sie in etwa drei Mal so groß wie der Durchschnitt bayerischer Milchviehbetriebe und mehr als zweieinhalb Mal so groß wie die durchschnittlichen LKV-Betriebe in Bayern (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Vergleich der BZA-Milchviehbetriebe mit dem bayerischen Durchschnitt
Ø Bayern gesamt 1) Ø LKV-Betriebe 2) Ø BZA-Betriebe 3)
Herdengröße Kühe/Betrieb 39 49 99
Milchleistung (erzeugte Milch) kg nat./Kuh 4) 6.973 7.701 8.408
Erzeugte Milch je Betrieb Tsd. kg nat. 5) 271 377 832
1) Datengrundlage: Statistisches Bundesamt (Novemberzählung), LfL-IEM; teils Werte vorläufig
2) Betriebe unter Milchleistungsprüfung des LKV Bayern: Daten aus LKV-Jahresbericht 2016 bzw. MLP 2017
3) BZA-Betriebe mit Betriebsschwerpunkt Milcherzeugung
4) Milch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen
5) abgeleitet aus Gruppenmitteln

Optimierung im Einzelbetrieb bleibt das Gebot der Stunde

Da die positiven Größeneffekte der Betriebe bei den Festkosten und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität von einer großen Anzahl von bayerischen Betrieben nicht genutzt werden können, ist speziell der Abstand zur Vollkostendeckung in der Praxis noch deutlich größer als in den hier vorliegenden Auswertungen des Milchreport Bayern.
Die einzelbetriebliche Analyse und die Suche nach Gewinnpotentialen macht aber in jeder Betriebsgröße Sinn. In der für Bayern prägenden Gruppe mit 40 bis 70 Kühen finden sich Gewinnbeiträge von 4 bis 18 ct/kg Milch bzw. 200 bis 1.500 €/Kuh. Unabhängig vom fortschreitenden Strukturwandel dürfen Betriebsstrategien also nicht allein die Größe im Blick haben, sondern müssen die gegebenen Strukturen und Gegebenheiten optimal ausnutzen.
Für die meisten konventionell wirtschaftenden und vermarktenden Betriebe bleibt die Suche nach Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung – im Rahmen verschärfter gesetzlicher Vorgaben – wohl die zentrale Herausforderung. Eine wachsende Zahl von Betrieben wird sich hingegen stärker darauf konzentrieren, Nischenmärkte zu bedienen, die sich in einer kaufkräftigen Gesellschaft immer wieder öffnen werden. Die gute Entwicklung im Ökomilchmarkt und ist ein Indiz dafür. Dabei kann Ökomilch bei entsprechender Vermarktungssicherheit und passenden betrieblichen Voraussetzungen wirtschaftlich sehr interessant sein.

2017/18 mit positivem Ergebnis – 2018/19 mit Unsicherheiten behaftet

Wie wichtig eine zunehmend mehrjährige Betrachtung des Sektors und damit auch der Betriebe ist, zeigen die Jahre 2015 bis 2018. In dieser Zeit vollzog sich auf der konventionellen Schiene eine deutliche Verbesserung bzw. Stabilisierung der Marktgegebenheiten. Das Wirtschaftsjahr 2017/18 wird voraussichtlich sehr gute wirtschaftliche Kennzahlen mit sich bringen, nachdem noch in 2015/16 die Sicherung der Liquidität oberstes Gebot war. 2018/19 wird hingegen zumindest regional stark von der großen Trockenheit geprägt sein und neue Belastungen mit sich bringen.
Die ausführlichen Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung Milchproduktion 2016/17 sind in einer LfL-Information zusammengefasst. Dieses Werk kann als PDF-Datei abgerufen oder in gedruckter Form bestellt werden.

Ansprechpartner
Dr. Gerhard Dorfner, Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 089 17800-111
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de